Let’s talk about: “Mein Kind hat ADHS”

31. May 2022 | in Familie | Gesellschaft

Wer kennt sie nicht? Die Kinder, die immer etwas zu wild, zu laut, zu mobil und zu impulsiv sind. Die andere Kinder beißen. Die mit Schimpfwörtern um sich schmeißen. Die nur Blödsinn im Kopf haben. Und die immer stören… Wie leicht ist es, so ein Kind und die dazugehörigen Eltern zu verurteilen. Auch ich hatte früher vorgefertigte Meinungen. Doch seit ich mich näher mit der ADHS-Symptomatik befasst habe, denke ich anders. Etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 bis 17 Jahren sind von ADHS (kurz für: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) betroffen, wobei die Erkrankung bei Jungen deutlich öfter diagnostiziert wird, als bei Mädchen. ADHS ist damit die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung im Kindes-und Jugendalter. Und trotzdem gibt es immer noch so viele Vorurteile, so viel Unverständnis und so viel Unwissen. Den wenigsten von uns ist bewusst, wie sehr eine ganze Familie unter solch einem Krankheitsbild leiden kann…

Nadja ist die Mutter eines ADHS-Kindes. Für sie ist es ein großer Schritt, öffentlich über ihr Kind, sich selbst und ihre Gefühle zu sprechen. Um es ihr leichter zu machen, haben wir ihren und die Namen ihrer Kinder geändert. Der Rest ihrer Geschichte ist komplett authentisch. Was sie erzählt ist mitunter drastisch. Man kann sie nur für ihre Kraft bewundern. Und wir hoffen, dass wir mit dem Erzählen ihrer Geschichte für mehr Toleranz, Verständnis und Mitgefühl für Mütter wie sie und natürlich auch für Kinder wie ihren Sohn Jakob sorgen. Liebe Nadja, hab ganz vielen Dank für deinen Mut und deine Offenheit!

Nadja, kannst du dich und eure Familie erst einmal vorstellen?
Ich bin 39 Jahre alt und verheiratet. Wir haben zwei Kinder: unsere Tochter Lilli ist 11 und unser Sohn Jakob ist 7. Ich arbeite als Radiologieassistentin und mein Mann ist Ingenieur.

Euer Sohn Jakob hat ein paar „Besonderheiten“… Würdest du diese mal kurz beschreiben?
Wie soll ich das kompakt fassen? Das ist tatsächlich ein großes Feld. Grob gesagt läuft Jakob unter der Diagnose ADHS. Er ist immer sehr laut, sehr impulsiv, sehr ungeduldig – und er hört nicht, auf das, was man sagt. Dazu ist er extrem hypermobil. Das fängt gleich früh nach dem Aufwachen an. Dann ist er sofort wie aufgezogen.
Auch wenn sich das jetzt hart anhört, aber ein Leben mit Jakob ist wirklich anstrengend, weil er eigentlich permanent Aufmerksamkeit braucht. Wenn er sie nicht bekommt, erkämpft er sie sich – hauptsächlich mit negativem Verhalten, mit Wutanfällen, Schimpfwörtern und Aggression. Man muss im Grunde immer bei ihm sein und ihn auch bespaßen – gleichzeitig ist er aber auch schnell von Dingen gelangweilt und stößt alles weg. Richtig mit ihm zu spielen ist also nur schwer möglich… Dazu kommen dann noch andere Sachen, wie Wahrnehmungsstörungen oder seine etwas eingeschränkte Hör- und Sprachfähigkeit. Er geht deswegen auch zur Logopädie und zur Ergotherapie.

Das Leben ist also sehr herausfordernd mit ihm…
Absolut, weil du ihn kaum eine Sekunde aus den Augen lassen kannst. Ich gehe sogar aufs Klo mit ihm, aus Angst, er könnte wieder eine ganze rolle Klopapier im Becken versenken. Hat er alles schon gemacht. Auch in der Kita… Man kriegt also neben der Betreuung nichts gebacken. Und auch mit ihm in die Stadt gehen und Wege erledigen geht nicht. Man muss jede Sekunde auf ihn aufpassen, weil er sonst vor ein Auto rennen würde oder Unsinn im Geschäft anstellen würde.

