Der allerwichtigste Tipp für die Zeit mit Baby oder kleinen Kindern!

12. January 2022 | in Familie | Parenting

Es ist 6:30 Uhr. Ich schaue auf mein Telefon und fühle mich als hätte ich die Nacht durchgefeiert. Also so richtig mit allem drum und dran. Als hätte ich in den letzten Stunden im Bett vielleicht betrunken ein wenig an die Decke gestarrt und ein bisschen gedöst. Aber auf meinem Handgelenkt findet sich kein verwischter Clubstempel, es gibt kein Konfetti in meinen Schuhen und mir ist auch nicht schwindelig von zu viel Wein und Zigaretten. Nein. Ich habe einfach nur mal wieder sehr, sehr schlecht geschlafen.

Es gibt wohl wenig Zermürbenderes, als morgens aufzustehen und sich schon beim Erwachen müder zu fühlen, als am Abend zuvor. Ja, so richtig schrecklich eigentlich. Und dann den ganzen Tag vor sich zu haben. Müdigkeit macht alles anstrengender, macht pessimistisch und – Studien zeigen es – auf Dauer sogar depressiv. Mütter, die sich nach der Geburt eines Kindes nicht erholen können, haben ein besonders hohes Risiko, an einer postnatalen Depression zu erkranken.

Müde aufzuwachen heißt, sich mehr schlecht als recht durch den Tag zu quälen. Ich schalte dann oft auf Katastrophen-Modus: Bloß irgendwie funktionieren, die Kinder nicht anschreien, keinen Unfall bauen und sich nicht mit dem Partner (oder KollegInnen) streiten. Wobei Letzteres gar nicht so einfach ist, wenn die Nerven aufgrund von Schlafentzug blank liegen. Dabei bin ich doch sogar mit den Kindern früh ins Bett gegangen, warum fühle ich mich trotzdem so elend?

Und warum vergesse ich so viel? Das kenne ich gar nicht von mir! Sollte ich mich beim Arzt mal durchchecken lassen? Ich vergesse, wo ich das Auto geparkt habe. Vergesse wichtige Termine. Vergesse, FreundInnen zurück zurufen. Mache Fehler beim Schreiben, muss Sätze mehrmals lesen und kann trotzdem nicht den Inhalt begreifen. Ich habe richtige Erinnerungslücken und kann manche Erlebnisse beim besten Willen nicht mehr aufrufen. Hinzu kommt die dunkle Stimmung. Das Glas ist immer halb leer.

Schuld ist: “Fragmented sleep”

Es gibt einen ziemlich simplen Grund für die Fahrigkeit, das Vergessen, die schleichende Unglücklichkeit, die viele frische Eltern (insbesondere Mütter) zu gut kennen und er heißt: Immer wieder unterbrochener Schlaf. Denn in meinem Fall schlafen beide Kinder nicht gut, sie wachen mehrmals pro Nacht auf, trinken Milch, wollen den Schnuller, legen sich auf mich drauf. Oft sind es Phasen, in denen sie schlecht schlafen, bei uns dauert diese Phase aber nun schon ziemlich lange. Manchmal scherzen mein Partner und ich mit einem weinenden Auge: “Hätte Kind 1 so geschlafen wie Kind 2, hätte es Kind 2 einfach nicht gegeben!” Denn eines ist sicher: Wenn ich über einen längeren Zeitraum nicht mehr als zwei Stunden am Stück schlafe, dann drehe ich langsam aber sicher durch. So geht es vielen da draußen, schätze ich. Denn selbst wenn ich mich früh mit den Kids hingelegt hatte, war mein Schlaf so bruchstückhaft, dass er einfach nicht erholsam war. Und das ist tatsächlich ein Problem, sagt auch die Wissenschaflterin Leslie Swanson. Wenn Eltern nachts immer wieder aufgeweckt werden und es nicht schaffen, mal vier Stunden am Stück zu schlafen, verpasst der Körper bestimmte Schlafphasen, was wiederum das Gehirn beeinträchtigt – besonders die Bereiche “Lernen und Erinnerung.” Aha!

Als ich vor einiger Zeit mal wieder nach einer kurzen und ereignisreichen Nacht zerstört aufwachte, konnte ich nur noch weinen. Wirklich! Heulend lief ich zu meinem Partner ins Zimmer und sagte: “Ich kann jetzt nicht mehr. Irgendwas muss passieren, so geht das nicht weiter.” Ich beschwerte mich bitterlich, dabei saßen wir ja eigentlich im selben Boot. Unsere Lösung: Wir bauen ein Matratzenlager und ab und zu nimmt einer alle Kinder, damit der andere mit Oropax im anderen Zimmer mal acht Stunden am Stück schlafen kann. Ich war als erstes dran und es war himmlisch. Ich ging um 21:30 Uhr ins Bett und wachte nach dem tiefsten, schönsten Schlaf einfach um 6:30 Uhr wieder auf – wie ein neuer Mensch.

Es wirkt!

Wir versuchen nun, uns genau das gegenseitig zu ermöglichen. Jeder soll regelmäßig die Möglichkeit haben, durchzuschlafen. Wenigstens einmal die Woche. Dafür hat der andere dann alle Kinder, und schläft nicht so gut, klar. Aber wenigstens sind nicht beide Eltern völlig durch. Wenn eine Person gut drauf ist, kann er oder sie das ganze System Familie stabilisieren. Nachdem ich das erste Mal in vier Monaten mehr als sechs Stunden am Stück geschlafen hatte, tat es so gut! Glücklich, optimistisch, wieder voller Energie war ich. Ich hatte auch wieder Freude daran, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Freude am Arbeiten. Hach, wie einfach die Lösung manchmal sein kann.

Deshalb ist mein Tipp: Unterschätzt nicht, wie wichtig Schlaf ist.

Auch wenn es unmöglich erscheint, unternehmt einfach alles, um mal sechs Stunden durchzuschlafen. Pumpt ab. Geht zu einer Freundin. Bucht euch in ein Hotel ein. Verlangt es von eurem Partner.

Versucht irgendwie, das hinzubekommen. Denn wirklich: Man wird traurig und depressiv, wenn man nie richtig schläft. Dabei kann das Leben so schön sein – mit besserem Schlaf. In diesem Prozess steigen übrigens viele aufs Familienbett um. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich erkannt habe, wie wichtig das ist. Wochenlang habe ich gedacht, geht schon irgendwie. Gehört halt dazu. Ist eben so. Und wurde dabei immer trauriger. Nun ist alles wieder machbarer. Ich bin immer noch oft müde, aber ab und zu mal länger als vier Stunden am Stück schlafen, macht alles einfacher.

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