Theresa Zeitz mit Coco

isabel |

Theresa Zeitz, genannt Tee, habe ich vor einigen Jahren über eine gemeinsame Freundin kennengelernt. Aus der weitgereisten, kreativen Lebefrau wurde vor fast eineinhalb Jahren auch eine Mutter. Das war insofern besonders spannend, als dass Tee von einem Bekannten schwanger wurde und das Kind ohne Mann bekam. Das Getuschel war groß, Tee war stark. Sie ist eine der vielen “Alleinerziehenden”, die ich kenne, die so gar nicht dem Klischee entsprechen. Sie steht mit beiden Beinen voll im Leben, wirkt nie überfordert, arbeitet viel und erzieht nebenbei ein wundervolles Kind heran. Wie schafft sie das alles?

 

Wo kommst du her und was machst du beruflich?

Ich komme ursprünglich aus Köln und bin Regisseurin. Ich mache Werbe- und Dokumentarfilme und auch viele Imagefilme im Fashion-Bereich.

Du wusstest schon während der Schwangerschaft, dass du Coco alleine aufziehen würdest. Wie kam es dazu und wie war das für dich?

Es kam dazu, weil keine Freundschaft und auch keine Liebesgeschichte zwischen mir und Cocos Vater entstanden ist. Ich habe ihn das letzte Mal gesehen, als ich acht Wochen schwanger war. Wenn ich jetzt an meine Schwangerschaft zurückdenke, habe ich mich eigentlich immer nur auf meine Tochter gefreut. Ich habe mir gewünscht, dass es schneller vorbei geht, denn neun Monate sind so so so lang! Manchmal war ich traurig, eigentlich immer dann, wenn etwas Schönes passiert ist. Wenn sie mich getreten hat oder ich sie beim Ultraschall gesehen habe und ich das nicht immer teilen konnte. Obwohl es Coco und mich auch so eng zusammengebracht hat. Schon als sie in meinem Bauch war, habe ich sie genau gespürt. Ihren Charakter und ihre Seele. Ich glaube, wir haben eine ganz besonders enge Bindung, weil meine Konzentration von Anfang an nur bei ihr und bei mir war, es gab niemand anderen. Das hat, wie alles, Vor- und Nachteile.

Hattest du Angst vor der Herausforderung?

Nein, ich hatte keine Angst.  Ich hatte neun Monate Zeit, mich darauf vorzubereiten, dass es sie und mich geben wird. Wie gesagt: Wir waren ja schon in der Schwangerschaft zu zweit. Als sie da war, war es also keine Überraschung, oder gar ein Schock. Es ging einfach ganz natürlich so weiter, zum nächsten Schritt. So ist es jetzt übrigens immer noch.

Wer war bei der Geburt dabei?

Meine Familie. Und Freunde haben draußen gewartet.

Wie schaffst du es alleine mit Kind? Wie waren die ersten Monate – hast du es als schwer empfunden?

Ich schaffe es gut! Für mich ist es auch nicht “alleine mit Kind”. Für mich ist es “mein Kind und ich”. Ohne alleine. Ich weiß natürlich, was du mit der Frage meinst, aber da ich es nicht kenne, mit jemanden zusammen ein Kind zu haben, fehlt mir nichts. Die ersten Monate waren surreal. Da gab’s kein schwer oder einfach. Wenn ich daran zurückdenke, war es die ganze Zeit vor allem bezaubernd und unfassbar, dass Coco meine Tochter ist und dass wir jetzt zusammen wohnen! Sie war ein sehr einfaches und ausgeglichenes Baby. Ich habe sie ständig rumgetragen und fast nie abgelegt, auch weil sie so mini war und so süß. Und ich habe mich jeden Tag mehr in sie verliebt. Bis heute!

Hat dich das Mutter-Sein verändert?

