Marlene mit Johann, Marie, Adam und Merlin
Es ist herzzerreißend...

Es sind einfach verrückte Zeiten. Deshalb kommt dieses Porträt jetzt deutlich später, als es geplant war. Mit Marlene bin ich nämlich schon seit Monaten im Gespräch, ihre Geschichte ist so spannend, dass ich sie immer schon hier erzählen wollte.
Dann kam eine große Elternzeit-Reise dazwischen – und Corona. Diese Reise wurde genau deshalb verlängert, auf der Rückreise wurde dann eines der Kinder krank. Und schlussendlich sogar positiv auf Covid 19 getestet. Die gesamte Familie – Marlenes Mann, die beiden kleinen Kinder und Marlenes große Kinder aus erster Ehe – musste daraufhin ganze vier Wochen in Quarantäne. Irgendwann war das vorüber und unserem Shooting stand auch aus virologischer Hinsicht nichts mehr im Wege. So ist nun endlich der richtige Zeitpunkt gekommen, Marlene hier vorzustellen! Sie ist so eine herzliche, tolle und interessante Frau. Mit dabei auch: LILLYDOO. Unser liebstes, flexibles Windel-Abo mit den schlichtweg allerbesten und schönsten Windeln. Das hat die Familie in der Zeit der Isolation auch gut unterstützt – aber nicht nur dann natürlich.

Liebe Marlene, wie fühlt es sich jetzt an, wieder aus dem Haus zu dürfen?

Zuerst total surreal. Den ersten Menschen, denen wir auf der Straße begegnet sind, konnte ich erst gar nicht in die Augen blicken, ich kam mir vor wie ein Fremdkörper. Wie wenn man eine Ewigkeit nicht mehr feiern war und sich plötzlich unter den anderen Partygästen wie ein Außenseiter vorkommt, weil man das Gefühl hat, nicht mehr dazu zu gehören. Inzwischen geht’s aber wieder und es fühlt sich großartig an, draußen zu sein!

Du hast dich ganz schön geärgert darüber, dass quasi alle behaupten, sie seien in „Quarantäne“, denn die richtige Quarantäne ist noch mal eine andere Nummer, oder? Wie habt ihr diese Zeit durchgestanden?

In der Tat ist mir das auch erst so richtig aufgefallen, als wir selbst in Quarantäne steckten. Überall werden Quarantänewitze gemacht und ich muss gestehen, ich habe zuvor auch mitgelacht. Wenn man dann aber selbst betroffen ist, hört der Spaß auf. Wir waren zu sechst ganze 31 Tage in Quarantäne! Und zwar so richtig, wir durften das Haus überhaupt nicht verlassen. Das macht etwas mit einem und verändert dich. Um nicht depressiv zu werden, haben wir beschlossen, den Spieß umzudrehen und einen Quarantänecountdown gebastelt. So haben wir die Tage rückwärts gezählt und wurden von Tag zu Tag euphorischer, je näher wir unserer „Freiheit“ kamen.

Es war praktisch, dass die LILLYDOO-Windeln geliefert wurden, oder? Was schätzt du sonst noch an LILLYDOO?

Ja, wir haben uns natürlich in dieser Zeit alles liefern lassen und speziell das flexible Windel-Abo ist sooo praktisch! Vor allem, wenn man gleich zwei Wickelkinder hat, so wie wir. Wenn wir uns in den Jahren, in denen wir schon Lillydoo-Kunde sind, mal mit einer Frage an den Kundenservice gewandt haben, wurden wir immer super freundlich und kompetent beraten, das schätze ich ganz besonders. Aber auch die Produkte haben mich bisher immer überzeugt. Außerdem: Wo gibt es schönere Windeln!? Und die Boxen sind bei uns auch immer sehr lange als Spielgerät und Bastelmaterial im Einsatz – wie man sieht…!

Du hast zwei Kinder aus erster Ehe, die seit der Trennung überwiegend bei ihrem Vater in Dänemark leben. Ich weiß, dass das für dich ein sensibles Thema ist, würdest du uns trotzdem kurz erzählen, wie das damals gelaufen ist?

Ja, es ist nach wie vor ein sensibles Thema, denn unsere Situation ist sehr komplex und nur schwer von außen zu verstehen. Als ich mich 2015 von meinem damaligen Mann trennte, wohnte ich noch mit meiner Familie in Kopenhagen. Für mich war schnell klar, dass ich wieder zurück nach Deutschland zu Familie und Freunden gehen wollte – natürlich zusammen mit meinen Kindern. Und obwohl ich mich all die Jahre zuvor ausschließlich meiner Familie gewidmet hatte, sogar mit meinem Mann nach Dänemark gezogen bin, um ihm dabei zu helfen, seine Karriere zu pushen, zogen wir in den schlimmsten Rosenkrieg, den man sich vorstellen kann.

