Coco Prange und Mike Raaijmakers mit Lies, Johan und Henri

Jetzt fühlt es sich noch mehr wie Familie an
isabel |
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Wenn man bei Coco und Mike zur Tür reinläuft, fallen zuerst die schönen, warmen Faben auf: pastellig, edel, aber nicht aufdringlich gestylt. Ihr Zuhause ist unglaublich minimalistisch (wie es dazu kam, das erzählen sie uns später!), aber dabei auch gemütlich und einladend. Viele Möbel sind natürlich von Jonanenlies, dem Upcycle-Label, das die beiden zusammen leiten. Wie aus einer Tinder-Bekanntschaft nicht nur eine große Liebe, sondern auch noch ein gemeinsames Business wurde, wie das Leben als Patchwork-Familie – denn Mike brachte zwei Kinder aus seiner ersten Beziehung mit – so ist, und warum die beiden vor eineinhalb Jahren an den Stadtrand Berlins gezogen sind, all das erzählen sie uns im Interview.

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Hi ihr beiden! Erzählt doch mal, woher ihr kommt und wie ihr euch kennengelernt habt.

Mike: Ich komme aus den Niederlanden, bin aber schon seit 20 Jahren in Deutschland. In Berlin habe ich zuerst im Weinhandel gearbeitet, aber als die Kinder kamen, merkte ich schnell, dass die Arbeitszeiten nicht so richtig familienfreundlich sind. Ich habe irgendwann ein Bett entworfen, weil ich das, was ich suchte, nicht finden konnte. Zack, es bei Dawanda hochgeladen, es wurde gleich verkauft, und so hat das mit Johanenlies angefangen. Ich komme gar nicht aus der Möbelecke, bin Autodidakt, aber weil die Nachfrage immer größer wurde, habe ich dann den Wein nach einem Jahr aufgegeben und bin ins Möbelbusiness eingestiegen.

Coco: Ich komme aus Tübingen und habe Modemanagement in Berlin studiert und anschließend in der PR gearbeitet. Damit war ich gut ausgelastet, aber nie so ganz glücklich, auch weil ich mich immer mehr für Design, Art Direktion und Produktentwicklung interessiert habe. Mike und ich haben uns tatsächlich bei Tinder kennengelernt! Er war damals gerade eineinhalb Jahre getrennt. Irgendwie hat sich – ganz anders als sonst vom ersten Treffen an alles wie von selbst gefügt, auch wenn ihn ganz am Anfang der Altersunterschied doch ein ein kleines bisschen irritiert hat. Ziemlich schnell hat das dann aber keine Rolle mehr gespielt und wir wurden ein Paar. Parallel war ich in meinem Job dann mehr als ausgelastet, ich hatte sogar ein Burn Out und war sehr unglücklich. Weil ich Mike von Anfang an beraten hatte und auch meine Ideen mit in seine Firma genommen habe, haben wir dann gedacht: Versuchen wir es!  Jetzt bin ich bei Johanenlies für Produktdesign, Art Direktion und Marketing zuständig, Mike macht den Vertrieb und die Produktion. Wobei ich gerade im Moment noch in Elternzeit bin, aber sobald unser Sohn Henri eine Betreuung hat, werde ich wieder mehr arbeiten.

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Wahnsinn, ich liebe es, dass Tinder auch zu solchen Geschichten führen kann! Mike, du hast also zwei Kinder aus erster Ehe, wie oft sind sie bei euch?

