(Wieder) zu dritt sein

07. July 2017 | in Beziehung | Familie

Seit einiger Zeit hat sich bei uns etwas getan: Manche haben es wohl schon mitbekommen, denn ich habe ja auch vor einem Jahr schon darüber geschrieben, dass Mama jetzt einen Freund hat. Aus dem Freund ist mittlerweile schon ein richtiger Lebensabschnittspartner geworden, oder besser ein “Lebensgefährte”. Das mit dem “-abschnitt-” gefällt mir nämlich nicht besonders – klingt es nicht ein wenig, als wäre es nur ein Abschnitt im Leben und damit das Ende schon vorprogrammiert? Wie dem auch sei, mein Freund/neuer Partner/Lebensgefährte ist jedenfalls in unser Leben eingezogen. Seit Monaten auch schon buchstäblich: Wir haben eine gemeinsame Wohnung gefunden, eine Katze namens Milou gekauft und auch schon den ersten gemeinsamen Urlaub zu dritt (nicht mit Milou, sondern mit meinem Sohn) verbracht.

Als Katharina vor Kurzem geschrieben hat, wie es ist, so richtig, richtig alleinerziehend zu sein, hat mich das an meine Zeit mit meinem Kind alleine erinnert. Denn obwohl ich noch nie so “wirklich” alleinerziehend war, habe ich mich doch oft allein gelassen gefühlt. Besonders im zweiten Lebensjahr meines Sohnes, war ich gefühlt richtig alleinerziehend. Aber irgendwie habe ich das alles geschafft. Und irgendwie hat mich das auch wirklich stark werden lassen, diese Zeit allein, diese Zeit der Grenzerfahrungen und Herausforderungen. Dass da nun jemand da ist, der mich unterstützt, der bleibt, der Verantwortung übernehmen will, fühlt sich toll an – ist aber auch ungewohnt. Noch immer frage ich nur selten nach Hilfe, noch immer habe ich irgendwie nicht kapiert, dass ich nicht mehr alleine bin. Ob einem Abends einfällt, dass man die Milch vergessen hat und einfach noch mal kurz zum Späti rennen kann, hört sich unbedeutend an, ist aber eine tiefgreifende Veränderung.

Auch größere Herausforderungen wie eine Erkrankung, die damals eben eine mittlere Katastrophe bedeuteten – jetzt ist alles einfacher machbar. Es gibt immer jemanden, der da ist, den ich mal fragen kann. Ich stehe nicht gleich vorm Abgrund, wenn das Kartenhaus – und so fühlt sich das Leben als Mama und Selbstständige manchmal an – zusammenfällt. Das ist schön und seltsam zu gleich. Die zuvor gewonnene Unabhängigkeit, die aus einer Unsicherheit heraus entstanden ist, wollte ich anfänglich gar nicht so einfach wieder abgeben. Und das muss man ja auch nur bis zu einem bestimmten Grad. Dabei kommt mit einer Verbindlichkeit eben auch Abhängigkeit – wenn auch “nur” die emotionale. Und das ist ja bei aller Furcht auch etwas sehr, sehr Schönes.

Jetzt zu den Mamas zugehören, die in einer Beziehung sind, mit jemanden zusammen zu wohnen, ist manchmal ein bisschen als hätte man den Club gewechselt: Vom Alleinerziehenden- zum Pärchenclub. Plötzlich kann man mit Freundinnen wieder über die Angewohnheiten der Männer reden, bzw. über bestimmte Situationen, die sich eben nur in der Partner-Kind(-Katze) Konstellation ergeben.

Ich bin manchmal etwas nostalgisch, wenn ich an meiner alten Wohnung vorbeilaufe. Als mein Sohn noch so klein war und es nur uns beide gab. Und für meinen Sohn? Der ist happy. Klar, war er am Anfang überrascht (Wer ist der denn?), aber wir haben uns alle ziemlich gut eingelebt zusammen. Für ihn ist das, was wir seit anderthalb Jahren leben jetzt Normalität. Ob er sich noch an die Zeit mit Mama alleine erinnert? An unsere Urlaube zu zweit? Ich erzähle ihm oft davon und bin froh, dass wir diese Erlebnisse hatten. Ich sah diese Zeit auch nie als ein Warten, bis es wieder einen Mann im Leben gibt. Nein, die Stärke, die ich mitgebracht habe, gibt es, weil ich auch in dieser Situation glücklich war mit meinem Sohn. Es hat sich zu zweit vollkommen angefühlt. Aber jetzt leben wir Patchwork, mit all seinen Herausforderungen. Wir sind zu dritt. Und auch das fühlt sich ziemlich gut an.

 

Titelbild: Wandbilder vom Etsy-Shop anewalldecor.

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