Lieblings-Rezepte für die Minis (und die Maxis): Pulled Chicken von Laura Osswald

08. May 2019 | in Food & Beauty
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Laura ist eine alte Freundin von mir, und seit zwei Jahren ist sie nun auch Mutter der kleinen Karline. Außerdem ist die Gute noch Schauspielerin (wer erinnert sich an “Doctor’s Diary”?), könnte easy Haare- und Make-up-Artistin sein, und eine leidenschaftliche Köchin ist sie auch noch. Ich freue mich mehr als sehr, dass Laura nun ab und zu Rezepte bei uns posten wird. Los geht’s mit einer kleinen Intro:

Vor vier Jahren bin ich mit meinem Mann wegen seines Jobs nach Washington D.C. in den wunderschönen, an Notting Hill erinnernden Stadtteil Georgetown gezogen. Wer denkt, die amerikanische Hauptstadt ist keine Reise wert, täuscht sich. Es ist so unglaublich schön!! Wir hatten das Glück, in einem viktorianischen Townhouse umgeben von Stadthäusern zu wohnen und wirklich jeden Tag war ich beim Spazierengehen von dieser besonderen Gegend begeistert.

Am meisten habe ich mich beim Abenteuer Amerika auf die riesigen Supermärkte gefreut und am allermeisten auf “Wholefoods”, denn dort gibt es wirklich alles, was das Herz eines Hobbykochs höher schlagen lässt. So habe ich mich also auf Inspirationsstreifzüge durch die Supermärkte gemacht, ich war schon immer ein “Supermarkttourist”. Egal wo die Reise hinging, erst mal musste das lokale Angebot sondiert werden.

Als ich dann 2015 schwanger wurde, habe ich mich schon auf das von meinen Mamifreunden aus Deutschland gewohnte Bio-Babyangebot gefreut. Aber etwas Vergleichbares wie den hier in Deutschland von allen Neumamis so heiß geliebten DM gab es nicht. Bei Wholefoods fand ich nur entweder ganz einfaches Gemüsepüree wie Karotten und Spinat oder eben Quetschies in allen Formen und Farben. Aber etwas spannender gemischtes Gemüse oder gar Gläschen mit Nudeln oder Fleisch – NADA. Erst kurz bevor wir nach München gezogen sind, wurden immer mehr Baby-Start-Ups auf den Markt und somit in die Supermärkte gespült. Da gab es dann Spaghetti Meat Balls oder Truthahn und Erbsen. Aber alles püriert und in Quetschie-Form. Das fand ich irgendwie nicht so toll. Von der Umweltverschmutzung für die Verpackung mal ganz abgesehen.

Gut, koche ich eben selbst, habe ich mir dann gedacht. Hatte ich auch sowieso vor und wollte mir mit den Gläschen nur in bestimmten Situationen das Leben erleichtern. Ich habe auch immer schon gern und gut gekocht, muss aber zugeben, ich bin von Natur aus etwas faul. Also standen Schmorgerichte immer ganz oben auf meiner Liste. Kocht allein vor sich hin, man muss nur ab und zu etwas von dem Vorgeschnippelten dazuwerfen und das ganze macht sich quasi von selbst. Nach einem ähnlichen Prinzip hab ich dann auch angefangen für meine Tochter zu kochen.

Am liebsten easy, aber nicht langweilig!

Karline war immer beides: Brei und Fingerfood. Ich habe einfach immer angeboten, und sie fand tatsächlich beides gut. In Sachen Brei habe ich es so gemacht: Meine Nachbarin hat mir ihr gebrauchtes Dampfgar-Gerät für Babys geschenkt, es hatte zwei Behälter, die sowohl dämpfen als auch pürieren konnten und so machten sich die Breie schon mal fast im Alleingang. Ich habe damit spannende Rezepte wie einen Birne-, Rotkohl- und Sternanis-Mix probiert und auch wenn Karline nicht immer Fan war, wir hatten zumindest Spaß! Ich bin übrigens ein Freund davon, schon ganz früh mit Kräutern und Gewürzen zu experimentieren um die Geschmacksknopsen der zukünftigen Gourmets zu aktivieren.

In den Staaten machen viele Eltern am Wochenende “Meal Prep”. Das bedeutet, man breitet das Essen für die ganze Woche vor. Schnippelt und kocht nach Plan und packt alles in Tupperwear in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach.

Ganz so habe ich es nicht gemacht, aber immer wenn ich etwas zubereitet habe, während das Kind geschlafen hat oder mit dem Papa unterwegs war habe ich größere Mengen vorgekocht und in Behälter wie diesen eingefroren. So konnte ich, wenn ich keine Lust hatte, frisch zu kochen einfach etwas aus dem Ärmel zaubern.

Richtig los ging es für mich mit der Koch-Challenge, als Karline etwa sieben Monate alt war und Fisch und Fleisch dazukamen. Ich habe ganz viel rumprobiert und bald ihr Lieblingsessen gefunden. Und das ist es bis heute: “Pulled Chicken”! Das Gericht ist wirklich ein “Allrounder”, weil es sowohl für Babys als auch für kleine und große Kinder funktioniert. Und meinem Mann schmeckt es auch besonders gut mit scharfer Sauce und sauren Gurken auf gerösteten Burger Buns.

