Kündigung in der Schwangerschaft – Eine Geschichte

12. June 2014 | in Gesellschaft | Schwanger | Vereinbarkeit

Einer Bekannten von mir ist kürzlich etwas passiert, was mich doch einigermaßen geschockt hat. Ihr wurde in der Schwangerschaft gekündigt und zwar vorsätzlich – weil sie schwanger war.  Ich habe hier ihre Geschichte aufgeschrieben, weil ich das Gefühl habe, dass es nicht nur ihr so geht…

Aber erstmal zu meiner Bekannten, nennen wir sie Katarina.

Katarina hat zwei Jobs, bei beiden befindet sie sich in Probezeit. Plötzlich meldet sich der Bandscheibenvorfall wieder zurück, sie kann kaum gehen. Zudem wird festgestellt, dass sie in der 6. Woche schwanger ist (wahrscheinlich hängen Bandscheibenvorfall und Schwangerschaft zusammen, da sich am Anfang durch Hormone die Muskulatur lockert). Sie wird fünf Wochen krank geschrieben. Schmerzmittel kann sie wegen der Schwangerschaft so gut wie keine nehmen. Katarina hat zwei Jobs: Einen in der Gastronomie und einen weiteren im Büro. Vier Wochen vergehen. Sie macht sich Sorgen um ihre Jobs und bittet beide Arbeitgeber um einen Gesprächstermin. Sie will beide über ihre Schwangerschaft informieren.

Gekündigt in der Probezeit

Dann passiert das Unerwartete: Beim Gespräch mit Arbeitgeber Nummer 1 in der Gastro wird ihr gekündigt. Ihr Hinweis auf den Mutterschutz wird mit “Wenn sie damit ein Problem haben, können sie gerne innerhalb von drei Wochen Einspruch/Klage beim Arbeitsgericht einreichen — der Kündigungsschutz gilt nicht in der Probezeit oder bei befristeten Arbeitsverträgen.” beantwortet. 

Arbeitgeber Nummer zwei gratuliert zur Schwangerschaft, meldet sich dann aber später telefonisch und bittet Katarina sich ein Beschäftigungsverbot von ihrer Ärztin zu holen: Der Job sei ja schon stressig und mit dem Rückenproblem und Schwangerschaft nicht machbar. Katarina ist also quasi joblos – in der ersten unsicheren Zeit ihrer Schwangerschaft und hat viele Sorgen und Fragen:

Was bedeutet das alles? Kündigung obwohl schwanger? Beschäftigungsverbot für einen Bürojob, schon so früh am Anfang der Schwangerschaft? Was ist zu tun? Was bedeutet das für mich und mein Einkommen und meine Schwangerschaft?

Beschäftigungsverbote für eine gesunde Schwangere?

Sie informiert sich, holt sich Hilfe bei einer Anwältin und setzt ein Schreiben für Arbeitgeber 1 mit einer schriftlichen Bestätigung ihrer Frauenärztin über ihre Schwangerschaft auf (Wichtig, der Arbeitgeber muss informiert werden, sonst greift der Mutterschutz nicht!) und den Hinweis auf § 9 des Mutterschutzgesetzes:

“Ich verweise nochmals auf § 9 des Mutterschutzgesetzes. Ich habe dies durch meinen Rechtsbeistand prüfen lassen und sehe mich gezwungen, sollte es zu keiner Einigung kommen, vor dem Arbeitsgericht Berlin Kündigungsschutzklage einzureichen.” Schließlich, “nach Prüfung der Rechtslage” seitens des Arbeitgebers 1 wird die Kündigung aufgehoben und eine Krankschreibung als ein dauerhaftes Beschäftigungsverbot eingefordert.

 

Arbeitgeber Nummer 2 schreibt (nach dreimaligen Bitten von Katarina) eine Stellungnahme für den Frauenarzt, in dem erklärt wird warum der Job nicht mehr durchführbar sei – auch hier wird eine weitere Krankschreibung eingefordert und mit einem Anruf darauf hingewiesen, dass es besser wäre Katarina würde nicht mehr zur Arbeit kommen.

 

Krank ist sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Erst nach dem sie den Schriftverkehr mit beiden Arbeitgebern ausdruckt und ihrer Frauenärztin alles erklärt, erhält sie ein Beschäftigungsverbot und erhält nun Krankengeld. Nach vielen Wochen Unsicherheit kann sie sich nun endlich über ihre Schwangerschaft freuen und sich damit auseinandersetzen. Ohne Jobs, aber mit Krankengeld.

 

Erging es nicht nur meiner Bekannten so? Habt ihr vielleicht eine ähnliche Geschichte?
Es gibt das Gesetz zum Mutterschutz, aber einige Arbeitgeber scheinen sich doch nicht daranhalten zu wollen – wenn man sich nicht zu wehren weiß oder einfach nicht die Kraft dafür hat, zieht man den Kürzeren. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft, wo man zwischen Übelkeit, Schock, Freude und Unsicherheit schwankt, ist es schwer, wenn einem so auch noch der Boden unter den Füßen wegzogen wird..
Information zum Beschäftigungsverbot des Landes Berlin findet ihr hier und eine gute Zusammenfassung von Eltern.de hier. Hier geht’s zu ausführlichen Informationen zum Mutterschutzgesetz des Bundesministeriums der Familie. Achtung! Dies ist kein rechtlicher Rat – dazu haben wir natürlich nicht die Qualifikation 🙂

 

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