“Die Illustrationen in Büchern und Arbeitsunterlagen sind oft überholt, stereotypisierend und verletzend” – ein Spiel für mehr Vielfalt

04. June 2019 | in Familie | Gesellschaft
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Es ist allerhöchste Zeit, dass Spielmaterialien mehr Realität widerspiegeln. Da reicht es nicht, dass Conny mittlerweile, endlich, ein paar Quotenfreunde mit “Migrationshintergrund” hat. Ein Spiel muss her, dass zumindest einen Teil der diversen Lebensmodelle, die viele Familien in Deutschland leben, zeigt. So entstand das Spiel „Family Memo“ und das Malbuch „Family Coloring Book“. Mehr dazu erzählt uns Tal im Interview:

Hallo Tal! Ihr habt mit eurer Marke Leona Games ein Memory-Spiel entworfen, welches die Vielfalt von Familien abbildet. Wenn man sich die Darstellungen von Familien der großen Bücher- und Spielverläge anschaut, hat man oft das Gefühl, wir stecken noch in den 50ern fest. War das auch eure Motivation?

Wir wollen uns, unsere Familien und Communities auch endlich in Spielen repräsentiert sehen. Leider finden wir uns in den meisten Darstellungen nicht wieder. Das wollen wir ändern und Familien so darstellen, wie sie wirklich sind. Es ist uns aber auch wichtig, den Familienbegriff neu zu definieren und aufzuzeigen, wie vielfältig Familien sein können. Uns geht es dabei um Selbstrepräsentation und die Wahrnehmung anderer Realitäten, um so ein achtsames und spielerisches Lernen zu ermöglichen.

Unterschiedliche Familien sichtbar zu machen und Identifikationsflächen für Kinder zu bieten, ist ungemein wichtig. Wenn es mit dem Memory-Spiel klappt, was folgt als nächstes?

Das „Family Memo“ und das Malbuch „Family Coloring Book“ wird dann sowohl in unserem Onlineshop als auch im Handel verfügbar sein. Wir haben bereits weitere Spiele entwickelt, die auf den Druck warten. Alle unserer Spiele sind auch Bildungsspiele und beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen. Wir möchten Menschen aufklären, miteinander verbinden und eine Möglichkeit bieten, in einen Austausch kommen zu können. Uns ist es wichtig dabei zukünftig beispielsweise auch ökologische Nachhaltigkeit zu thematisieren.

Wie habt ihr euch als Team eigentlich zusammengefunden?

Wir haben alle langjährige Erfahrungen sowohl im Bildungsbereich als auch in der Arbeit mit verschiedenen Communities. Daher hatten wir bereits Berührungspunkte über andere Projekte, an denen wir gearbeitet haben. Mir ist es wichtig mit Menschen zu arbeiten, die Erfahrung mit den Communities haben, die wir darstellen und diesen auch selbst angehören.
Als ich den anderen von meiner Idee der Spiele erzählt habe, waren sie sofort begeistert. Wir verstehen uns sehr gut und sind schnell zusammen gewachsen. Ich bin sehr stolz auf das, was wir als Team geschaffen haben.

Magst du uns ein bisschen etwas zu dir und deiner persönlichen Motivation hinter dem Projekt erzählen?

Ich habe mich als Kind selbst nie in Spielen oder Büchern wiederfinden können. Nicht repräsentiert zu sein hatte zur Folge, meine eigene Existenz in Frage zu stellen und das Gefühl zu haben, dass etwas mit mir nicht stimmte. Nun arbeite ich seit einigen Jahren in verschiedenen Bildungsbereichen mit Kindern und Jugendlichen, und musste feststellen, dass sich seit meiner Kindheit wenig getan hat. Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich nicht repräsentiert. Auch gibt es wenig Arbeitsmaterial, um relevante Themen wie beispielsweise Vielfalt, Diversität und Inklusion für sie zugänglich und verständlich zu machen. Die Illustrationen in Büchern und Arbeitsunterlagen sind oft überholt, stereotypisierend und verletzend

Deshalb habe ich begonnen für meine Unterrichte und Workshops Spiele zu entwickeln, die Spaß machen und wichtige Inhalte vermitteln. Denn im Spiel lernen wir am Besten. Ich möchte noch viel mehr Menschen erreichen und so eine Veränderung bewirken.

Wie kann man euch unterstützen? 

Mit „Family Memo“ und dem „Family Coloring Book“ wurden wir zur Teilnahme am Deutschen Integrationspreis 2019 ausgewählt. Dabei treten wir seit dem 7. Mai in einem Crowdfunding-Contest auf startnext gegen andere Projekte an. Die Erfolgreichsten erhalten Preisgelder von bis zu 20.000 Euro. Zusätzlich vergibt eine Jury weitere 50.000 Euro. Der Erfolg wird allerdings nicht an der Summe der erhaltenen Gelder gemessen, sondern an der Anzahl der Unterstützenden. Für uns zählt also jeder Beitrag. Über das Crowdfunding sollen die Druckkosten gedeckt werden. Sollten wir zusätzlich dazu Preisgelder erhalten, wäre dies ein Traum! Denn dann können wir auch unsere anderen Spiele schon bald verwirklichen.

Bei Startnext kann bis zum 5. Juni (also noch bis Morgen Abend!) sowohl die Kampagne unterstützt, als auch Spiel und Buch vorbestellt werden. Außerdem ist es möglich verschiedenen sozialen Einrichtungen und Projekten eine Spielspende zukommen zu lassen.

Danke dir Tal und viel Erfolg wünschen wir!

 

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