Urlaub mal anders: Eine Woche in Usbekistan

MarieSamarkand

 

Das lustigste an meinem Reiseziel war eigentlich die Reaktion des Gegenübers, wenn ich von meinen Plänen erzählte: Von Wow-das-ist-cool zu verwundertem Erstaunen. Aber ja, ganz ehrlich, ich musste auch nochmal mit dem Finger auf der Landkarte suchen. Ich wusste so ungefähr wo Zentralasien war, aber so richtig eine Ahnung wo sich Usbekistan befindet hatte ich nicht. Also: Usbekistan liegt über Afghanistan und Turkmenistan, unter Kasachstan und neben Kirgistan und Tadschikstan. Ziemlich viel Stan, oder? Und dazu noch totale Abschottung, erst Sowjetunion und dann fast 30 Jahre knallharte Diktatur – vielleicht nicht unbedingt Reiseziel Nummer eins, wenn man gern Spaß und Entspannung im Urlaub hat. Nun ist das mit der Definition von Spaß natürlich so eine Sache. Mein Freund und ich lieben es jedenfalls einmal im Jahr an einen Ort zufahren, der abseits des Trampelpfads liegt, der uns ein wenig herausfordert, aus comfort zone zum Beispiel. Letztes Jahr war es Bosnien und Montenegro, dieses Jahr ging es noch tiefer gen Osten: Usbekistan. Nicht umsonst wurde Usbekistan von der Financial Times als einer der angesagtesten Reiseziele 2017 nominiert, denn das Land hat viel zu bieten: Man sagt, der schönste Teil der Seidenstraße liege in Usbekistan. Und wer Zeitreisen mag, der wird sich in der sowjetischen Plan- und Hauptstadt Taschkent fühlen wie in längst vergangenen Zeiten.

 

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Mein Sohn konnte leider nicht mit dabei sein, was ich schade fand, gleichzeitig wusste ich aber auch nicht so richtig, was es dort so zu erleben gibt und ob das überhaupt kind-tauglich sei. Gleich vorab: Jetzt weiß ich, es wäre absolut möglich gewesen dort mit Kind zu reisen und habe ihn ziemlich viel vermisst. Die Usbeken sind sehr kinderfreundlich, überall gibt es lustige Spielplätze (in den größeren Städten) und generell gilt Usbekistan als sicheres Reiseland. Eine Auslandkrankenversicherung ist natürlich sehr wichtig, das Gesundheitssystem ist dort nicht gerade auf westlichem Niveau. Wenn man aber gut plant, kann man dieses Land auch mit Kind entdecken. Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass 70% der Bevölkerung in Armut lebt – da es aber so gut wie keinen Tourismus gibt (neben ein paar wenigen Studiosus Gruppen, oder sehr vereinzelt ein Backpacker-Pärchen), gibt es auch die typische Touri-Kriminalität (noch) nicht. Hotels haben oft nicht westliche Standards, und wer kein Russisch spricht (oder Usbekisch), kommt eher mit Hand-und-Fuß-Kommunikation durchs Land. Ein paar Fetzen Englisch können dann aber doch manche – so oder so, es geht alles irgendwie. Für uns sind die Preise dort auf Grund der hohen Inflation jedenfalls sowieso sehr billig, eine innerstädtische “Taxifahrt” kostet umgerechnet 1,50 Euro. Ich spreche von “Taxifahrt”, weil es dort schon ein paar offizielle Taxis gibt, aber man durchs ganze Land (und die Usbeken machen das auch so), eigentlich einfach mit auf der Straßen angehaltenen Autos kommt. Schnell wird der Preis verhandelt und los gehts.

 

Taschkent

 

Wie schon angemerkt, Taschkent ist eine sowjetische Planstadt. In den sechziger Jahren hat dort ein Erdbeben gewütet und viel zerstört. Der Großteil der Stadt musste komplett neugebaut werden. Es gibt nur noch eine sehr kleine, orientalische Altstadt.
Wir haben im Hotel Uzbekistan mitten im Zentrum gewohnt. Eine Erfahrung! Abends wird das Licht in der Lobby ausgeschaltet, um Strom zu sparen und das Personal bietet gerne Umtauschkurse für Dollar gegen Som, die usbekische Währung, die sich fern ab des offiziellen Kurses befinden. Das Essen in Uzbekistan kann gut sein, man kommt allerdings nur schwer um Fleisch herum. Hauptgericht ist Plov, ein Reisgericht mit Hammelfleisch, gelben Karotten und Rosinen. Sehr lecker! Generell gibt es aber immer sehr viel Fleisch, wer einmal Abwechslung braucht, dem empfehle ich koreanische Restaurants! Ja, das klingt irgendwie absurd, aber da es eine koreanische Minderheit in Usbekistan gibt, kann man dort tatsächlich sehr gut koreanisch essen.
Es gibt architektonisch viel zu sehen in Taschkent, wir sind einfach stundenlang durch die Stadt spaziert. Ein Geheimtipp ist aber definitiv der Jangobod-Markt im Außenbezirk der Stadt ! Ungefähr die vierfache Größe des Mauerparks in Berlin, mit der zehnfachen Menschenmenge und man hat eine ganz gute Vorstellung davon. Dort wird alles verkauft. Ich war begeistert von den Antiquitäten. Uralte Sowjetspielzeuge, russische Blusen etc. Man kann dort richtige Schätze finden. Außerdem sollte man unbedingt ab und zu U-Bahn fahren. Wunderschöne U-Bahnstationen, in denen vor Jahrzehnten einfach die Zeit stehen geblieben ist. Fotografieren darf man dort leider nicht, da das Untergrundsystem im Kriegsfall als Bunker genutzt wird. Und ja, es gibt Passkontrollen bevor man die U-Bahn betreten kann.