Long story short: Wir waren zwei Mal vor Gericht, um das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu klären. Ich hatte eine Familienanwältin, die darauf bedacht war, das beste Ergebnis für die Kinder zu erzielen. Der andere Anwalt war ein eiskalter Profi für Wirtschaftsrecht – und so ist der Prozess am Ende nicht zu meinen Gunsten ausgegangen. Ich bin irgendwie froh, dass ich heute noch in den Spiegel sehen kann, ich habe mir nichts vorzuwerfen, habe niemanden geblendet. Aber meine Aufrichtigkeit hat mir am Ende nichts gebracht, denn hier sitzen wir nun – und meine zwei großen Kinder sind nur zu Besuch.

Wie organisiert ihr euch jetzt, wie oft sind die Kinder bei dir – und wie kommen sie hin- und her, gerade jetzt in Zeiten von Corona?

Von August bis Dezember 2017 konnte ich die Kinder nur ein einziges Mal sehen und war auf die Hilfe des dänischen Jugendamtes angewiesen, um einen Plan auszuarbeiten, der mir ein Umgangsrecht sicherstellte. Dieser ist mittlerweile auch juristisch in Stein gemeißelt und zum Glück seit zwei Jahren verpflichtend. Das bringt sehr viel Ruhe rein. Laut Plan kommen die Kinder einmal im Monat für ein Wochenende zu uns nach Berlin, plus 7 Wochen in den Schulferien, die immer im Wechsel stattfinden. Wenn man das aufs ganze Jahr hochrechnet, sind es immerhin über hundert gemeinsame Tage, was aber für mein Mutterherz immer noch viel zu wenig ist. Normalerweise fliegen die beiden zwischen Kopenhagen und Berlin, weil dies die schnellste Verbindung ist – uns bleibt an einem Wochenende ja nicht viel Zeit. Hier werden im Übrigen die Transportkosten 50/50 zwischen den Eltern aufgeteilt. Das ist in Dänemark Gang und Gäbe. Momentan fallen die Flüge, wie so viele andere auch, aufgrund der Pandemie aus, das heißt wir machen die Strecke mit dem Auto und treffen uns am Fähranleger, mal in Rostock auf deutscher, mal in Gedser auf dänischer Seite.

Wie war das nach der Trennung allein in Berlin – und wie hast du deinen jetzigen Mann kennengelernt?

Die erste Zeit ohne meine Kinder in Berlin war hart! Das Schlimmste war, Mama zu sein, ohne Kinder zu haben. Denn gefühlt hatte ich sie verloren. Auch heute noch, denn unsere Zeit ist limitiert und unsere gemeinsamen Tage zu kurz. Ich erlebe nie einen stinknormalen Alltag, weil wir immer im Ausnahmezustand sind. Das ist sau anstrengend und der Alltag fehlt mir sehr. Manchmal, wenn wir uns eine längere Zeit nicht gesehen haben, sind wir uns am Anfang erstmal wieder fremd und es braucht ein bisschen, ehe wir wieder „normal“ miteinander sind. Es zerreißt mir das Herz, das jetzt zu sagen, aber manchmal fühlt es sich nicht wie eine Mutter-Kindbeziehung an, sondern eher wie eine Tante-Kindbeziehung. Schrecklich! Da schießen mir auch sofort wieder die Tränen in die Augen.
Mein jetziger Mann, den ich auf einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden kenngelernt habe,  hat in der schlimmsten Zeit viel aufgefangen und mich unterstützt, mit mir Seite an Seite gekämpft, und versucht, die Kinder nach Deutschland zu holen. Er war und ist mit vollem Herz dabei – von Anfang an. Und wir sind so froh, dass wir in Berlin nicht kinderlos geblieben sind. Auch wenn die zwei kleinen Geschwister kein Ersatz für die Großen sind, haben sie mein gebrochenes Herz doch ein bisschen geflickt. Die Narben bleiben ein Leben lang. Aber jetzt kann ich wenigstens wieder Mama sein, jeden Tag.

Wie erlebst du jetzt die „zweite Runde“? Was ist anders? Fühlst du dich anders?

