So funktioniert gleichberechtigte Elternschaft bei uns. Und bald kommt unser Fifty-Fifty Ratgeber!

11. February 2021 | in Vereinbarkeit

…deshalb wird es in den nächsten Tagen und Wochen hier viel um genau das gehen: gleichberechtigte Elternschaft. Ich bin mir nicht sicher, ob die Tatsache, dass der Ratgeber (den ihr auch hier oder im lokalen Buchhandel vorbestellen könnt!) nun mitten in der Pandemie erscheint, hilfreich ist – oder eben gerade nicht. Sicher machen sich momentan noch mehr Eltern (meist: Frauen) Gedanken darüber, wie fair sie eigentlich aufgeteilt sind. Denn es ist erwiesen, dass es insbesondere Mütter sind, die die Herausforderungen, die diese besondere Situation mit sich zieht, stemmen. Während viele Väter weiterhin ins Büro gehen, als sei nichts gewesen und sich auch nach wie vor wenig an Haushalt und Kinderbetreuung oder Homeschooling beteiligen. Unser Ratgeber holt auch Paare ab, die wirklich bei Null anfangen, die bisher also sehr klassisch und nicht fifty-fifty gelebt haben. Vielleicht ist er also gerade jetzt eine große Hilfe.

Vielleicht ist aber gerade alles eh schon so anstrengend und anders, dass man keine Lust auf große Veränderungen hat. Wir wollen jedoch auch Paare abholen, die noch vor der Geburt des ersten Kindes stehen – denn je früher man anfängt mit der Gleichberechtigung, je einfacher ist es – das ist klar. Eins ist uns wichtig: Gleichberechtigt bedeutet nicht automatisch, dass alles genau in der Hälfte durchgeschnitten wird. Das geht ja auch gar nicht! Aber es geht um eine Beziehung auf Augenhöhe, darum, dass alle Bedürfnisse zählen, und natürlich darum dass unbezahlte Arbeit wertgeschätzt und idealerweise eben auch gerecht verteilt wird. Uns ist auch klar, dass fifty-fifty in vielen Konstellationen wirklich nicht möglich ist. Wir sind aber sicher, dass es ganz oft eher um “wollen”, als um “können” geht. Die Vor- und Nachteile von Fifty-Fifty habe ich übrigens hier schon mal aufgeschrieben.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Buch möglichst vielen Paaren, die “wollen”, ein Stück weit in Richtung “fifty-fifty” helfen können. Denn – das geben wir offen zu – WIR können uns keine andere Partnerschaft als eine auf Augenhöhe, in der Rechte und Pflichten gerecht geteilt werden, vorstellen. Es ist so schön, wenn beide Partner sich in allen Bereichen entfalten können. So wunderbar, wenn Kinder Papa und Mama (oder “MAPA”) gleichwertig haben. So gut für die Beziehung, wenn keiner zu kurz kommt. Gerade jetzt in der Pandemie merken wir mal wieder sehr, dass das alles einfacher zu stemmen ist, wenn man sich aufteilt… Wir finden es auch aus vielen Gründen gesellschaftlich wichtig, dass Frauen nicht alleine Haushalt und Kinder schmeißen. Und wir sind froh, unseren Kindern dieses Leben vorleben zu können. Die Prägungen, die wir in uns haben (und die auch in unseren Köpfen immer noch mitbestimmen, welche Arbeiten von Frauen oder Männern gemacht werden sollten), werden sie schon viel weniger in sich haben – und dadurch ein freieres Leben führen können.

Meine persönliche Erfahrung mit fifty-fifty

Treue LeserInnen wissen es bereits, aber ich erzähle es hier noch mal: mein Partner und ich waren uns von Anfang an einig, dass wir alles teilen wollen. Auch, weil er schon während ich mit unserem ersten Kind schwanger war, sicher war, dass er auf keinen Fall die Kindheit seines Sohnes verpassen wollte. Er hat sich also vom ersten Tag an um alles gekümmert, hat gewickelt, gekocht, aufgeräumt, eingekauft, das Kind in den Schlaf geschunkelt und seine Tränen getrocknet. Die erste Elternzeit haben wir genau hälftig geteilt, jeder sieben Monate. Als ich wieder ins Büro ging, hat Papa den Alltag mit Baby alleine gestemmt. Er kam oft mittags mit dem Kleinen vorbei und ich habe das Baby gestillt. Das ging problemlos, da wir keine weiten Wege hatten und war für mich viel angenehmer als Abpumpen. Gepumpt habe ich trotzdem viel (beim zweiten Kind übrigens nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte…), sodass ich regelmäßig abends raus konnte, auch schon, als mein Sohn noch ziemlich klein war.

