Meine Beauty-Routine: Hadnet Tesfai

10. May 2019 | in Food & Beauty

Ach, Hadnet! Einfach eine tolle Frau. Superschlau, unheimlich nett, sehr reflektiert und immer eine Inspiration. Sie ist innen und außen wunderschön, hat eine Wahnsinns-Ausstrahlung. Kaum zu glauben, dass Hadnet beim Radio angefangen hat und erst nach Jahren vor die Kamera gewechselt ist. Sie ist Mutter von zwei Kindern und ein krasser Beauty-Crack, liebt schöne Kosmetik, und stellt auf Instagram auch regelmäßig Neuentdeckungen vor. Höchste Zeit, dass sie auch uns ein paar Fragen beantwortet!

Liebe Hadnet, erzähl uns ein bisschen was von dir!

Ich bin Journalistin, Moderatorin und DJ. Leidenschaftlich werde ich bei Sport – sowohl als Aktive, als auch als Zuschauerin – und Musik. Ich bin 39 und meine Kinder sind 4 und 2 Jahre alt.

Würdest du sagen, dass dir Pflege schon immer wichtig war?

Nein. Ich war eine sehr jungenhafte Pubertierende und habe lieber Basketball gespielt, als mich um mein Äußeres zu kümmern. In meinen 20ern wurde das zwar etwas anders, aber im Grunde meines Herzens bin ich immer noch der ungeschminkte, nerdy Tomboy, der sich das Feld aber mit einem Beautyfreak teilen muss. Ich habe verhältnismäßig spät beim Fernsehen angefangen (erst mit 28), bis dahin war ich beim Hörfunk, wo sich ja kaum jemand dafür interessiert, wie man aussieht. Aber wenn man dann plötzlich, was bei einem visuellen Medium völlig normal ist, sehr mit der eigenen Optik konfrontiert ist, bekommt das Äußere einen anderen Stellenwert. Zusätzlich setze ich mich, je älter ich werde, anders mit mir und meinem Körper auseinander. Ich liebe Make-up, aber mir ist es wichtiger, meine Haut zu pflegen, als sie zu überschminken.

Wie sieht deine Beauty Routine morgens und abends aus?

Morgens muss es schnell gehen. Da haben wir zwei müde und schlecht gelaunte Kleinkinder zu versorgen, die keinerlei Zeitgefühl haben und mit der Aussage, “wir müssen uns beeilen“ nichts anfangen können. Trotzdem ist meine Routine morgens etwas umfangreicher. Ich habe extra für euch gestoppt: mit allen Schritten, inklusive Zähne putzen, brauche ich 6 1/2 Minuten.

Los gehts mit einem Cleanser. Aktuell benutze ich den Ultra Brightening Cleanser von Neostrata, mag aber das Renewing Powder Cleanser aus der Fresh Pressed Reihe von Clinique auch sehr gerne. Das kommt in kleinen Beuteln, in denen theoretisch eine Anwendung drin ist, bei mir reicht es für zwei. Das Puder wird mit Wasser vermischt und ergibt eine wahnsinnig erfrischende Reinigungspaste. Ich nehme das hauptsächlich auf Reisen, weil es so praktisch und nicht flüssig ist, aber so oder so: es ist toll! Beide Gesichtsreiniger enthalten viel Vitamin C, was einer meiner Lieblingsinhaltsstoffe ist.

Wenn ich dann noch nicht wach bin, sprüh ich mir 2-15 Spritzer von Josh Rosebrooks Hydrating Accelerator ins Gesicht.  Das ist komplett biologisch und das angenehmste und entspannendste Gesichtsspray, das ich je benutzt habe und nach dem Säuretoner genau das Richtige. Wenn meine Haut dann noch leicht feucht ist, kommen ein paar Tropfen eines Hyaluronsäure-Serums direkt hinterher. Ich benutze drei verschiedene in Rotation: 1. Das von The Ordinary, preislich absolut unschlagbar, aber von der Rezeptur des Gels nicht mein Favorit, außerdem habe ich gemerkt, dass es nicht so gut mit meinen Feuchtigkeitscremes verträgt und sich von der Haut pellt. 2. Den Multi-Molecular Hyaluronic Complex von NIOD, ist so leicht, dass man denkt, dass es nichts tut, tut es aber doch. Und 3. das Moisture Surge Hydrating Supercharged Concentrate von Clinique, was von der Konsistenz her in Richtung Gel geht und insgesamt etwas reichhaltiger ist. Im Sommer benutze ich das machmal sogar ohne Feuchtigskeitscreme. Mein absolutes Lieblingsserum allerdings ist das Hydrating B5 von SkinCeuticals. Bestes Hyaluron und Vitamin B5. Während das zusammen einwirkt, putze ich mir die Zähne. Für den nächsten Schritt sollte meine Haut ganz trocken sein.

