Julie Carol Kohlhoff mit Cléo und Cécile

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Als Halb-Französin mit einer ausgesprochen schicken Mutter wurde Julie Carol Kohlhoff das Interesse für Mode quasi in die Wiege gelegt. Nach dem Studium und einiger Arbeits- und Auslandserfahrung entschied sie sich für einen ganz besonderen Weg: Gemeinsam mit ihrem Ehemann Veit gründete sie das Kinder-Label macarons. Und Julie zeigt so nicht nur, dass deutsche Kindermode schön und dabei auch noch gut, sauber und lokal produziert werden kann. Sie zeigt auch, wie man zwei Kinder und ein Familienunternehmen verbindet. Die Familie lebt groß und grün in Mönchengladbach und die Töchter Cléo und Cécile sind immer mit dabei, Beruf und Kinder werden kaum getrennt. Wir sprachen mit Julie über Mode, Macarons und das Mama-Dasein.

Erzähl doch kurz woher du kommst und was du machst…

Aufgewachsen bin ich in Düsseldorf mit französischer Mutter und deutschem Vater und meinem 3 Jahre jüngeren Bruder. Ich bin studierte Mode- und Designmanagerin und Handelsfachwirtin und habe nach Auslandaufenthalten in Shanghai und London als Produktmanagerin für ein großes deutsches Modeunternehmen im Kindersegment gearbeitet. Und jetzt bin ich Gründerin und Gesellschafterin eines jungen Baby- und Kindermodelabels namens macarons.

Was ist das Besondere an macarons?

macarons ist eine sehr einzigartige Marke. Wir sind ein kleines Familienunternehmen, entwickeln unsere eigenen Stoffe in Deutschland und der Schweiz streng nach den Standards des GOTS-Gütesiegels, und wir produzieren alle Kollektionsteile in deutschen Fertigungsstätten. Unsere Stoffe haben fast alle ganz besondere haptisch spürbare Oberflächen und sind besonders angenehm an der Haut zu tragen. Das liegt natürlich auch am Einsatz der besten Rohgarne aus biologischer Merinowolle und biologischer Baumwolle, die wir von deutschen Spinnereiern beziehen. Unsere Arbeit beginnt mit dem Einkauf der Rohgarne, die wir dann mit unseren Textilpartnern zu macarons Stoffen verstricken bzw. verweben. Somit haben wir bei macarons eine In-House Textilentwicklung. Unsere Kollektionen haben ein schlichtes Design und besondere Detaillösungen z.B. an Taschen und Krägen. Für unsere Arbeit wurden wir bereits mit dem WGSN Design Award und dem Ethical Fashion Source Award ausgezeichnet. Wir haben unser Unternehmen nicht umsonst „world of macarons“ genannt – mal sehen was noch alles kommen wird – wir haben noch viel vor!

Kam der Schritt zur Selbstständigkeit auch mit dem Muttersein? Ergo: Ist es einfacher als Selbstständige, wenn man Kinder hat?

Die Idee für den Aufbau von macarons war schon vor dem Mutterwerden präsent, da ich schon lange einen Gegenpol zu dem Teufelskreis der Produktion in Billiglohnländern setzten wollte und zeigen wollte, dass es möglich ist Kleidung regional nachhaltig zu produzieren. Die eigentliche Produktidee ist mit dem Winteroverall OKI nach der Geburt unserer ersten Tochter Cléo entstanden. Selbstständigkeit bedeutet am Anfang vor allem SELBST und STÄNDIG. Das ist mit kleinen Kindern eine besondere Herausforderung. Manchmal frage ich mich auch, wie ich das alles schaffen kann, aber am Ende des Tages geht es dann doch. Mein Mann und ich arbeiten ja zusammen, da können wir uns gegenseitig helfen und unterstützen.

Ihr seid ein Familienunternehmen – wie organisiert ihr euch? Nimmst du die Kids z.B. zu Terminen mit, habt ihr eine Betreuung?

