Charlotte Rosprich mit Lilah und Finn

isabel |

Charlotte Rosprich war erst Mitte 20, als sie von einem positiven Schwangerschaftstest überrascht wurde. Bis dato arbeitete die eloquente Halb-Französin im Nachtleben und sie war eine der Allerersten überhaupt in meinem Bekanntenkreis, die Mutter wurde. Fünf Jahre später ist sie schon zweifache Mutter (Finn wurde 2013 geboren), sie schaukelt Job und Mutter-Dasein mit viel Charme, Einsatz und dem Support ihres Mannes Achim. Wie schafft man es, sein Leben so komplett und so erfolgreich umzustellen? Wir haben die sympathische Familie in ihrer schönen Altbauwohnung in München besucht.

Liebe Charlotte, wie war das damals für dich, alleine als Mutter unter lauter Party-Leuten?

Es war ein Schock!! Nein im Ernst, die Schwangerschaft mit 25 und nach erst wenigen Wochen Beziehung war nicht geplant, aber alle haben sich mit uns gefreut. Ausgehen war erst mal nicht mehr, Müdigkeit in der Schwangerschaft, diverse Einschränkungen in der Stillzeit und danach war ich einfach platt vom monatelangen nachts wach bleiben. Durch meinen Job konnte ich aber als stille Beobachterin weiterhin am Nachtleben teilhaben und hatte nicht das Gefühl, komplett raus zu sein. Es gab ja immer noch oft Abend-Veranstaltungen, die ich organisiert habe. Mittlerweile gehe ich wieder gerne aus – wenn die Kinder schlafen!
Es haben sich leider viele Freundschaften mit dem Elternwerden auseinandergelebt, einfach weil man andere Interessen und Prioritäten hatte. Dafür ziehen jetzt immer mehr Freunde nach, und es ist beim zweiten Kind dadurch deutlich entspannter gewesen. Finn hatte von Anfang an viele potentielle Spielkameraden!
Unsere wirklich engen Freunde waren aber immer an unserer Seite und wir haben mangels Großeltern einfach die Kinder immer überall mitgenommen. Lilou kann sich tatsächlich meistens im Restaurant benehmen und ist eine kleine Partymaus, die gerne auf Geburtstage und Hochzeiten mitgeht und bis 2 Uhr morgens auf der Tanzfläche ihre Ballettkünste zur Schau stellt! Ich denke, es gibt viele Orte wo Kinder durchaus ihren Platz haben – dazu zählen Clubs und Bars aber nicht – meistens macht man sich viel zu viele Gedanken.

Sowohl bei Kind Nr. 1, als auch bei Kind Nr. 2 bist du schnell wieder in den Job zurückgekehrt, wie schaffst du das organisatorisch?

Naja, war das schnell? Ich bin immer nach 12 Monaten zurück in den Job. Das deutsche System mit Elterngeld und Kita gibt es ja auch so vor. Ich sehe es einfach als selbstverständlich an, mich auch beruflich weiter zu entwickeln und zu verwirklichen.
In anderen Ländern schaffen es die Frauen ja auch ohne Probleme, beides zu vereinen. Vollzeit zu arbeiten ist aber nur in einem flexiblen Modell möglich, was in Deutschland leider nicht alltäglich ist. Da habe ich das Glück, dass meine Chefs mir das ermöglichen, sie schätzen meine Arbeit und vertrauen mir. Ich arbeite von morgens bis nachmittags, dann hole ich die Kinder, und abends sitze ich oft wieder am Rechner, oder es ist eben ein Event. Ich erwarte nicht, dass jeder Rücksicht auf mich nimmt und möchte auch gar nicht anders behandelt werden, aber am Ende zählt doch die Leistung und nicht die Stundenzahl! Ich bin fest davon überzeugt, dass ich selbst wenn ich mal nur 6 Stunden an einem Tag arbeite mindestens so viel schaffe wie andere in 8 Stunden. Effizienz  und Organisation sind das A und O. Wer Vollzeit arbeitet und Kinder hat, weiß: Zeit ist eines der wertvollsten Güter, denn die fehlt vorne und hinten, genauso wie der Schlaf… Deswegen muss man sinnvolle Planung betreiben. Das ist die Grundlage für meinen Job und für unseren Alltag. Ehrlich gesagt ist im Moment aber alles noch ein wenig chaotisch, Finn ist ja noch klein und ich habe gerade erst wieder angefangen. Wir werden uns aber sicher bald eingespielt haben.