Mike: Mittlerweile jede zweite Woche, also das klassische Wechselmodell. Es hat eine Weile gedauert, bis wir das so gemacht haben, davor haben wir viele Jahre mal dies, mal das ausprobiert. Die Kinder waren am Anfang noch klein und mehr bei ihrer Mutter, nur am Wochenende bei mir. Für mich war das schwer, ich wollte auch Alltag mit ihnen haben! Dann haben wir eine Zeit lang den Wochenwechsel probiert, aber meiner Tochter war das zu lang, sie wollte mehr bei ihrer Mutter sein. 10 Tage / 4 Tage haben wir dann gemacht, das war für mich auch wieder hart, weil ich die Kinder so lange nicht gesehen habe. Johan meinte dann vor eineinhalb Jahren, er möchte es gerecht haben: eine Woche hier, eine Woche da – und bald war dann auch Lies so weit. Jetzt sind wir alle sehr glücklich mit dieser Lösung, aber wie gesagt: wir haben jahrelang Verschiedenes ausprobiert, und versucht, auf alle Bedürfnisse einzugehen.

Nach der Trennung haben wir haben jahrelang Verschiedenes ausprobiert, und versucht, auf alle Bedürfnisse einzugehen.
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Coco, wie war das für dich, mit einem Mann zusammenzukommen, der schon Familie hat?

Am Anfang dachte ich: Gar kein Problem! Zwei so liebe Kinder, die ich direkt ins Herz geschlossen hatte und ein reifer, verantwortungsbewusster Mann, der liebe- und humorvoll und gleichzeitig mit einem gewissen Maß an Strenge mit seinen Kindern umgeht. Natürlich war das ein bisschen blauäugig. Ich hatte keine Ahnung davon, was es wirklich bedeutet, von einem Tag auf den anderen plötzlich „Teilzeitmama” von einem drei- und einem vierjährigen Kind zu sein und fühlte mich oft überfordert. Zudem war auch schon lange der Wunsch nach einem eigenen Kind da, der aber schnell sehr weit weg gerückt ist, da wir ja schon zwei Kinder hatten und einfach in jederlei Hinsicht keine Kapazitäten übrig waren für ein weiteres Kind. Wir waren uns zwar schnell sicher, ein gemeinsames Kind zu wollen, doch wäre ich nicht (zwar gewünscht, aber ungeplant) plötzlich schwanger geworden, wäre dieser Wunsch wahrscheinlich noch immer in weiter Ferne.

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Und nun habt ihr ja nochmal Zuwachs bekommen, Henri ist ein Jahr alt, wie hat das die Familiendynamik verändert?

Coco: Johan und Lies sind durch die neue Situation sehr gewachsen. Johan, der sich vor der Geburt noch viel in kleine Wehwehchen hineingesteigert hat, war schlagartig super eigenständig und hat geholfen wo er nur konnte. Lies, die ja 1,5 Jahre jünger ist, hat sich direkt nach der Geburt manchmal noch ein bisschen schwer getan. Sie hat sich natürlich total über ihren kleinen Bruder gefreut, aber gleichzeitig auch gemerkt, dass Henri – besonders in den ersten Wochen – viel Aufmerksamkeit in Anspruch genommen hat, an der es ihr in dieser Zeit ein bisschen gefehlt hat. Inzwischen spielen die drei unglaublich schön gemeinsam miteinander und Henri kreischt förmlich vor Freude, wenn es wieder Montag ist und seine Geschwister kommen. Für uns ist das zum einen einfach unglaublich schön zu sehen und entlastet uns natürlich auch total, wenn die drei sich miteinander beschäftigen können. Johan und Lies haben und schon wiederholt den Wunsch nach einem weiteren Geschwisterchen geäußert.

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Ziemlich parallel zur Geburt seid ihr dann auch an den Stadtrand gezogen, war das immer der Plan?