Dann kommt nämlich ein Vitamin C Serum (aktuell das von Skin Design London und ganz neu in der Rotation das von Drunk Elephant) auf die Haut. Unter die Augen die Triple Action Advanced Eye Cream von Zelens oder die Restaurative Eye Cream von Tata Harper. Zum Schluss Feuchtigskeitscreme. Meine Lieblinge: die Goat Milk Moisturizing Creme von Kate Somerville, die Rosencreme von Hauschka und die Skin Food Light von Weleda. Zum Schluss noch ein Klecks Sonnenschutz von Heliocare und wir können los. Make-up trage ich so gut wie nie unter der Woche.

Abends geht es schneller. ich bin ein Fan von Double Cleansing. Der 1. Waschgang erfolgt mit einem Öl oder Balm und entfernt Sonnenschutz und/oder Makeup. Der 2. Waschgang reinigt die Haut. und ist meistens nicht ganz so fettig wie Durchgang Nummer 1. Der Take the Day Off Balm von Clinique ist toll, weil nichts vor ihm sicher ist und sowohl Make-up (ja auch wasserfeste Wimperntusche), als auch Lichtschutzcreme zerstört werden. Mein absoluter Lieblingsbalm ist der Moringa Cleansing Balm von Emma Hardie. Der ist so toll, dass man ihn auch super zum reinigen der Haut, also als 2. Reiniger, nehmen kann (ich benutze den zum Beispiel auch gerne morgens). Sonst nehme ich als 2. gerne das Oskia Renaissance Cleasing Gel (das auf der Haut zu einem leichten Öl wird) oder wieder den Ultra Brightening Cleanser von Neostrata. Darauf folgt das Spray von Josh Rosebrook und nach dem Zähne putzen entweder die Redox Creme oder die Renewal Creme von Neostrata. Ersteres ist eine Resurfacing Creme und peelt ganz leicht die Haut im Schlaf, ist aber nur was für unempfindliche Haut. Das zweite ist meine erste Retinol Creme, die ich bisher gut vertrage. Weil beide Cremes so aktive Inhaltsstoffe haben spare ich mir abends alles weitere.

Machst du auch irgendwelche Extra-Sachen ab und zu, wie zum Beispiel Masken?

Da ich mich sonst eigentlich ganz gut um meine Haut kümmere, mache ich nicht allzu oft irgendwelchen Extrakram. Zwei Masken benutze ich dann aber doch hin und wieder: Das Sukari Babyfacial von Drunk Elephant ist eine sehr intensive Peelingmaske, an die ich mich langsam herangearbeitet habe. Wer noch nie mit Säurepeelings gearbeitet hat (und ich rede ich nicht von denen, die man bei der Kosmetikerin oder beim Arzt bekommt, sondern von denen, die man immer noch zuhause benutzen darf), der sollte sich an der Stelle vielleicht zurückhalten, weil die Maske wirklich arbeitet… Aktuell benutze ich auch ich sie nicht, weil sie sich nicht mit den Cremes, die ich abends benutze, verträgt. Ich will mir ja schließlich nicht das Gesicht wegätzen. Die zweite Maske, die regelmäßig in Benutzung ist, ist die Sheetmask von SKII. Danach sehe ich aus, als hätte ich Urlaub gemacht.

Was ist mit Außerhaus-Treatments wie Waxing, Pediküre, Facials?

Treatments bei der Kosmetikerin schaffe ich nur alle Jubeljahre. ich würde z.B. gerne öfter ein Hydrafacial machen und es gibt ja auch so spannende Sachen mit Laser, Microneedling oder mit Microcurrent (also Mikrostrom), aber da hab ich mich noch nicht ran getraut. Eine Freundin von mir akupunktiert das Gesicht und entspannt es so, das hab ich auch noch nicht ausprobiert. Aber ich hab ja auch nur ein Gesicht. also immer mit der Ruhe. Ich versuche aber, einigermaßen regelmäßig zur Fußpflege zu gehen.

Was ist dein Lieblingsprodukt?

Das ist einfach: Biologique Recherche Lotion P50. Das ist ein Peeling als Toner, das ich aktuell wegen oben genannter Cremes nicht benutze, weil es sonst zu viel wird und ich nicht will, dass mit mein Gesicht abfällt, aber sonst entfernt nichts abgestorbene Hautschüppchen so zuverlässig wie mein P50.

Davon hat Maria ja auch schon geschwärmt. Hast du einen Lieblingsduft?

Ja. Wood Sage and Seasalt von Jo Malone. Der verfliegt sehr schnell, und hängt dann nur noch leicht auf der Haut. Das mag ich sehr.