Du bist ja Halb-Französin und das französische Mutterbild ist eines meiner Lieblingsthemen: hast du davon etwas übernommen, oder wie ist deine Meinung zu französischen und zu deutschen Müttern?

Also ich versuche, das Gleichgewicht zu halten. Vieles ist auch Klischee. Aber ich bin der Ansicht dass es befriedigender ist, nicht nur Vollzeitmutter zu sein sondern auch zu arbeiten. Quality Time statt Quantität ist bei uns die Devise. Die Kinder haben bei uns einfach mehr von einer ausgeglichenen Mutter, die auch noch was anderes als Kinderkram zu erzählen hat und sozial eingebunden ist.
Ich bin Fan vom französischen Mutterbild, vor allem von dem, was immer propagiert wird… Denn in Wahrheit schlafen auch französische Kinder nicht immer durch, sie schmeißen im Restaurant genauso mit Essen und werfen sich auf den Fußboden, wenn sie sauer sind! Nur sind dort die meisten Mütter nicht so auf Ihre Kinder fixiert. Das Ganze wird also einfach nicht ständig thematisiert. In Frankreich bleibt die Mama auch Frau, da unterscheiden sich einfach die Werte, sowohl was Äußerlichkeiten, wie auch Erziehung angeht. Ich finde nicht, dass die “Drei-Jahre-Vollzeitmütter” das deutsche Mutterbild positiv beeinflussen und auch nicht dass es (Ausnahmen ausgenommen) für Kinder gut ist, drei Jahre daheim betreut zu werden. Wenn man nur das Eine macht – egal ob kinderloser Workaholic oder Super-Mutti – verliert man den Weitblick. Aber das ist meine Meinung und jeder sollte für sich den richtigen Weg finden. Ich freue mich jeden Tag auf meine Kinder, wenn ich nach Hause komme und weiß Sie zu schätzen, ohne Schuldgefühle. Aber sie machen es mir auch leicht, da beide sehr gerne in die Kita gehen.

Dein Mann und du, ihr scheint das ziemlich mühelos zu meistern – erst Lilou, dann Traumhochzeit, dann Finn, bei euch klingt es immer so, als seid ihr immer noch ein glückliches Paar. Was ist euer Geheimnis?

Wir versuchen es einfach nicht als etwas Außergewöhnliches zu sehen, dass wir Kinder haben – sondern als etwas Natürliches und das Schönste auf der Welt. Unsere Kinder machen uns glücklich, auch wenn es immer wieder Arbeit bedeutet, das Paar-sein im Alltag nicht zu vergessen. Alle, die denken das läuft einfach so, täuschen sich. Denn an einer Beziehung muss man immer wieder arbeiten. Da gibt es auch bei uns Hochs und Tiefs, aber die Kinder schweißen uns zusammen und wir wissen beide, dass sie sich in der Zukunft immer mehr von uns lösen werden und dann auch wieder mehr Paarzeit übrig bleibt. Das Geheimnis lautet: Geduld, Verständnis und sich selbst nicht vergessen.

Anfang des Jahres wart ihr mit beiden Kindern auf einer sehr weiten Reise, erst in Australien, dann in Thailand. Wie war’s? Und würdest du es wieder machen, Finn war ja noch echt klein!