Coco: Nein! Aber wir hatten ziemlich klare Kriterien, was wir wollen: Neubau, 5 Zimmer, 150 qm mindestens, zwei Bäder, Terrasse/ Garten, ein bisschen im Grünen…und das innerhalb eines begrenzten Budgets. Da gab es innerhalb Gesamt-Berlins kaum eine Handvoll Wohnungen und diese entsprach genau unseren Vorstellungen. Zudem haben wir die Wochenenden tatsächlich auch zuvor schon weitestgehend außerhalb der Stadt oder zumindest im Grünen verbracht. Hier haben wir beides: wir sind gut an die Stadt angebunden, wo sich auch unsere Wochentage abspielen und wohnen aber idyllisch und großzügig im Grünen. Hier ist es so ruhig, der Garten, der Platz, auch die großen Kinder waren sofort einverstanden, auch wenn sie jetzt natürlich weiter fahren müssen, um in die Schule zu kommen.

Inzwischen spielen die drei unglaublich schön miteinander…
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Ja, die Fahrerei! Wie macht ihr das denn?

Mike: Ich fahre morgens um sieben mit den Kindern los, dann schaffen wir es gut pünktlich zu sein. Dann haben wir ja unser Büro in Mitte, dort bin ich dann meistens tagsüber, nachmittags haben die Kinder dann auch oft Hobbies: Johan spielt Fußball, Lies lernt noch zusätzlich Niederländisch. Klar, abends, wenn ich im Auto sitze, dann fluche ich schon manchmal, wenn Stau ist. Aber sobald ich hier auf der Terrasse sitze, ist das vergessen. Es ist es wirklich wert!

Coco: ich fahre mit den Öffentlichen in die Stadt, nach Prenzlauer Berg brauche ich knapp eine Stunde. Auch ich verbringe oft die Tage unter der Woche zwischen Mitte und Prenzlauer Berg, ich arbeite dort in einem Co-Working mit Kinderbetreuung für Henri. Nun suche ich eine Kita für ihn und werde die aber hier suchen. Ich möchte ihm die Fahrerei nicht so oft zumuten.

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Euer Haus ist SO aufgeräumt und schön gestaltet, wer macht das bei euch und ist es immer so ordentlich?

Mike: Das macht Coco! Ich gebe nur am Ende mein Okay und setze es handwerklich um.

Coco: Mir macht es einfach so viel Spaß Räume zu gestalten. Vieles in der Wohnung haben wir selbst designt und mit unseren Lieblingsdesignern sowie Vintagestücken gemixt.
Und natürlich haben wir für das Shooting aufgeräumt, aber wir sind auch ziemliche Minimalisten, wir haben nicht so viel, deshalb wird es gar nicht erst unordentlich. Wobei, ehrlich gesagt sieht die Wohnung sowohl morgens nach dem Frühstück als auch abends nach dem Abendessen aus wie ein einziges Schlachtfeld. Mittags sind wir zum Glück meistens unterwegs. Aber ich schätze das lässt sich mit einem Kleinkind kaum vermeiden, da kann man noch so minimalistisch sein.

Mike: Das mit dem Minimalismus kam auch gar nicht mal ganz freiwillig. Uns ist vor einigen Jahren ein Lager abgebrannt, in dem Coco und ich alles hatten, was damals nicht in die Wohnung gepasst hat. Das war erst hart, aber im Nachhinein fehlt uns fast nichts, was wir verloren haben. Als wir vor eineinhalb Jahren umgezogen sind, haben wir dann noch mal kräftig aussortiert. Jetzt finde ich es so befreiend, dass ich zum Beispiel so wenig Klamotten besitze.

Wir sind Minimalisten – und zwar nicht ganz freiwilllig!
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Wie ist das so, als Paar eine Firma zu leiten, kommt ihr euch da auch mal in die Quere?

Coco: Es hat definitiv zwei Seiten zum einen verbindet es unheimlich, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und so viel Energie und Leidenschaft in eine gemeinsame Sache zu stecken, gleichzeitig ist die Arbeit natürlich auch immer ein Thema. Was aber auch ok ist. Dadurch, dass wir einiges beim Abendessen oder sonst irgendwie zwischendrin besprechen, bleibe ich auch jetzt wo meine Arbeitszeit stark eingeschränkt ist, da Henri noch nicht in der Kita ist, in nahezu alles involviert. In die Quere kommen wir uns eigentlich kaum, da unsere Kompetenzen so unterschiedlich sind und wir uns dadurch perfekt ergänzen.