Wie und wann wurde er diagnostiziert – bzw. ab wann hast du gespürt, mein Sohn ist etwas anders als andere Kinder?
Ich habe eigentlich gleich nach der Geburt gespürt, dass Jakob besonders tickt. Er war das, was man als „Schreikind“ bezeichnet. Und er hatte von Anfang an Regulationsprobleme. Man konnte ihn nur ganz schwer beruhigen. Er ist nur an der Brust eingeschlafen und selbst in der Trage hat er geschrien und kam nicht zu Ruhe. Ich hatte immer das Gefühl, er ist dauerübermüdet, aber wenn er dann mal schlief, war es immer nur kurz und das Spiel ging von vorn los. Die konkrete Diagnose bekamen wir dann erst vor drei Jahren – da war er vier.

Gibt es in euren Familien ähnliche Fälle?
Der Bruder meines Mannes hatte als Kind ähnliche Auffälligkeiten. Und mein Mann hat noch einen Sohn aus erster Ehe, der ist inzwischen 18, da wurde ebenfalls ADHS diagnostiziert. Als er noch jünger war, lebte er alle zwei Wochen bei uns und da hab ich schon gemerkt, dass er einen ordentlich fordert, weil er ziemlich wild war und nicht gehört hat… Aber tatsächlich ist mein Sohn noch einen Zacken schärfer drauf.

Dein erstes Mutterjahr war sicher extrem anstrengend – wie verlief dann der Start in der Kita?
Das erste Jahr in der Kita war schon hart. Die ErzieherInnen haben sich sicher sehr bemüht, aber ich habe schon mitgekriegt, dass sie froh waren, wenn er endlich abgeholt wurde. Und mir war das immer so unangenehm, wenn ich wieder mitbekommen habe, dass Jakob erneut ein Kind gebissen hat. Mir taten die anderen Kinder so leid und mir war das vor den anderen Eltern jedes Mal so peinlich. Ganz ehrlich und ich weiß, das hört sich hart an: Aber manchmal wollte ich ihn gar nicht abholen, um mir die Scham und den Stress zu ersparen.

Bekommt Jakob heute in der Kita spezielle Unterstützung?
Seit vier Jahren besucht er eine andere Kita, weil wir umgezogen sind und seit einer Weile hat er dort eine ganz tolle Bezugserzieherin, die nur für ihn da ist und ihm die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Das tut ihm total gut. Die Kinder haben ihn mittlerweile akzeptiert – aber richtig enge Freunde hat er nicht. Er wurde z.B. noch nie auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Ich verstehe das, aber trotzdem tut mir das unglaublich leid.

Wie habt ihr die Corona-Lockdown-Zeit gemeistert? So ganz ohne die Unterstützung der Kita…
Das war extrem herausfordernd. Ich hatte mich freistellen lassen, aber mein Mann war im Home-Office. Nebenbei zu arbeiten war aber schlicht unmöglich, weil wir Jakob nur zu zweit bändigen konnten. Und unsere Tochter hatte ja auch Home-Schooling – Jakob hat aber immer gestört. Zum Glück hat man uns nach zwei bis drei Wochen Notbetreuung gewährt – sonst wären wir vermutlich alle durchgedreht.

Ist Jakob in psychologischer Therapie?
Letztes Jahr war er für mehrere Wochen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Tagesklinik. Das war wie eine Kita, wohin er täglich gegangen ist. Dort hat er sich toll entwickelt und hat viel gelernt und gute Fortschritte gemacht. Die haben mit einem Belohnungssystem gearbeitet. Manche sehen das kritisch – aber bei Jakob hat das wirklich etwas gebracht. Nun geht er einmal im Vierteljahr zu einer Psychiaterin.
Leider haben wir so einen Therapieplatz nicht früher bekommen – obwohl wir überall hingerannt sind und unsere Probleme geschildert haben. Und dann von den Psychiatern zu hören, dass man bei Jakob schon viel früher therapeutisch hätte eingreifen müssen, macht mich wirklich wütend. Denn genau das wollten wir ja!

