Clevere Raumlösungen mit Jäll & Tofta

19. January 2021 | in Interior

Wie vielleicht einige von euch mitbekommen haben, haben wir bei uns Zuhause zwischen den Jahren renoviert und umgebaut. Wir Eltern sind in das kleine Kinderzimmer gezogen, die Kinder haben jetzt ein großes Zimmer. Gestrichen haben wir auch, es war ein riesen Aufwand und das alles, obwohl wir uns dann doch dagegen entschieden haben, eine Trennwand in das quadratische Kinderzimmer einzuziehen. Das machen wir aber ganz sicher noch mal irgendwann! Denn unsere Kinder lieben sich – aber immer mehr lieben sie es auch, eigene Bereiche zu haben.

Und umziehen ist keine Option, denn wir hängen an unserem Kiez und an unserem Haus, haben so viele Freunde in Laufnähe und eine besser geschnittene Wohnung mit einem Zimmer mehr würde jetzt auf dem freien Markt locker das doppelte kosten. So wie uns geht es SEHR vielen Familien da draußen. Viele entwerfen die cleversten Einbauten, um auf wenig Quadratmetern in der Innenstadt für die Familie genug Raum zu schaffen.

Wenn es um innovative Raumkonzepte geht, die Stauraum schaffen, schlau sind, Raum gut nutzen UND auch noch irre gut aussehen, kommt man an Jäll & Tofta eigentlich nicht vorbei.
Deren Ideen und Designs sind so wunderschön, dass man sie bei Pinterest und überall, wo es um Design geht, garantiert immer findet. Jäll & Tofta, dahinter steckt ein Berliner Paar, Sina Gwosdzik und Jakob Dannenfeldt nämlich. Die beiden sind diplomierte Produktdesigner, die 2010 ihr Studio gegründet haben – und zwar nach der Geburt ihres ersten Sohnes. Sina und die Family leben selbst in einem solchen Altbau, den sie natürlich ebenfalls schon an vielen Stellen umgebaut haben.

Und weil ich vor unserem Renovierungsprozess mit vielen Fachleuten gesprochen habe, habe ich auch Sina mal ein paar Fragen gestellt, was man so anstellen kann, damit man nicht umziehen muss als Familie. Und damit sich alle wohlfühlen!

Liebe Sina! Ich denke mal, bei vielen eurer Klienten sieht es ähnlich aus, wie bei mir: Schöne Altbau-Bude, man hängt am Viertel, aber es gibt zu wenig Zimmer, zu wenig Rückzugsmöglichkeiten und zu wenig Stauraum… Oder?

Ja, das ist besonders im Zuge der gestiegenen Miet- & Kaufpreise ein immer wieder auftauchendes Szenario. Der Wohnraum wird teurer und entsprechend kleiner und will deshalb in der Nutzung gut durchdacht sein. Gerade wenn Kinder dazu kommen, wird ein bestehendes Wohnkonzept komplett umgeworfen…

Bei uns ist es zum Beispiel so, dass wir einen großen, quadratischen, etwa 25m2 Raum mit zwei Fenstern haben, den wir für zwei Kinder umbauen wollen. Was würdest du uns raten?

Wir würden uns den Raum nach einem ersten Telefonat anschauen, Euch vor Ort treffen und besprechen, was Ihr Euch für Eure Kinder wünscht. Wie alt sind die Kinder? Genießen sie die Zeit (noch) miteinander oder knallt es an allen Ecken und Enden und Abgrenzungsmöglichkeiten und Rückzugsorte müssen her? Soll die Veränderung Stück für Stück oder nur teilweise erfolgen oder direkt eine konkrete Zimmerteilung geplant werden?

Ich liebe ja eure Hochbetten, was würdest du sagen: ab welchem Alter machen die Sinn? Und bis zu welchem Alter? Und baut ihr da auch immer Stauraum ein?

Das ist sehr individuell. Da wir das Alter der Kinder und die sich daraus ergebenden körperlichen Fähigkeiten in unsere Planung einbeziehen, läßt sich die Höhe der Betten, die Höhe der Stufen beispielsweise eines „Treppenschrankes“ usw. anpassen. Soll ein Hochbett beispielsweise für zwei Geschwister geplant werden, würde man die unterschiedlichen Bedürfnisse, die sich auch aus dem Alter der Kinder ergeben auf die jeweiligen Ebenen anpassen.
Grundsätzlich kann ich aber aus unserer Erfahrung heraus sagen, dass Hochbetten tendenziell eher für kleinere Kinder bis ca. zehn Jahre geeignet sind. Danach häufen sich die Anfragen nach größeren, niedrigeren und „erwachseneren“ Betten. Die Kinder nutzen ihre Betten dann eher als „Chill-Ort“, wollen sich alleine oder mit Freunden dort zurück ziehen, das Bett als Sitzmöglichkeit nutzen.

Bei Einbauten denke ich ja oft an so massive Hochebenen, die auch ein bisschen „öko“ anmuten. Wie schafft ihr es, dass eure so ganz anders aussehen?

Wir sind Produktdesigner und haben den Anspruch, dass ein Möbel, egal ob freistehend oder als Einbau entweder einen objekthaften Charakter haben oder sich zurückhaltend in den Raum integrieren soll. Der Teufel liegt hier tatsächlich im Detail: Die Lösungen, die am einfachsten aussehen, sind meist die, an denen wir am längsten gefeilt haben. Wir spielen gerne mit Formen und lassen unterschiedliche Materialien und Farben in unsere Entwürfe einfließen.

