Nici Zinell mit Sam, Zizou, Zoë und Zavi

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Ich denke immer nur: vier Kinder! Wie schafft man das denn? Und Nici Zinell führt nebenbei auch noch das Lieblingslabel Noé&Zoë – und zwar mittlerweile alleine. Ihr ältester Sohn wohnt bereits nicht mehr zuhause, dennoch bedarf es einer guten Portion Kraft und Management, alles unter einen Hut zu bekommen, oder? Wie es sich als Karriere-Mama in Berlin lebt, wie sie sich über die Jahre organisiert hat – erst als Alleinerziehende, dann mit Großfamilie – und woher der Hang zum Z kommt, das erzählt Nici im Interview.

Liebe Nici! Vier Kinder, oh wow. Hast du schon immer eine große Familie gewollt?

Ja, ich wollte als Kind schon immer mehr Geschwister haben – ich habe einen älteren Bruder – und als Teenager hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich entweder drei oder fünf Kinder will. Jetzt sind es vier geworden, und das ist wunderbar. Meine Eltern haben beide viele Geschwister und ich habe meine Ferien immer mit meinen Cousins und Cousinen in Österreich verbracht und fand es besonders, Teil einer großen Familie zu sein. Auch mein Mann kommt aus einer großen Familie und so war für uns immer klar, dass wir auf jeden fall mehrere Kinder haben wollen.

Dein Sohn aus erster Ehe ist ja schon ein richtiger junger Mann. Wie ist es für ihn mit den jüngeren Geschwistern?

Er ist der tollste große Bruder, den man sich wünschen kann. Er hatte von Anfang an eine tolle Beziehung  zu seinen kleinen Geschwistern. Sie haben alle ein sehr inniges Verhältnis und da Sam ja nicht mehr zuhause wohnt, freuen sie sich immer riesig aufeinander.

Du hast dann ja eine ganze Weile das Modell “Patchwork-Familie” gelebt – wie hat das geklappt?

Anfangs war es nicht immer ganz einfach, aber mein Mann hat Sam kennengelernt, als er knapp sechs Jahre alt war. Wir hatten also viel Zeit, zusammenzuwachsen. Ich habe es immer als große Bereicherung empfunden und ich glaube unsere Familie ist sehr glücklich so.

Woher kommt der Hang zum Z?

Mein Nachname ist Zinell und es war immer klar, dass unsere Kinder auch so heißen würden. Uns gefiel der Name Zizou beiden total gut, und dann fanden es auch noch schön, dass die Initialen ZZ ergeben. Außerdem hatten wir uns schon lange bevor wir Kinder bekommen haben dazu entschlossen, dass wir Zoë als Mädchennamen super schön finden. Und bei Zavi haben wir dann tatsächlich nach einem schönen Jungsnamen mit “Z” gesucht, das war dann etwas schwieriger, aber als mein Mann den Namen in einem Roman entdeckt hat, waren wir uns schnell einig.

Du hast fast immer gearbeitet, erst als Kostümbildnerin, dann hast du (damals gemeinsam mit Nadine Richter) Noé&Zoë gegründet. Wie hast du das organisiert?

Mein Mann hat mich immer unterstützt und bestärkt. Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Da wir beide selbstständig sind, brauchen wir flexible Kinderbetreuung. Zum Glück haben wir genug Platz, um ein Au Pair bei uns aufzunehmen. Wir finden es schön, jemanden bei uns zu haben, der auch Teil der Familie ist. Ich kenne viele Familien, die es sich nicht vorstellen können, ein Au Pair aufzunehmen, aber für uns hat es bisher immer super funktioniert.

Findest du, dass man Kinder und Karriere generell gut vereinbaren kann hier in Deutschland?

