Reisen mit Kindern: Toleranz und die Bedürfnisse der Kinder

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Diese Woche geht es viel ums Reisen, klar, es ist ja auch Haupturlaubssaison. Ich habe meinen Urlaub schon hinter mir und auch Katharina ist seit Kurzem wieder im Lande. Und vor meiner Reise dachte ich, was soll mit einem Vierjährigen schon noch sonderlich anstrengend sein. Ich kenn mich ja aus, weiß Bescheid, bin ja schon so viel gereist! Aber Reisen sind eben doch immer wieder anders – und so ergeben sich unbekannte Situationen. Einen Teil meiner Italienreise waren wir eine größere Gruppe von sieben Leuten. Schon von anderen Reisen mit Freunden weiß ich: Gruppenreisen, also mit mehr als zwei Menschen, sind kompliziert. Jeder hat andere Bedürfnisse, allen muss man gerecht werden – und umso größer die Gruppe, desto unmöglicher wird das. Wenn dann noch ein Kind dabei ist (das einzige Kind!) wird es eine Herausforderung. Natürlich ist es auch mit mehreren Kindern kompliziert, wenn die nicht gerade im selben Alter oder in der selben Phase sind. Das eine braucht Mittagsschlaf, das andere nicht. Das eine ist hellwach bis 23 Uhr, das andere könnte um 19 Uhr ins Bett fallen. Das eine springt nach dem Essen sofort auf und ist nicht zu bändigen – das andere hat gerade erst angefangen zu essen und will jetzt natürlich auch sofort los rennen und so erntet man böse Blicke der anderen Eltern. Zudem kommen unterschiedliche Erziehungstile… also, die Liste ist lang.

In unserer Reisegruppe gab es nun kein anderes Kind. Die Mitreisenden waren entweder noch keine Eltern, oder eben schon Großeltern. Die erste Herausforderung war etwas längeres Autofahren. Dem Kleinem wurde mal schlecht, er musste mal Pipi, oder sich einfach mal bewegen, immer wieder mussten alle anhalten. Was allerdings noch ohne großes Grummeln hingenommen wurde – keiner will mit einem kotzendem/schreienden Kind im Auto sitzen.

Müde Kinder im Restaurant

Das wirkliche Problem gab es am Abend, denn das Restaurant wurde immer für 20:30 oder sogar 21 Uhr bestellt. Das kann man einmal machen mit Kind, wird aber mehrere Abende hintereinander zur Tortur. Oft sind die Urlaubstage ja auch nicht ohne: Pool, Sightseeing, viel Sonne – natürlich ist das Kind am Abend müde. Wenn man dann erst spät isst, hat man nicht nur ein hungriges Kind, sondern auch noch ein sehr, sehr müdes Kind. Als wir Tage später im Tribewanted waren, war das auch weniger ein Problem, einfach weil wir in der Natur waren und Junio nach dem Essen noch wild umherlaufen konnte und mit den Tieren gespielt hat. Im Restaurant ist spätes Abendessen aber nicht nur fürs Kind blöd, sondern auch für mich. Das heißt nämlich, dass ich mich abends (nach einem schönen, aber auch langen Tag mit Kind) nicht wirklich entspannen kann, sondern am Dinner-Tisch irgendwie ein todmüdes, aber überdrehtes Kind bei Laune halten muss, ohne dass der Abend im Chaos versinkt. Bevor ich Mama wurde, hatte ich auch noch die verrückte Annahme, dass Kinder brav am Tisch sitzen sollten, alles andere wäre ja schlecht erzogen. Dass das Kind, aber nun mal einfach ein Kind ist, und es nicht sonderlich spannend findet sich mit den Erwachsenen über die neusten Aussetzer Donald Trumps zu unterhalten und lieber mit den neuen Matchbox (määäääämmmm) über eine selbst gebastelte Sprungschanze fliegt (aka Bierdeckel) – sollte doch eigentlich klar sein. Weiß ich aber auch erst, seitdem ich selbst ein Kind habe. Aber ganz ehrlich: Ein wenig mehr Toleranz und das Einbeziehen kindlicher Bedürfnisse bei der Tagesplanung könnte man doch schon verlangen oder? Wichtig ist hier natürlich die Kommunikation, und dass man sich eben auch selbst für die Bedürfnisse des Kindes einsetzt: Manchmal gar nicht so einfach, wenn alle in Urlaubsstimmung sind und alles lieber easy-peasy ohne Spannungen ablaufen soll, besonders bei großen Gruppen. Und ich will natürlich kein Spielverderber sein. Aber wer, wenn nicht ich, setzt sich für die Bedürfnisse des Kindes ein?

Auch problematisch: Wenn das Tagesprogramm voller lauter Besichtigungen, einfach zu viel ist, zumindest für einen Vierjährigen. Dann spannt man sich aus. Wir sind aus Pompei geflüchtet (Junio fand das furchtbar langweilig) und haben uns stattdessen den Vulkan angeschaut. Happy Kid, happy Mama. Oder sind einfach schon früher ins Restaurant gegangen und haben alle anderen dann später noch zum Dessert getroffen. So geht es nämlich auch: Kompromisse finden, um den Bedürfnissen des Kindes nachzukommen und eben auch mal ein Auge zu zudrücken. Früher, vor dem Kind, sah ich das anders: Smartphone im Restaurant, pfui! Brüllen im Hotelflur – come on. Das ständige Belagern aller Gäste im Hotel, oder immer getragen werden wollen? Das Kind muss doch mal lernen zu laufen! Das ist schon vier! Was man vielleicht nicht weiß; klar, ist es schon vier. Aber auch schon den ganzen Tag unterwegs und hatte keinen Mittagsschlaf.

Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich manchmal: Kann sich das Kind nicht mal etwas anpassen/ besser benehmen / zusammenreißen? Heute weiß ich, dass Kinder einfach Bedürfnisse haben. Wie Isabel so passend sagt: Kinder sind keine Hunde. 

Und trotzdem erwarte ich von anderen, nicht-Kind-erfahrenden Menschen, nicht das größte Verständnis, ich weiß ja noch allzugenau, wie ich so vor dem Kind drauf war. Ein wenig Toleranz, die vielleicht schon. Ich habe sie jedenfalls, zusammen mit ein wenig Verständnis für die anderen Mittreisenden, denn: Nicht Kinder können nicht anders, sondern vor allem Erwachsene, die keine Kinder haben oder bei denen das Kinderhaben eben schon sehr lange her ist. Die wissens halt nicht besser, sage ich mir! Und ärgere mich dann auch nicht mehr drüber.

 

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