Viele setzten auch auf Podestbetten. Passt das in jeden Raum?

Grundsätzlich raten wir unseren Klienten immer zu den Lösungen, von denen wir denken, dass sie sowohl zu den entsprechenden Räumen als auch den Wünschen des Kunden passen. Podestbetten sind ideal, wenn Stauraum integriert werden soll. Außerdem lassen sie sich in der Größe, Höhe und im Stauraumvolumen an den Nutzer anpassen und sie können sowohl minimalistisch als auch komfortabel und opulent gestaltet werden.

Vom Arbeitszimmer auf der Hochebene, bis zum Podest in der Küche, fallen dir ein paar verrückte Einbauten ein, die ihr in Familienwohnungen gemacht habt?

Verrückt ist relativ und wir freuen uns immer über kreative Anfragen, die uns fordern. Spontan fallen mir Dinge ein wie eine “Gaming-Koje” im Elternschlafzimmer auf einem alten Berliner Kachelofen. Oder Kinderzimmer, die aus den eben von Dir erwähnten Platzgründen in den alten Küchenraum wandern, während die Küchenzeile in den oft größeren Wohnbereich umgesetzt wird.

Stichwort Stauraum: Der fehlt ja in Familien eigentlich immer! Was würdest du raten?

Grundsätzlich lohnt es sich unserer Meinung nach immer, sich von Dingen trennen zu können. Die Neuplanung eines Raumes, egal ob Küche, Schlaf- oder Kinderzimmer, kann da sehr hilfreich sein, um mal genauer zu schauen, was wichtig ist und was tatsächlich aussortiert werden kann. Trotzdem braucht man für die übrigen Sachen ausreichend Stauraum, damit die Wohnung oder das Haus relativ einfach aufzuräumen und frei zu halten ist. Das Schlafzimmer oder der Flur sind gute Orte, um Stauraum zu Gunsten der Wohnräume zu schaffen, in denen man sich tagsüber öfter aufhält. Geschlossene Fronten oder abgetrennte Bereiche wirken tendenziell aufgeräumter und klarer als offene Fächer oder Regale.

Es macht auch Sinn, sich erst Mal zu überlegen, wo man sich viel aufhält und wo eher nicht, oder? Als wir das gemacht haben, wurde klar, dass unser großes Schlafzimmer Platzverschwendung ist….

Na klar, sich mit der eigenen Wohnsituation auseinander zu setzen (oder in unserem Fall mit der von anderen) und gängige Einrichtungsszenarien über Bord zu werfen ist immer gut. Manchmal kann ein Schlafzimmer auch tagsüber ein Rückzugsort für jemanden sein und dort mehr Raum zu haben macht durchaus Sinn. Wenn ein Schlafzimmer aber tatsächlich nur zum Schlafen und Kleider verstauen genutzt wird und es gleichzeitig zu wenig Raum für alle (beispielsweise bei einer Familie) gibt, dann würden wir sehr wahrscheinlich auch empfehlen, den Platz zu Gunsten eines größeren Wohn- oder Kinderzimmers zu opfern.
Ohne es wertend zu meinen darf man dabei auch nicht vergessen, dass eine Familie in einer Stadtwohnung sicherlich anders wohnt als in einem Haus außerhalb oder auf dem Land: In der Stadtwohnung konzentriert sich das gesamte Familienleben meist auf einer Etage mit oft weniger Platz und man kann sich weniger gut aus dem Weg gehen. Das spüren wir ja leider gerade breitflächig im Lockdown … Deshalb ist es immer ein Gewinn, wenn man um die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Mitbewohner bzw. Familienmitglieder weiß, um sie in das Wohnkonzept übertragen und es damit verbessern zu können.

Ich liebe eure Farbauswahl. Hast du einen Tipp, wie man in der Familienwohnung Farbakzente setzt, ohne dass es zu schrill wirkt?

Farben sind eine sehr persönliche Entscheidung, aber bitte keine Angst vor Farbe. Ein gestrichener Raum ist die einfachste und kostengünstigste Veränderung, die man vornehmen kann. Große Fehlentscheidungen kann man mit hochwertiger Farbe, die mit Pigmenten versetzt ist, minimieren (z.B. Little Greene, Farrow & Ball, Paint & Paper library, Cooper colors etc.). Je nach Hersteller sind die Farben entweder gedeckter oder leuchtender, und durch die Pigmente bekommt eine gestrichene Wand mehr Tiefe und changiert je nach Tageszeit und Lichteinfall.

Wie ist das bei euch in der Wohnung? Was habt ihr schon alles umgebaut?

Alles! Aber mit dem Einrichten sind wir niemals fertig, weil es ein Prozess ist, der mit Bedürfnissen und persönlicher Veränderung zu tun hat. Wenn wir im letzten Raum angekommen sind, fangen wir im ersten wieder an … Und tatsächlich probieren wir uns hier auch oft einfach aus. So wie Ihr die Weihnachtspause zum Renovieren genutzt habt, haben wir immerhin unseren Flur neu gestrichen. Und auf meiner persönlichen Wohnungs-Wunschliste steht eine neue Küche ganz oben.

Danke, Sina!

 

Preview-Foto: Celeste Najt
Porträt: Magnus Pettersson
Alle anderen Fotos: Anne Deppe und privat

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