Single Mum Serie: Bea – zweifach Mama und alleinerziehend

Bea hat früher gedacht: “Das passiert mir nie im Leben – Alleinerziehend sein.” Und doch war sie ganz plötzlich „eine von denen“. Wie schnell das doch gehen kann! Plötzlich zählt man zu einer Randgruppe, man muss sich nicht nur in der eigenen Situation völlig neu orientieren, sondern hat auch einen gesellschaftlichen Stempel aufgedrückt bekommen. Wie Bea das neue Leben meistert, wie sie mit der Trennung umgeht und warum sie trotzdem oder gerade jetzt eine glückliche Mama ist, erzählt sie im Interview.

Liebe Bea, du bist noch nicht so lange Zeit von deinem Partner getrennt. Wie kam das und wie organisiert ihr euch jetzt?

Bei uns kamen von Anfang an viele Stressfaktoren zusammen: Berufliche Veränderungen und Rückschläge bei meinem Expartner und daraufhin große finanzielle Sorgen, psychische Probleme nach den Geburten bei mir, dazu zwei Kleinkinder unter zwei Jahren und der stressige Alltag drumherum. Ich habe bei beiden gewollt lange gestillt, aber es hat mich zusätzlich viel Kraft gekostet. Gemeinsame Zeit als Paar gab es in den letzten Monaten gar nicht, sodass wir uns gedanklich und gefühlsmäßig immer weiter voneinander entfernt haben.

Alles zusammen hat dann zur Trennung geführt. Ich bin mit den Kindern in den Nachbarort gezogen, sodass der Papa und die Großeltern die Beiden oft sehen und bei sich haben können.

Habt ihr eine gute Lösung gefunden?

Unter den gegebenen Umständen ist es für uns alle die bestmögliche Lösung: Die Kinder (jetzt 2 und knapp 4) gehen hier in den Kindergarten, werden aber einmal die Woche vom Papa abgeholt und verbringen dann den Nachmittag mit ihm. Dazu eine Übernachtung am Wochenende anstelle des oft üblichen 2-Wochen-Rhythmuses, weil das für sie einfach noch zu große Abstände wären. Mir gibt es dadurch immer wieder Pausen vom Alltag und Zeit für mich sowie für die Dinge, die ich nur ohne Kinder erledigen kann (auch Termine rund um die Trennung).

Vermisst du dein altes Leben mit Mama-Papa-Kinder-Familie ? Und was findest du besser an deinem neuen Leben?

Klar vermisse ich oft das Gefühl eine richtige Familie zu haben und zu sein. Gerade wenn ich am Wochenende mit den Kindern unterwegs bin, auf dem Spielplatz oder im Schwimmbad, sehe ich unbewußt nur Mama-Papa-Kind-Familien. Wehmütige und traurige Gedanken schießen mir dann automatisch in den Kopf, meistens kann ich mich aber gut ablenken und bin durch die Kinder sowieso dauernd gefordert.

Mittlerweile gefällt mir aber schon einiges an unserem neuen Leben: Wir haben insgesamt weniger Stress, da die Streitereien der Großen wegfallen und ich ganz allein bestimmen kann, wie wir unseren Alltag regeln. Ähnliches gilt sicher auch für ihre Zeit bei Papa. Das merken die Kinder und sind entspannter geworden. Sie wissen mittlerweile genau, was und wie etwas bei Mama oder Papa abläuft.

Dazu eben meine freie Zeit, die ich nun umso mehr genießen kann, seit ich weiß, wie anstrengend Tage und Nächte als Alleinerziehende sind.

Wie kommen deine Kinder mit der Situation zurecht? 

Sie haben sich erstaunlich schnell an unser neues Leben gewöhnt, obwohl auch für sie alles anders wurde mit der Trennung: neuer Ort, neues Zuhause, neuer Kindergarten, neue Leute… Die ersten Tage waren vor allem für den Großen hart, weil er ein totales Papa-Kind ist. Wir zählen jeden Tag, wie oft wir noch schlafen müssen, bis Papa sie wieder vom Kiga abholt. Spielzeug und – Figuren werden fast täglich in Taschen gepackt und umgeräumt für den nächsten Papa-Tag. Anfangs gab es manchmal noch Tränen dabei, mittlerweile ist es für sie zur Gewohnheit geworden und sie haben immer etwas, worauf sie sich freuen können.

Gibt es Dinge, die du rückblickend heute anders machen würdest?

Ich habe nach der Geburt meiner Tochter nach einem Jahr wieder angefangen zu arbeiten. Rückblickend war das zu früh für mich, ich habe für all die genannten „Baustellen“  in unserer Familie, die beiden Kinder, Stillen, Haushalt und Job meine komplette Kraft verbraucht und war nur noch am funktionieren. Das hat die ohnehin angespannte Situation zu Hause nicht einfacher gemacht.

Was wünscht du dir für die Zukunft? Wie sind deine beruflichen Pläne?

Für die nächste Zeit wünsche ich mir erstmal wieder Normalität im Alltag, für mich und die Kinder. Das letzte Jahr war sehr anstrengend und schmerzvoll und es sind von allen Seiten viele Dinge geschehen und gesagt worden, die mich jetzt noch manchmal erschrecken. Ich hoffe, dass wir als Eltern wieder zur Ruhe kommen und früher oder später zu einem angenehmen und respektvollen Umgang zurückfinden.

Beruflich lasse ich mir bis zum Sommer Zeit. Ich habe zuletzt als Quereinsteigerin an Schulen gearbeitet und würde auch sehr gerne wieder in den Lehrerberuf zurück. Allerdings möchte ich im Moment noch ganz für meine Kinder da sein, ihnen wieder positive Erlebnisse bescheren und so wenig Stress wie möglich aufkommen lassen. Das letzte Jahr war für uns alle sehr turbulent und aufreibend und durch die Trennung verbringen sie sowieso viel Zeit im Auto, wenn sie zwischen ihren beiden neuen Zuhause hin- und hergefahren werden. Ich habe mich aber schon bei meiner Wunsch-Schule beworben und gucke jeden Tag online nach passenden Ausschreibungen. Denn spätestens nach den Sommerferien möchte und muss ich wieder stundenweise in den Job einsteigen.

Findest du, Alleinerziehende werden vom deutschen System gerecht behandelt? Was könnte besser laufen?

Nach einem halben Jahr alleinerziehend kann ich sagen, dass uns die finanzielle Unterstützung vom Staat für die Kinder nicht ausreicht. Der Unterhaltsvorschuss pro Kind liegt noch einmal ein Drittel unter dem Mindestunterhalt, das sind bei zwei Kindern fast 200 Euro, die mir jeden Monat fehlen. Ohne die Hilfe der Familie würden wir zur Zeit nicht über die Runden kommen. Hier bezweifle ich, dass die Leistungen, die Alleinerziehenden zustehen, wirklich an deren Bedürfnisse angepasst sind.

Die gesellschaftliche Akzeptanz hingegen empfinde ich als gut. Was mir früher noch total abwegig und unnormal erschien – nämlich, dass auch Alleinerziehende mit ihren Kindern eine glückliche Familie werden können – begegnet mir immer öfter und die meisten Menschen kommen offen und hilfsbereit auf mich zu. Ich höre immer mehr Geschichten über Trennungen, Patchwork-Versuche und –Familien, über neu gefundenes Glück und die Erkenntnis, doch den richtigen Weg gegangen zu sein. Das bestärkt auch mich und macht Mut und Lust auf die Zukunft!

Vielen Dank dir Bea! 

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