Der Female Future Force Day – mit uns im House of Family!

31. August 2018 | in Event | Gesellschaft | Lifestyle
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Letzten Samstag haben wir auf dem Female Future Force Day das House of Family gehostet. Es gab einige Nachfragen, ob wir das hier nochmal Revue passieren lassen wollen, und wir dachten: Logo!
Denn es war ein toller Tag, ein fruchtbarer, ein interessanter. Es gab im Nachgang einiges an Kritik am FFF Day, konstruktive Kritik ist immer super, aber das Wichtigste dennoch zuerst: Wir fanden das Event super, (meistens) toll organisiert, beeindruckend und wichtig. Und wir waren happy, dass wir Teil davon sein durften!

Marie und ich hatten nicht so richtig eine Ahnung, was uns erwarten würde: wir kannten die Speaker und die Themen, aber wir wussten nicht, wie die Stage aussehen würde und wie das mit diesen Kopfhörern klappen würde, denn es war eine “Silent Stage”. Diese beiden Sorgen hätten wir uns sparen können, das House of Family hatte Wohnzimmeratmosphäre, es  war wirklich gemütlich und unheimlich angenehm. Und das mit den Kopfhörern? Am Anfang komisch, aber nach 2 Minuten nicht mehr! Im Nachhinein war es sogar richtig super, dass es eine Silent Stage war – so konnten die Kinder nebenan in der Digitalwerkstatt tüfteln und bei uns konnten sich die Leute nach den Talks noch kurz an die Seite stellen und quatschen – während alle anderen, den weiteren Vorträgen lauschen konnten.

Los ging es mit einem Panel zum Thema „Modern Parenthood“ mit Katja Hentschel von Travelettes, Christian Gaca von “Von guten Eltern”, Minna Laatikainen-Krimmel, sie ist Country Managerin bei  Bugaboo und Anna Alex, Gründerin von Outfittery. Ich hatte mich im Vornherein sehr gefreut, denn ich kenne Katja und Christian persönlich und schätze sie sehr, auch Minna fand ich super interessant: Finnin, Vollzeit, zwei Kinder. Und Anna sowieso: Eine echte Gründerseele, die mit der Geburt des Kindes aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, aber nicht weil sie Hausfrau werden möchte, sondern weil sie was ganz Neues starten will. 

Das Panel war super, auch interessant, wir haben über Vereinbarkeit gesprochen, das Mutterbild. Wir haben aber auch schnell festgestellt, dass wir alle ganz schön privilegiert sind – die Arbeit frei einteilen, Babysitter und AuPairs einstellen, reisen… Sind alles Dinge, die nicht jeder kann. Das ist auch einer meiner Kritikpunkte am Panel: es war viel zu homogen! Ich hätte gerne eine Patchwork- oder Regenbogen-Familie da gehabt, oder eine Teilzeit-Mama, oder auch einen Hausmann, einfach ein bisschen was anderes. Das nächste Mal darf ruhig mutiger eingeladen werden, dann entsteht auch leichter eine Diskussion. So waren wir uns alle recht einig. Und dann war es auch schon wieder vorbei. Ich denke, 60 Minuten sind schöner für ein Panel, wir hatten nur 45. Ich hätte gerne noch mehr mit Christian über moderne Erziehung gesprochen, mit Minna über das moderne Finnland und mit Anna über Gleichberechtigung im Start-up – das müssen wir dann wann anders nachholen!

Anschließend ging es los mit den 15-Minuten-Talks. Jochen König war der erste und Jochen wäre auch mal gut aufgehoben gewesen im Panel! Ein moderner, teilweise alleinerziehender Papa, dessen zwei Töchter drei Mütter haben. Die Kleine hat er dabei gehabt und man sieht, was für ein Team die sind, und man versteht, dass sein erstes Buch den Untertitel “Von der Angst eines Vaters, keine gute Mutter zu sein” trägt. Sehr treffend hat Jochen in seinem Vortrag seine Vorstellung von “moderner Vater” sein klar gemacht, sehr lustig auch. Unvergessen bleibt der Teil, in dem er erzählt, wie er mit all den “Freizeit-Papas”, die ihre zwei Monate Elternzeit genossen haben, in der Vätergruppe sitzt und er ist der einzige, der gestresst und müde ist – weil er eben im Gegensatz zu den meisten anderen ein 100% Papa ist. Go, Jochen! Männer wie dich, die brauchen wir!

