Ein Fazit: Über die Wochen im VW-Bus mit Kind

VW Bus

Nun sind sie also schon wieder rum, unsere drei Wochen Urlaub, dieser Feldversuch, wie es sich lebt und fährt in einem VW-Bus mit Kind an den Küsten Südeuropas. Wenn mir die Leute dieser Tage so erwartungsfroh begegnen, wie es denn nun war mit dem Bulli, weiß ich in wenigen Sätzen genau das nicht zu beschreiben. Vielleicht eine Frage der Zeit: Denn so richtig angekommen sind wir hier in Berlin, oder bin ich in Berlin noch nicht.

Vielleicht am ehesten so: Das waren drei sehr intensive Wochen voller Eindrücke und zum Alltag alterniederender Perspektiven. Wir hatten gefühlt durchgehend 35 Grad in jenseits von Lyon zu den Berliner Betonlandschaften sehr entrückt gezeichneten Landschaften. Wenn wir nicht fuhren und schwitzten, saßen oder lagen wir und schwitzten, es sei denn, wir erlagen den Temperaturen an irgendeinem Pool respektive dem Mittelmeer oder einem Bergsee. Diese Wochen, sie sind uns unter der Sonne der Riviera nur so zerronnen und waren doch zuweilen auch: so zäh.

Denn, wenn ich noch eines vorweg nehmen und vorausschicken kann, dann das, was allen bekannt ist und dieser Autor für ZEIT online vor kurzem so schön aufgeschrieben hat: “Das wichtigste am Verreisen mit kleinen Kindern ist, nicht mit der Erwartung zu fahren, sich zu erholen, dann kann man auch nicht enttäuscht sein”.

Aber fangen wir einmal von vorne an: Ich hatte ja in der Vorschau zu dieser Tour bereits durchblicken lassen, dass ich nicht dazu gekommen bin, unsere Reise groß zu planen, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, zumindest ein paar Etappen festzusetzen. Und so blieb es bei der vagen Route über die Provence gen Nizza zu fahren (weil wir dort für eine Woche ein Apartment angemietet hatten) und auf der Rückreise Italien gen Ostschweiz zu queren.

Wildcampen in Frankreich 

Ich glaube, ich dachte in dem Moment, als wir losfuhren, das mit den Übernachtungsmöglichkeiten würde sich schon fügen. Dass es dahingehend gar nicht so viel Organisation bedürfte. Und gewisser Weise war das so. Hatte ich vorher überall gelesen, dass man in Südeuropa, speziell in Frankreich und Italien auf gar keinen Fall wildcampen sollte, haben wir doch ganz gute Erfahrungen damit gemacht. Mit einem Wohnmobil wäre das wahrscheinlich undenkbar gewesen, aber der Bus ließ sich relativ unauffällig abstellen, ohne dass wir des Platzes verwiesen worden wären.

Die Kehrseite der Medaille: In der ersten Nacht schliefen wir auf irgendeinem Hotelparkplatz in Nordfrankreich, weil wir den Zeitpunkt verpasst hatten, uns in einem dieser vielen idyllischen Orte im Elsass einzurichten und der Freundin, die uns auf der Tour begleitete, das Industriegebiet, in dem wir stattdessen landeten, nicht behagte und sie sich stattdessen versuchte, in ein Etap-Zimmer einzumieten. Sollte dann nicht sein und so taten wir in dieser Nacht das, was wir darauf gefühlt ständig taten: Gepäck umschichten, umstellen, den Bus umrüsten – um die Sitzbank zum Bett umzurüsten.

Kilometer reißen versus liebliche Landstraßen

Während der ersten Tage und auf dem Hinweg in den Süden Frankreichs sind wir quasi nur gefahren, weil wir jenseits der deutschen Grenze über Landstraßen unterwegs waren. Immer in der Annahme, dass das schöner und auch günstiger (Maut!) wäre. Und tatsächlich gab es dann auf der langen Strecke so Momente, wo wir französischen Kleinbauern schwarze Johannisbeeren aus der Garage abkauften oder bereits nach der ersten Nacht im Nachbarland Croissants in einer kleinen Boulangerie kauften und hier und da für Kaffee in Brasserien am Straßenrand Rast hielten.

Rückblickend würde ich die großen Kilometer durch Frankreich bis zur Provence bei einer weiteren Tour aber eher auf der Autobahn reißen und versuchen, die Anfahrt zu verkürzen. So nett jene oben beschriebenen Momente auf der Landstraße waren, drei Tage nur darauf zu verbringen, im Bus gen Lavendelfelder zu fahren, war schlichtweg zu viel. Wobei Julius das letztlich am besten weggesteckt hat, unfassbar geduldig all diese Stunden neben uns absaß, während uns Erwachsenen die Anreise im nur bedingt klimatisierten Bus deutlich zusetzte.

Unser erstes großes Etappenziel sollte sich dann letztlich als sehr glücklicher Zufall herausstellen: Ich hatte am Morgen vor unserer Abreise noch einen ADAC-Stellplatzführer gekauft und darin einen Campingplatz bei Bédoin gegenüber des Mount Ventoux auf einer Höhe ausgespäht, an deren Hängen Feigenbäume wuchsen: sehr klein und familiär, verwinkelt und in die Landschaft eingesetzt, mit einem Swimmingpool und wahrscheinlich den nettesten Platzwirten, die man sich vorstellen kann. Julius wurde mit einem Lolli begrüßt und wir am letzten Tag mit einem Frühstück am Pool verabschiedet, jeden Morgen brachte der Bäcker aus dem nächsten Ort Pain au chocolat und Baguette für alle Gäste vorbei.