Ich will nicht sagen, dass unser Weg reibungslos verlief – das ist eine lange Beziehung mit Kindern wahrscheinlich nie. Wir haben viel nachjustiert, das tun wir immer noch. Nach dem zweiten Kind wären wir fast vom Weg abgekommen, denn mein Partner verdiente plötzlich viel mehr als ich und ich hatte fast die ganze Elternzeit nehmen wollen. “Seine” drei Monate haben wir auch noch im Ausland verbracht, heute sage ich, dass das ein Generalfehler ist, den Paare machen. Denn es ist für die Gleichberechtigung so wichtig, dass der Vater ALLEINE den Alltag stemmt und das geht im Urlaub eben nicht. Auch bei uns hatte mein Partner, als das zweite Kind ein Jahr alt wurde, kaum mal einen Tag mit beiden alleine verbracht. Ich hatte ihm also kurzzeitig viel zu viel voraus! Aber Gleichberechtigung ist ein flexibler Prozess – und es kann auch mal eine Zeit lang anders laufen. Solange sich alle einig sind, dass wirklich alle Bedürfnisse gleich viel zählen, kann man die Strukturen immer wieder in alle Richtungen verändern. Mir war es am Ende so wichtig, beruflich wieder weiter zu kommen und den Papa mehr mit einzubeziehen, dass wir es geschafft haben. Heute teilen wir wieder alles hälftig. Beide Jobs haben die gleiche Priorität. Und ich bin damit immer noch sehr glücklich.
Um euch ein genaueres Bild von unserem Alltag zu geben, habe ich heute mal unseren berühmten “50/50 Fragebogen” ausgefüllt! Natürlich habe ich dabei eher unseren “normalen” Alltag beschrieben, denn der Corona Alltag ist nicht wirklich repräsentativ. Hat Spaß gemacht! Ich weiß, dass wir in ganz vielen Bereichen sehr privilegiert sind. Aber perfekt ist bei uns nichts. Was ist das schon? Also los geht es:

Was und wieviel arbeitet ihr beide?

Ich leite zusammen mit Marie Little Years, wir sind mittlerweile ein Team von fünf Leuten plus freie AutorInnen. Ich kann meine Zeiten frei einteilen, es fallen aber viele “Musts” an, die ich nicht verschieben kann. Dazu gehört die Content-Planung und Buchhaltung. Auch Kundenpflege gehört dazu und natürlich muss ich meinen MitarbeiterInnen zur Verfügung stehen. Ich würde sagen, dass ich locker 30-40 Stunden die Woche arbeite, in “normalen” Zeiten wahrscheinlich sogar mehr. Wenn Kita und Schule offen sind, arbeite ich meist an drei Tagen von etwa 8:30 bis 15:30. An zwei Tagen arbeite ich von etwa 9:30 bis open end. Dazu kommen ab und zu Sonntagsschichten und abends auch oft noch Social Media. Wir haben mittlerweile eine Social Media Managerin und teilen uns die Accounts auch unter den Redakteurinnen auf, aber jeder, der mit Social Media arbeitet, weiss, dass das eigentlich ein 24 Stunden Job ist… Events und andere Geschäftstermine fallen gerade weg – aber das ist natürlich sonst auch Teil meiner Arbeit.

Mein Partner ist freier Videograph, er hat eine kleine Produktionsagentur. Seine Arbeitszeiten sind sehr unterschiedlich. Wenn er ein großes Projekt hat, ist er oft von morgens bis abends beschäftigt, denn Produktionen sind in der Regel keine Teilzeit-Tage. Wenn er schneidet oder plant, kann er seine Bürozeiten aber gut planen. Und es gibt zwischendurch auch immer Phasen, in denen wenig ansteht und er sich sehr frei einteilen kann. Auch wenn bei ihm als Selbstständiger natürlich ebenfalls immer Buchhaltung, Akquise, Kundenbetreuung und so weiter auf der Agenda sind. Auch er arbeitet im Schnitt 30-40 Wochenstunden. Wir haben beide ein Büro, das nicht weit von unserer Wohnung weg ist.

