Esther Bauer mit Ella und Martha

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Die sympathische Esther kennen wir, seit wir mit Little Years aktiv sind. Mit ihrem offenen Lachen, wussten wir ziemlich schnell, wer das ist: Zusammen mit Claudia Steigleder und Anja Ihlenfeld ist sie Herausgeberin des Eltern-Stadtmagazins Himbeer, von dem wir schon seit seiner Entstehung große Fans sind. Und zu der netten Halb-Französin gehört natürlich auch eine tolle Familie! Wir haben Esther in ihrer Prenzlauerberg Altbau-Wohnung besucht und sie zu ihrem Familienleben befragt.

Gibt es bei dir eine aktive französische Seite und wenn ja, gibst du davon etwas an deine Kinder weiter?

Meine Mama, die Französin ist, hat acht Geschwister, aus dem Grund habe ich rund 20 Cousins und Cousinen. Natürlich haben die mittlerweile auch Kinder… Unsere französische Sippschaft besteht also aus ungefähr 50 Menschen. Ab und an kommen alle zusammen, es wird gefeiert, getrunken und gesungen. Da bleibt kein Auge trocken. So richtig französisch eben.
Das bekommen meine Kinder natürlich mit und ich glaube, es gefällt ihnen! Frankreich ist unser liebstes Reiseland und mit ihrer Großmutter singen sie auch mal französische Lieder. Das bedeutendste Französische im Leben meiner Kinder ist aber sicher das Essen. Ella und Martha waren noch im Krabbelalter, da haben sie schon stinkenden Camembert verspeist und Tarte aux framboises (Himbeertarte) gehört heute noch zu ihren Leibspeisen. Sowas bekommt man einfach in die Wiege gelegt. Das Tolle ist, dass meine Mama ganz viel mit den Kindern kocht und ihnen zeigt, wie leicht eine Mayonnaise selber zubereitet ist und eine selbst gemachte Quiche immer besser schmeckt, als eine gekaufte. Dass bei uns ziemlich oft französische Chansonmusik läuft, wird wohl auch gewisse Spuren hinterlassen …

Wie kamst du zum Himbeer-Magazin? Was hast du vorher gemacht?

Ich bin die klassische Quereinsteigerin. Ich habe lange bei einem französischen Reiseveranstalter gearbeitet, dann in der Musikbranche. Hier habe ich PR für Bands und Künstler gemacht, bevor dann meine Tochter Ella 2003 auf die Welt kam. Mit Kind passte es nicht mehr in der Musikbranche zu arbeiten, sodass ich dann nach neuen Perspektiven gesucht habe. Claudia ist eine alte Freundin von mir aus Düsseldorf, sie hatte zusammen mit Anja die Idee für HIMBEER. Sie brauchten noch jemanden der verkaufen kann, und da kam ich gerade recht… Ich war begeistert von dem tollen Magazin und wollte unbedingt dabei sein.
Zu Beginn war es eher als ein Projekt gedacht und wir hatten die naive Vorstellung, dass wir nebenbei noch andere Dinge tun können. Das hat sich aber recht schnell an Schnapsidee entpuppt.
Anja hat vier Kinder, Claudia und ich jeweils zwei. Für die wollen wir auch noch Zeit haben. So haben wir uns den Job geschaffen, der zu unseren Lebensumständen passt.

Was macht dein Mann? Wie habt ihr euch die Sorge um die Kinder aufgeteilt, besonders als sie noch im Kleinkindalter waren?

Mein Mann ist Filmproduzent. Und hat von Anfang an den größeren finanziellen Part für den Lebensunterhalt beigesteuert. So leben wir eigentlich eine klassische Rollenverteilung. Ich habe jeweils das erste  Jahr mit den Kindern nicht gearbeitet, mit Kitabeginn dann Teilzeit. Meine Arbeitszeit ist meistens von 9-15.30 Uhr. Dann hole ich die Kinder ab und verbringe den Nachmittag mit ihnen. Da Christoph, mein Mann aber selbstständig ist, geht es auch mal, dass er die Kinder abholt oder wir uns abwechseln, wenn jemand krank ist. Denn mittlerweile ist unsere Firma HIMBEER Verlag natürlich ein ernstzunehmendes Unternehmen. Und auch wir haben Termine, die nicht einfach zu verschieben sind. Somit ist es toll, dass hier Flexibilität von seiner Seite aus besteht.

