Yay oder Nay: Merchandise Produkte

01. February 2017 | in Familie | Gesellschaft | Lifestyle | Parenting | Spielzeug

Yay oder Nay, oder auch machen oder lieben sein lassen? Gerade beim Elternwerden und Elternsein stellen sich so viele Fragen, zu denen die Einstellungen so unterschiedlich sind, dass man es am Ende nur falsch machen kann. Über die kleinen und großen Fragen wollen wir uns in unserer neuen Serie Gedanken machen – und zwei Meinungen gegenüberstellen. Und das nicht immer ganz ernst gemeint. In unserem ersten Teil geht es um die von Kindern geliebten und von vielen Eltern gehassten Merchandise-Produkte. Wir kennen sie alle: Von der Zahnbürste übers Joghurt bis zum Schlafanzug – verziert mit knallbunten Lightening McQueen, Frozen-Charakteren oder Winnie Puh. Ob einem das nun in den ästhetischen Kram passt sei mal dahin gestellt, Kinder lieben sie so oder so (sollten sie die Filme kennen). Eine riesige Industrie, die auf den Haben-Wollen Effekt der Kinder baut. Kauft man so etwas, oder sollte man es lieber lassen?

Marie:

Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich immer auf gar keinen Fall wird er den Potatoe-Head auf dem Schlüpfer haben. Niemals eine Minions-Puppe besitzen und schon gar nicht mit so einem blöden T-Shirt rumlaufen! Ich empfand es als verwerflich einem Kind schon in so frühen Alter an eine Charaktere glauben zu lassen, die einzig und allein dafür produziert werden, um sich zu verkaufen, und das massenhaft. Fast-forward: Mein dreijähriger Sohn trägt Minions – Schlafanzüge, hat eine Lightening McQueen-Zahnbürste und Star Wars Unterwäsche. Für alle drei habe ich eine Ausrede: Als er noch halb in den Windeln war, konnte ich ihn mit Hilfe der Minions-Unterwäsche davon überzeugen, das Schlüpfer cooler sind als Windeln. Er liebt Lightening McQueen (bei ihm Saetta McQueen, er schaute ja auch auf Italienisch) und putzt sich damit die Zähne, ohne das ich stundenlang diskutieren muss. Star Wars kennt er noch nicht, aber fand den Aufdruck einfach beeindruckend. Und irgendwie muss ich sagen, die Welt ist noch nicht untergangen! Ich habe bis jetzt trotzdem ein kreatives und sensibles Kind – warum auch nicht? Auch wenn mein ästhetisches Auge am Anfang etwas gelitten hat, es ist mir total egal geworden, fast schon finde ich es ein bisschen oberflächig, dass ich aus solchen Gründen dieses Zeug nicht wollte! Es gibt natürlich auch Grenzen: In seinem Kinderzimmer, gibt es keine Poster davon und auch nur ein paar gebrandete Spielzeuge. Es soll nicht alles damit zugekleistert sein. Was aber passieren wird, wenn er älter wird und sich so etwas wünscht? Nun, dann soll er es haben. Ich habe allerdings auch schon mal ein Mini-Büchlein von Cars weggeworfen: Da fing nämlich Fransesco an, im italienischen Klischee-Akzent Deutsch zu sprechen: ” Ich nix-e deutsche sprechen!” Oder so ähnlich, da bin ich tatsächlich etwas sauer geworden. Es würde mir wirklich wehtun, meinem halb-italienischen Kind so einen Mist vorzulesen. Mal genauer hinzuschauen, um was es geht, ist sicherlich immer angebracht.

Natürlich setzt Junios Liebe zu Merchandise-Kram voraus, dass er die Filme kennt. Auch hier wollte ich das am Anfang nicht, bloß keinen Mainstream-Kram, habe ich gedacht. Aber dank seinem Vater kennt er schon seit sehr jungen Jahren viele Disney-Filme und ich habe auch irgendwann angefangen die großen Produktionen mit ihm zu gucken. Einfach weil manche von ihnen auch wirklich Spaß machen und weil ich das alles nicht so streng sehe. Die wirklich wichtigen Sachen lernt er im echten Leben, wenn da mal ein dümmlicher Film dabei ist, kann das auch nicht schaden, so lange die guten Filme überwiegen. Und wenn er sich dann so sehr über den Minions-Schlafanzug freut, why not. Mein Fazit also: Ein bisschen Made in China schadet dem Kind nicht, warum immer alles so eng sehen?