Wie alt sind eure Kinder und gehen sie in eine Betreuung,wenn ja wie lange und wie oft?

Sie sind sieben und vier Jahre alt und gehen in die Schule, bzw. Kita – wenn diese offen hat! Das Schulkind ist meist von 8:00 bis 15:30 dort, das Kita-Kind von 9:00-16:00. Wir sind unheimlich dankbar, dass wir so tolle Betreuungsmöglichkeiten haben, beide Kinder waren in der selben Kita, wir kennen die ErzieherInnen teilweise schon sehr lang und gerade das kleine Kind LIEBT es dort sehr. Wir sind auch mit vielen Eltern aus der Kita schon viele Jahre befreundet, man wechselt sich also auch mal ab mit Abholen. Auch die Schule ist ganz toll, wir vertrauen den ErzieherInnen und LehrerInnen sehr und hier haben sich ebenfalls schon Freundschaften mit Eltern ergeben. Es gab durchaus auch mal Zeiten, in denen wir nicht so glücklich mit der Betreuungssituation waren und wir wissen, wie belastend das sein kann. Für uns sind beide Einrichtungen gerade aber wirklich perfekte Ergänzungen zum berühmten “Dorf”, die Kinder fühlen sich dort sehr gut aufgehoben. Ein weiteres Plus: auch hier haben wir keine weiten Wege.

Wie habt ihr eure Tage, die Nächte, die Woche aufgeteilt?

Die Nächte sind zum Glück mittlerweile ruhig geworden, früher haben wir uns da tatsächlich auch abgewechselt. Mein Partner ist der bessere Frühaufsteher, deshalb macht er eher den Morgen mit den Kindern. Dann bringt einer das 8 Uhr Kind, der andere das 9 Uhr Kind. Ansonsten richten wir uns sehr nach unseren Arbeitszeiten. Wenn er viel zu tun hat, übernehme ich – wenn ich viel zu tun habe, macht er mehr. Wenn wir beide ins Straucheln geraten, müssen wir mit Oma und Freunden jonglieren. In entspannten Wochen haben wir es meist so aufgeteilt, dass jeder zwei lange Arbeitstage hat, der jeweils andere holt die Kinder. Einen Tag die Woche übernimmt meist die Oma, die in der Nähe wohnt. Der, der lange arbeiten kann, kann auch noch abends Freunde treffen oder was auch immer – kommt dann also auch nicht zwingend zum Abendessen nach hause. Mittlerweile ist es oft so, dass Oma zum Beispiel nur ein Kind nimmt (das tut den Kids gut, ab und zu “Einzelkind” sein zu können) und beide Kinder sind auch sehr oft verabredet und werden dann direkt nach Kita / Schule von anderen Eltern mitgenommen oder wir nehmen noch Kinder mit. Da kommt uns auch zugute, dass wir viele Kinder im Haus haben, die in die gleiche Schule/Klasse gehen, wir tauschen uns also zusätzlich noch mit NachbarInnen aus. Das ist natürlich alles immer mit viel Organisation und Kommunikation verbunden, aber es ist für alle Beteiligten schön. Beide Kinder übernachten mittlerweile auch oft auswärts, das sind alles Dinge, die den Alltag enorm bereichern und auch entlasten. Und das ist übrigens eine Sache, die ich sehr daran liebe, keine ganz kleinen Kinder mehr zu haben.

Organisiert ihr euch spontan oder macht ihr einen Plan?