Nimmt dein Sohn Medikamente?
Ja, seit etwa einem Jahr nimmt er Medikamente und seither hat sich auch einiges gebessert. Aber wir mussten unseren Essensrhythmus komplett umstellen. Er nimmt die Tablette früh, muss dazu auch etwas essen. Das Medikament zügelt aber nicht nur sein Wesen, sondern auch den Appetit. Das ist eine Begleiterscheinung. Mittags isst er also so gut wie nichts, hat dafür dann aber nachmittags um vier einen Bärenhunger, der dann auch sofort gestillt werden muss.

Jakob und du, ihr wart auch einige Wochen gemeinsam in einer Art Mutter-Kind-Therapie…
Ja, das war im 2020 Sommer. Und das war wirklich hart – für uns beide. Die Therapeuten dort haben uns eine Bindungsstörung attestiert. Ich sei nicht in der Lage, meinem Sohn die Grenzen zu setzen, die er braucht. Sie haben immer gesagt, Jakob sucht die Grenzen, weil er sie selbst nicht einhalten kann – ich könne sie ihm aber nicht setzen. Weil ich nicht stark genug sei, ihm etwas entgegenzusetzen. Und weil er das weiß, reizt er mich noch mehr als andere. Ich bin einfach zu emotional und ich kann ihm diese körperliche Grenze einfach auch nicht setzen.

Was macht das mit dir, zu hören, dass du eine Bindungsstörung hast?
Ich hab mich total als Versagerin gefühlt. Mein Sohn merkt natürlich auch, dass er mich traurig und wütend macht und dass ich mir manchmal wünschte, er sei anders, einfach normaler. Und dass ich ihn manchmal anstrengend und störend finde. Manchmal sagt er dann zu mir: „Stimmt’s Mama, du bist wegen mir so traurig.“ Und das bricht mir jedes Mal das Herz. Auch weil ich mir denke, ein Kind sollte solche Gedanken nicht haben. Ein Kind sollte bedingungslos geliebt werden. Aber manchmal fällt mir das tatsächlich schwer… Auf der anderen Seite hängt er so sehr an mir und klammert sich an mich.

Wie geht dein Mann mit seinem Naturell um?
Mein Mann kommt etwas besser mit ihm klar, weil er viel stringenter und konsequenter ist als ich. Und ihm viel besser Grenzen setzen kann. Im Gegensatz dazu, hab ich sogar manchmal Angst vor meinem Kind. So furchtbar das klingt. Aber er hat mich und seine Schwester z.B. mal mit schweren Steinen beschmissen… Und uns unzählige Male eingeschlossen. So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber.

Jakob ist seit wenigen Monaten in einem Fußball-Team. Inwiefern hilft ihm das?
Das körperliche Auspowern tut ihm total gut. Auch die Gruppeninteraktion. Und ich finde es gut, dass er sich hier an Regeln halten muss und sich mal unterordnen muss. Für die Trainer ist er schon eine Herausforderung – aber sie haben das meistens gut im Griff. Das erleichtert mich total.

Hast du manchmal das Gefühl, unsere Gesellschaft tut sich im Umgang mit Kindern wie Jakob schwer? Stichworte: Stigmatisierung, Ausgrenzung? Wünschst du dir manchmal mehr Verständnis?
Ja, das wünsche ich mir. Denn natürlich spüre ich ständig die Blicke anderer Mütter. Und ich höre ja, was andere Kinder zu Jakob sagen. Warum er so komisch sei u.s.w…. Manche Eltern kommen direkt zu mir und fragen, was mit meinem Kind los sei, ob ich es nicht im Griff habe, warum es so verzogen ist, ob ich mich nicht richtig kümmern würde… Ich könnte da ganz oft einfach nur anfangen zu heulen. Die wissen ja nicht, dass ich komplett am Ende bin und beurteilen nur, was sie in dem Moment sehen. Am liebsten würde ich dann immer sagen: „Kümmert ihr euch mal einen Tag lang um mein Kind – dann sprechen wir uns wieder.“ Ich wünsche mir also mehr Verständnis und auch mehr Aufklärung. Mit einer Mutter, die ein Kind im Rollstuhl vor sich her schiebt, hätte jeder Mitleid. Aber meinem Kind sieht man die Erkrankung nicht an – das macht es jedoch umso schwerer, Akzeptanz zu finden.
Und dann heißt es ja auch oft von vielen, ADHS gäbe es gar nicht, das sei nur eine Erfindung, oder sowas wie Laktoseintoleranz – und das macht es auch nicht leichter.