Tatsächlich habe ich der Kinder wegen ungefähr drei Jahre lang so gut wie keinen Duft getragen oder nur zu besonderen Anlässen. Ich fand die Vorstellung, dass mein Baby nach intensivem Kuscheln plötzlich nach Parfum riecht eigenartig und habe daher gerne verzichtet. Auch jetzt trage ich nicht unbedingt jeden Tag einen Duft und wenn doch, dann nur etwas sehr Leichtes.

Wie pflegst du deine Haare?

Haare. Oh lord. Was für ein schwieriges, weites Feld. Gerade für Menschen mit Locken. Ich wasche mir die Haare etwa ein mal die Woche. Mehr würde meine Haare austrocknen. Das Shampoo von Afrolocke, ein wunderbares deutsches Bioprodukt, habe ich bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht. Den passenden Conditioner ebenso. Ansonsten benutze ich gerne die Damage Remedy Reihe von Aveda bis auf die Maske, die mir zu proteinlastig ist, und aktuell die Davines Produkte aus der Love Serie.  Ich kann die Curls Cleansing Cream sehr empfehlen, die so eine Art Co-Wash ist (so nennt man es, wenn man sich die Haare nur mit Conditioner wäscht), aber einen saubereren Eindruck hinterlässt. Damit meine Locken nicht austrocknen benutze ich als letzten Schritt immer die Reparier Haarbutter von Alverde. Kostet keine 4,- und macht meine Haare smooth aber nicht schwer.

Meine Schwester, die dickere Haare hat als ich, schwört total auf ein DIY-Treatment: sie wäscht sich die Haare seit drei Monaten nur noch mit einer Mischung aus Roggenmehl und Natron. Hin und wieder spült sie mit Apfelessig nach. Ihr Haare sehen so gut aus, wie lange nicht mehr. Ich bin kurz davor, dem Ganzen eine Chance zu geben, weil ich das Gefühl habe, meine Haare haben sich nach der zweiten Schwangerschaft und Stillzeit nicht richtig erholt.

Ich glätte meine Haare so gut wie gar nicht mehr. Das ist keine politische Entscheidung, was oft bei Naturals der Fall ist, sondern eine ganz persönliche. Für die, die es nicht wissen: für manche schwarze Frauen ist der Schritt, die Haare nicht chemisch glätten zu lassen, einer, der sie Überwindung kostet. Das weitverbreitete Schönheitsideal sind lange, glatte Haare und das, was da aus unseren Köpfen kommt, wird immer irgendwie abfällig betrachtet oder auch als nicht aufgeräumt genug eingeschätzt. Je krauser das Haar, desto schwieriger ist es und mehr Reaktionen bekommt man dazu – ob man will oder nicht. Gerade ein großer Afro oder eine Lockenmähne verleiten auch völlig Fremde dazu, ungefragt einen (nicht immer netten) Kommentar abzulassen. Sich davon freizumachen und seine Pracht stolz so zu präsentieren, wie sie einem von der Natur mitgegeben wurde, erfordert durchaus Mut, da man damit eben auch ein Statement der Non-Konformität abgibt. Wieder: ob man will oder nicht. Gott sei Dank sind heute Frauen, die ihre Curls oder ihren ‘Fro rocken, keine Seltenheit mehr.

Persönlich habe ich mir die Haare vor 15 Jahren das letzte Mal chemisch geglättet, weil mir bewusst wurde, wie unsinnig es ist, sich Relaxer auf den Kopf zu schmieren und den nach 5 Minuten wieder panisch auszuwaschen, nur um die Haare dann doch lockig zu tragen. Glätten lassen sie sich auch so ziemlich gut und wenn mir danach ist, dann mache ich das hin und wieder auch mal. Meine Tochter entwickelt aber gerade ein Bewusstsein für ihr Äußeres und bekommt natürlich auch mit, dass ihre Locken nicht die Norm sind. Um ihr zu zeigen, wie vielseitig und schön sie sind und dass sie zu ihr gehören, verzichte ich vollkommen darauf, mir die Haare zu glätten. Ich will ihr sozusagen eine „lockige Normalität und Selbstverständlichkeit“ vorleben. Wenn sich das in ihr gefestigt hat, greife ich bestimmt auch mal wieder zum Glätteisen.

Das ist ein spannendes Thema. Gibt es noch andere Dinge, die du deiner Tochter in Sachen Beauty weitergeben möchtest – oder eben nicht?

