Von und über Kinderbuchklassiker

 

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Wenn ich das Bücherregal meines Sohnes inspiziere, dann stehen da wesentlich mehr alte als neue Kinderbücher – und ich meine nicht Second Hand, sondern solche Bücher, die zumeist vor mehr als einem halben Jahrhundert veröffentlicht worden sind. Wir lesen hier also viele Klassiker. Das ist bestimmt auch so, weil ich als Kind massiv viel gelesen habe und diese Bücher das einzige sind, was mir aus meiner Kindheit geblieben sind. Alles andere wurde einmal auf dem Flohmarkt verkauft, aber Kästner & Co. durch viele Stationen und Städte mit nach Berlin geschleppt. Ich lese die Klassiker aber auch lieber wegen ihrer Sprache, weil sie – so zumindest oft mein Eindruck – viel sorgsamer und kreativer geschrieben sind. Ich kann das hier sagen: ich ertrage Conny & Co. schlichtweg nicht. 3-Wort-Hauptsätze sind nicht mein Fall. Und weil ich mir vorstellen kann, dass ich damit nicht alleine bin, stelle ich heute die Bücher oder vielmehr Autoren vor, die wir hier vor allem zum Einschlafen lesen.

Astrid Lindgren

Ich habe Julius ungefähr mit 4 Jahren angefangen, Pippi Langstrumpf vorzulesen. Und auch wenn er heute neben mir sitzend sagt “mag ich nicht, weil da keine Drachen drin vorkommen”, haben wir die Bänder sicher 10 Mal gelesen, kennen wir die Geschichten rund um die Villa Kunterbunt und den Seefahrervater nahezu auswendig. Zu Beginn wollte Julius sich immer noch ganz genau die wenigen Illustrationen in den Büchern um Pippi, Annika und Tommy ansehen, aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass er sich die Bilder zu den Geschichten selbst ausmalt, während ich neben ihm sitze . Und letzteres beschreibt ganz gut, was Pippi Langstrumpf ohnehin ausmacht: die erwachsene Welt auf den Kopf zu stellen, in eine alternative kindliche Quatsch-Dimension einzutauchen. Und Pippi ist ja lange nicht der einzige Charakter, den Lindgren erfunden hat: Ich habe als Kind auch Madita, Karlsson vom Dach oder Michel aus Lönnerberga gelesen und werde bestimmt auch bald beginnen, sie Julius vorzustellen.

Pippi Langstrumpf

Madita

Kalle Blomquist

Erich Kästner

Aktuell lesen wir aber erst einmal Erich Kästners “Die Konferenz der Tiere”. Jenes Buch, das ich ihm bereits (und ein wenig nerdig überambitioniert) als Baby in meinem Arm liegend vorgelesen habe und das in einer Welt voller Kriegsschauplätze, Hungersnöten und politischen Krisen kaum aktueller sein könnte: Darin beschreibt Kästner, wie die Erwachsenen die Welt in Schutt und Asche legen, darüber die Zukunft ihrer Kinder und der Welt riskieren. Letztlich wird im Buch dann auf der Konferenz der Tiere beschlossen, die Kinder aller Menschen zu entführen – um die Erwachsenen zu bewegen, sich auf Wesentliches, das Miteinander zu besinnen. Mir is als Kind wiederum zuerst ein anderes Buch von Kästner begegnet: Das doppelte Lottchen. Ich habe es wirklich unverhältnismäßig oft gelesen – immer und immer wieder. Ich war regelrecht besetzt von seiner Dramaturgie, dem Dirigentenvater und Charlotte, die in München alle Einkäufe erledigt, weil ihre alleinerziehende Journalistenmutter dazu keine Zeit findet. Das Buch ist streckenweise durchaus traurig, aber auch so, so oft sehr schlau angelegt – und ein glückliches Ende gibt es dann ja auch. Als nächstes Kästner-Buch steht hier übrigens “Pünktchen und Anton” an, das liegt für Julius unterm Tannenbaum.

Konferenz der Tiere

Das doppelte Lottchen

Pünktchen und Anton

Jules Verne

Ok, jetzt wird es durchaus ambitionierter und ich kann mir auch (noch) nicht vorstellen, damit in den kommenden Monaten zu beginnen, aber ich glaube, dass Jules Verne perspektivisch eine gute Kinderlektüre sein kann. Ich habe in der Grundschule Jules Vernes “5 Wochen im Ballon” gelesen und fand es großartig. Allein wegen all der Expeditionen und den vielen Abenteuern auf diesen Reisen. Es steht hier außerdem eh noch rum, ich werde es wohl bald einmal ausprobieren

Lewis Carroll

Ähnliches gilt natürlich für “Alice im Wunderland”. Ich kann mir vorstellen, dass es noch zu groß gedacht ist für Julius. Aber andererseits habe ich oft eher den Eindruck, wir unterfordern unsere Kinder mit dem, was wir Ihnen vorlesen oder vorlegen, weil darin scheinbar “altersgemäß” berichtet wird, anstatt an den Grenzen der kindlichen Phantasie weitere Räume zu erschließen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Phantasmen der “Alice im Wunderland” gerade diesen Anspruch erfüllen.

5 Wochen im Ballon

Alice im Wunderland

Janosch

Und zum Ende doch noch eine verlässlich altersadäquate Quelle für Kinder: Janosch. Und zwar: alles. Ich finde auch als Erwachsene Janosch noch unübertroffen und liebe seine Kolumne im ZEIT Magazin, Herrn Wondrak und all diese Figuren, die die Dinge, unsere Welt so aufs Korn nehmen. Ganz subtil. Und genau das erfüllen auch die Kinderbücher von Janosch. Diese, seine Geschichten sind euch allen ja sicher auch keine Unbekannte: Oh, wie schön ist Panama oder “Komm, wir finden einen Schatz”. Ich lesen Julius hier “Ich mach dich gesund, sagt der Bär” vor, wenn er krank ist und wenn wir etwas backen, greift Julius wie das kleine Schweinchen in den Topf und ruft “hmm, Schlabberteig”. Wem alles andere, was ich da oben bislang aufgezählt habe, zu bekloppt viel Text ist, der ist mit Janosch außerdem für seine Kinder allein wegen der so wunderschönen Illustrationen gut beraten. Sehr zu empfehlen finde ich dahingehend – auch wegen der Reime (!) – zum Beispiel “Der kleine Affe/Der Esel und die Eule”.

Ach, so schön ist Panama: Alle Tiger und Bär-Geschichten in einem Band

Ich mach dich gesund, sagt der Bär

Der kleine Affe/Der Esel und die Eule

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