Nach Jochens Vortrag dachten wir das erste Mal (okay, als wir das Programm gesehen haben, dachten wir es auch schon): die 15 Minuten sind zu kurz. Ein bisschen Raum für Diskussion wäre so schön gewesen! Wir hatten nicht mal Zeit für ein langes Schlusswort. Das haben wir den Edition F-Girls auch schon so weitergegeben: Mehr Raum lassen nächstes Mal!

Danach kam Patricia Cammarata, ihr kennt sicher ihr Blog “Das Nuf“. Patricia ist eine der klügsten und lustigsten und vielschichtigsten Bloggerinnen da draußen, deshalb fanden wir das unheimlich toll, sie auf der Stage zu haben. Und worüber hat sie gesprochen: über Mental Load! Über unbezahlte, emotionale und organisatorische Arbeit, das hatten wir ja hier schon mal. Patricia hat einen klaren Plan aufgestellt, um ihren Work Load zu verkleinern und gerechter aufzuteilen – und ihre ständige Erschöpfung zu besiegen. Hier hat sie ihren Vortrag aufgeschrieben und: sowas von gut. Lest das bitte ALLE, liebe Frauen, die ihr in hetero-normativen Beziehungen lebt und das Gefühl habt, dass ihr eher 80% als 50% von allem macht (und euch regelmäßig fragt, warum ihr immer um 20 Uhr einschlaft).

Nach Patricia hat die wunderbare Rike Drust aus ihrem zweiten Buch: Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück vorgelesen und dazu kann ich gar nicht mehr sagen als: Kauft es euch! So gut, so treffend, so lustig! Ich bin ja großer Rike-Fan, sie hat es einfach drauf, einen wunderbar abzuholen und ganz nebenbei wichtige gesellschaftliche Themen anzusprechen.

Im Anschluss hat Julia Winkels gesprochen, sie ist die Gründerin von BOLD, hat zwei Kinder und ist für uns immer die Karriere-Mum per excellence – dabei wollte sie das nie sein! Julia hat während der ersten Elternzeit gegründet, mittlerweile 43 Mitarbeiter, und zwischendrin kam noch ein Kind. Wie das geht, das hat sie uns erzählt – und auch, dass sie immer um 16 Uhr geht, und genauso von der “schlechtes Gewissen”-Krankheit heimgesucht wird, die wir alle ab und zu haben.

Kathrin Reuter, Gründerin von trackle hat uns dann noch mal ganz woanders hingeleitet: Zum Thema NFP nämlich, Verhütung ohne Kondome. Sie erzählte, welche Überraschungen sie während der Gründungsphase erleben musste (viele fanden es komisch, einen Sensor einzuführen?) und warum Verhütung ganz viel mit Selbstbestimmung zu tun hat. Einen Artikel darüber findet ihr auch hier bei Edition F.

Puh, und dann kam die Pause: der Vormittag war echt stramm. Aber wie gesagt: das haben wir schon weitergegeben, das nächste Mal wird es sicher lockerer getaktet. Und wir fanden: die Themen waren toll, alle Speaker beeindruckend, uns rauchten am Ende richtig die Köpfe.

Nach der Pause ging es weiter mit Nora Imlau, die über Gewalt in der Geburtshilfe sprach. Kernmessage: es ist nicht egal, wie wir geboren werden und auch nicht wie wir gebären! (Auch dazu gibt es bei Edition F einen Artikel). Nora hat uns alle in ihren Bann gezogen. Ganz abgesehen davon, dass dieses Thema so unfassbar wichtig ist, und so viel mehr Diskussion braucht, hat Nora so persönlich, klug und mitreißend gesprochen, dass uns zwischendurch sogar die Tränen kamen. Sie war auch die Einzige, die 30 Minuten hatte und wir dachten danach: 30 Minuten waren toll. Noras Vortrag konnte viel mehr in die Tiefe gehen und ich habe mich sogar getraut, noch 3 Sätze zum Abschluss zu sagen. Danke, Nora!

Mit Erin Grueber von Google sind wir dann wieder zu einem Karriere-Thema geswitcht: Erin hat sechs Jahre lang in fünf Ländern das Parent Programme for Entrepeneurs geleitet, und uns fünf Wahrheiten zum Gründen für Eltern verraten. Super spannend und “Parent-Preneurship” – darauf muss man erstmal kommen, wir finden es interessant, dass Google sowas unterstützt. Wobei ich nach dem Talk dringend noch mal sagen musste, dass nicht jeder in der Elternzeit ein Unternehmen gründen muss, die kleinen Jahre sind anstrengend genug. Trotzdem stellen wir immer fest, dass das eine Zeit ist, in der viele Frauen (auch Männer), sich beruflich neu orientieren. Insofern gilt das, was Julia Winkels auch gesagt hast: wenn du eine gute Idee hast, do it. Es gibt bessere, aber auch deutlich schlechtere Zeiten, um zu gründen.