Wer Lust hat, unser Lieblingsrezept nachzukochen, braucht:

1 Hühnerbrust, bio
200 ml Wasser oder Fond
1 festkochende Kartoffel
1 kleine Karotte
1 Lorbeerblatt
1 tl Tomatenmark

Optional: kleine kleingehackte Zwiebel, kleingehackte Knoblauchzehe, Thymian oder Rosmarin

Und: Einen Bräter, ich habe die von Le Creuset  in verschiedenen Größen: sauteuer, halten dafür aber ein Leben lang, ich wünsche mir sowas zu Weihnachten. Man kann aber natürlich auch eine beschichtete, tiefe Pfanne oder einen beschichteten Topf nehmen.

Wer, so wie ich, vorkochen und einfrieren will, verdoppelt, verdreifacht… die Menge. Ich habe eine Baby-und eine Kindervariante aufgeschrieben. Für Babies sollte man kein Salz, also besser auch keinen fertigen Fond nehmen, da die Nieren das noch nicht so gut abkönnen. Da ich für Babies und Kinder natürliches Essen bevorzuge, zerdrücke ich das Gemüse zum Teil, statt Saucenbinder zu benutzen, um eine schöne Konsistenz zu erhalten. Das Lorbeerblatt muss bei beiden Varianten unbedingt raus, da es nur Geschmack abgeben soll, aber nicht zum Verzehr geeignet ist.

Wer wegen der Kinder nichts unbeaufsichtigt auf dem Herd stehen lassen möchte, kann das Gericht nach dem Anbraten auch für drei Stunden bei 160 Grad oben/unten Hitze auch im Ofen garen.

Und so geht’s! – für Kinder vor Zwei:

Hähnchenbrust, Tomatenmark und Lorbeerblatt mit der Flüssigkeit bedecken, aufkochen und eine Stunde lang auf kleiner Flamme abgedeckt köcheln lassen. Anschließend die in zwei Zentimeter große Würfel geschnittene Kartoffel und Karotte dazugeben und eine weitere Stunde garziehen lassen. Gerne zwischendurch das Fleisch mit zwei Gabeln auseinanderziehen, Kartoffeln und Karotten zerdrücken. Wenn nach Ende der Garzeit zu viel Flüssigkeit übrig ist, einfach offen weiter köcheln lassen. Für Babies kann das Gemüse ja nicht weich genug sein. Für die Verdauung gebe ich gerne einen Löffel Butter oder Öl nach Wahl dazu. Die Konsistenz sollte am Ende so sein, dass das Baby das Fleisch greifen kann, ohne alles vollzutropfen. Wer Angst hat, dass das Baby dafür noch nicht bereit ist, kann das Fleisch mit einer Schere kleinschneiden oder alles pürieren.

Und ab zwei Jahren:

Hähnchenbrust mit einem Esslöffel Butter Ghee (lässt sich hoch erhitzen und gibt einen tollen Geschmack ab, klar geht aber auch Öl) scharf anbraten, Zwiebel und Knoblauch dazugeben bis alles eine schöne Farbe hat, leicht salzen. Ich gebe gerne noch eine kleingehackte Karotte zum Anbraten dazu, weil die einen schönen, süßlichen Geschmack abgibt.
Tomatenmark dazu und nur kurz mitbraten – da gibt es leider eine schmale Linie zwischen Geschmack entfalten und bitter werden – und mit Wasser oder Fond ablöschen. Lorbeerblatt dazu und abgedeckt eineinhalb Stunde lang auf kleiner Flamme köcheln lassen. Anschließend, wenn schon möglich, das Fleisch mit zwei Gabeln auseinanderziehen, Gemüse und Kräuter dazu und prüfen ob die Flüssigkeit reicht. Weiter abgedeckt eine halbe Stunde köcheln lassen bis das Gemüse gar ist und das Fleisch zerfällt. Circa die Hälfte der Kartoffeln zerdrücken um die Sauce zu binden. Wer das Gefühl hat, dass noch zu viel Flüssigkeit vorhanden ist, kocht alles auf hoher Flamme weiter, damit das Wasser schnell verkocht und das Gemüse nicht zu gar wird. Wer Kinder mit Karottenphobie hat, kann auch diese bis zur Unkenntlichkeit zerdrücken.

Ich hoffe, es schmeckt!

Ich habe die Zeit in den USA und vor allem in Georgetown sehr genossen. Meine Tochter ist dort geboren, wir wurden eine Familie, wir haben einen ganzen neuen Horizont an Freuden gewonnen und Karline und ich hatten die schönste Zeit.
Was die “Snacks” angeht, war ich allerdings anderer Meinung als meine amerikanischen Freundinnen. Zumindest, wenn sie meinem Kind ungefragt in den Mund gestopft oder angeboten wurden. Das führte so weit, dass Karline und ich aus einer von einer Mutter gegründeten Musikklasse geflogen sind… haha! Eigentlich halte ich mich ja für sehr tolerant.

Aber das ist eine andere Geschichte, und ein anderes Rezept!

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