Mein erster Vatertag: #VaterschaftIstMehr

20. May 2020 | in Familie | Parenting

Morgen ist Vatertag. Ein Tag, über den ich noch nie im Leben nachgedacht habe, auch mit Kind nicht. Christi Himmelfahrt, ja. Herrentag, mit den Jungs, ja. Vatertag, habe ich keine Meinung zu, brauch ich nicht, braucht kein Mensch. Dieses Jahr ist es ein bisschen anders. Mein Vaterbild ist gerade so diffus wie lange nicht mehr. Mein eigenes und überhaupt und sowieso.

Das liegt zum einen an einer guten Nachricht. Ab nächster Woche darf meine Tochter wieder regelmäßig in die Kita. Hauptgewinn. Für meine Tochter, aber auch für mich. Denn ich kann nicht mehr. Mein Fazit der Corona-Wochen fällt mindestens zwiespältig aus. Mein Selbstverständnis als „moderner“ Papa hat ordentlich leiden müssen.

Weil ich Teilzeit arbeite und meine Freundin Vollzeit, war ich in den Corona-Wochen meistens alleine für unsere Tochter verantwortlich. Wochenlang mit Kind zuhause, sehr viele Mütter – und auch ein paar Väter – wissen, was das heißt: Frühstück machen, spielen, aufräumen, lesen. Mittagessen machen. Aufräumen. Zwischendurch die Wäsche. Puzzeln, toben, malen. Raus gehen. Abendessen machen, ins Bett bringen, nochmal aufräumen. Tagelang, wochenlang. Mit einem Kind, das – so ganz ohne andere Kinder – mit den Wochen immer gestresster und einsamer wird.

Teilzeit? Gerne. Aber nicht so.

Ich bilde mir gerne viel darauf ein, bewusst Teilzeit zu arbeiten. Und ich liebe die Zeit mit meiner Tochter. Die Wahrheit ist aber: Teilzeit macht nur dann Spaß, wenn ich auch Zeit für mich habe.

Ohne 40 Wochenstunden Kita wird daraus eine andere Geschichte. Es waren auch tolle, intensive Wochen. Aber ich habe meine Grenzen kennengelernt. Was Geduld angeht, Empathie, Entertainer-Qualitäten. Aus den 30 Minuten Fernsehen pro Tag sind mittlerweile mindestens 90 geworden. Ich habe ein paar Mal zu oft die Nerven verloren. Ich bin an einen Punkt gekommen, wo Spielen mehr Pflichterfüllung als Spaß ist. Vom Basteln fang ich gar nicht erst an. Das macht nur Spaß, wenn es die Ausnahme bleibt. Ich bin froh, dass es (für den Moment) vorbei ist. Dieser Vatertag ist damit eigentlich wie gemacht für mich. Zeit zu feiern.

Kann ich aber nicht, weil ich auf meine Tochter aufpassen muss. Und es gibt auch nichts zu feiern. Denn wenn ich mal aus meiner Parallelwelt wegkomme, lese ich von den richtigen Problemen.

Was Corona zeigt: Väter haben nichts zu feiern.

Von den Studien, die zeigen, dass Corona vor allem die Mütter belastet. Dass viele Väter sich gerade jetzt in die Büros flüchten. Natürlich ist das alles nicht überraschend, es ist leider logisch, wenn wir uns anschauen, wo wir als Gesellschaft stehen. Aber es seit Wochen immer wieder zu lesen, rüttelt doch ziemlich an meinem optimistischen Weltbild.

Ich bin immer überzeugt davon gewesen, dass die Zeit für uns arbeitet: Es werden mehr Väter, die Elternzeit nehmen. Langsam, ja. Aber es werden mehr. Es werden mehr Väter, die weniger arbeiten. Ich habe bisher jeden Vater verteidigt, der stolz darauf ist, wenn er einmal die Woche sein Kind ins Bett bringt. Oder einen Nachmittag schon um 16 Uhr aus dem Büro kommt. Dabei ist es ist schon beschämend, wie weit weg wir noch sind von gleichen Rechten und Pflichten. Gerade habe ich aber zum ersten Mal seit ich Vater bin den Eindruck, dass es auch rückwärts gehen kann.

Und vor diesem Hintergrund ist morgen Vatertag. Dabei gibt es nichts zu feiern.

Aber vielleicht gibt es was zu zeigen.

Ich mag es wirklich überhaupt nicht, wenn mir Freunde oder Kollegen erzählen, wie toll es ist, dass ich so viel Zeit für meine Tochter habe. Ihrer Mutter sagt das niemand. Und es ist auch ein Privileg, dass ich mir Teilzeit leisten kann. Trotzdem: Morgen mache ich zum ersten Mal bei einer Netzinitiative mit: #VaterschaftIstMehr. Um zu zeigen, dass es anders geht. Ein paar andere Väter und ich wollen auf Instagram und Twitter mit dem Hashtag von unserem Alltag mit Kindern erzählen. Gerade an diesem Corona-Vatertag, an dem es für zu viele Väter wohl nur darum gehen wird, wieviel Abstand sie beim Trinken und rumgammeln einhalten müssen.

Ich wollte erst nicht mitmachen, weil mein eigenes Corona-Zwischenfazit gerade so zwiespältig ist. Und ich frage mich auch: Welcher Mutter wird das helfen? Welchen Vater wird das erreichen? Wieviel davon ist Eigenlob? Ich bin da ziemlich skeptisch. Aber wenn schon Vatertag, dann vielleicht am ehesten so.

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