Ja klar, es bringt etwas ganz Neues ins Leben und das geht nur mit Veränderung. Ich habe Abstand von mir selbst bekommen, in Bezug auf alle meine Befindlichkeiten. Das ist befreiend, obwohl es natürlich auch freiheitsraubend ist. Es dreht sich nicht mehr alles um mich, es dreht sich um uns! Jetzt geht es um Cocos Bedürfnisse sehr viel mehr als um meine. Man merkt auch einfach, was wirklich wichtig ist. Unwichtige Sachen interessieren mich noch weniger als vorher.
Ich habe die Anfangszeit nicht als schwerer oder einfacher als jetzt empfunden, denn es gibt in jeder Zeit Herausforderungen mit einem Kind. Das habe ich mittlerweile verstanden. Es war und ist anstrengend, intensiv ist das bessere Wort. Nein warte, es war und ist auch einfach nur anstrengend manchmal. Was aber auf jeden Fall anders ist, ist dass ich immer irgendwas zu tun hatte und habe… Mir ist nie langweilig und das nervt manchmal. Ich musste mich als Mutter und Frau erst mal neu kennenlernen, das tue ich immer noch. Aber ich glaube, ich habe eigentlich sehr schnell wieder angefangen, so zu sein wie vorher, hab sie immer einfach überall mit hingenommen.

Hast du Coco auch zum Arbeiten mitgenommen?

Ja, meistens. Das mache ich auch immer noch so, außer es geht gar nicht. Dann passen Freunde oder Familie auf. Aber wenn keiner Zeit hat, kommt sie mit. Ich habe schnell wieder gearbeitet, denn ich bin freiberuflich und hatte Angst, dass ich keine Jobs mehr bekomme, wenn ich ein Jahr nichts mache. Das war vielleicht nicht realistisch, aber diese Angst hat mich nervös gemacht. Außerdem arbeite ich sehr gerne, ich bin unausgeglichen, wenn ich es nicht tue.
Jetzt geht sie auch seit ein paar Wochen in die Kita und ich bin unheimlich dankbar, dass ich fünf Stunden täglich frei habe um meine Sachen in Ruhe zu machen. Arbeit oder auch mal Schuhe kaufen. Das ist eine riesengroße Hilfe und Coco liebt die Kita zum Glück genau so sehr wie ich.

Wie würdest du deine Tochter beschreiben?

Frech! Sie ist lustig, wild, mutig und sehr willensstark. Sie weiß ganz genau was sie will und vor allem was sie nicht will. “Nein” war das zweite Wort nach Mama. Sie kann aber auch verträumt, nachdenklich und kuschelig sein. Ich habe das hier über sie geschieben weil es so ist: “Du forderst mich mit einem Lächeln auf den Lippen heraus, indem du mir und jedem von dir Auserkorenen tief und lange in die Augen schaust.” I love that. Das ist Coco für mich. Sie fordert mich heraus.

Willst du noch mehr Kinder?

Ja. Noch mehrere. Aber nicht mehr alleine.

Was das Schönste am Mama-sein?

Da sind so viele Sachen, ich weiß garnicht, was das Allerschönste ist. Vielleicht die Liebe, die ich fühle und die Vorfreude auf alles, was noch kommt. Es ist Wahnsinn, einen so schönen Menschen in meinem Leben zu haben, mit dem ich so viele tolle Sachen machen werde. Ich habe Babies und Kinder schon vorher sehr gerne gehabt. Sie waren immer meine Lieblingsmenschen. Jetzt ist Coco natürlich Lieblingsmensch Nummer eins. Ich denke, das ist das Schönste.

Und was ist das Nervigste?

Ha! Da gibt es auch so viele Sachen! Was mich manchmal belastet, ist, dass ich immer die Verantwortung für alles ganz alleine habe. Für alle Entscheidungen, die mit ihr zu tun haben. Und mich nervt, dass ich immer alles sehr genau planen muss. Jobs zum Beispiel. Und dass ich nicht mehr ausschlafen kann, oder nur sehr sehr selten abends ausgehen kann. Was auch auf mir lastet, ist dass ich jetzt auch sehr auf mich aufpassen muss, weil mir nichts passieren darf wegen Coco. Und natürlich die Angst, dass ihr was passieren könnte! Das ist eigentlich das Schlimmste. Wenn ich mir das vorstelle, dann wird mir sofort schlecht.

Danke, Tee!

 

Mehr über Tees Arbeit gibt es hier.

 

Theresa Zeitz mit Coco (16 Monate), Juli 2013

Interview: Isabel Robles Salgado

Fotos: Bella Lieberberg