Auf den ersten Blick seid ihr wirklich eine Bilderbuch-Familie. Gab es Krisen? Und wenn ja, wie habt ihr die gemeistert?

Wirkliche Krisen gab es zum Glück nicht. Aber natürlich haben auch wir Diskussionen darüber geführt, wer den wichtigeren Jobtermin hat. Und wer beim kranken Kind bleibt. Ich habe Christoph beim Aufbau seiner Firma den Rücken frei gehalten und habe mich total gerne um die Kinder während der Babyzeit gekümmert. Er hat es immer unterstützt, dass auch ich mir eine eigene Existenz aufbauen kann, und er findet es super, was wir mit HIMBEER auf die Beine gestellt haben. Dieser gegenseitige Respekt für den Aufbau einer Firma schafft eine gute Beziehungsbasis.

Es dauert nicht mehr lange und die Mädchen sind in der Pubertät. Welches Alter fandest du bis jetzt am Schönsten?

Wenn ich mir die Babyfotos anschaue, scheint es mir eine Ewigkeit her zu sein. Und doch fand ich diese Zeit natürlich auch wahnsinnig schön. Aber ich bin noch lieber eine Mama von älteren Kindern. Ich finde es toll gemeinsame Filme und Theaterstücke zu sehen, die auch mir Spaß machen. Ich mag es die Beiden mit ihren Freundinnen stundenlang Geheimnisse austauschen zu sehen. Und dass unser Festnetz manchmal stundenlang blockiert ist, da bin ich gefühlt noch viel näher dran. Und jetzt geht auch der Trubel mit Jungs so langsam los. Das ist doch total aufregend. Ohje, da habe ich auch ein bisschen tränenreiche Erinnerungen dran. Aber ich werde versuchen, sie immer ernst zu nehmen. Mal sehen, ob es klappt.

Wie lautet das Rezept für diesen unglaublich leckeren Sommerquark, den du für uns beim Shooting gemacht hast?

Zutaten:

1 grosses Paket Magerquark
1/2 Becher Sahne
250 g Naturjoghurt
Gemahlene Bourbon- Vanille
1 Bio- Zitrone
Reissirup oder Honig
100 g Kokosraspel
50 g geschroteten Leinsamen
Ahornsirup

Blaubeeren, Erdbeeren ( evtl. in Stücke schneiden), Himbeeren oder was ihr an Obst mögt
Quark, Sahne, Joghurt und Vanille vermischen. Die Zitronenschale abreiben und mit dem Saft untermischen. Mit Reissirup oder Honig nach Geschmack süßen.
In einer Pfanne Kokos und Leinsamen anrösten, mit Ahornsirup „ablöschen“, so lange vermengen bis es krümelig wird.
In Gläsern Schichten machen: Quarkmasse, Raspelgemisch und Früchte, dann wieder Quark usw.

Bon appétit!

Was ist das Nervigste am Mama-Sein?

Nervig finde ich, meine Kinder im Alltag antreiben zu müssen. Umso schöner ist, dass wir es in den Ferien und am Wochenende mal schleifen lassen können. Das brauchen wir und die Kinder genauso. Nervig finde ich auch, dass es unsere Kinder in so einem Medienwahnsinn aufwachsen und es strengt mich an, dass es nicht zu viel Platz in unserem Alltag einnimmt. Nervig finde ich auch, dass es immer so mühsam ist eine gute Kita und Schule zu finden. Warum sind nicht alle einfach engagiert und gut?

Was ist das Schönste?

Aber auch das Schönste ist der Alltag mit diesen Menschen. Es gibt so viel lustige und skurrile Momente, die ich ohne Kinder sicher so nicht hätte. Und das man sich selber nicht mehr so wichtig nimmt, finde ich wohltuend.
Es ist einfach das Schönste sie heranwachsen zu sehen und festzustellen, dass sie eigentlich ganz wohl geraten sind. Und man einiges intuitiv richtig gemacht hat.

Esther Bauer mit Ella (11 Jahre) und Martha (8 Jahre), Juli 2014
Fotos: Sarah Winborn

Interview: Marie Zeisler