Ja es war toll und ich würde es definitiv jederzeit wieder machen. Klar war es auch anstrengend, aber das ist es daheim ja auch! Viele haben uns für verrückt erklärt, aber man muss nur die richtige Einstellung haben und wissen worauf man sich einlässt. Auch im Urlaub sind Kinder mal krank oder schlecht drauf und Finn ist ein sehr schlechter Schläfer, das ändert sich nicht nur weil man auf einem anderen Kontinent ist. Außerdem sollte man schon gut planen. Man kann mit Kindern nicht einfach im Auto schlafen, und man sollte auf eine Gefahrenreduzierung achten, Stichwort: Schlangen, Hitze, Quallen…, und die Erreichbarkeit von medizinischer Versorgung im Notfall sorgen. Also besser keine einsamen Inseln!
Die Elternzeit ist der perfekte Zeitpunkt so etwas zu unternehmen, und ich fand es viel sinnvoller, als die ersten 2 Monate Papa auf der Couch neben einem schlafenden Säugling sitzen zu haben. Mal ehrlich, wann hat man sonst noch mal die Zeit, nach Australien zu fliegen und mit dem Wohnwagen die Ostküste runter zu fahren? Lilou durfte Kängurus streicheln und Koalas kuscheln, wilde Delfine füttern und mit dem Mini Jet fliegen. Sie hat gelernt, schnell Freundschaften trotz Schüchternheit und Sprachbarrieren zu schließen und hatte eine tolle Zeit. Finn hatte nicht soviel davon mit seinen 7 Monaten, außer Strand, Sonne und Meer,  aber in dem Alter ist Ihnen ja egal, wo Sie sind, solange alle zusammen sind. Und die Beziehung von Papa und Sohn hat sehr von der Reise profitiert!

Vielleicht noch eine Frage zu eurer tollen Wohnung. Wie hältst du sie ordentlich, wo sind die Möbel her und was inspiriert dich in Sachen Interior?

Für Ordnung ist Achim zuständig: Mr. Pingelig! Ich versuche Ordnung zu halten doch da komme ich nicht an sein Niveau ran. Er wäscht täglich Berge von Wäsche, bevor ich sie überhaupt bemerke und achtet auf die parallele Anordnung der Gegenstände in der Wohnung. Ich versuche zwar zu helfen, doch sehe ich das Ganze entspannter und werde seinen Ansprüchen wohl nicht gerecht. Mir ist es wichtiger, schöne Blumen zu haben und mit den Kindern Quatsch zu machen als den ganzen Tag Haushalt zu machen. Wir sorgen für das angemessene Maß an Chaos und Leben, ich bin kein Symmetrie-Fanatiker und mag es auch, wenn die Bilder nicht alle grade hängen und in verschiedenen Rahmen. So ergänzen wir uns ganz gut. Außerdem haben wir ein Mal die Woche eine Putzfrau, die sich um die Grundreinigung kümmert.
Die Möbel sind zum Großteil aus unseren früheren Wohnungen. Wir sortieren aber langsam die Schweden-Möbel aus und legen uns nach und nach schöne Gegenstände zu. Einen Maßtisch, Vitra-Stühle, ein schönes Bett… Manche Teile sind auch noch aus meiner Kindheit und wurden von mir neu lackiert. Accessoires wie alte Kakaotassen und ein silberner Wasserkrug sind teilweise geerbt. Ich liebe Inneneinrichtung und habe noch ganz viel auf der Liste was erneuert werden soll, aber das muss leider noch warten.
Gerade habe ich die Kinderzimmer umgestaltet bzw. fertig gemacht, für so was bin ich dann großer DIY-Fan und lasse mich gerne  inspirieren. Ich schaue online, auf Pinterest zum Beispiel oder auf Blogs, was es so für Ideen gibt, aber auch im Job begegne ich immer wieder tollen Ansätzen.

Was ist das Nervigste am Mama-Sein?

Schlafmangel und bei uns der Mangel an Omas vor Ort!

Und was ist das Schönste?

Meine Kinder, Ihr Lachen und die Kuscheleinheiten…

Danke, Charlotte!

 

Charlotte Rosprich mit Lilah (4 1/2 Jahre) und Finn (13 Monate), Juni 2014

Fotos: Sittig Fahr-Becker
Interview: Isabel Robles-Salgado