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Habt ihr eine Firmenphilosophie und ist diese gemeinsam entstanden?

Coco: Mike hat einfach angefangen Möbel aus altem Bauholz zu machen – ich würde behaupten ohne dabei für sich selbst eine Philosophie zu definieren. Das haben wir dann nachträglich auf Basis seiner bisherigen Arbeit gemeinsam in Worte gefasst. Ich denke der Satz: “Aus Altem etwas Neues schaffen“ trifft es am besten. Angefangen mit recyceltem Bauholz über antikes Eichenholz, wiederverwertetes Stahlrohr bis hin zu Resten aus Natursteinen machen wir aus alten Materialien neue, kontemporäre und gleichzeitig zeitlose Produkte.

Der Satz: “Aus Altem etwas Neues schaffen“ trifft die Philosophie von Johanenlies am besten.
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Was genießt ihr am Leben am Stadtrand am meisten?

Coco: Die Ruhe und die Natur.

Mike: Stimme ich zu 100% zu.

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Und was mögen die Kinder?

Mike: Das hört sich vielleicht für ihr Alter lustig an, aber die beiden genießen die Natur genauso wie wir. Sie lieben schöne Spaziergänge und Radtouren, am liebsten mit einem Picknick oder Eis.
Zusätzlich genießen sie die Freiheit, die sie hier haben. „Einfach“ nach draußen gehen und unbekümmert spielen, ohne großartig auf den Verkehr achten zu müssen.
Dass in der Nähe das Strandbad ist, macht das „Fest“ komplett.

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Woher kommen eure Inspirationen, vor allem deine, Coco?

Coco: Aus der Mode, aus der Kunst, aus der Natur, aus gesellschaftlichen Strömungen. Was im Leben so auf einen prallt. Allerdings halte ich das eher in meinem Kopf fest, anstelle von Moodboards. Und es fließt dann in den Entstehungsprozess hinein, wenn wir gemeinsam ein Produkt entwicklen.

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Wie war das für dich, Mike nach so vielen Jahren noch mal Vater zu werden?

Mike: Einfach nur toll!! Und das mit meiner absoluten Traumfrau. Ich habe als Kind schon von einer großen Familie geträumt. Ich hätte nichts dagegen, noch zwei zu haben. Fünf finde ich eine „runde“ Zahl, haha!

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Und Coco, wie war es für dich, vorher warst du ja die „Bonusmama“?

Coco: Die Kinder waren am Anfang tatsächlich etwas verwirrt.“Bist du jetzt unsere richtige Mama?“, hat Johan damals gefragt. Ich bin und bleibe natürlich ihre „Bonusmama”, da sie ja noch eine „richtige Mama“ haben, deren Platz ich nicht für mich in Anspruch nehmen möchte. Aber ja, auch wenn Johan und Lies mich von Anfang an immer akzeptiert haben, fühlt es sich für die beiden glaube ich noch mehr wie Familie an, seitdem Henri auf der Welt ist.

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Was ist das Schönste am Kinderhaben?

Mike: Das Leuchten in ihren Augen. Diese absolute Unbekümmertheit. Diese reine Seelen tun einem einfach nur gut – und das färbt auf einen selbst ab. Und dann zu wissen, dass es dein eigenes Fleisch und Blut ist, wofür mann durchs Feuer gehen würde.

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Und was ist das Nervigste?

Mike: So richtig nerven tut ehrlich gesagt nichts. Aber ein wenig mehr Schlaf würde machmal gut tun!

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Danke euch beiden!!

Coco Prange und Mike Raaijmakers mit Lies (8), Johan (9) und Henri (14 Monate), September 2019
Fotos: Lina Grün
Interview: Isabel Robles Salgado