Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich muss sagen, dass ich im Freundes- und Bekanntenkreis relativ wenig von den so genannten „Mommy-Wars“ mitbekomme. Das liegt sicher auch daran, dass man sich immer eher Freunde sucht, die ein ähnliches Mind Set haben, wie man selbst. Es liegt aber auch daran, dass es in meinem Umfeld einfach Usus ist, zu akzeptieren, dass jeder es anders macht. Es klingt so einfach und das ist es auch, aber es fällt keiner Mama leicht. Warum eigentlich? Auch ich erwische mich ab und an dabei, dass ich sage: Das musst du so oder so machen. Dabei ist das ja Blödsinn. Niemand muss nichts. Man darf rumprobieren, vor allem wenn man zum ersten Mal Mama wird, man darf Fehler machen und man darf vor allem seinen eigenen, ganz persönlichen Weg finden.

Es ist nicht so, dass ich alles, was meine Freundinnen machen, automatisch gut fände, oder auch so mache. Ich habe einen sehr breitgefächerten Freundeskreis und da ist alles dabei. Wäre ja langweilig, wenn wir in allen kritischen Punkten: Betreuung, Schlafen, Essen, Impfen, Routinen, Stillen, Geburt….. einer Meinung wären! Wenn wir es für notwendig halten, gibt es auch schon mal Kritik – dafür bin ich zum Beispiel immer sehr offen. Ich bin schließlich Anfänger in Sachen Muttersein, auch nach zweieinhalb Jahren noch. Aber meistens: lassen wir uns eh machen. Das ist eigentlich gar nicht so schwer.

Die Quintessenz?

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Punkt Aus Ende.

Beispiele?

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Ich habe eine Freundin, die ihre beiden Kinder zuhause geboren hat, mit einer Hebamme, mit ihrem Mann, in ihrem Wohnzimmer. Sie mag keine Krankenhäuser und es war ihr Traum, zuhause zu gebären. Alles lief gut (mit einer guten, erfahrenen Hebamme ist eine Hausgeburt wirklich kaum riskanter als jede andere Geburt), sie würde es immer wieder so machen.

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Für mich wäre es eine Horrorvorstellung gewesen, zuhause zu gebären. Nicht einmal nur, weil ich gerne einen Arzt da habe wollte, für den Fall der Fälle, ich wollte auch einfach nicht immer an die Geburt denken, wenn ich in mein Wohnzimmer gehe. Für mich war eine ambulante Geburt im Krankenhaus genau die richtige Lösung.

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Eine andere Freundin hat ihr Kind mit einem geplanten Kaiserschnitt bekommen. Sie hatte eine schwierige Schwangerschaft, sie kann kein Blut sehen und hatte einfach richtig Panik vor einer spontanen Geburt. Sie ist auch generell eher der Typ, der gerne plant.  Also wurde das Kind kurz vor dem errechneten Termin geholt. Natürlich hatte diese Freundin auch Probleme mit der Narbe und dem Eingriff, aber sie sagt noch heute: es war die richtige Entscheidung, eine Geburt hätte mich fertig gemacht.

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich wollte einfach gerne „da durch“. Die Vorstellung, dass mir der Bauch aufgeschnitten wird, fand ich viel furchteinflößender als eine Geburt. Und ich bin auch heute noch sehr dankbar, dass ich spontan entbinden konnte, die Geburt war ein tolles Erlebnis!

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Ich habe viele Freundinnen, die ziemlich strikte Zeitpläne für ihre Kinder haben. Es wird zur gleichen Zeit gegessen und geschlafen, jeden Tag. Das hat viel Gutes – den Kindern tut der Rhythmus gut, die Mutter macht es vielleicht auch sicherer. Die negativen Seiten: Viele müssen immer Punkt 12 zuhause sein, damit das Kind ins Bett kommt. Abends muss man auch immer zuhause sein, Urlaube werden komplizierter. Man ist einfach weniger flexibel. Aber:

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich brauche einfach eine gute Portion Flexibilität und die habe ich auch immer von meinem Sohn eingefordert. Auch er braucht Routinen, aber wir haben ihn zu den Beispiel von Anfang an dazu gebracht, immer und überall einzuschlafen. So sind Reisen und Ausflüge kein Problem. Nicht jedes Kind macht das mit – bei uns hat’s zum Glück geklappt.

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Ich habe eine Freundin, die ihre zweijährige Tochter noch stillt. Sie macht das einfach, weil es sich so ergeben hat, dahinter steckt nicht der feste Glaube, es müsse so sein. Sie stillt sie abends, morgens und manchmal am Nachmittag nach der Kita und macht das auch so nebenbei und ohne großes Trara, sie läuft nicht barbusig rum, oder erzählt aller Welt, wie wichtig sie das Stillen findet. Wenn man sie fragt, sagt sie, es tut beiden einfach noch gut so, wenn es sie irgendwann stört, dann hört sie eben auf. Und ich glaube, gerade weil sie das alles so natürlich macht, hat sie im Umfeld auch überhaupt nicht damit zu kämpfen, dass jemand sagt: “warum denn noch?” “Kommt da überhaupt noch etwas raus?” Alle wissen es, alle finden es normal.

