Und worüber streitet ihr so?

09. October 2014 | in Alltag | Familie

angry-mom-l
Ich bekomme ja ab und zu zu hören, wir würden hier alles beschönigen, zu perfekt darstellen, usw. Dabei gibt es natürlich auch in meiner glücklichen Klein-Familie schlechte Tage, Wochen, Phasen. Es wird gestritten und das Chaos regiert. Aber soll ich darüber dann immer schreiben und den Problemen dadurch erst so richtig Bedeutung geben? Och nö, das möchte ich nicht. Genauso wie ich nicht glaube, dass irgendjemand wirklich Bilder meiner Wohnung im Normalzustand sehen will.

Ich bin ein positiver Mensch, ich sehe lieber die schönen Augenblicke. Und ich versuche, vieles mit Humor zu nehmen. Das Streiten zum Beispiel! Nicht gerade einfach, daran was Lustiges zu finden, aber kürzlich fiel mir auf, dass eigentlich alle Paare in meinem Freundes- und Bekanntenkreis über die gleichen Dinge streiten. Vorzugsweise am frühen Morgen oder nach einer Scheiß-Nacht (oder mitten in einer solchen). Und das ist doch eigentlich ziemlich witzig, oder?

Hier die unvollständige Liste der liebsten Streit-Themen von eigentlich glücklichen Middle-Class-Großstadt-Pärchen:

Das bisschen Haushalt…

Die Klassiker:
-Kannst du dir nicht mal einen Teller nehmen, wenn du dir ein Brot machst?
-Kannst du nicht ein bisschen weniger Dreck machen, wenn du kochst?

Die Spülmaschine: (man sollte denken, eine Spülmaschine erleichtert alle Beteiligten, aber auch hier gibt es Konfliktpunkte…):
-Kannst du das Geschirr nicht mal direkt in die Spülmaschine anstatt in die Spüle räumen?
-Du räumst die Maschine nie aus!
-Du räumst sie falsch ein! Die Tassen müssen so, die Teller so, die Töpfe so.
Männer haben nämlich ziemlich oft eine Tendenz dazu, das perfekte Spülmaschinen-Einräum-System zu erfinden. Anstatt sie einfach einzuräumen, hält meiner mir gerne Vorträge, dass Töpfe so und Gläser so zu stehen haben. Meine Mutter hat ein noch extremeres Spülmaschinen-Exemplar zuhause. Ihre Lösung: keiner rührt die Spülmaschinen-Ordnung mehr an außer ihr Freund. Bei uns würde dann aber alles in der Spüle verschimmeln. Wette ich!

Und:
-Das passt doch so (zusammengewurschtelte, nasse Wäsche, Bunt- und Weißwäsche gemischt)
-Ich hätte das schon noch gemacht (wenn ich das Chaos nicht mehr ertrage und fluchend seine Häufchen zusammenräume)

Die lieben Kinderlein…

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber unsere gleichberechtigte Form der Kindererziehung führt ganz schön oft zu Streit. Als Xaver noch ganz klein war, ging es meistens darum, dass ich genau wusste, was er hat (klar…), und Papa mir nicht glaubte.
-Er ist nicht müde!
-Er kann doch nicht schon wieder Hunger haben!

Viele meiner Freundinnen, deren Männer unter der Woche viel arbeiten, hassten in den ersten Monaten dagegen am meisten, dass der Mann am Wochenende den hart erarbeiteten Rhythmus immer so durcheinanderbringt. “Dann ist er plötzlich da und macht alles kaputt”:

Mittlerweile meint das Papa-Tier bei mir zuhause oft, er müsse den strengeren Part übernehmen (weil ich halt so ein Weichei bin):
-Er muss da jetzt mal durch
-Er muss das lernen
-Er sollte XY wirklich mal langsam können
-Du lässt dir auf der Nase rumtanzen
-Kein Wunder, dass er so verzogen ist

Es geht aber auch richtig oft um Banalitäten:
-Er mag keine Tomaten mehr
-Tut er wohl
-Er will es nachts dunkel haben
-Ist nicht wahr, er hat im Dunkeln Angst
-Diese Windeln sind Mist
-Dann kauf du doch mal welche!

Das ewige Aufrechnen…

Schlimm. Kaum ist das Kind da, hat man das Gefühl, man macht alles. Oder zumindest sehr sehr viel. Der andere hat dooferweise das gleiche Gefühl. In vielen Haushalten wird gerne gestritten, wenn der Papa beim Nachhausekommen von der Arbeit erstmal das Kind in die Hand gedrückt bekommt.
-Ich hatte es den ganzen Tag!
-Ich habe den ganzen Tag gearbeitet!

Aber Neu-Mütter haben eben Zeiten, da sind sie darauf neidisch, ins Büro zu gehen. Sie wünschen sich nichts mehr, als einfach mal in Ruhe ins Büro zu gehen!
Wessen Arbeit zählt mehr? Wer darf sich wann Freiräume nehmen?
-Du warst schon am Montag beim Sport!
-Und du gestern mit deinen  Freundinnen!
-Ich habe ihn die ganze Woche ins Bett gebracht!
-Du wachst ja nachts nicht mal auf!

Und der Klassiker:
-Ich mache hier alles!
Sagen Mütter oft, ich auch. Weil ich Essen einkaufe, die Wäsche mache, die Urlaube plane, immer die Tasche mit Xaver-Kram packe, die Windeln und die Klamotten kaufe, abends sein Spielzeug wegräume, die Arzttermine mache (und einhalte), weil ich unser Kalender bin. Wenn wir dann aber wirklich aufrechnen, komme ich leider immer schlechter weg als ich denke. Ich habe das Gefühl er macht nichts, und dann fällt ihm doch ganz schön viel ein. Damn!

Kommt euch manches davon bekannt vor? Oder streitet ihr über ganz andere Sachen? Fakt ist doch: die ersten Jahre als Eltern sind anstrengend. Supermegatotalschrecklich anstrengend. Zwei übermüdete, überarbeitete Menschen, die gerade die größte Verantwortung ihres Lebens eingegangen sind. Wie soll da alles glatt laufen? Ein kleines Wesen, das so viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe braucht, dass sehr sehr wenig für die Zweisamkeit übrigbleibt. Wie soll man da Paar bleiben? Zeiten zu zweit sind rar, Sex auch. Dates sind ein Happening. Aber das Gute ist doch: es geht allen so. Und: es wird nicht für immer so sein. Statt über Kleinkram zu streiten, versuchen wir immer, uns gegenseitig zu entlasten. Anstatt aufzurechnen, wer was macht, leisten wir uns eine Putzfrau und haben einen strengen Wochenplan. Gestritten wird trotzdem! Aber, wie sagte ein schlauer Mensch mal: Gesunde Familien hangeln sich ständig von Krise zu Krise. So ist das. Und es ist gut so! Weil zwischendurch und manchmal sogar mittendrin alles ziemlich schön ist….

Bild via All the Rage Faces

Kommentare