Ja, es fühlt sich wirklich anders an, denn wenn ich z.B. mit den zwei Kleinen auf einem Spielplatz bin, sieht man mich als ganz gewöhnliche Mutter. Mit Mitte dreißig zwei Kinder zu haben ist heutzutage Standard. Mit Johann und Marie war ich immer eine junge Mutter. Ich war gerade erst 25 Jahre alt, als ich Mutter wurde und 27, als ich mein zweites Kind zur Welt brachte. Das ist heutzutage sehr selten. Man sieht einer Frau eben nicht unbedingt an, wie viele Kinder sie schon geboren hat, oder ob sie überhaupt schon Mutter ist. Denn: Wie sieht eine Mutter schon aus? Oder was kennzeichnet sie? Richtig, da gibt es nichts Spezifisches. Ich kann es generell nicht leiden, abgestempelt zu werden oder in irgendeine Schublade gepackt zu werden. Wir Frauen sind doch so viel mehr. Es ist schön, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, ohne eine andere komplett ablegen zu müssen. Als ich mit Adam, meinem dritten Kind, schwanger war und alleine über Babyflohmärkte streifte, nervten mich die Mütter, die mir sagen wollten, was ich alles für mein Baby brauchen würde. Da hätte ich am liebsten ein Shirt mit der Aufschrift „Nummer 3“ getragen, haha! Im Großen und Ganzen kann ich aber sagen, dass ich eine noch selbstbewusstere Mutter bin, als noch vor fünf Jahren. Ich finde Mutterwerden prägt einen so sehr. Ich bin unendlich dankbar, dass ich mit meinen Aufgaben wachsen durfte. Eine wundervolle Lebenserfahrung.

Ihr habt eine große Elternzeit-Reise gemacht, war das ein lang gehegter Wunsch von dir?

Ja, ich reise gerne – das war schon meine dritte längere Elternzeit-Reise. Wir haben lange gespart und unsere Thailandreise weit im Voraus geplant. Manchmal bin ich etwas neidisch auf hübsch eingerichtete Wohnungen, wo alles durchgestylt ist. Das hätte ich auch gerne. Aber mit nur einem Einkommen müssen wir Prioritäten setzen und unsere liegen ganz klar darauf, die Welt zu entdecken. Das würde ich auch immer wieder so machen und kann es nur jedem, der gerne reist, ans Herz legen. Ich denke, viele Eltern trauen sich das nicht, weil sie Angst haben. Meine Erfahrung aber ist, dass Kinder und Babys weitaus anpassungsfähiger, flexibler und robuster sind, als wir meinen. Für Kinder ist es auf Reisen viel wichtiger, dass sie geliebt und geborgen sind und nicht, wie gut das Reisebettchen, der Reisebuggy oder das gewohnte Gläschen Möhrenbrei ist. Die Elternzeit für Reisen zu nutzen macht so viel Sinn und ist eine Bereicherung für die ganze Familie.

Ihr habt dann sogar spontan beschlossen zu verlängern, als die Krise schon am Laufen war. War das trotz oder wegen Corona?

Wahrscheinlich beides, denn als wir die Möglichkeit bekamen, aufgrund der Pandemie unseren Flug kostenlos umzubuchen, haben wir nicht lange gezögert. Durch die Medien bekamen wir mit, dass in Deutschland schon eine Kontaktsperre verhängt wurde und wie verrückt alles ablief. In Thailand hingegen konnten wir uns noch frei bewegen und auf den kleinen Inseln gab es keine Fälle. So haben wir unsere Reise um zwei Wochen verlängert und jede Sekunde davon genossen. In Thailand ging man auch sehr gut mit der Situation um, finde ich. Es bestand keine Maskenpflicht und dennoch hatte jeder schon seit Wochen konsequent eine Maske getragen. An allen Eingängen, sei es am Supermarkt, Shoppingcenter, oder am Pier beim Betreten einer Insel, wurde Fieber gemessen und die Hände desinfiziert. Prävention wird groß geschrieben!

Und dann hat es euch trotzdem erwischt. Bereust du eure Entscheidung heute?

Das stimmt. Merlin wurde eine Woche später, nachdem wir aus Thailand zurück waren, positiv auf Covid-19 getestet. Aber auch nur, weil ich mit ihm wegen einer anderen Geschichte, nämlich einer bakteriellen Infektion, ins Krankenhaus musste. Wir hätten sonst niemals mitgekriegt, dass er mit dem Virus infiziert ist, denn er hatte keinerlei Symptome. Die Ansteckung kann frühestens im Flieger nach Hause erfolgt sein, oder hier in Berlin, wo noch so gut wie keiner eine Maske trug. Wir bereuen unsere Entscheidung überhaupt nicht, ganz im Gegenteil: Wir sind total froh, dass wir dem Wahnsinn für weitere zwei Wochen entfliehen konnten. Ich bin mir außerdem sicher, dass wir unsere lange Quarantäne ohne unsere lange Thailandreise nicht so gut gemeistert hätten. Unsere Speicher waren vollgetankt mit positiver Energie.