Wir besprechen meist am Sonntag, wie die Woche aussieht, wer wichtige Termine hat, etc. Und dann teilen wir auch die Tage auf. Meistens wird aber im Laufe der Woche auch immer noch viel hin- und hergeschoben. Wir hatten immer die Prämisse, dass jeder dem jeweils anderen jeden Job und jede berufliche Chance möglich macht. Ich habe viele Jahre lang fest angestellt gearbeitet, nebenbei Little Years gemacht und wenn dann eine Anfrage für ein Projekt kam, dann haben wir das auch immer hinbekommen. Ähnlich bei meinem Partner, auch wenn ein Projekt mal verrückt erschien und er dafür wochenlang weg war – wir haben versucht, es zu ermöglichen. Deshalb haben wir uns wahrscheinlich mittlerweile sehr daran gewöhnt, dass wir oft flexibel sein müssen, manchmal nervt das, aber meistens ist es okay. Man denkt, bei selbstständig arbeitenden Paaren ist eine gleichberechtigte Aufteilung leichter, ich behaupte das Gegenteil. Als ich noch fest gearbeitet habe, hatte ich feste Zeiten und man konnte viel besser planen! Ich behaupte also, wer fest angestellt arbeitet, kann sich oft sogar leichter aufteilen. Wichtig ist, dass jeder immer klar ausspricht, wenn er sich nicht gerecht behandelt fühlt, mehr Zeit für sich braucht – und so weiter. Wir planen auch oft spontan Nachmittage oder Abende, die wir alle zusammen oder gemeinsam mit Freunden verbringen. Jetzt in der Corona-Zeit teilen wir meist die Tage auf. Einer arbeitet vormittags, der andere nachmittags. Mit dem “ins Bett bringen” (das ist ein Thema, das gerade sehr sehr kräftezehrend ist…) wechseln wir uns auch ab. Und: wer kocht, muss danach nicht die Küche aufräumen.

Welche Tools nutzt ihr?

Wir nutzen einen Apple Kalender, den wir beide auf dem Handy haben. Dort gibt es einen Familienkalender, in den alle wichtigen Termine eingetragen werden, auch Arzttermine und Verabredungen der Kinder und auch wichtige berufliche Termine. In normalen Zeiten tragen wir dort auch ein, wenn wir einen Abend “familienfrei” haben wollen. Es kam schon vor, dass wir beide den gleichen Abend haben wollten, dann gewinnt der, der zuerst dran war. Oder wir organisieren es irgendwie anders…

Würdet ihr sagen, dass die Organisation des Alltags sehr zeitaufwendig ist und klappt sie gut?

Ich denke, es ist zeitaufwendig, ja. Dafür klappt es ziemlich gut! Aber es gehen auch mal Termine verloren, vor allem wenn die Schule irgendwelche Extra-Sachen ansetzt. Milchtüte mitbringen, Obst mitbringen – sowas vergessen wir beide ständig, aber da denkt dafür jetzt das Kind schon selbst dran! Er hat also schon eine Mental Load -Lektion gelernt. Ansonsten… ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen. Und mit der Zeit ist es viel besser geworden, früher saßen wir manchmal bei “Dates” und haben nur organisiert. Ich persönlich brauche auch ein gewisses Maß an Planung, um  klar denken zu können, der Mann lebt gerne in den Tag hinein… Ich denke, ohne die Organisation würde es einfach nicht klappen! Also mache ich mir ehrlich gesagt schon keine Gedanken mehr, ob es aufwendig ist, denn es ist alternativlos.

Habt ihr einzeln Hobbies, oder macht Sport? Wann findet ihr Zeit dafür?

In normalen Zeiten geht der Mann Tennis spielen und da findet er unfassbar oft Zeit für, haha! Er spielt zwei bis drei Mal die Woche, oft früh morgens und manchmal auch am Wochenende, meist samstags. Natürlich nicht, wenn eine stressige Produktion ansteht, aber sonst ist er da sehr hinterher. Ich mache normalerweise ein bis zwei Mal die Woche Yoga, oft anstelle einer Mittagspause, oder abends nach der Arbeit. Auch in Sachen Freizeit versuchen wir, dem jeweils anderen viel möglich zu machen. Wir waren zum Beispiel beide schon oft alleine oder mit FreundInnen verreist.

Was ist mit Paar-Zeit, wann bekommt ihr die unter?