Mein Mann Veit und ich haben uns ganz bewusst für die Familie entschieden. Cléo ist bisher auch nicht in der Kita. Wir haben da keine Trennung und leben unseren Beruf mit den Kindern. Die wachsen da ganz natürlich mit und in dem Unternehmen auf, so wie das früher auch mal war bei Familienbetrieben. Wir freuen uns, unsere Kinder so intensiv zu erleben und Heranwachsen zu sehen. Wir haben die Kinder fast immer mit zu Geschäftsterminen genommen – schließlich arbeiten wir im Kindersegment, da setzen wir eine gewisse Toleranz voraus. Wenn es möglich ist, bitten wir die Großeltern, unsere Geschwister oder Freunde um Hilfe für ein paar Stunden oder einer begleitet uns zu einem Termin. Je nachdem teilen wir uns aber auch auf – das ist der große Vorteil wenn man nicht alleine ist. Das tolle ist, dass der Umgang mit Kindern für alle im macarons Team etwas Schönes und Selbstverständliches ist.

Du bist Halb-Französin. Das französische Mutterbild wird ja gerade viel diskutiert. Welche Unterschiede siehst du zu französischen Familien? Was findest du gut, was schlecht?

Ich selbst bin nach französischem Model groß geworden – nach drei Wochen abgestillt, nach sechs Wochen ist meine Mutter wieder Vollzeit arbeiten gegangen und eine Kinderfrau ist eingesprungen. Und obwohl wir ein sehr enges Verhältnis haben, hätte ich sie gerne mehr bei mir gehabt.
Ich habe mich bewusst für einen anderen Weg entschieden und ich persönlich finde die frühe Abnabelung zur Mutter und die extreme Definition als Frau über den Beruf bedenklich. Rigide Erziehungsrituale wie Schlaftraining finde ich grauenvoll. Ein kürzlich erschienener, zweiseitiger Artikel in der ZEIT spiegelt sehr unverblümt die französische Realität wieder und hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen. Die Deutschen bewundern immer das französische Erziehungssystem, doch welche Auswirkungen die stark klinisch orientierte Schwangerschaft mit bedenklich wachsender Zahl an geplanten Geburten und die frühe Crèche-Betreuung und stark disziplingeprägte Erziehung haben, darüber spricht keiner. Ich bin mit vielen Erziehungsmethoden meiner Freundinnen in Frankreich gar nicht einer Meinung, aber ich denke gleichermaßen, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Ich habe schon lange damit aufgehört jemandem einen Rat zu geben, es sei denn ich werde explizit danach gefragt.

Wie hast du den Schritt vom ersten zum zweiten Kind empfunden?

Es war schon eine große Veränderung! Plötzlich sind einfach zwei kleine Kinder da, die gleiche Bedürfnisse an Ihre Mutter stellen. Gleichsam ist es so schön, dieses Wunder erneut erleben zu dürfen.
Vor allem in den ersten Wochen hat es mir sehr geholfen, dass ich mir jede Menge Zeit genommen hatte, NUR für die beiden da zu sein. Ich habe meine zweite Tochter zu Hause geboren, so hatte ich keine Trennung in der Zeit direkt nach der Geburt zu meiner älteren Tochter Cléo. Es ist immens wichtig, dass die Älteren spüren, dass Sie genau so geliebt werden wie vorher und sie in alles ganz selbstverständlich mit einzubeziehen und ganz viel Nähe zu geben. Es hat etwa sechs Wochen gedauert, bis wir voll eingespielt waren, aber ich habe diese neue Situation jede Minute genossen. Ich liebe meine beiden Kinder über alles und die Geschwisterliebe war von Anfang an da und zwar bei beiden. Es ist einfach toll für Kinder, mit Geschwistern aufzuwachsen. Man kann noch so viele Freunde haben – Familie ist eben doch etwas anderes.

Du bist eine ziemlich schicke Mami – wie schaffst du das? Hat sich dein Stil verändert, seit du Mama bist?