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich bewundere diese Freundin, sie ist eine, die einfach ihren Weg geht, ohne sich etwas sagen zu lassen. Sie handelt nach Gefühl, und das wird schon recht haben. Ich habe damals definitv ein bisschen zu früh abgestillt, beim nächsten Mal würde ich mich mehr treiben lassen und mal sehen, wie lange es mir gut tut. Ich bin mir aber sicher, dass ich wieder relativ früh abstillen würde. Ich war so froh, als die Stillerei vorbei war und keine Milch mehr aus meinem Busen kam. Stillen ist eine fabelhafte Sache, praktisch, umsonst, gesund und wunderbar kuschelig. Aber ganz ehrlich, meiner Meinung nach ist Pulvermilch auch eine ganz großartige Erfindung. Die Babies werden genauso gut groß und stark und die Mama darf sich wieder frei fühlen, wenn sie das möchte.

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Eine andere Freundin von mir hat das erste Kind ein paar Wochen gestillt, beim zweiten und beim dritten hat sie sich dagegen entschieden. Stillen fand sie schrecklich, sie hatte das Gefühl, dass es sie körperlich ausgesaugt und hormonell belastet hat, sie wollte das Füttern mit ihrem Mann teilen, sie konnt einfach nichts daran finden. Bei Kind Nummer 2 und 3 hat sie deshalb sogar nach der Geburt Tabletten gegen den Milcheinschuss genommen! Wenn diese Freundin ihre Geschichte erzählt, muss ich immer lachen. “Ich bin der Alptraum jeder Hebamme!” sagt sie. Aber auch sie steht einfach zu ihrer Entscheidung. Sie ist übrigens eine sehr hingebungsvolle und liebevolle Mama, falls da jetzt irgendjemand zweifelt.

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich fand die Vorstellung zu stillen, immer komisch. Wenn ich jetzt daran zurück denke, finde ich es auch wieder seltsam, seltsam, dass ich mal diese riseigen Milchtüten hatte. Aber nach der Geburt von Xaver gehörte es eben einfach dazu. Mein Baby zu stillen, das fühlte sich für mich ganz natürlich und richtig an. Und als die ersten, schweren Wochen überstanden waren, fand ich es auch sehr praktisch und schön. Außerdem wollte ich mir  – mal wieder –  diese Erlebnis, auch nicht entgehen lassen.

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Ich habe eine Freundin, deren Kinder, 3 und 1, nicht in die Kita gehen. Sie wohnt etwas weiter draußen, fast auf dem Land, arbeitet nur ein bisschen, frei von zuhause, abends und wenn die Kinder schlafen. Beim Großen überlegt sie jetzt, ihn in eine Spielgruppe oder so etwas zu bringen, damit er mehr mit Gleichaltrigen zusammen ist und auch mal ohne die Eltern, sie meint, das wäre jetzt mal an der Zeit. Aber im Prinzip hat sie die Kinder in den letzten Jahren immer gerne zuhause gehabt. Sie ist Vollblutmama, kocht gerne, macht Haushalt, sie bespaßt die Kinder natürlich nicht den ganzen Tag, setzt sie aber auch nie vor den Fernseher. “Sie sind einfach da”, sagt sie. Sie ist übrigens NICHT langweilig und redet auch nicht nur über Kinder!

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts

Ich war heilfroh, als Xaver mit 14 Monaten in der Kita eingewöhnt wurde. In den Monaten vor der Kita bestimmte Xaver schon vollends unseren Tag, stand morgens klopfend an der Tür, wollte raus, dann Mittagessen, dann Mittagsschlaf, dann wieder raus. Wir kamen zu nix! Ich wollte (und musste) wieder mehr arbeiten, mein Freund auch. Außerdem sind wir mittlerweile sehr happy, dass er durch die Kita mit so vielen anderen, ganz verschiedenen Kindern zusammen sein kann und auch, dass seine Erzieher kompetente Helfer sind, wenn mal nicht alles ganz rund läuft. Ich war gerade mit Xaver, einer Freundin und deren 2-jähriger Tochter im Urlaub und wir haben das gemacht, was meine Freundin jeden Tag lebt: Frühstück machen, Streit schlichten, Tränen wegküssen, Kinderjauchzen, rausgehen, Kochen, Mittagsschlaf, Wäsche, Spülmaschine, wieder raus gehen, aufgeschürfte Knie verarzten, wieder Streit schlichten, wieder kochen, Geschichten lesen, ins Bett bringen. Es war der helle Wahnsinn und trotzdem unheimlich schön. Aber auf Dauer – nicht meins. Mag auch daran liegen, dass mein Kind weniger genügsam ist und wir keinen Garten haben!

 

Ich stelle übrigens immer wieder fest, dass es oft nicht eine Sache ist, die mich stört, sondern die Art, wie viele Mütter sie verkaufen. Sobald hinter einem bestimmtem Weg eine Ideologie, eine starre, feste Regel, gar ein: Tja, mein Kind ist so (lieb, brav, schlau, intelligent, gesund), weil ich das so mache (ergo: du hast dich nicht genug ins Zeug gelegt, deshalb ist dein Kind weniger gut als meines), dahinter steckt, werde ich fuchsig. Aber auch dann reiße ich mich mittlerweile zusammen und denke:

Für sie genau richtig (auch die Ideologie), für mich wäre es nichts

So, ihr Lieben und jetzt: Wenn euch etwas aufstößt, das eine andere Mutter macht, wenn ihr etwas falsch,nicht gut, altmodisch, verzogen, bescheuert findet. Dann atmet immer erst mal tief durch und sagt euch:

Für sie genau richtig, für mich wäre es nichts.

Viele Wege führen zum Glück, jeder individuelle Weg kann für genau diese Familie der richtige sein.

So einfach, oder?