Olga Löffler mit Maya

Es ist eine Herausforderung - aber auch ein Ansporn
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Olga war erst zwanzig, als sie beim Couchsurfen durch Europa Niclas kennenlernte. Es war Liebe auf den ersten Blick! Noch heute, acht Jahre später, sind die beiden verliebt wie am ersten Tag. Vor drei Jahren machte Tochter Maya das kleine Familienglück perfekt. Und Olga hat in der Zwischenzeit begonnen, Fotos zu machen. Mittlerweile reist sie als Hochzeitsfotografin herum und hat sich mit ihrem Projekt Munich with us auch noch ein zweites Standbein geschaffen. Hat man diese ganze Energie einfach, wenn man so jung Mutter wird? Das und vieles mehr, verrät uns Olga im Interview.

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Liebe Olga, erzähl uns doch ein bisschen von dir, wo kommst du her, was ist dein beruflicher Hintergrund?

Ich komme aus Murmansk in Russland, einer kleinen Stadt nördlich des Polarkreises. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Mit 17 Jahren bin ich nach Sankt Petersburg umgezogen. Ich habe dort angefangen, Wirtschaft zu studieren, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt absolut keine konkreten Perspektiven für eine berufliche Zukunft hatte. Aber ich habe das Studium trotzdem bis zum Master durchgezogen, weil ich gerne Dinge zu Ende bringe. Während des Studiums habe ich parallel viel in der Gastronomie gearbeitet. Ich war auf das zusätzliche Geld angewiesen – und es hat mir auch viel Spaß gemacht.
Der Umzug nach Sankt Petersburg, ohne meine Eltern und anfangs ganz ohne Freunde und Bekannten, das war sehr schwer für mich am Anfang und ich habe meine Familie sehr vermisst. Die Stadt war für mich einfach nur riesig und alles war neu und fremd! In den ersten Jahren habe ich im Studentenwohnheim gewohnt, dort habe ich viele tolle und nette Mädels kennengelernt. Zusammen haben wir mit allem und für Vieles kämpfen müssen und sind dadurch zusammen gewachsen. Wir sind trotz großer räumlicher Distanz immer noch gut befreundet. Ich denke, das Leben in Sankt Petersburg und die Unizeit haben mich sehr stark gemacht – und rückblickend war es eine tolle Zeit.

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Du hast nach dem Studium schon schnell gemerkt, dass du lieber etwas anderes machen willst, oder? Wie kamst du zur Fotografie?

Ja, ich habe wie gesagt eigentlich schon am Anfang gemerkt, dass Wirtschaft und Bauwesen nicht wirklich mein Ding sind. Aber was genau ich in meinem Leben machen möchte, das wusste ich damals noch nicht. Ich war immer neidisch auf die Menschen, die schon sehr früh wussten, dass sie zum Beispiel Anwälte, Ärzte oder Lehrer werden möchten. Ich habe auch damals schon mit meiner alten sowjetischen Analogkamera fotografiert, aber es war ein Hobby.
Der Einstieg in die Fotografie passierte, als ich hier in München mit Niclas, meinem heutigen Mann, zusammen gelebt habe. Niclas ist Kameramann und bei uns zu Hause lag deshalb immer eine sehr gute Kamera rum. Irgendwann habe ich einfach losgelegt. Ich bin mit der Kamera durch die Stadt gezogen, habe meine Freunde, die Familie, die Stadt, interessante Cafés und Läden fotografiert, einfach alles was ich schön fand. Und ich habe ganz viel über die Nachbearbeitung der Fotos im Internet recherchiert und viel ausprobiert. Irgendwann habe ich meine erste Hochzeit fotografiert und mittlerweile bin ich im Sommer fast jedes Wochenende ausgebucht.  Vor einem Jahr habe ich dann Munich with us begonnen. Das ist jetzt gerade mein Hauptprojekt. Mit meinem Blog reisen wir viel. Das war auch meine Ziel damals: Job und Urlaub zu kombinieren und einen hochwertigen Social Media Kanal zu produzieren.

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Wie ist das mit den Reisen, kommt dein Mann dann mit, oder bleibt er mit der Kleinen in München?

