Über erste Male…

06. March 2019 | in Alltag | Familie

Wann habt ihr das letzte Mal etwas zum allerersten Mal gemacht? Erste Mal hatten sich bei mir die letzten Jahre äußerst rar gemacht, das bringt Lebenserfahrung und Alltag nun mal so mit sich. Bis man plötzlich ein Kind hat und scheinbar alles noch mal zum ersten Mal geschieht.

In Erinnerungen schwelgen

Erste Male sind verdammt schön. Der erste Kuss, die erste eigene Wohnung, das erste mal alleine in den Urlaub fahren, der erste Freund, das erste Mal alleine Auto fahren, der erste richtige Job….. Auf einige Ereignisse haben wir jahrelang hin gefiebert, andere kamen überraschend und waren eventuell anders als geplant (der erste Sex zum Beispiel…). Wieder andere haben wir verdrängt und es bleibt hoffentlich beim ersten und einzigen Mal. (Flug verpasst, Portemonnaie geklaut, Wohnungseinbruch) Doch immer resultieren aus all diesen ersten Malen Geschichten und Erinnerungen. Einige davon begleiten uns ein Leben lang, andere sorgen für lustige Anekdoten in feucht-fröhlicher Runde und wieder andere bereiten auch im Nachhinein noch Bauchschmerzen.

Neue erste Male

Erste Male aus der Kindheit hingegen kennen wir vielleicht nur noch aus Erzählungen oder anhand von Fotos; der erste Zoo-Besuche, Wackelzähne, der erste Schultag, das erste mal ohne Hilfe Fahrrad fahren.Doch irgendwann sind sie gefühlt vollbracht, die ersten Male. Vieles, was früher sehr besonders war, ist irgendwann, auf dem Weg zum Erwachsenwerden selbstverständlich geworden. Selten erlebt man noch das Kribbeln und die Vorfreude vor etwas Neuem, das wir so noch nicht erlebt haben.

Bis man eines Tages einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält und man sich vor ersten Malen kaum retten kann: der erste Ultraschall, der erste Tritt, das erste mal Schluckauf, die erste Wehe. Und ist das Kind erst mal da, passieren täglich kleine und große Dinge, die man am liebsten alle festhalten möchte und sich unbedingt vornimmt, sie aufzuschreiben, bis leider schon wieder etwas dazwischen kommt und es auf später verschoben wird. Das erste Lachen, Glucksen, Jauchzen, Greifen, Drehen, Kopf heben, Flasche halten. Die Liste an Neuem scheint unendlich.

Voller Vorfreude gehe ich im Kopf die ersten Male durch, die ich kaum erwarten kann; krabbeln, alleine sitzen, stehen, laufen, erste Worte.

Noch mal von vorne

Doch viel schöner als diese offensichtlichen Meilensteine, sind die unvorhersehbaren, scheinbar so kleine Ereignisse, die den Alltag so viel besonderer machen. Augenblicke, in denen man kurz inne hält, mitlacht, gerührt ist. Ein Kind ist der ultimative Grund zum Entschleunigen, manchmal gewollt – oft ungewollt. Sie üben uns in Geduld und lassen scheinbar wichtige Dinge unwichtig werden. Erste Mal sorgen also nicht nur für Erinnerungen, sondern helfen dabei, sensibler zu werden für Momente, die im nächsten Augenblick schon wieder vorbei sind.

Beobachten, genießen, nicht hetzen. Ein Kind wird zu einer Art Diashow der eigenen Kindheit – und der vielen ersten Malen die wir erneut und diesmal bewusst erleben dürfen.

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