... dabei ist jung Eltern-Sein so schön! Fabienne Ibeka mit Juni .

Fabienne und ihr Mann Jonathan haben verhältnismäßig früh mit der Familiengründung angefangen: Das erste Kind bekam sie mit 23, dann wurde geheiratet. Die beiden leben in Berlin, gehen immer noch gern auf Festivals und Fabienne schreibt gerade ihre Bachelor-Arbeit in Psychologie. Wie das mit dem Kinderhaben und Studieren so funktioniert und welch schwere Entscheidung sie als Eltern schon treffen mussten, erzählt Fabienne:

Liebe Fabienne! 

Du bist 26 und mit deinem zweiten Kind schwanger. Heutzutage bist du damit offiziell eine sehr junge Mama! Wie kam das?

Für mich ist Kinder bekommen so rein emotional, eine rationale Antwort darauf zu geben, finde ich gar nicht so leicht. Das Gefühl war plötzlich bei uns beiden da und wir haben uns darauf eingelassen, ohne allzu lange darüber nachzudenken. Klar, habe ich in der ersten Schwangerschaft manchmal gedacht, dass ich total naiv bin und gar nicht einschätzen kann, was es letztlich bedeutet, ein Kind zu bekommen. Aber ich denke das ist etwas, was man sowieso nicht wissen kann, bevor man es erlebt hat und bis jetzt hat unsere Intuition unser Leben nur bereichert.

Warum aber jung?
Ich kann zwar nachvollziehen, wieso ich als „ junge“ Mama gelte, aber eigentlich bin ich nicht “sehr jung“, sondern unsere Gesellschaft bekommt erst spät Kinder. Ich habe oft das Gefühl, dass Kinder erst gewünscht werden, wenn alles andere fertig ist. Frauen wollen vorher sicher im Beruf stehen, aber haben letztlich Schwierigkeiten einen Wiedereinstieg zu finden, weil Kinder eben doch alles auf den Kopf stellen. Und dabei ist jung Eltern-Sein so schön! Natürlich ist es auch anstrengend ein Kind zu haben, aber gerade was die Lebensumstände betrifft, sind Kinder so offen für alles und entdecken die Welt vollkommen unvoreingenommen – ich glaube nicht, dass sie ein gemachtes Nest brauchen, in dem alles perfekt ist.

Ich würde sagen, wir wachsen mit unseren Aufgaben und unseren Kindern hilft es zu sehen, dass nicht immer alles auf Anhieb klappen muss. Wenn ich erschöpft bin, dann weine ich. Auch vor Juni und manchmal streiten wir. Natürlich kann sie nicht alles verstehen, aber das Wichtigste ist, ihr zu zeigen, dass die Welt davon nicht zusammenbricht und die Liebe. Und die Liebe wächst sicher nicht mit dem Alter. Ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, die flexibler für Familien ist, damit sich wieder mehr junge Menschen trauen, diesen Schritt ins Ungewisse zu gehen.

Du bist mit dem Papa von Juni verheiratet – warum habt ihr geheiratet? Was bedeutet euch die Ehe?

Die Ehe bedeutet uns sehr viel. Und damit meine ich weniger das Offizielle daran, als das Versprechen, immer zu versuchen alles füreinander zu geben. Juni war ein halbes Jahr alt und wir haben gemerkt, dass wir nun sowieso für immer über sie verbunden sein werden, auch wenn wir es eines Tages gar nicht mehr wollen würden. Wir halten unsere Liebe sehr in Ehren und versuchen auch immer uns als Paar im Blick zu haben, nicht nur die Familie.

Natürlich lebt eine Beziehung von Liebe, aber eben auch von der Entscheidung füreinander, und Heiraten hat sich deshalb richtig angefühlt.

Dein Mann ist Kameramann und du bist dabei deine Bachelor-Arbeit in Psychologie zu schreiben. Studieren mit Kind, wie hat das funktioniert? 

Für mich funktioniert das sehr gut, weil ich jedes Semester flexibel entscheiden kann, wie viel ich machen will und auch machen kann. Jonathan ist manchmal für sechs Wochen am Stück in einer anderen Stadt und da ist diese Flexibilität für mich unabdingbar. Mit Kind habe ich definitiv gelernt effektiver zu sein und mein Studium mehr als etwas zu sehen, was ich für mich mache. Ich empfinde es als guten Ausgleich zum Mama-sein.

Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass es auch für mich Tage oder Wochen gibt, in denen ich überfordert damit bin, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen.

Wie unterstützt die Uni studierende Eltern?

Der einzige Vorteil ist, dass man freie Wahl in den Kursen hat, weil klar ist, dass man nur zu bestimmten Zeiten kann.

