„Leb wohl Milchpumpe“ – Ein Abschiedsbrief

06. February 2019 | in Alltag

Bilder und Vorstellungen zum neuen Leben mit Baby hatte ich viele. Was definitiv nicht dazu gehörte – eine Milchpumpe! Augen zu und durch!? Was an manchen Tagen easypeasy erscheint, ist anderen wahnsinnig belastend. Und doch, jetzt wo sich langsam aber sicher ein Ende abzeichnet, fällt der Abschied schwerer als gedacht. Deswegen nun ganz offiziell, ein Abschiedsbrief:

Ich war dir noch nie vorher begegnet. Das erste Mal wurdest du mir im Krankenhaus vorgestellt. Formschön. Zwei Arme. Zartes Gelb. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen, dass wir bald unzertrennlich sein würden. Ich meine Tage voll und ganz nach dir richten würde und du sogar nachts an meiner Seite sein würdest.

Unser Kennenlernen verläuft schleppend. Ich finde dich seltsam und muss mich erst an dich gewöhnen. Du kommst mit zu mir nach Hause. Bekommst einen festen Platz direkt neben dem Bett, natürlich auf meiner Seite. Du hast Rhythmus im Blut und machst Geräusche, die ich schon bald nicht mehr wahrnehme. Treibst mich immer wieder in den Wahnsinn. Besonders in der Nacht. Raubst mir den Schlaf. Und doch sind wir ein Team. Ich bin dir oft dankbar und an vielen Tagen störst du mich nicht weiter. Dann ärgerst du mich wieder, tust mir weh und ich fluche. Du treibst mir Tränen in die Augen. Ich will dich loswerden, weiß aber, dass ich auf dich angewiesen bin. Alle vier Wochen entscheiden wir, dass du noch bleiben darfst. Ein Mal machst du sogar mit uns Urlaub. Gehörst schon fast zur Familie. Täglich bekommen Teile von dir ein heißes Bad eingelassen, wir müssen dich pflegen. Ein mal tust du mir so weh, dass ich nichts mehr mit dir zu tun haben möchte, aber ich brauche dich. Wir kommen uns wieder näher. Wenn ich Besuch bekomme, ziehen wir uns zurück und sind nur zu zweit. Ist niemand da, gucken wir zusammen Serien oder lesen ein Buch. Und so vergehen die Wochen. Du bist immer zur Stelle. Anfangs alle drei Stunden, nun nur noch alle fünf. Wir wissen beide dass es nicht ewig so weiter gehen wird. Schon bald steht ein Abschied an. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich das sagen werde, aber bei dem Gedanken ist mir doch etwas komisch zumute. Ich werde wehmütig. Wie schnell man sich doch aneinander gewöhnt und Seltsames alltäglich wird. Wie du es mir ermöglicht hast, trotz vieler Komplikationen meinen Weg zu gehen. Du bist wichtig. Und ich bin froh, dass es dich gibt. Doch ich weiß, dass ich dir nicht allzu lange nachtrauern werde. Freue mich auf Nächte ohne dich. Auf Tage, die nicht durch dich bestimmt sind. Freiheit. Wieder ganz ich selber sein. Danke für 122 Tage Power. Du hast das Beste aus mir rausgeholt. Und doch werden wir uns nicht wiedersehen. Du wirst weiterziehen. Jemand anderem zur Seite stehen, das Leben schwer machen und doch ein Anker sein. Leb wohl.

Deine Daniela

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