Yay or Nay: Mit Kindern Fastfood essen

26. June 2020 | in Ernährung | Parenting

Unsere Yay or Nay-Serie geht weiter! Zwei Eltern, die unterschiedlicher Meinung sind und jeweils ihre Postion zu einem Thema darstellen. Da ging es schon ums Familienbett, den Kindernamen als Tattoo oder auch Kinder vegan ernähren. Heute soll es auch um Ernährung gehen, nämlich darum, ob es okay ist, mit Kindern Fastfood zu essen. Also so richtig Burger, Pommes und Co. Gehört das zur Kinderheit dazu oder wissen wir jetzt nicht eigentlich viel zu viel über Ernährung, als dass wir das noch erlauben könnten?!

Heute besprechen das Thema Marie und Sandra. Marie sagt Yay! Sandra ist Team Nay. Auch naheliegend – ihr habt bestimmt schon das ein oder andere gesunde Kindergericht von ihr bei uns gesehen (z.B. die Erbsen-Brokkoli-Pasta). Sandra hat übrigens auch einen Foodblog.

Yay:

Im Strandbad bei 30 Grad nach dem Schwimmen in der Schlange stehen für salzige, heiße Pommes mit Ketchup und Mayo. Mit dem Papa beim Ausflug in die Großstadt zu McDonalds gehen, einmal im Monat. Die Tiefkühlpizza, die mein Bruder und ich uns nach der Schule in den Ofen geschoben haben (Mittag gegessen in der Schule haben wir damals nicht). All das sind meine Kindheitserinnerungen an Fastfood. Und ich denke gerne daran zurück. Fastfood fanden wir toll. Und damals, in den 90ern, noch kurz nach der Wende, war Fastfood für uns, die wir im Osten so etwas nur wenig kannten, überhaupt nicht uncool. McDonalds stand für amerikanisches Essen, für die große weite Welt, ja, tatsächlich für Freiheit.

Nun ist das heute sicherlich etwas ganz anderes, aber einer der Gründe, warum ich gerne mal mit meinen Kindern bei McDonalds vorbeischaue, sind sicherlich meine etwas nostalgischen Erinnerungen daran. Außerdem ernähren wir uns sonst ausgewogen, da wird Fastfood ab und zu nicht schaden. Auch die Tiefkühlpizza kommt bei uns manchmal auf den Tisch, wenn es schnell gehen muss und wir Lust darauf haben. Fastfood macht Spaß, auch wenn man sich danach nicht so gut fühlt, wie nach einer Seafood-Salat-Brauner-Reis-Bowl. Aber das ist okay. Salzig, süß und fettig. Ab und zu muss das mal sein. Ich finde sowieso, dass zu viel Kontrolle beim Essen nur das Potenzial für Essstörungen schürt. Ist ein lockerer Umgang nicht viel wichtiger?! Iss dies nicht, iss das nicht. Essen soll kein Land der Verbote sein, sondern Spaß machen. Wenn man zwanghaft Dinge verbietet, kommt das Kindern nicht zu Gute, behaupte ich jetzt mal.

Und wir leben ja auch nicht in einem Instagram-Familien-Bullerbü. Manchmal sind die Tage stressig, manchmal muss einfach schnell Essen auf den Tisch. Bei aller Liebe zu gesundem Meal-Prep (also das Vorbereiten und Einfrieren)- wer hat denn wirklich die Zeit und Lust, immer perfekt vorbereitet zu sein? Ich nicht. Und dann ist es halt die Tiefkühlpizza, die Abends auf den Tisch kommt. Manchmal tut mir dieses ganz Normale, das Bodenständige daran sogar richtig gut.

Übrigens finde ich nicht, dass Fastfood dumm und dick macht. Klar, ok, wenn ich es JEDEN Tag essen würde vielleicht. Aber ein bis zwei Mal die Woche finde ich in Ordnung. Meine Kinder sollen kein zwanghaftes Verhältnis zum essen haben. Sie sollen auch mal vermeintlich Ungesundes essen können – wenn sie denn Lust darauf haben. Und dazu gehört auch Fastfood – also definitiv ein YAY!

Nay:

Mit Kindern Fastfood essen ist so eine Sache. Das wurde mir tatsächlich erst richtig in den letzten Jahren bewusst. In meiner Ausbildung der ganzheitlichen Ernährung habe ich so einiges über Transfettsäuren und ihre negative Wirkung auf unseren Körper gelernt. Transfettsäuren kommen oft bei der industriellen Verarbeitung von Fertiggerichten vor. Bevor ich vor ein paar Jahren unsere Ernährung auf natürlich, frisch, ohne Zusatzstoffe, industriellen Zucker & Co umgestellt habe, gab es bei uns auch öfter mal Fertiggerichte oder man hielt mal bei Mc Donalds. Nun sind meine Jungs aber auch schon etwas älter, und ich denke bei einem dritten Kind mit meinem Wissen von heute, würde ich es von Anfang an anders machen.

Wer aber jetzt den erhobenen Zeigefinger sucht, der wird Ihn hier bei mir nicht finden. Auch meine Jungs, gerade jetzt, wo Sie älter werden, möchten sich mit Ihren Freunden manchmal eine Pommes bei Mc Donald holen. Verbieten werde ich es ihnen nicht, doch mich selber wird man bei Mc Donald nicht mehr finden. Ich versuche Ihnen gesunde und frische Ernährung zu Hause vorzuleben und hier ein Vorbild zu sein. Und da kommt wieder die Balance dazu. Wenn ich im Familien Alltag darauf achte, dass es zu den Mahlzeiten gesunde, natürliche Gerichte ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker gibt, sind Ausnahmen völlig ok.

Unser Körper, und natürlich die Körper unserer Kinder, kommen allerdings ins straucheln, wenn Fertiggerichte und Fast Food zu sehr zum Alltag gehören.

Ein Beispiel:

Durch bestimmte Vorraussetzungen verändern sich „gute Fettsäuren“, die den Körper und die Zellen stärken, zu „Trans-Fettsäuren. Diese sind den guten Fetten von der Struktur her sehr ähnlich, so dass unser Körper sie nicht unterscheiden kann.

Die „guten Fette“ sind elastisch und werden z.B. in den Zellmembranen, also den Zellhüllen unserer Körper-, Muskel- und auch Gehirnzellen, verarbeitet. Bekommt nun aber unser Körper durch Fastfood und Fertiggerichte zuviel von den gesundheitsschädlichen Transfettsäuren, die starr und unbeweglich sind, baut er diese statt den „guten Fetten“ in unsere Körperzellen ein.

Wenn ich mir nun vorstelle, dass meine Muskel- und Gehirnzellen, oder die meiner Kinder, mit dem starren, unelastischen „Material“ aufgebaut oder repariert werden, lass ich gerne die Fertiggerichte und die Fastfoodketten links liegen, und schlage an der Obst- und Gemüsetheke zu. Vor allem weil ich festgestellt habe, dass natürlich kochen so wunderbar schnell und einfach ist, so dass es eigentlich das Wort „Fast Food“ also „schnelles Essen“ auch verdient hätte 😉

Die Transfettsäuren sind nur ein Beispiel, neben vielen anderen negativen Auswirkungen von Fertiggerichten und Fastfood.

Mein Fazit: Die Dosis macht’s! Ab und zu mit Freunden eine Pommes? Klar! Ansonsten zu Hause frische, leckere Familiengerichte ohne Geschmacksverstärker, Transfettsäuren, versteckten Zucker & Co!

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