Den Bulli in all seinen Möglichkeiten haben wir während unserer Tour wohl nur dort richtig genutzt: wir haben das Gepäck gleich am ersten Tag aus dem Bus verbannt, morgens Kaffee und abends Essen am Heck des Autos gekocht. Irgendwann sind wir auch mal mit unseren Fahrrädern in die Nachbardörfer losgezogen, ob der Temperaturen und der vielen Höhenkilometer aber sehr erledigt und desillusioniert, was man mit dem Rad alles erkunden könnte, zurückgekehrt. Ansonsten hingen wir tatsächlich vornehmlich in Bademode gekleidet ab. Julius stromerte durch die Feigenbaumhänge und hortete Steine wie Äste, während ich viel las, am Pool döste, mehr las und hier und da schrieb.

Apartment in Nizza als Kontrastprogramm

So ganz rudimentär angelegt, muss ich wohl ehrlicher Weise einräumen, war unsere Tour dann ja aber doch nicht. Für die zweite Woche hatten wir im Vorfeld ein Apartment in den Bergen über Nizza angemietet und das sollte sich schnell als Kontrastprogramm erweisen: Wieder mit Pool, auf einem mit Tor und Zaun abgeschirmten Anwesen und Blick über die Côte d’Azur, auf der einen Seite die Promenade der Großstadt, auf der anderen Seite die Yachthäfen von Cap Ferrat und Villefranche-sur-Mer.

Auch hier bestimmte wieder die Hitze unseren Tag, diktierte sie uns regelrecht an den Strand. Wir haben nicht einmal und trotz großer Vorreden das Musée Matisse gesehen, weil es schlichtweg zu heiß war – zumindest fürs Kind. Und so zogen die anderen Erwachsenen (In Nizza hatten wir Besuch von einem Freund) hier und da alleine los, während ich mit Julius abends oft nur vorweisen konnte, an meinem Teint gearbeitet zu haben. In der Retrospektive war das Apartment in Nizza sicher schön, aber empfehlen würde ich mit Kind eher, unmittelbar am Strand unterzukommen in einem Ort wie Beaulieu-sur-Mer, in dem es in der Region einen der kindgerechtesten und schönsten Strände gibt, einen sehr feinen kleinen Markt und außerdem gute, aber nicht allzu dekadent teure Restaurants.

Die Berge als Ausklang

Überraschenderweise hat mir unterdessen und wiederum der letzte Teil unserer Reise fast am besten gefallen. Vielleicht, weil ich hier final doch noch in die Entspannung nach all der Anspannung vor dem Urlaub gefunden habe, oder wir nach zwei Wochen mit dem Bus ungefähr wussten, wie der Hase läuft. Und so parkten wir auf der Rückfahrt über Italien unseren Bus ganz selbstverständlich in einer kleinen Straße der Città Alta von Bergamo oder später in Bergdörfern der Ostschweiz. Ich habe in diesem Urlaub nur wenige Momente alleine verbracht, die zwei eindrücklichsten wohl aber sehr früh morgens in der Alstadt Bergamos und nach einer Wanderung am Seealpsee in den Appenzeller Alpen.

 

Nun ward ja die Idee zu unserer Bulli-Reise ursprünglich motiviert durch zwei Freunde, die im Bus mit ihren frisch geborenen Zwillingen für Monate gen Portugal gereist sind und dort auch im Bus gelebt haben. Meine Vorstellung davon, wie so eine Reise wäre, war wohl eingangs sehr verklärt. Ich habe für mich festgestellt, dass ich das einfache Leben im Bus durchaus gut finde – speziell, wenn es abseits von Wohnmobil-Enklaven auf Campingplätzen stattfindet – auch wenn das bedeutet, mal zwei Tage nicht zu duschen. Zum Ende der Reise hätte ich mir gut vorstellen können, mich mit Julius weiter reisend einzurichten.

Aber es war doch auch anstrengend mit einer weiteren erwachsenen Person, die zum einen wie ich vorher noch nie so eine Reise unternommen hatte und vor allem selbst kein Kind hat (was das bedeuten kann, hat Marie ja erst kürzlich hier aufgeschrieben). Auch wenn mir zudem klar war und ist, dass Reisen mit Kind eben ein ganz anderes ist als ohne – wäre ein wenig mehr Mobilität schön gewesen. Allein Strecken zu Fuß laufen zu können. In den Bergen und beim Wandern hat das richtig gut funktioniert, sobald es städtisch wurde hingegen so gar nicht. Und ja klar, mal ein Tag ohne Kind wäre auch nicht so verkehrt gewesen.

Kurzum: Ich werde mir wohl nicht nächste Woche einen eigenen Bus kaufen – aber wer vorhat, derlei Reisen öfter zu gestalten, ist wohl fast besser beraten, über die Investition nachzudenken, als einen Bus zu mieten. Das wird nämlich schnell und bei Aussteiger-Monaten wie sie mir immer noch vorschweben sehr teuer. Ohnehin ist so eine Bulli-Reise wie wir sie gestaltet haben, sicher alles aber keine Low-Budget-Angelegenheit, wie ich sie vergangenes Jahr vornehmlich mit Julius unternommen habe. Zumal und wenn (ganz das Klischee) einem in Italien der Bus aufgebrochen wird und das Urlaubsbudget um ein neues MacBook explodiert.

Aber für Julius, ja für Julius, war das, glaube ich, ein guter Urlaub und genau richtig angelegt irgendwo zwischen jenen Laissez-faire-Tagen unterm Sonnenschirm und den Schlafliedern der Zikaden im Busrücken.

 

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