Sex nach der Geburt – Feldwebel, Teamspieler und Verliebtsein zu dritt

30. January 2019 | in Alltag | Beziehung | Familie

Neulich beim Frauenarzt: „Haben sie sich schon Gedanken gemacht, wie sie von nun an verhüten wollen? Denn viele Frauen sitzen drei, vier Monate nach der Geburt erneut schwanger vor mir, ohne das geplant zu haben.“ „Ähhh…es gibt Paare die nach der Geburt Zeit für Sex haben???“

Meine Frauenärztin lacht, klärt mich über mögliche Verhütungsmittel auf und ich verlasse die Praxis – nachdenklich und verunsichert…Sex, ah ja… den hatte ich tatsächlich seit der Geburt noch gar nicht auf dem Schirm. Sollte ich?

Von 100 auf 0

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich vor der Schwangerschaft ein überdurchschnittlich wildes Liebesleben hatte. Doch was zur täglichen Routine gehörte war sehr viel, sehr intensives Kuscheln, knutschen und zärtliche Berührungen und vor allem jede Menge, liebevolle Worte. Das Ganze multiplizierte sich dann noch mal während der Schwangerschaft. Um so größer die Fallhöhe, wenn man als Paar, dann plötzlich nur noch funktionieren muss und zum eingespielten, aber asexuellen Team wird. Der Alltag, den wir früher so gekonnt ausblenden konnten, schlägt härter zu als je zuvor: Bäm! Haben wir noch genug Windeln? Bäm! Räum das doch bitte sofort weg, dann haben wir am Ende weniger Chaos. Bäm Bäm! Kannst du ihn jetzt bitte mal nehmen, ich kann nicht mehr. Bäm Bäm Bäm! Die ersten Wochen sind neu und wir wählen nicht immer den liebevollsten Ton. Die Verwandlung von der zuckersüßen, anhänglichen Schwangeren zum Feldwebel ging schneller als ich Flaschen-Vaporisator sagen kann. Ist ja nicht so als würde man den zackigen Ton nicht selbst wahrnehmen, aber irgendwie muss man den Laden ja schließlich zusammenhalten. Besonders sexy ist das nicht, schon klar…

Hallo neuer Körper!

Apropos sexy. So richtig Zeit, mir meinen neuen Körper anzugucken, hatte ich eigentlich auch noch nicht. Immer nur im Vorbeigehen mal schnell einen Blick in den Spiegel erhascht. Die Figur ist wieder die Alte und angezogen sieht es so aus, als wär nichts gewesen – doch unter den Klamotten liegen die Erinnerungen an eine Geburt, die ihre Spuren hinterlassen hat. Alles ist plötzlich ganz weich und von den so hart erarbeiteten Muskeln aus dem früheren Leben keine Spur mehr. Nicht schlimm, aber anders. Und dann wäre da natürlich noch die Narbe. DIE Narbe. Sie braucht noch ihre Zeit, bis sie sich in das Gesamtbild einfügt. Nicht schlimm, aber neu. Der Körper einer Mutter eben. Vielleicht doch ein bisschen sexy…?

Geplanter Sex?

Und dann ist da noch die Frage nach der Lust. Schwer zu sagen, ob sie sich schon zurück gemeldet hat. Glaube, sie hat mal kurz an die Tür geklopft, aber dann kam schon wieder irgendwas dazwischen und sie musste erst mal im Wartezimmer Platz nehmen, bis ich sie aufrufe. Werden wir am Ende etwa zu einem Paar, das seine Lust mit Kalender in der Hand planen muss? Was früher komisch klang, klingt jetzt wie das einzig Sinnvolle. Es ist nicht einfach, im Baby-Alltag Zeit für Lust zu haben, zumindest am Anfang. Das Highlight ist es, Arm in Arm am Abend auf dem Sofa zu liegen und eine (ganze!) Folge der neuen Serie zu gucken. Ist das nun die neue Form von Zärtlichkeit?

Aus zwei wird drei

Und dann gibt es sie doch, die kleinen Momente, die Tag für Tag immer mehr werden… Ein verliebtes Lächeln und die unendliche Freude, dass man einen Menschen zusammen erschaffen hat. Umarmungen, die mehr als tausend Worte sagen. Kuscheln zu dritt. Eine neue Art von Verliebtsein, die nun mit einem weiteren kleinen Menschen zelebriert wird. Neu, aber wunderschön. Und alles andere? Kommt sicher bald wieder von ganz alleine.

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