Ja, das ist ein spannendes Thema. Weil man ja quasi die Blaupause der eigenen Tochter im Verhältnis zu sich selber ist. Ich möchte ihr gerne vermitteln, dass es schön ist, sich um sich zu kümmern. Und viel wichtiger, als Cremes und Seren und Masken und was weiss ich nicht noch alles ist es, umsichtig und nachsichtig mit sich zu sein – vor allem auf psychischer Ebene. Gut zu essen, sich zu bewegen und sich wohl zu fühlen, in dem was man von der Natur bekommen hat. Wer nachhelfen mag, meinetwegen auch invasiven Methoden, der soll das machen. Whatever works for you, das ist sehr individuell. Ich jedenfalls genieße diese ritualisierte Routine. Aber sie ist eben nur ein Teil von dem, was Schönheit ausmacht.

Gibt es irgendwas, was du in Sachen Pflege von den Frauen in deiner Familie gelernt hast?

Meine Mutter hat unglaubliche Haut. Sie schminkt sich nie, benutzt kaum Produkte und ist sehr praktisch, was ihre Beautyrituale angeht. Wie viele Frauen ihrer Generation, und ich beobachte das vor allem bei Migrantinnen, hat sie sich nie die Zeit genommen, um bewusst Me-Time zu zelebrieren. Das kam erst später als wir alle ausgezogen waren. Seither geht sie regelmäßig schwimmen, in die Saune und zur Massage. Meiner Schwester und mir hat sie durchaus nahegelegt, uns mehr um uns zu kümmern, aber eben auch, dass es Wichtigeres gibt, als nonstop mit seinem Äußeren beschäftigt zu sein.

Machst du Sport?

In der Theorie ja. Vor den Kindern bin ich viel gelaufen, sogar einen Halbmarathon, und hab regelmäßig Yoga gemacht. Das hat alles sehr gelitten, was in erster Linie an der mangelnden Zeit lag, aber auch an der mangelnden Kraft – sowohl physisch als auch psychisch. Ich war oft sehr müde und nach einem Tag mit zwei sehr kleinen Kindern, die ja keine zwei Jahre auseinander liegen, einfach platt. Langsam komme ich wieder zu mir und werde wieder regelmäßiger.

Hast du einen ultimativen Tipp, um sich gut und schön zu fühlen, gerade wenn man gerade erst Mama geworden ist?

Die Zeit ist wunder, wunderschön. Und doch kann es sein, dass man sich einen Augenblick verliert. Vor allem, wenn man zum ersten Mal Mutter wird. Da passiert so viel mit und im Körper, dass man erst mal nicht weiss, wo oben und unten ist. Ob das die Wochenbettblutungen sind, die Tatsache, dass man erst mal so doll schwitzt und plötzlich anders riecht, die Hormone eh machen, was sie wollen und die Gefühle all over the place sind. Dann hat der Körper gerade neun Monate lang einen Menschen gebaut. Einen richtigen Menschen. Und den soll er im besten Fall auch noch ernähren. Dann fallen einem vielleicht die Haare aus und die Haut dreht durch die vielen hormonellen Umstellungen am Rad. Es ist auf jeden Fall intensiv. In der Zeit musste ich mich viel mit Akzeptanz beschäftigen. Einfach annehmen, dass das jetzt so ist und auch wieder vorbeigeht. Oft sind wir nämlich zu streng zu uns und wollen ganz schnell wieder funktionieren, obwohl zu dem Zeitpunkt Standards wie ungestört Duschen unglaublich wertvoll, zum Friseur gehen oder zur Massage absoluter Luxus sind. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Zeit für diese Dinge aber unbedingt einfordern. Die Inseln, in denen man sich sich selbst nahe fühlt. Vielleicht geht man dann zum Rückbildungskurs, zum postnatal Yoga, zum Sport nach der Schwangerschaft oder was auch immer. Mir hat Sport immer gutgetan. Vielleicht hat man aber auch einfach eine schöne Duftkerze zuhause stehen (eine, die ohne Rückstände abbrennt) oder eine Blumenstrauss oder man kauft ein erfrischendes Gesichtsspray, vielleicht einen Lippenstift, was auch immer. Vielleicht kann man auch einfach mal ausschlafen. Am Ende sind es die Kleinigkeiten, von denen man zehrt. Und irgendwann hat man wieder Zeit für alles andere.

Ach, das hast du schön gesagt. Findest du denn, dass das Kinderkriegen dich optisch verändert hat?

Ich habe mehr graue Haare. Und natürlich hat auch die Haut um meinen Bauch herum nicht mehr die Spannkraft von früher. Meine Brüste sind kleiner geworden und eine Etage tiefer gerutscht. Aber das ist egal. Ich bin ganz dankbar für meinen Körper, nicht weil er so aussieht, wie er aussieht, sondern weil er mich bis hierher getragen und mir zusätzlich zwei Kinder geschenkt hat. Das ist schon mal was.

So schön gesagt. Danke, Hadnet!

Fotos: Robert Rieger, Philipp Gladsome, Robert Wunsch.

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