Wenn die Kinder mal früher schlafen, verbringen wir einen Abend auf der Couch zusammen, ansonsten gehen wir auch mal aus, wenn die Kinder bei Oma sind. Und wir fahren ein Mal im Jahr zusammen in den Urlaub – die Kinder sind dann bei den Großeltern. Ich würde sagen, dass wir dennoch ganz klar zu wenig Zeit zu zweit haben. Ich würde jetzt gerne sagen, dass das besser wird, wenn die Kinder noch größer sind – aber gerade jetzt in Corona-Zeiten fühlt sich das schrecklich weit weg an!

Habt ihr Hilfe, also einen Babysitter, ein Au-Pair, etc?

Wir haben eine Oma, die in der Nähe wohnt und oft und gerne ihre Enkelkinder betreut. Das ist ein Riesenglück, das weiß ich! Solche familiären Bande kommen aber auch immer mit gegenseitigen Verpflichtungen einher, das vergisst man oft. Wir haben außerdem noch eine weitere Oma, die weiter weg wohnt, aber die Kinder oft besucht (und uns dann auch entlastet) und bei der sie auch mehrmals im Jahr für ein paar Tage sind. Ansonsten haben wir unser “Dorf” – also eben viele Freunde, die die Kinder schon so lange und gut kennen, dass es fast wie Familie ist und sie immer einspringen können (und wir umgekehrt auch). Babysitter haben wir immer mal wieder gehabt, aber weil wir es immer auch so gut hinbekommen haben, machen wir das selten.

Habt ihr das Gefühl, genug Zeit mit den Kindern zu verbringen?

Es ist so lustig, diese Frage JETZT zu beantworten, wo ich meine Kinder seit drei Monaten jeden Tag 24 Stunden sehe, haha!! Aber im Ernst, auch in normalen Zeiten sehe ich sie genug. Wir sehen sie beide mehr als genug, dadurch dass jeder in der Regel mehrere Nachmittage pro Woche mit ihnen verbringt. Und wenn einer mal mehr arbeitet und sie ein paar Tage nicht sieht, dann ist es danach ja auch umso schöner.

Sprechen wir über den Haushalt: wie teilt ihr euch hier auf?

Ich mache die Wäsche, er die Küche. Vor einer Weile hat er berechtigterweise eingeräumt, die Küche (also Spülmaschine, Kochen, Essen einkaufen…) sei viel mehr Arbeit als die Wäsche und das stimmt auch. Also habe ich jetzt auch wieder mehr einen Blick auf die Essens-Situation und mache die Spülmaschine mit. Aufräumen tue ich definitiv mehr, ich liebe aufräumen, das entspannt mich. Er kocht dafür mehr und steht morgens viel öfter mit den Kindern auf und macht Frühstück. Ich halte eher das Bad sauber, er die Küche. Ich kümmere mich eher um Drogerie-Einkäufe, er ums Essen. Alles in allem ist es recht fair, auch wenn ich immer das Gefühl habe, dass ich etwas mehr mache, vor allem, wenn es um die kleinen Dinge geht, die man im Blick haben muss. Ich bin mir aber nie sicher, ob das der weibliche Blick ist, und es stört mich gerade auch nicht. Wenn es mich stört, melde ich mich sofort und das wird dann auch angenommen. Umgekehrt natürlich genauso.

Habt ihr hier Hilfe, eine Putzhilfe zum Beispiel? Wie oft kommt diese?

Ja, wir haben eine Reinigungskraft, sie kommt ein Mal die Woche für drei Stunden und macht die Grundreinigung. Ich leiste mir diesen Luxus schon seit zehn Jahren und es macht einfach SO viel aus! Denn hier putzt keiner gerne – und vor allem auch nicht gut. Meiner Meinung nach macht es einen großen Unterschied, wenn gut saubergemacht ist. Immer wenn sie da war, habe ich das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben. Sie gehört schon fast zur Familie und ist auf jeden Fall sehr sehr wichtig für das Funktionieren unseres Familienlebens. Das merken wir, wenn sie im Urlaub ist… Am Abend bevor sie kommt, räumen wir immer alle zusammen auf, alleine das ist schon immer so ein schönes Ritual.

Seid ihr beide zufrieden mit eurem Haushaltssystem?