Wir reisen fast immer zu dritt. Das war von Beginn an mein Traum – zusammen mit meinen Liebsten die Welt zu entdecken, und Job und das Vergnügen zu kombinieren. Wenn die Reisen anstrengend und ganz kurz sind, bleibt Maya aber meistens zu Hause. Wir haben wir zum Glück Unterstützung von Omas und Opas. Letzte Woche kam zum Beispiel extra meine Mama aus Russland, um auf Maya aufzupassen als wir in Singapur waren und ganz oft kommt auch der Opa aus Freiburg. Ich finde es auch für Maya ganz wichtig, diese Zeiten mit den Großeltern zu haben. Sie genießt es sehr. 

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Du bist recht jung Mutter geworden, wie war das für dich? 

Ja, ich war 25 Jahre alt bei Mayas Geburt. In Deutschland war ich damit eine junge Mama – ich war mit Abstand die Jüngste in unserem Rückbildungskurs. Aber ich bin ganz froh darüber, dass wir so junge Eltern sind und eigentlich wollte ich es auch immer genau so. Relativ früh ein Kind zu haben und parallel zu arbeiten – das ist sicher eine große Herausforderung, aber für mich ist es auch ein Ansporn, noch produktiver zu sein.

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Wie habt ihr euch kennengelernt?

Unsere Kennenlern-Geschichte ist lustig: wir haben uns über Couchsurfing kennengelernt! Zwei meiner Uni-Freundinnen und ich hatten damals eine wilde Reise mit Rucksack durch Europa geplant. Wir hatten super günstige Tickets gebucht und sind von Stockholm nach München geflogen. In München wollten wir dann Couchsurfing ausprobieren. Niclas und ein Freund hatten ein kleines, freies Zimmer in ihrer Wohnung und haben es über Couchsurfing angeboten. Für uns Beide war es Liebe auf den ersten Blick… Ich erinnere mich noch genau an den Moment als ich Niclas zum ersten Mal gesehen habe, es ist, als wäre es gestern gewesen. Er stieg aus seinem uralten VW Jetta aus, mit Sonnenbrille und Jeanshemd. Und wie er mir später erzählte – hat er in diesem Moment gedacht, dass ich seine Frau werden würde. Wir haben dann drei wunderschöne Tage in München verbracht, wo wir uns noch mehr ineinander verliebt haben. Danach ging unsere Mädels-Reise weiter nach Österreich und Italien. Niclas konnte es nicht erwarten, mich wieder zu sehen, er warf seine Sachen in den alten Jetta und überraschte mich in Verona. Wir haben dort auf einem Campingplatzt übernachtet, es war eine wahnsinnig tolle Zeit, wie im Film.
Danach haben wir ein Jahr lang eine Fernbeziehung geführt, mit einigen Tränen, ganz viel Lachen, mit noch mehr Flugkilometern – aber wir haben es immer geschafft, uns einmal im Monat irgendwo zu sehen. Bis ich nach München gezogen bin, und dann haben wir auch schon ziemlich schnell geheiratet…

Es ist, als wäre es gestern gewesen!
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Ihr seid immer noch ganz schön verliebt,oder? Wie schafft ihr es, euch im Trubel aus Kind und Jobs Zeit zu zweit frei zu schaufeln?

Ich liebe Niclas unglaublich – er ist meine Mann und gleichzeitig mein bester Freund, mein Vorbild und meine Inspiration. Und er ist, das ist auch ganz wichtig, der beste Papa der Welt. Es ist uns glaube ich gelungen, trotz manchmal anstrengendem Alltag mit Kind und Job, das frisch verliebt sein zu bewahren. Dazu gehört für uns zum Beispiel inniges Drücken und Küssen vor jedem Einschlafen. Wir sind jetzt seit acht Jahren zusammen und in diesen Jahren sind wir Beide sehr gereift und haben uns als Persönlichkeiten weiter entwickelt. Wichtig ist es für uns immer, auf einer Wellenlänge zu bleiben. Unsere gemeinsame Zeit ist uns extrem wichtig – wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann gehen wir alleine Essen und Wein trinken. Wir teilen aber auch einfach viele Interessen: Reisen, Fotografieren, Filmen…

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Du gehst oft zum Sport, wie schaffst du es, da diszipliniert zu sein?