Jakob kommt dieses Jahr in die Schule… Wie besorgt bist du, dass er den Neustart gut hinbekommt?
Er wird in eine kleine, private Grundschule gehen, die auch seine Schwester besucht. Er kennt also das Umfeld, auch weil seine Kita gleich daneben ist. Und einige Kinder aus seiner Kitagruppe werden auch diese Schule besuchen. Das ist gut, weil er vertraute Gesichter um sich herum braucht. Dazu wird er einen Schulbegleiter bekommen und eine Heilpädagogin wird ihn auch stundenweise betreuen. Der Rahmen ist also erstmal gut, trotzdem sorge ich mich natürlich, wie er im Unterricht mitkommen wird und wie sehr wir uns mit ihm nach der Schule hinsetzen müssen, um den Stoff auf- bzw. nachzuholen. Er hat ja eine ganz geringe Frustrationsgrenze, verzweifelt schnell. Wobei man sagen muss, dass sich das im letzten Jahr schon sehr gebessert hat.

Neben all den Sorgen, die dir Jakob bereitet – verfügt er auch über besonders tolle Fähigkeiten?
Ja, natürlich. Leider werden die zu oft von all den Schwierigkeiten und Problemen überlagert. Aber Jakob ist eigentlich ein sehr fröhliches und enthusiastisches Kind, das man leicht für Dinge begeistern kann und diese Begeisterung zeigt er dann auch ganz deutlich. Das ist wirklich schön. Und er ist sehr fürsorglich – vor allem mit kleineren Kindern. Denen würde er nichts tun. Die haben bei ihm wie eine Art Welpenschutz. In der Kita zieht er sich auch oft zu den Kleinen zurück, spielt mit ihnen. Vielleicht weil es dort ruhiger ist und er hat dort natürlich nicht den Stempel drauf, der „wilde, gemeine Jakob“ zu sein.

Mal weg von Jakob, hin zu dir: Wie viel Zeit bleibt in deinem Alltag für dich selbst? Und für euch als Paar?
Tatsächlich nicht viel. Weil Jakob auch immer noch eine Schlafbegleitung braucht, haben wir nicht mal die Abende für uns. Beziehungsweise, wenn wir dann mal mit allem fertig sind und die Kinder schlafen, sind wir so kaputt, dass wir kaum noch in der Lage sind, miteinander zu reden und gehen dann auch ins Bett.
Mein Mann und ich haben viel durch. Das hat natürlich auch unsere Beziehung nicht unbeeindruckt gelassen. Man macht sich gegenseitig Vorwürfe, weil man dies oder das anders gemacht hätte, ist dauergereizt. Das Nervenkostüm ist einfach dünn… Ich denke, viele Paare hätten sich sicher längst getrennt. Und auch wir waren nah dran.

Wer unterstützt euch und verschafft euch mal Atempausen? Oma und Opa?
Die Großeltern nehmen Jakob nur selten, weil er ihnen einfach zu wild ist. Aber zum Glück haben wir vor etwa zwei Jahren eine tolle Studentin gefunden, die ihn etwa einmal im Monat einen ganzen Tag lang betreut. Sie hat ein Pferd und einen Hund – und Jakob liebt es bei ihr. Er ist die ganze Zeit draußen und genießt es total, ihre Aufmerksamkeit für sich allein zu haben.