Ich finde schon. Es gibt bestimmt Länder, die bessere Strukturen für die Kinderbetreuung bieten, aber grundsätzlich denke ich, liegt es auch immer an einem selber, wie gut man sich organisiert. ich habe in verschiedenen Städten gelebt, in Wien, Köln, und Düsseldorf, und immer eine Betreuungsmöglichkeit gefunden, egal ob alleinerziehend oder als Paar. Hier in Berlin ist es sicher leichter, einen Kitaplatz für Kinder unter 3 Jahren zu bekommen als in anderen deutschen Städten, aber trotzdem glaube ich, dass es vor allem an einem selbst liegt, Kinderbetreuung zu finden, man muss manchmal eben kreativ sein!

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei euch aus?

Morgens geht es natürlich immer recht turbulent zu. Wir frühstücken gemeinsam und besprechen was den Tag über ansteht, wer muss wohin, wer ist mit wem verabredet, was muss eingekauft werden… Zizou und Zoë gehen alleine in die Schule, so bleibt oft noch Zeit, mit Zavi länger zu frühstücken – er kommt noch in den Genuss, morgens auch mal länger zu schlafen! Die beiden Großen kommen entweder gegen 16:00 nach Hause, oder gehen noch zu Sport, Musik oder Freunden. Gegen 18:30 gibt es Abendessen – auch da sind wir alle zusammen. Gemeinsames essen ist für uns sehr wichtig, da wir unter der Woche wenig Familienzeit haben. Abends lesen und kuscheln wir mit den Kindern, und manchmal schlafen wir dabei auch ein…

Eure Wohnung ist so eine richtig schöne Familienwohnung. Ich finde man sieht deinen guten Geschmack! Von was lässt du dich inspirieren?

Vielen Dank! Ich kaufe gerne Einrichtungs- und Dekorationsbücher und schaue viel auf Pinterest. Meine größte Inspiration sind Reisen. Unsere Wohnung hat sich über die vielen Jahren immer wieder verändert und weiterentwickelt. Ich kombiniere gerne Fundstücke vom Flohmarkt mit alten Familien-Erbstücken und modernen, neuen Möbeln. Bei uns sieht es eigentlich immer wieder anders aus, wir stellen gerne was um, streichen die Zimmer in anderen Farben oder bauen z.B. eine neue Garderobe.
Die Kinderzimmer sind natürlich auch mit den Kindern gewachsen und haben sich schon unzählige Male verändert. Als wir eingezogen sind, gab es ja nur Sam und Zizou, so hatte jeder ein Zimmer. Dann kam Zoë und schließlich noch Zavi. Dann ist Sam aber ausgezogen und Zizou kam in die Schule und bekam ein eigenes Zimmer – ein Zeitlang haben sich dann Zoë und Zavi ein Zimmer geteilt, jetzt ist Zavi wieder zu Zizou gezogen… Es ist also ein bisschen wie die Reise nach Jerusalem, aber wir haben viel Spaß dabei und die Zimmer passen sich den Bedürfnissen der Kinder an, die ändern sich so schnell, das ist schon verrückt. Aber es macht mir viel Spaß, die Zimmer immer wieder neu zu gestalten und inzwischen bringen sich die Kinder ja auch selber ein und haben klare Vorstellungen, was sie wollen.

Wann hast du Zeit für dich und wie nutzt du sie?

Ich versuche mir Freiräume zu schaffen, aber Zeit für mich gibt es sehr wenig. Wenn, dann treffe ich mich am liebsten mit Freunden, gehe auf Konzerte, in Museen oder auf Vernissagen. Immer öfter schaffe ich es auch endlich wieder, ganze Bücher am Stück zu lesen!

Und wie schaffen dein Mann und du sich Freiräume?

Wir verabreden uns ganz gezielt und gehen alleine essen oder unternehmen wieder öfter was zusammen. Wenn es ganz gut läuft, fahren wir ein Wochenende ohne Kinder weg…

Was ist das Nervigste am Mama-sein? 

Mich nervt es, wenn ich manche Dinge unendlich oft wiederholen muss – das nervt schließlich alle Beteiligten!

Und was ist das Schönste?

Meine Kinder!

 

Nici Zinell mit Sam (23), Zizou (9), Zoë (7) und Zavi (4), September 2014

Interview: Isabel Robles Salgado

Fotos: Lina Grün