Ja, im Großen und Ganzen schon. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es für uns das Beste wäre, wenn die Putzfrau zwei oder sogar drei Mal pro Woche kommen würde, aber das ist momentan finanziell nicht so ganz drin und wir sind uns auch darüber im Klaren, dass es Schattenseiten hat, diese wichtige Arbeit auszulagern. Deshalb: so wie es jetzt ist, passt es eigentlich super für uns.

Wer hat die Orga in der Hand? Oder teilt ihr das auch auf?

Ich mache mehr, aber er bemüht sich! Er ist für Arzttermine zuständig, ich für die Klamotten der Kinder. Verabredungen für die Kinder machen wir beide aus. Ich plane aber definitiv eher die Urlaube und Veränderungen in der Wohnung und auch die ganze Kinder-Orga, also wer wann wo ist, habe eher ich im Blick.

Wie habt ihr die Finanzen geregelt?

Es gibt ein Familienkonto, davon gehen alle gemeinsamen Ausgaben ab: Miete, Strom, Netflix, Internet und so weiter. Auch Essen bezahlen wir davon, wir haben jeder eine EC-Karte zu dem Konto. Auf das Konto überweisen wir jeweils einen ausgemachten Betrag jeden Monat, auch das Kindergeld landet da. Wenn was übrig bleibt, geht das in die Urlaubskasse, aber das passiert leider fast nie! Ansonsten haben wir beide noch unsere eigenen Konten und kümmern uns auch jeder einzeln um Altersvorsorge. Wir verdienen unterschiedlich, gleichen das aber so aus, dass der, der mehr verdient, mehr auf das Familienkonto einzahlt.

Wie seid ihr selbst aufgewachsen? Mit zwei arbeitenden Eltern, oder nicht?

Wir sind beide mit alleinerziehenden Müttern aufgewachsen, die sich so durchgewurschtelt haben und beide zeitweise viel gearbeitet haben und entsprechend wenig da waren. Wir mussten also beide früh selbstständig sein, ich denke, das hat uns sehr geprägt. Wir hatten keine perfekten Hausfrauen als Mütter, deshalb erwartet das hier niemand. Überhaupt sind wir mit keinem Bild aufgewachsen, in dem der Mann der “Ernährer” und die Frau für das “Kümmern” zuständig ist. Und ich bin heilfroh, dass ich diese Bilder nicht zu sehr im Kopf habe!

Findet ihr euer System gerecht, seid ihr glücklich damit?

Ja, zu normalen Zeiten klappt es gut. Gerade ist es so stressig, dass ich nicht sagen kann, dass ich super glücklich bin, aber ich weiß, dass ich in “normalen” Zeiten oft denke, wie toll das ist, dass ich so viel Zeit für mich habe und dass wir uns beide in den letzten Jahren beruflich so weiterentwickeln konnten, trotz zwei kleiner Kinder. Es ist einfach immer noch so, dass das in den meisten Familien nur einem Elternteil gelingt (meist: der Mann) und ich bin unheimlich dankbar dafür, dass das bei uns nicht so ist.

Was würdet ihr euch vom Staat, von eurem Umfeld, vom Arbeitgeber wünschen?

Ein Steuersystem, das Haushalte mit Kindern wirklich entlastet, ist längst überfällig. Es kann nicht sein, dass man so viel besser weg kommt, wenn man verheiratet ist, aber keine Kinder hat. Überhaupt, dieses Ehegattensplitting… Ich fange gar nicht erst an. Wir haben beide das Glück, unsere eigenen Arbeitgeber zu sein. Das ist aber natürlich nicht die Regel und es wäre sehr wünschenswert, wenn es verbindliche Vorgaben für Arbeitgeber gäbe, die allen Familien mehr Vereinbarkeit möglich machen würde. Ach ja! Die 40 Stunden Woche ist überholt! Und noch vieles mehr…

Was kommt immer zu kurz?

Ruhemomente zum Innehalten… Und wir hätten immer gerne von allem ein bisschen mehr: Mehr entspannte Arbeitszeit, mehr Zeit für Sport, zum Lesen… Aber so ist das wohl in der Rush Hour of Life.

Und was klappt aber eigentlich ziemlich gut?

Der ganze Rest!

Das Foto ist sehr alt (wie klein sie sind!) und von Lina Grün. Und auf Instagram nehme ich euch heute mit durch unseren Alltag, schaut doch mal rein!

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