Du musstest dich auch selbst mal in Therapie begeben… Magst du das erzählen?
Ja, ich hab mich 2020 nach der Mutter-Kind-Therapie selbst noch allein in stationäre Therapie begeben, weil ich aufgrund meines Sohnes total am Boden war. Ich war ein absolutes Wrack, hab nur noch geheult… Ich war bis dahin immer ein positiver Mensch, der nicht zu Depressionen neigt – aber diese kraftzehrenden Jahre mit meinem Sohn haben mich total runtergewirtschaftet und überfordert – und ich musste die Reißleine ziehen. Ich war dann sechs Wochen in stationärer Therapie. Aus den sechs Wochen ist am Ende ein halbes Jahr geworden, das ich krank geschrieben war. Letztes Jahr war ich noch einmal für ein paar Wochen in der Psychiatrie und nehme seither auch Antidepressiva. Und bis vor kurzem war ich auch in ambulanter Therapie. Ich war wie eine Kerze, die langsam runtergebrannt ist… Ich brauchte Hilfe und hab mich gleichzeitig wie eine Versagerin gefühlt, die nicht in der Lage ist, sich um ihr Kind zu kümmern.

Man sagt ja, geteiltes Leid ist halbes Leid. Tauschst du dich mit Müttern oder Vätern anderer ADHS-Kinder aus?
Es gibt hier tatsächlich eine Initiative für Eltern mit seelisch und körperlich behinderten Kindern. Die Kontaktdaten hatte ich mir auch schon alle rausgesucht – und mein Mann war da auch einmal bei einem Vortrag über ADHS und hat dort auch einen anderen Vater getroffen, dem es ähnlich wie uns geht. Aber dann kam Corona – und nichts fand mehr statt. Heute könnten wir der Sache nochmal nachgehen – aber tatsächlich wäre das für uns ein weiterer Termin, in unserer ohnehin schon vollen Woche, und wir konnten uns daher noch nicht dazu durchringen.

Hast du manchmal ein schlechtes Gewissen, weil Jakob so viel Aufmerksamkeit braucht und du seiner Schwester dadurch weniger schenken kannst?
Ja, schon. Sie kommt absolut zu kurz. Sie ist sehr verträumt – zieht sich oft zurück und beschäftigt sich sehr gut mit sich selbst. Zum Glück ist sie eine gute Schülerin und kommt gut mit, denn ich hab keine Zeit, mich mit ihr hinzusetzen und Hausaufgaben zu machen. So furchtbar das klingt. Und ein weiteres Glück ist, dass sie eine gute Freundin hat, mit der sie viel Zeit verbringt und mit deren Familie sie auch in Urlaub fährt. Da bin ich fast neidisch manchmal und auch traurig, dass sie mit uns so etwas nicht erleben kann – aber ich gönne es ihr natürlich von Herzen.

Ihr wart noch nie im Familienurlaub?
In den sechs Jahren, seit Jakob auf der Welt ist, waren wir dreimal für je eine Woche im Urlaub. Die ersten beiden Male waren aber furchtbar anstrengend – und man war danach umso mehr urlaubsreif. Weil Jakob viel zu ungeduldig für längere Autofahrten war und immer sein gewohntes Umfeld gebraucht hat. Die letzte Reise um Ostern rum verlief dann erstaunlicherweise aber ganz okay.

Ich meine, trotz all der Schwierigkeiten , die ihr noch immer habt, herausgehört zu haben, dass Jakob seit etwa einem Jahr kleinere Fortschritte macht…
Ja, das stimmt. Das ist auch so. Leider nehme ich das manchmal gar nicht so richtig wahr, weil das Negative noch immer alles überschattet. Aber du hast absolut recht. Und auf diese positiven Aspekte muss ich meinen Fokus auch noch viel mehr lenken. Das tut ihm gut – und auch mir.

Du kannst den Lauf der Geschichte nicht ändern, aber wenn du dir etwas für die Zukunft wünschen könntest, was wäre das?
Ich wünsche mir einfach, dass die kleinen Fortschritte, die Jakob macht, weiter anhalten und größer werden. Dass unser Alltag ruhiger und leichter wird. Dass Jakob nicht mehr so aggressiv und so laut ist, dass er mich ausreden lässt, dass er besser hört, dass er geduldiger wird und weniger impulsiv. Das würde mir schon viel helfen. Und ein längerer Urlaub, irgendwohin am Mittelmeer, das wäre auch mal wieder schön.

Liebe Nadja, hab ganz vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Dir und deiner Familie wünschen wir alles Liebe und viel Kraft!

Kommentare