Isabel:

Ich versuche tatsächlich, alle Arten von Merchandising Produkten zu vermeiden und bisher ist mir das sehr gut gelungen. Wie? Xaver darf, so geht es los, nicht alles kucken, was er will. Kein “CARS”, kein “MICKEY MOUSE CLUBHOUSE” und kein “LEGO” vor allem. Denn ich habe mir das mal kurz angesehen und finde es einfach wirklich schlecht. Aggressiv, blöd, zu schnell, kaum Dialoge (oder wenn dann in keinem anständigen Deutsch, sondern mit Quietsch- oder Brumm-Stimme und in Babysprache). Ich sehe da Null Mehrwert, deshalb gibt es das einfach nicht bei uns. Er darf ab und zu was kucken, aber dann Mullewapp, Petterson und Findus oder andere Filme, bei denen ich das Gefühl habe, die sind angemessen (Ja, ich sehe mir alles vorher oder mit ihm zusammen an. Meistens sehe ich nach weniger als einer Minute, ob es passt oder nicht).

Dann gehe ich mit Xaver selten bis nie in Geschäfte, in denen es so etwas zu kaufen gibt. Er kommt also nicht in Versuchung. Ich lasse ihn auch nicht seine Klamotten aussuchen, ich kaufe alles und meistens habe ich Glück und er zieht es an. Ich habe auch nicht vor, das mit Quinn anders zu machen. Ich hoffe insgeheim, dass der Frozen-Hype vorbei ist, bis sie in dem Alter ist aber ich denke auch wenn nicht, werde ich standhaft bleiben (können).

Warum? Ich finde es nicht gut, wenn meine Kinder in so jungen Jahren schon von der Industrie versaut werden. Diese Filme und die Produkte dazu sind eine Riesen-Industrie, bei der es nicht, und zwar gar nicht um das Wohl der Kinder geht, sondern einfach nur ums Geld machen. Ich finde es schlimm, dass vor allem das Jungs-Zeug immer aggressiv, schnell, kämpferisch ist (und der Mädchen-Kram verweichlicht, rosa und Prinzessinnen-like). Das entspricht nicht meinem Weltbild und ich möchte meinen Sohn gerne anders erziehen. Interessanterweise sagt er aber oft: Das ist für Mädchen, das für Jungs. Das ist böse (und für Jungs), das ist lieb (und für Mädchen). Er hat das in der Kita aufgeschnappt… Ich widerspreche immer und hoffe, es hört irgendwann auf!

Außerden werden diese Produkte billig und in Billiglohnländern schlecht produziert. Sie verkörpern alles, was ich nicht mag. Sie sind ethisch und moralisch nicht in Ordnung, sie sind schlechte Qualität, und ach ja: sie sind außerdem ausgesprochen hässlich. Ich will lieber kleine und mittelgroße Brands unterstützen, hinter denen echte Menschen stecken. Klar gibt’s auch bei uns mal was von H&M oder Zara, aber eben nur ganz ganz selten.

Nun ist es nicht so, dass Xaver nicht ganz genau wüsste, was das alles ist und was er da verpasst. Er sieht es bei seinen Freunden in der Kita, und als ich ihn letztens zu einem Kindergeburtstag gebracht habe, hat er mir mit leuchtenden Augen eine Serviette entgegengehalten und gesagt: “Mama schau, dass ist Lightninig McQueen!” (auch er spricht es so süß aus, irgendwie: LAIGMÄN MÄKWIEN). Er hat auch schon gefragt, warum er das nicht kucken darf und ich habe es ihm erklärt.

Und ich bin auch nicht zu 10000% konsequent. Er hat eine Zahnbürste mit seinem Lightning drauf. Zum Nikolaus gab’s Schokolade mit diesen schrecklichen CARS. Und ich habe erst vor ein paar Tagen bei Ebay Kleinanzeigen eine Tüte mit Lego geschossen, in der auch ein paar Star Wars Figuren waren. Star Wars finde ich ja auch selbst cool, nur überhaupt nichts für Dreijährige. Xaver ist schon Fan, obwohl er keine Ahnung von dem Film hat. Er hat sich entsprechend über die Figuren gefreut und kann auch schon Darth Vader nachmachen und “Ich bin dein Vater” in böser Sprache sagen. Das finde ich süß und das ist auch völlig okay. Aber mehr muss es bei uns nicht sein.

Was meint ihr?

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