Normalerweise kommt diese Frage am Anfang, aber ich stelle sie jetzt trotzdem noch: Wo kommst du eigentlich ursprünglich her und was ist dein beruflicher Hintergrund?

Ich bin in Rheinland-Pfalz geboren und im hohen Norden in der Nähe von Flensburg aufgewachsen. Das Dorf aus dem ich komme heißt Gunneby und der Name ist Programm. Aufgewachsen zwischen Wiesen, Feldern und Wildgänsen, direkt an dem Ostsee-Meeresarm der Schlei bin ich, zumindest bis zur Hälfte meines bisherigen Lebens, ein echtes Landei. Kurz vor meinem 18. Geburtstag zog ich in die weite Welt, was damals Hamburg für mich war. Seitdem wohne ich nur noch in (Groß-)Städten, ein nature lover bin ich trotzdem geblieben und das Meer vermisse ich regelmäßig. In Hamburg schloss ich mein Fachabi in Sozialpädagogik ab und dachte für einige Jahre, dass ich auch irgendwann mal in diesem Bereich arbeiten werde.

Als ich dann in meiner ersten Schwangerschaft meine damalige Geburtshaus-Hebamme kennenlernte, wuchs das Interesse für diesen Beruf und nach der Geburt war es wie Schicksalsgebung. Ich wusste auf einmal so deutlich, wie nie zuvor in meinem Leben, wohin ich gehörte. Seitdem sind schon knapp zehn Jahre vergangen, in denen ich nun vier Kinder auf die Welt gebracht habe und meinen großen Wunsch, Hebamme zu werden nicht aus den Augen verloren habe. Viele Freundinnen haben meinen inzwischen doch recht großen Erfahrungsschatz rund um die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sehr wertgeschätzt und ich kann es kaum erwarten, offiziell als Hebamme Familien zu begleiten. Bis dahin ist aber noch ein langer Weg, denn mir fehlt noch die notwendige Ausbildung. Ich habe mich an der Charité beworben, bald habe ich dort ein Gespräch – und nun hoffe ich, dass das klappt und ich ganz bald meinem großen Wunsch einen Schritt näher bin.

Hast du dir immer viele Kinder gewünscht?

Ich bin selbst mit vier Geschwistern aufgewachsen und wollte immer mindestens zwei Kinder haben. Als Adam auf die Welt kam, dachte ich, dass mein Glück nun vollkommen sei, wurde dann aber sieben Monate später eines Besseren belehrt haha. Auch wenn das nie geplant war mit vier Kindern, sind wir alle sooo froh, dass Merlin kurze Zeit später in unsere Familie kam! Nun sind wir komplett. Auch für Adam, der ja sonst die meiste Zeit alleine aufgewachsen wär, ist es schöner mit seinem unechten Zwillingsbruder. Auch wenn die erste Zeit mit so einem kurzen Altersabstand natürlich sehr intensiv war.

Wie ist das so, wenn alle vier zusammen sind?

Das ist total schön! Alle Kinder sind viel entspannter, wenn sie zu viert sind, denn sie haben mehr Spielmöglichkeiten, weil mehr Spielkameraden da sind. Ich bin das bunte Treiben durch meine eigene Kindheit mit vielen Geschwistern gewohnt, deshalb nehme ich das mehr als Gewinn, als Belastung wahr.

Und wenn dann nur zwei da sind – ist das einfacher?

Eigentlich nicht, denn die zwei Großen nehmen mir durch ihr natürliches Spielen mit den Kleinen auch vieles ab. Es ist ein Win-Win für uns alle, wenn wir als Familie komplett sind. Wenn die Großen abreisen, ist’s immer schrecklich langweilig und still und die Kleinen suchen die Großen dann überall in der Wohnung. Es ist herzzerreißend!

Was ist das Nervigste am Kinderhaben?

Klamotten ein-und auszusortieren! Bei vier Kindern macht man das gefühlt ständig!

Und was ist das Schönste?

Die bedingungslose Liebe von Kindern ist das Schönste und Wertvollste, was sie einem schenken. Dies gilt stets zu beschützen und sie darf niemals missbraucht werden.

Danke, Marlene!

Marlene mit Johann (9), Marie (7), Adam (2) und Merlin (15 Monate), Mai 2020.

Fotos: Anne Freitag
Interview: Isabel Robles Salgado

Dieses Porträt entstand zusammen mit Lillydoo, einer Firma, der wir seit vielen Jahren vertrauen. Mehr über das Lillydoo-Windelabo und die verschiedenen Produkte könnt ihr hier erfahren.