 

Samarkand

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Diese wunderschöne Stadt war das Zentrum des Reiches des mongolischen Herrschers Timur und durch die Lage an der Seidenstraße sehr wohlhabend. Der Registanplatz, ist die Hauptsehenswürdigkeit. Wie ihr seht ist es relativ leer – und das zur Hauptreisesaison! Auch um den Platz herum gibt es sage und schreibe nur zwei Restaurants. Der Polizist, der den Registan bewacht, wird gern in Euros bestochen, ähm, bezahlt. Ist aber sehr freundlich dabei! Übernachtet unbedingt im wunderschönen Bed and Breakfast Antica (und fragt nach dem Zimmer mit Balkon!). Die Pension ist im Familienbetrieb, alle zwei Tage wird ein köstliches Abendessen zu bereitet und gemeinsam mit anderen Gästen gegessen. Das Anitca liegt in der Altstadt und hat einen schönen, alten Garten und einen ganz besonderen Charme. Außerdem helfen sie mit der weiteren Reiseplanung. Ein bis zwei Tage reichen in Samarkand aber auch aus – dann kann es weitergehen.

 

Die Oasenstadt Chiwa

 

 

 

Wir haben die Stadt Buchara übersprungen, weil nicht genug Zeit war. Normalerweise wäre das aber der nächste Stop gewesen. Wir sind gleich weiter ins wunderschöne Chiwa und haben in einem Hotel in einer alten Madrassa (Koranschule) gewohnt, mitten in der Altstadt! Das so etwas noch möglich ist! Als ob man in einem Freilichtmuseum wohnen würde. Gegen ein kleines Geld kann man hier auch zum Sonnenuntergang auf die Minarette steigen. Das Essen wurde in Chiwa besser und weniger Fleisch-lastig. Es gibt hier z.B. einen tollen Salat aus getrockneten Auberginen. Nach anderthalb Tagen ist man in Chiwa aber auch durch und wir sind dann mit dem Flugzeug zurück nach Taschkent geflogen.

 

Nach jahrzehntelanger Abschottung, die erst mit dem Tod des Präsidenten Islam Karimov endete, öffnet sich das Land langsam und wird touristenfreundlicher. Man braucht zwar immer noch ein Visum, das ist aber relativ schnell und unkompliziert zu erhalten. Innerhalb des Landes kommt man gut mit dem Zug voran. Gerade, wenn man mit Kind reist, würde ich das empfehlen! Man sollte etwas im Voraus planen, da zum Beispiel Chiwa nur an wenigen Tagen der Woche mit Zug zu erreichen ist. Wir haben das nicht getan und sind dann im privaten “Taxi” von Buchara nach Chiwa gefahren. Die achtstündige Fahrt hat uns umgerechnet 45 Dollar gekostet, hatte es aber in sich: Da durch Usbekistan eine Gaspipeline geht, fahren die Auto mit Gas. Allerdings sind die meisten Wagen von Benzin auf Gas im DIY-Stil umgerüstet worden und lassen zudem jegliche Sicherheitsstandarte wie Gurte vermissen. Also, mit Kind definitiv den Schnellzug nehmen! Die sind ziemlich neu und gut ausgestattet. Von Chiwa aus kann man auch Touren an den Aralsee, bzw. was davon übrig geblieben ist, buchen. Wir hatten dazu leider keine Zeit mehr.

 

Usbekistan ist unheimlich spannend, besonders, wenn man noch nie in der Region war. Es ist noch mal eine ganz andere Welt und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um dieses Land zu entdecken. Es hat aber natürlich auch eine Schwere, die sich nicht leugnen lässt; Islam Karimov war ein Diktator, der foltern ließ, Frauen zwangssterilsieren,und es gibt einen Grund warum viele der islamistischen Attentäter in Russland lebende Usbeken waren. Der Islam selbst ist in Usbekistan sehr gemäßigt. Es gibt Alkohol und besonders in den Großstädten wird sich sehr locker gekleidet. Pressefreiheit existiert in Usbekistan immer noch nicht, es ist nach wie vor ein Polizeistaat, allerdings weiß man nach dem Tod Karimovs noch nicht genau wohin die Reise gehen wird. Ich habe ein Land mit extrem freundlichen und offenen Menschen erlebt und bin sehr froh diese Reise unternommen zu haben. Wer Fragen hat, kann sich gern melden oder kommentieren!
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