Geburtsvorbereitung ist jetzt noch wichtiger als sonst

07. April 2020 | in Geburt | Schwanger | Wochenbett

Dass die Ausbreitung des Corona-Virus einen Einfluss auf Geburtshilfe und Schwangeren-Vorsorge hat, darüber hatten wir hier ja schon berichtet. Wir haben dazu viele Nachrichten von euch bekommen. Besonders die Schwangeren unter euch sind verständlicherweise besorgt. Grund genug, das Thema noch einmal zu behandeln, vor allem den Aspekt der Geburtsvorbereitung. Auch das ist in diesen Pandemie-Zeiten nicht ganz einfach, aber es gibt einige gute Möglichkeiten, sich zu wappnen und gestärkt in diese Ausnahmesituation zu gehen. Und das ist jetzt wichtiger denn je!

Es ist alles andere als ideal: Gebären zur Zeiten der Corona-Krise führt bei den meisten Schwangeren zu Grübeleien oder sogar Angst – kein Wunder, die Schwangerschaft ist eine hochemotionale Zeit, auch ohne Pandemie. Wie kann man damit umgehen? Eine Sorge, die viele haben: Dass die Bindung zwischen Vater und Kind gefährdet wird, weil sie sich eben nicht gleich nach der Geburt kennenlernen können, wenn die Klinik Väter im Kreißsaal untersagt. Im Interview mit Hebamme Anja Gaca klärt Susanne Mierau diese Frage. Anja rät dazu, sich keinen Bindungsstress zu machen – Bonding kann auch gut gelingen, wenn es später stattfindet. Finden wir wirklich hilfreich, sich das klar zu machen.

Buchtipps für die mentale Vorbereitung

Sowieso immer eine gute Idee, jetzt ganz besonders: Bücher, die helfen, sich Geburtswissen anzueignen und sich einfach auch mental mit der Geburt auseinandersetzen. Je mehr ihr wisst, was auf euch zukommt, desto eher könnt ihr euch wappnen. Natürlich ersetzt kein Buch der Welt den Partner an eurer Seite, aber jetzt ist Wissen um Abläufe in der Klinik, Möglichkeiten der Schmerzlinderung und Optionen für Geburten wertvoller denn je.

Der Klassiker: “Guter Hoffnung” von unserer lieben Hebamme Kareen Dannhauer. Ebenfalls ein Klassiker, von Hebamme und Pionierin Ina May Gasken: “Deine selbstbestimmte Geburt

Mit viel Wissen zu Klinikabläufen etc.: “Deine selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus” von Silvia Dürnberger

Auch eine Möglichkeit, mit Ängsten umzugehen: Autosuggestion und Hypnobirthing. Der Klassiker aus dem englischsprachigen Raum ist “HypnoBirthing”, mit Meditations-CD, von Marie F. Mongan. In “Traumgeburt: Gelassenheit, Entspannung und Schmerzkontrolle durch Selbsthypnose” von Alexandra Kopf geht es ebenfalls um diesen Weg, sich auf eine Geburt einzustimmen

Gebündeltes Hebammenwissen steckt in “Das Geheimnis einer schönen Geburt” von Jana Friedrich, am Ende kann man mit Fragelisten herausfinden, welche Art des Entbindens besonders gut zu einem passt

Setzt sich unter anderem auch ausführlich mit dem Thema Kaiserschnitt auseinander, auch wenn der Titel nicht so klingt: “Vertrauen in die natürliche Geburt” vom Chefarzt einer Hamburger Geburtsklinik, Wolf Lütje

Für Väter, jetzt wichtiger denn je: “Papipedia” von Christian Gaca, “Wir sind Papa” von Stefan Maiwald, oder auch dieser Titel mit vielen Tipps, wie Männer ihre Frau in der Schwangerschaft und bei der Geburt unterstützen können

So funktioniert Geburtsvorbereitung online

Viele Hebammen haben nicht nur ihre Beratungen, sondern auch ihre Geburtsvorbereitungskurse schon auf Online-Formate umgestellt – oft als Livestream mit Anbietern wie zoom. Diese werden in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen, in vielen Fällen auch für Väter.

Wie genau die Konditionen sind, klärt ihr am Besten im Gespräch mit eurer Krankenkasse, denn jede verfährt da (leider!) immer noch anders. So übernehmen z.B. die Techniker-Krankenkasse und die AOK auch für Männer die Kosten direkt, andere Kassen sind da bürokratischer. Wenn der Kurs online stattfindet, muss er im Regelfall live sein. Sehr gut erklärt ist das auch in diesem Post.
Auch in der Keleya App gibt es einen Geburtsvorbereitungskurs – für alle, die in ihrer Stadt vielleicht noch kein Angebot gefunden haben.

Da für viele Hebammen die Kosten weiterlaufen, deshalb sollte man immer erst Mal bei der eigenen Hebamme nachfragen, ob sie ein virtuelles Angebot hat. Sollte diese keinen Online-Kurse zur Verfügung stellen können, kann natürlich auch weitläufiger gesucht werden.

Einige Online-Kurse in großen Städten haben wir euch hier zusammengestellt:

Kareen Dannhauer bietet hier Onlinekurse an, ebenfalls in Berlin und in Sachen Online-Kursen gut aufgestellt ist die Hebammenpraxis.

In Frankfurt gibt es bei den Novia Hebammen ebenfalls ein Online-Format.

In Hamburg könnt ihr online hier Webinare belegen, auch mit Partner, außerdem hier.

In München gibt es hier Kurse im Netz.

Kölner Frauen und ihre Partner können hier oder hier Online-Kurse finden.

Weitere Ressourcen für werdende Mütter

Außerdem interessant: Hebamme Jana Friedrich stellt hier aktuelle Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und Coronavirus zusammen und aktualisiert diese auch. Ebenfalls viel Corona-Content rund um Geburt und Schwangerschaft gibt es in diesen Tagen bei Von guten Eltern.

Auf dem Instagram-Account des Auguste-Viktoria-Klinikums gibt es eine digitale Kreißsaaltour und täglich eine IG-TV Sprechstunde, in der wichtige Fragen beantwortet werden. In Berlin sind die Babylotsen der Charité auch weiter für Eltern da und leisten psychosoziale Betreuungsdienste, bundesweit gibt es sie in 56 Kliniken in acht Bundesländern, eine Übersicht über Standorte findet sich hier.
Viele Kliniken haben ein Q&A zum Umgang mit Corona hochgeladen, falls das bei der Klinik, bei der ihr angemeldet seid, noch nicht der Fall ist, empfiehlt sich ein Anruf. Und für alle, die jetzt vermehrt an Hausgeburten denken: Das ist, genau wie vor Corona, nicht für alle Frauen eine wirkliche Option und auch jetzt sind Hebammen, die diese anbieten, rar gesät.

Das ist zwar alles nicht unbedingt einfach, aber auch jetzt könnt ihr einiges tun, um euch zu stärken und auf die veränderte Situation einzustellen. Vielleicht hilft dieser schöne Satz von Kareen euch, etwas zuversichtlicher in die Geburtsvorbereitung zu gehen: “Gebären wirst du dein Kind allein. Immer und sowieso. Dieser Satz klingt erstmal heftig, er ist letztlich auch eine gewisse Form von Zumutung. Aber ihm wohnt gleichzeitig auch eine enorme Kraft inne. Frauen können gebären, und sie tun es immer aus ihrer eigenen Kraft, auf eine Weise also auch: allein.”

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