Ihr seid beide Festival-Fans, wie organisiert ihr euch da?

Juni ist in beiden Familien das erste Enkelkind und unsere Eltern nehmen sich viel Zeit für sie. Bei meiner Mama ist sie einmal in der Woche, damit wir einen Abend für uns haben und da Jonathans Eltern weiter weg wohnen, ist sie immer direkt ein paar Tage am Stück dort. Beim ersten Mal war sie gerade sechs Monate alt und ich habe sogar noch abgepumpt. Sie findet die Zeit mit ihren Großeltern großartig und so haben alle etwas davon. Manchmal nutzen wir diese Zeit zum Arbeiten, aber einmal im Jahr eben auch, um auf ein Festival zu fahren. Andere machen zum Abschalten Wellness-Urlaub, wir finden auf dem Festival einen perfekten Ausgleich.

Hast du manchmal das Gefühl, du müsstest verzichten auf Dinge, die andere Gleichaltrige haben oder machen?

Natürlich bin ich jetzt weniger spontan und kann nicht mehr alles danach machen, wie ich gerade Lust habe. Wahrscheinlich würde ich mehr Reisen und mehr feiern gehen, als jetzt. Aber ich habe eigentlich nicht das Gefühl etwas zu verpassen, sondern, dass es mir leichter fällt, den Moment zu leben. Ich habe selbst eine Entscheidung für dieses Leben getroffen und bin sehr glücklich damit. Außerdem hat mich das Kinder kriegen zu einer selbstbewussteren Frau gemacht.

Du bist im Moment mit deinem zweiten Kind schwanger. Davor warst du schon einmal schwanger, aber ihr musstet die Schwangerschaft abbrechen – magst du uns davon erzählen?

Gerne! In der letzten Schwangerschaft kam in der 12. Woche die Nachricht von meiner Ärztin, dass etwas mit dem Herzen vom Baby nicht stimmt. Es hat einige Wochen gedauert, um die schwere des Herzfehlers erfassen zu können und dann war klar, dass unser Baby nicht lebensfähig sein würde. Die Entscheidung, ob ich das Kind bis zum Ende austragen möchte oder nicht blieb uns trotzdem überlassen. Ich habe mich letztlich dagegen entschieden, weil es für mich zu schmerzhaft geworden wäre.

Die stille Geburt war wirklich das traurigste Erlebnis in meinem Leben, weil ich mir in dem Moment, wo ich unsere Tochter im Arm hatte nichts sehnlicher gewünscht habe, als für sie da sein zu können und sie groß werden zu sehen.

Gleichzeitig war es eine sehr liebevolle Erfahrung und es ist so unendlich viel Wert, wenigstens diesen einen Moment mit ihr gehabt zu haben.

Jonathan und ich haben uns in der Zeit gegenseitig sehr unterstützt und sind nochmal näher zueinander gerückt, gleichzeitig sind wir jeder für sich sehr unterschiedlich damit umgegangen.

Ich denke, das hat vor allem damit zu tun, dass man als Frau nochmal viel mehr in die Schwangerschaft involviert ist und auch die Hormone danach erstmal Kopf stehen.

Ich habe einige Zeit gebraucht, in der ich mich vor allem auf mich konzentrieren musste, um einen Umgang mit der Situation zu finden, bevor ich das alles überhaupt nach außen kommunizieren konnte.

Wie geht es dir jetzt in der neuen Schwangerschaft damit?

Wir haben durch diese Erfahrung auf jeden Fall gelernt, dass man beim Kinder kriegen eben nicht alles selbst in der Hand hat und so kam es auch dazu, dass wir uns sehr schnell auf eine weitere Schwangerschaft eingelassen haben. Für uns war klar, dass wir uns ein weiteres Kind wünschen, ob nun sofort oder in ein paar Jahren war quasi Nebensache. Wie das Leben manchmal so spielt, hat es dann auf Anhieb geklappt und ich hatte glücklicher Weise von Anfang an ein gutes Gefühl. Trotzdem haben wir es etwas länger für uns behalten und waren erst beruhigt, als die Ärzte gesagt haben, dass alles okay ist. Jetzt zelebriere ich die Schwangerschaft richtig und nehme jedes Wehwechen mit Leichtigkeit an.

Was ist das Anstrengendste am Mama-Sein?

Immer alles planen zu müssen und das Früh-aufstehen.

Und was das Schönste?

Wenn einen in einem völlig unpassenden Moment kleine klebrige Kinderhände festhalten und sie sagt: „Mama, hörst du mir? Es ist schön bei dir zu sein. Ich hab dich lieb!“.

 

Fabienne Ibeka mit Juni (3), Berlin, November 2017
Fotos: Lina Grün
Interview: Marie Zeisler