Danach kam der nächste, sehr berührende Talk, von Christina Diehl nämlich: sie musste sich nach Jahren und mehreren Fehlgeburten vom Kinderwunsch verabschieden und hat erzählt, wie sie aus der Krise eine Chance gemacht hat. Sie hat so enthusiastisch und wundervoll erzählt, wir mussten lächeln und schlucken gleichzeitig. Was für eine unheimlich inspirierende Frau! Auch sie hat einen Artikel zum Thema bei Edition F online, ihr findet ihn hier.

Den Abschluss machte Sandra Runge, auch sie las aus ihrem Buch vor, und Marie stellte ihr noch ein paar Fragen zum Thema Elternrechte. Sandra macht so einen supertollen und wichtigen Job, und hat selbst auch eine Geschichte, die einen mit offenem Mund zurücklässt. Chapeau an Sandra, weiter so!

Das war’s. Das war unsere Family Stage. Es war interessant, und inspirierend und auch wenn Vieles sicher ein bisschen holprig war, waren wir sehr zufrieden und haben selbst auch Einiges mitgenommen. Ja, der Schedule war etwas voll und zu hektisch, ja, es gab zu wenig Kopfhörer – aber im Großen und Ganzen fanden wir es gut.

Wart ihr da? Was fandet ihr am besten? Was muss nächstes Mal anders laufen?

Wie gesagt: es gab im Nachklang einiges an Kritik. Vieles davon verstehen wir – und sehen es auch so. Manche Panels liefen in unschöne Richtungen, oft fehlte die Zeit. Vieles war überlaufen. Und ja, es war schon eher ein Austausch unter privilegierten Frauen, alleine schon der Ticketpreise wegen (auch mit 50% war es ja noch teuer). Das könnte man das nächste Mal vielleicht auch anders machen und Empfänger von Sozialleistungen mit einbeziehen? Alleinerziehende? Irgendwie wäre das schön. Es darf ohnehin diverser sein: mehr Männer hätten wir auch gut gefunden!

Aber die Kritik an der vielen Werbung können wir zum Beispiel nicht ganz nachvollziehen: sowas muss man eben auch finanzieren! Keiner, der eine Ahnung hat, wieviel Geld es kostet, ein Event auf die Beine zu stellen, würde hier jemals irgendwie meckern. Es kostet WAHNSINNIG viel Geld, auch wenn die meisten Speaker pro bono da waren. Und die Werbung war zum größten Teil wirklich nett gemacht und nicht “in your face”- man konnte sie auch dezent umlaufen, haben wir auch gemacht (und einige tolle Sachen verpasst, meeeh!).

Auch zu viel Schminke etc. – können wir nicht nachvollziehen. Das ist doch das schöne, an diesem neuen “Pop-Feminismus”, wie ihn manche nennen. Man darf dazu auch Lippenstift tragen. Dieser neue Feminismus, dieses neue Selbstbewusstsein – es hat nicht mehr nur mit Klischees wie lila Latzhosen und unrasierten Beinen zu tun. Man darf Latzhosen tragen, sich rasieren oder nicht, sich schminken oder nicht und überhaupt (fast) machen, was man will – und sich dennoch Feministin nennen. Das finden wir gut!

Und die Würstchen – ja mei. Und der Müll: ja. Aber es war kein Nachhaltigkeits-Festival, man kann auf sowas mehr achten, aber wir waren schon auf zig Messen und Events, wo es noch schlimmer war. Immerhin waren die Würstchen nicht einzeln verpackt!

Wir sehen es wie Steffi Luxat: am FFF Day rumzuschimpfen, ist wie die Kirsche auf der Torte zu kritisieren, und dabei zu vergessen, wie megakrass es ist, so eine Torte zu backen.

Wir fanden es ein wichtiges Event, glauben, dass viele “empowered” da raus gegangen sind – und freuen uns auf den nächsten Female Future Force Day!

Fotos: Jule Müller, Kerstin Musl, Richard Pflaume

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