Ein MEGAVATER! Was wir in unseren Köpfen verändern müssen, um weiterzukommen

03. June 2015 | in Familie | Gesellschaft | Parenting

Mein Freund, der ja beizeiten zickig werden kann, wenn er auf seine Rolle als Vater angesprochen wird (ähnlich wie viele Mütter, nech!) erlebte vor kurzem folgende Situation: er erzählte, dass Xaver gerade wieder nachts aufwacht, dass er dann immer zu ihm hingehen muss, dass er immer die Person verlangt, die ihn ins Bett gebracht hat, also durchaus auch oft: PAPA!! Nein, nicht Mama, PAPA!

Kompliment oder Beleidigung?

Die Reaktion: “Du bist aber ein toller Vater!”
Könnte man so stehen lassen und das Kompliment, denn als solches war es ja gemeint, einfach annehmen. Tat er aber nicht. „Warum bin ich denn ein TOLLER Vater, wenn ich mich um mein Kind kümmere?!“

True Story. Würden wir einer Mutter sagen: „Du bist eine TOLLE Mutter!“, weil sie nachts aufsteht? Wohl kaum. Würde eine liebevolle und verantwortungsbewusste Mutter einen Gala-Titel mit MEGAMAMA bekommen, so wie Ashton Kutcher? Kann ich mir nicht vorstellen.

Gala

Ich freue mich darüber, dass das Thema “Vater kümmert sich auch mal um’s Kind” hierzulande endlich überhaupt mal angesprochen wird, aber solange Väter Komplimente bekommen, weil sie Dinge tun, die selbstverständlich sind, bringt das leider alles nichts. Wenn sie Elternzeit nehmen zum Beispiel („Oh, wie  MUTIG!“), wenn sie Windeln wechseln, oder abends zuhause bleiben, damit die Mutter ausgehen oder zu einem Termin kann („Oh, bist du heute dran mit BABYSITTEN, wie nett von dir!“).

Beißt euch auf die Zunge!

Solange wir diese Komplimente nicht sein lassen und die Vaterpflichten, genau wie die Mutterpflichten, als selbstverständlich in unseren Köpfen abspeichern, brauchen wir uns nicht wundern, dass wir in Sachen Gleichstellung nicht weiterkommen.

Natürlich ist das auch ein bisschen tricky. Denn die Mutter ist nun mal die, die das Kind 9 Monate lang im Bauch trägt, die es zur Welt bringt und stillt. Der Vater kann in dieser Zeit eine große Hilfestellung sein, er kann trösten, wickeln, tragen, Fläschchen geben (haben wir mit abgepumpter Milch bereits nach wenigen Wochen gemacht), gleichberechtigt sind beide Eltern aber einfach nicht. Je älter die Kinder aber werden, desto mehr sind sie es. Können sie es sein, sollten sie es sein!

Bei uns ist es so. Papa wickelt, zieht an, badet, tröstet, kocht, macht alles, was ich auch mache. Und ich bedanke mich natürlich nicht bei meinem Mann, weil er sich um unseren Sohn kümmert. Das ist für mich einfach eine Selbstverständlichkeit! Wir bedanken uns aber oft beieinander, dafür, dass wir uns gegenseitig den Rücken freihalten. Und das ist etwas völlig anderes.

Schauen wir also mal wieder nach Skandinavien. In Norwegen und Schweden wurde die Elternzeit für Papas bereits 1993 eingeführt. Ich behaupte mal, zum gleichen Zeitpunkt wurde man in Deutschland noch schief angeschaut, wenn man als Mann einen Kinderwagen schob. Schlimm, oder? Mittlerweile sind 22 Jahre vergangen, in Schweden und Norwegen sind Väter wirklich gleichgestellt, man wird als Vater schief angeschaut, wenn man z.B. keine Elternzeit nimmt. Wir in Deutschland sind immerhin so weit, dass Papas ihr Kind in der Tragehilfe tragen, ohne sich komisch vorzukommen, aber noch gelobt werden, wenn sie ihr Kind nachts trösten. Ein weiterer Schritt in Richtung Gleichberechtigung ware es, das einfach sein zu lassen.

Ich muss mir hier selbst auch immer auf die Zunge beißen. Auch in meinem, sehr emanzipierten Kopf, ist dieses Denken noch drin. Die Stereotypen. Die Rollenverteilung. Aber ich verkneife mir solche Kommentare mittlerweile.

Achtet mal drauf und tut es mir gleich! Oder seid ihr anderer Meinung?

PS: Foto: gefunden auf Instagram bei @lilltrill – natürlich aus Schweden!

PPS: Ein leider schlecht übersetzter, aber dennoch lesenswerter Artikel dazu: Nur weil ich nachts aufstehe, verdiene ich kein Lob.

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