Ja, ich gehe tatsächlich fast 5 mal die Woche zum Sport, meistens ins Fitnessstudio. Auch auf Reisen gehe ich Joggen, oder wenn es im Hotel einen Fitnessraum gibt, dann trainiere ich dort. Mit dem Sport habe ich nach Mayas Geburt angefangen und habe sie auch als Baby immer zum Fitness mitgenommen. Sport macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß und ich mache es wirklich sehr gerne. Mittlerweile ist es zum Ritual geworden. Es gibt mir Energie und macht mich nicht nur körperlich stark. Durch den Sport habe ich auch ein sehr positives Verhältnis zu meinem Körper. Ich muss mich dafür ehrlich gesagt gar nicht disziplinieren – der Sport ist einfach ein normaler Teil meines Tagesablaufs.

Sport gibt mir Energie und macht mich nicht nur körperlich stark.
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Wie sieht denn so ein ganz normaler Tag bei euch aus?

Wir stehen jeden Tag relativ früh auf. Unser kleiner Wecker Maya kommt strahlend zu uns ins Schlafzimmer gerannt. Maya frühstückt dann etwas Kleines, wir lesen zusammen ein Buch und machen uns dann zügig fertig. Bis auf wenige Ausnahmen bereite ich morgens Maya vor und bringe sie in die Kita. Niclas mag es sehr, noch ein bisschen länger im Bett zu bleiben – für mich ist das kein Problem, denn er übernimmt dafür an anderen Stellen und ist generell sehr eingebunden. Ich bringe Maya also zwischen 8 und 8:30 Uhr in die Kita. Anschließend geht es für mich ins Fitness für 1,5 Std. Danach gehe ich oft in die Stadt, um Bilder für meinen Blog zu machen oder habe Treffen mit Kunden oder auch ein Fotoshooting. Oder aber ich bin nach dem Sport zu Hause und schreibe E-Mails oder bearbeite die Bilder. Danach hole ich meine Maus von der Kita ab und wir gehen bei schönem Wetter gemeinsam auf einen der Spielplätze in der Nachbarschaft. Dann heisst es Einkaufen und nach Hause, weil alle schon ganz schön hungrig und auch ein bisschen müde sind. Fast immer koche ich zu Hause und wir essen dann alle zusammen. Anschließend spielen die Beiden noch ganz wild und ich genieße kurz die Zeit für mich. Niclas bringt Maya dann ins Bett. Danach arbeiten Niclas und ich oft noch ein oder zwei Stunden, wobei wir gerade versuchen, diese Zeit zu reduzieren, um mehr gemeinsame Zeit zu haben.

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Bei euch ist es ziemlich minimalistisch, ist das auch dein Stil / deine Einstellung?

Ja, auf jeden Fall. Niclas und ich mögen beide den skandinavischen und minimalistischen Stil. Ich mag eine Umgebung mit wenigen Gegenständen um mich herum –  ich kann mich besser konzentrieren und es vermittelt mir Harmonie. Mit einem Kind zu Hause es ist sowieso nicht ganz einfach, perfekt Ordnung zu halten, aber dadurch dass wir viele geschlossene Schränke und nicht so viele Sachen haben, klappt es doch meistens.

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Wie würdest du deine Tochter beschreiben?

Maya ist ein unfassbar tolles, cleveres kleines Mädchen. Sie ist sehr positiv und voller Energie. Sie spricht zwei Sprachen und hat ganz viel Lust aufs Leben und ist neugierig auf alles Neue. Sie kann einerseits sehr wild mit ihren Freunden spielen und viel Quatsch mit Papa machen, aber andererseits ist sie auch schon sehr vernünftig, einsichtig und vor allem sehr sozial. Manchmal denke ich, dass in ihr wirklich zwei Kulturen zum Vorschein kommen – das Russische und das Deutsche. So sehr sie manchmal weint, wenn etwas nicht passt oder gelingt, so sehr lacht sie, bis die Tränen kommen, wenn sie etwas lustig findet. Sie kann mit ihren drei Jahren schon bemerkenswert gut argumentieren und Dinge verstehen und einordnen.

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Was ist das Nervigste am Kinderhaben?

Ein schlecht gelauntes, da krankes oder nicht ausgeschlafenes 3-jähriges Mädchen um 6 Uhr in der Früh.

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Und was ist das Schönste?

Jeder Tag, der anders beginnt! Ich versuche gerade, jeden Moment Mayas Kindheit fest zu halten, jetzt wo sie so unfassbar klein und so süß ist. Und mein Herz lacht, wenn sie mich ganz fest umarmt und auf russisch sagt, dass sie mich lieb hat.

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Danke, Olga!

Maya Löffler mit Maya (3), München, April 2019
Fotos: Sittig Fahr-Becker
Interview: Isabel Robles Salgado