Yay or Nay: Den Namen vor der Geburt verraten

15. September 2017 | in Geburt | Gesellschaft | Schwanger

Die Schwangerschaft ist eine aufregende, aber auch sehr intime und irgendwie verletzliche Zeit. Je nach Geschichte, Vorlieben und Sensibilitäten treffen Pärchen deshalb in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedliche Entscheidungen. Ab wann kommuniziert man die Schwangerschaft, wo wird das Kind geboren, welche Tests lassen wir machen und welche nicht – und auch die Namensgebung gehört dazu. Für Manche scheint es kein Problem zu sein, den Namen schon vor der Geburt zu verraten. Für Andere wäre das ein absolutes No-Go. Ein gutes Thema für ein YAY or NAY, fanden wir!

Insbesondere weil wir in der Redaktion zwei entgegengesetzte Meinungen, bzw. Herangehensweisen haben. Eine ist von Marie, die Junios Namen schon vor der Geburt allen verraten hat. Die andere von Isabel, die in beiden Schwangerschaften ein kleines, großes Geheimnis aus den zukünftigen Namen ihrer Kinder gemacht hat. Los geht’s also!

YAY:

Genauso wie ich (ein wenig fahrlässig), meinen Mund nicht halten konnte, als ich schwanger war und schon ganz aufgeregt Gott und die Welt davon in Kenntnis setzte, obwohl die drei Monate noch lange nicht herum waren, habe ich auch ziemlich locker alle Freunde an der Namenssuche teilhaben lassen. Mein ungeborener Sohn hieß also schon mal Ferdinand, Finn oder Theodor und auch das änderte sich im wöchentlichen Takt. Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum andere darum so einen Aufriss machten. Mir machte die Namenssuche Spaß und wenn jemand mal etwas Negatives zu meiner Wahl zu sagen hatte, habe ich einfach auf Durchzug gestellt.

Ich verstehe auch gar nicht so richtig, warum man so viele Geheimnisse haben muss. Weil es alle anderen auch so machen? Weil das so ne Art Tradition ist? Die Freude über das Kind wird doch nicht größer, weil man dann auch endlich den Namen verraten darf, oder? Diese künstliche Extra-Spannung aufzubauen, braucht man doch eigentlich gar nicht. Es ist für alle Beteiligten schon spannend genug, wenn ein neuer Mensch das Licht der Welt erblickt. Ich fand es schön, dass mein Baby im Bauch nicht Wurm, Mini-Me, oder Bauchzwerg hieß, sondern eben schon einen Namen hatte, auch wenn der sich dann noch ein paar mal geändert hat. Ist es vielleicht die Angst, dass jemand den Namen “klauen” könnte, wenn man ihn vorher verrät? Auch das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Wer macht denn sowas?! Ich finde es außerdem schön, wenn andere werdende Eltern offen über den möglichen Namen sprechen und so das ungeborene Kind nicht nur ein Fötus ist, sondern ein kleiner Mensch. Und noch schöner finde ich es, bei so einer Entscheidung irgendwie dabei zu sein.

Sorgen ob mich andere Meinungen zu sehr beeinflussen könnten, hatte ich auch nicht. Ich suche mir ja nicht eine Pulloverfarbe aus, sondern den Namen meines Kindes! Das ist so persönlich, dass mir alle anderen Meinungen zwar nicht komplett egal waren, aber mich in meiner Entscheidung unbeeindruckt ließen.

Welchen Grund es auch immer haben mag, denen Namen nicht zu verraten, ich finde ein Kind zu bekommen ist doch schon spannend genug, da muss man nicht auch noch ein großes Tamtam um den Namen machen.

NAY:

Wir haben tatsächlich bei beiden Kindern keinem den Namen verraten vor der Geburt. Warum genau, kann ich gar nicht sagen, es hat sich bei Xaver irgendwie so ergeben und bei Quinn haben wir es dann ähnlich gemacht, wenn auch etwas lockerer, ein paar enge Freunde waren bei der Namensfindung dabei, auch die Familie war eingeweiht.

Als wir auf der Suche nach einem Jungennamen waren, kamen uns gleich viele Namen in den Sinn. Schnell stellten wir fest, dass wir irgendwie auf Top-Ten-Namen stehen, wir merkten aber auch, dass wir unserem Kind keinen Allerweltsnamen geben wollen. Irgendwann sind wir auf “Xaver” gestoßen, fanden wir gut, weil wir das X cool finden und weil seine Geschichte zu uns passt: Es ist ein spanischer Name – mein Freund ist in Spanien geboren und aufgewachsen. Als “Javier” (oder katalanisch “Xavier”) nach Deutschland kam, ist der Name vor allem in Bayern und dort als “Xaver” aufgetaucht – und das ist meine Heimat! Unsere Entscheidung war recht schnell gefällt, wir wollten aber noch bis zur Geburt abwarten und einen Blick auf den Kerl werfen. Wobei, das wollte eigentlich nur mein Freund. Ich spürte, dass der Wutz in meinem Bauch ein Xaver sein würde und für mich hieß er dann auch schon so.

Warum haben wir es niemandem erzählt? Weil wir keine Lust auf Gegenstimmen hatten. Wir wussten, dass der Name polarisieren würde, und wollten einfach keine Diskussionen führen, die es sicher gegeben hätte. Insbesondere von der Familie! Als Xavi dann geboren war, gab es auch tatsächlich mehrere krasse Vetos, aber da war’s ja schon passiert. Viele finden den Namen bis heute komisch (der Berliner an sich kann ihn auch nicht aussprechen. Xaver wird hier immer noch oft “Tsaver” genannt!), weil er einen harten Klang hat und eben doch recht selten ist, zumindest außerhalb von Bayern.

Bei Quinnie hatten wir eigentlich einen anderen Namen im Visier, den hat uns eine Bekannte “weggeschnappt”. Zwischendurch liebäugelten wir mit Emma, das war uns dann aber doch zu häufig. Anschließend sollte es Winnie sein, am Ende wurde es Quinn. Weil wir wieder so einen besonderen Namen ausgewählt hatten und wieder wussten, dass viele ihn komisch (mit Q? Ist das nicht ein Jungenname?) finden würden, haben wir erneut fast niemandem davon erzählt. Und die wenigen, denen wir es erzählt haben, fanden den Namen auch meist wirklich seltsam – deshalb haben wir endgültig aufgehört, es weiterzuerzählen. Als Quinn dann da war, war das Feedback gemischt. Mittlerweile höre ich immer wieder: “Also am Anfang fand ich es komisch, aber mittlerweile ganz toll!” Und es gibt sogar etliche Nachahmer, ich kenne heute mehrere Quinns (männlich und weiblich) im entfernten Bekanntenkreis.

Ich glaube also, wir haben ein Geheimnis daraus gemacht, weil wir uns so sonderbare Namen für unsere Kinder ausgesucht haben. Wären es ein Leon und eine Emma geworden – Namen, die offensichtlich schön klingen und sehr häufig sind – hätten wir vielleicht allen davon erzählt. So fanden wir es angenehm, dass wir bis zum Tag der Geburt keine Rechtfertigungen oder Diskussionen hatten.

Und sicher fanden mein Freund und ich es auch romantisch, dass das ein bisschen unser Geheimnis war, das mit dem Namen. Wir sind ansonsten immer sehr offen, sprechen über alles mit vielen, wollten auch unbedingt das Geschlecht wissen, etc. Der Name war unser einziges gemeinsames Ding, das nur wir wussten, bis zur Geburt. Das war schön!

 

Wie war das bei euch? Habt ihr den Namen vor der Geburt verraten oder nicht? Und warum?

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