Mein Stil hat sich durch das Mama werden eigentlich nicht verändert – obwohl Camouflage-Outfits eine praktischere Wahl wären! Ich habe Spaß an schöner Kleidung und investiere lieber mehr in einen guten Klassiker oder kaufe Second Hand, als bei den ganzen Mass-Market Unternehmen wie H&M, Zara, etc. Dort kaufe ich aus ethischer Überzeugung gar nicht mehr ein und versuche stattdessen mehr und mehr, faire Labels zu kaufen. Kami organic collection gefällt mir z.B. sehr gut. Und wenn es mal schnell gehen muss, bewirkt ein toller roter Lippenstift Wunder!

Wo lässt du dich in Sachen Interieur inspirieren?

Mein Geheimtipp ist die Kloosterstraat in Antwerpen. Dort kann man sich super inspirieren lassen. Ein toller Brocante Einrichtungsladen nach dem anderen. Antwerpen ist auch das zu Hause von Axel Vervoordt, einem wahnsinnig inspirierenden Interior-Designer und Sammler. Ich bin zudem ein ganz grosser Fan der neu aufgelegten Designklassiker von Vitra. Ich liebe aber auch gute neue Produkte wie die tolle Bread Box vom aufstrebenden Jungdesigner-Duo My Kilos aus Berlin. In Deutschland gibt es generell ein wahnsinniges kreatives Potenzial. Von dem hochtalentierten deutschen jungen Künstler Marcel Eichner haben wir gerade in Berlin ein großformatiges Kunstwerk gekauft und zum ersten Mal in Kunst investiert. Mit etwas mehr Zeit würde ich mich in diesem Bereich gerne noch mehr bilden.

Ihr lebt in Mönchengladbach – seid ihr dort happy oder zieht es euch irgendwann in die große, weite Welt?

Tja, am liebsten würden wir derzeit in Amsterdam oder auch Brüssel leben, aber der nächste Schritt geht jetzt nach Stuttgart.
Wir ziehen dort Ende des Jahres hin und bauen dort unser neues macarons Büro und Atelier auf. Die Qualität ist bei macarons das Allerwichtigste und wir schätzen die enge Zusammenarbeit mit unseren Produktionsbetrieben. macarons hat die meisten Produktionspartner im Süden von Deutschland und in der Schweiz und da müssen auch wir sein. Wir möchten mindestens einmal pro Woche bei unseren Betrieben vor Ort sein und sofort reagieren können wenn es sein muss. Es geht bei uns immer darum, was das Beste für das Produkt ist. Ehrlichkeit und Transparenz sind langlebiger als ein schickes Weltstadtbüro mit nichts dahinter.

Was ist das Nervigste am Mama-Sein?

Städtereisen, die ich früher so geliebt habe, sind deutlich anstrengender geworden …

Und was ist das Schönste?

Mama sein ist eine unbeschreibliche Bereicherung. Es dreht sich nicht mehr alles um einen Selbst. Die eigenen egoistischen Bedürfnisse muss man lernen, zurückzuschrauben und vor allem GEBEN erlernen. Aber man bekommt im Umkehrschluss auch so viel zurück: Man darf die Welt wieder mit Kinderaugen entdecken und es wird einem bewusst, wie wenig es bedarf, um spontan in Freude und Glück auszubrechen. Meine ältere Tochter ist immer noch außer sich vor Freude, wenn sie ein Eichhörnchen durch den Garten laufen sieht. Das ist so süß. Durch das Mama werden bin ich angekommen und fühle mich so stark und sicher als Frau wie nie zuvor.

Danke, Julie!

 

Wenn ihr mehr über macarons wissen wollt: hier entlang – es gibt auch einen gut sortierten Online-Shop!

 

Julie Carol Kohlhoff mit Cléo (3) und Cécile (9 Monate), September 2013

Interview: Isabel Robles Salgado

Fotos: Anna Damm