Was bereut ihr im Nachhinein?

08. December 2021 | in Parenting

Vor kurzem hatte ich ein rührendes Gespräch mit einem befreundeten Vater. Seine Kinder sind beide schon in der Schule, das älteste sogar schon in der Pubertät. Sie sind wirklich “aus dem Gröbsten” raus. Und beide Eltern sind sehr happy darüber, dass die Kinder sich so gut entwickelt haben, so gut klar kommen, auch dass sie noch so eine enge und gute Beziehung zu ihnen haben. Er meinte dann aber: “Es gibt nur eine Sache, die ich ein bisschen bereue…”

Ich war gespannt. Was? “Ich würde im Nachhinein einfach ein riesiges Bett bauen, in dem wir alle schlafen. Einfach Familienbett, keine Diskussionen”. “Warum?” fragte ich. Und dachte an unsere eigene Geschichte. Kind 1 lag noch viel im Gitterbett, meistens auch glücklich. Kaum war das Gitter weg, kam es aber jede Nacht zu uns. Wir kauften ein 2×2 Meter Bett und akzeptierten diesen Zustand, das Ziel war aber immer: eigenes Bett. Kind 2 hat keine einzige Nacht im Gitterbett geschlafen. Kaum war sie aus dem BabyBay herausgewachsen, schlief sie einfach bei uns. Auch sie sollte aber irgendwann ins eigene Bett ziehen, mit etwa drei Jahren war es so weit. Sie nahm das gut an, wollte dort auch einschlafen, kommt aber mit fünfeinhalb immer noch jede Nacht zu uns gekuschelt. Kind 2 hat das auch sehr lange gemacht – mit etwa fünf schlief er dann aber im eigenen Bett durch. Bereue ich da was? Ich war mir nicht sicher. Warum also bereute er das?

“Ich glaube einfach mittlerweile, die Kinder bekommen so eine wahnsinnig gute und wichtige Portion Bindung mit, wenn sie nachts nicht alleine sind”, sagte er. Das leuchtete mir ein. Ich hatte und habe oft das Gefühl, wenn die Kinder in ihren Betten durchgeschlafen haben, dass sie sich diese “Bindung” dann anderswo holen. Da wurde dann extra lange gelesen, sie hingen tagsüber mehr an uns Eltern. Auch wenn einer von uns zum Beispiel beruflich einige Tage nicht da war, holten die Kinder das nach. Machen sie immer noch! Dann kriechen sie nachts sogar wieder beide ins Elternbett, kuscheln sich morgens und abends noch länger und ausführlicher an, als sonst. Mein Freund bestätigte diese Beobachtung: “Ich glaube sogar, es hätte im Nachhinein viele andere Dinge einfacher gemacht, wenn wir nicht darauf gepocht hätten, dass sie alleine schlafen.”

Bindung vs Elternbett

Man hat immer so das Bild im Kopf, dass das Elternbett der Platz für die Eltern sein soll. Dass das wichtig wäre für die Zweisamkeit, für Intimität, für die Stabilität der Paar-Beziehung. Ich muss sagen, dass ich das auch total im Kopf habe. Ich genieße es auch wirklich sehr, im Bett zu lesen und abends in ein Bett zu schlüpfen, in dem kein Kind liegt. Aber das mit der Intimität ist natürlich Quatsch. Man kann sich ja auch woanders näher kommen. Vielleicht sogar im Kinderzimmer, wenn die Kids eh im großen Bett sind?! Ich denke nicht, dass es wirklich oft so ist, dass Sex nicht stattfindet, weil das Ehebett nicht frei ist…

Ich muss ihm also recht geben. Ich habe unser großes Halb-Familienbett nie bereut. Ich bin froh, dass wir bei unserem zweiten Kind so “easygoing” waren in Sachen Schlafen, ihren Protest ernst genommen haben und ihr Bedürfnis, immer noch nachts bei uns zu sein, akzeptieren. Ehrlich gesagt genieße ich das mittlerweile sogar, es wird schließlich ziemlich sicher auch bald vorbei sein…
Ich habe mir nach dem Gespräch noch viele Gedanken zum Thema “Reue” gemacht. Ich bin prinzipiell nicht so der “Bereuen”-, sondern eher der “Annehmen und daraus lernen”-Typ. Aber es ist auch bei mir so, dass ich es im Nachhinein irgendwie bereue, dass ich mit meinem ersten Kind oft so streng war. Dass ich so viel von ihm erwartet habe, als er eigentlich noch ganz schön klein war. Ich denke auch, dass ich doch ganz schön oft laut wurde. Heute gelingt es mir besser, mal durchzuatmen und mir zu sagen “Es sind Kinder….”. (Nicht immer, ist ja klar). Diese Weitsicht und Ruhe hätte ich einfach gerne schon ganz am Anfang gehabt. Ich glaube aber, das geht vielleicht auch gar nicht, weil man sie erst erlernen muss. Und ich glaube außerdem, dass es ganz ganz häufig so ist, dass die ersten Kinder tendenziell ein bisschen überfordert werden – bei allen Kindern, die danach kommen, ist man automatisch gelassener, erwartet weniger. Man hat dann auch gelernt, dass Kinder wirklich unterschiedlich sind und jedes sein eigenes Tempo hat…

Also, das bereue ich. Habe ich meinem großen Kind auch schon gesagt. Dass ich heute weiss, dass ich sehr früh Dinge von ihm erwartet habe, für die er eigentlich noch zu klein war. Und dass mir das heute leid tut. Er war ganz süß und sagte: “Ach, Mama, daran erinnere ich mich nicht. Ist nicht schlimm!”. Ich weiß natürlich, dass das dennoch was mit ihm gemacht hat – aber wir Eltern können eben auch nicht alles richtig machen. Sollen wir auch vielleicht gar nicht.

Trotzdem interessiert mich: Was würdet ihr im Nachhinein anders machen? Gibt es etwas, was ihr vielleicht sogar bereut?

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