Vier Monate Mama-Sein – eine Zwischenbilanz

31. July 2013 | in Familie | Muttergefühle

FotoXaver ist seit ein paar Tagen vier Monate alt und ich werde oft gefragt: wie isses denn so? Jetzt mal ganz ehrlich. Ich antworte dann wahrheitsgemäß immer das Gleiche: es ist anders, es ist anstrengend, es ist eine Herausforderung. Aber es ist wunderwunderschön. Und ich würde es nie wieder anders wollen.

Es geht hier also gleich um Muttergefühle: Wer keine Sentimentalitäten erträgt, sollte lieber nicht weiterlesen!

Mein kleines Monsterchen

Denn Mutter zu werden ist das Größte und Spannendste, was mir je im Leben passiert ist. Ich denke oft an die ersten Tage und Wochen nach der Geburt zurück, als ich hormongesteuert und körperlich erschöpft, einfach nur glücklich und sooo verliebt war, in dieses kleine Wesen und in mein neues Leben. Es war wie ein Rausch aus Liebe, Hormonen und Muttermilch.
Wir hatten auch schwere Zeiten, mussten uns kennenlernen und “eingrooven”. Außerdem war Xaver eines der Babys, die durchaus kleine Startschwierigkeiten haben: Bauchweh, Gebärmutterheimweh, Weltschmerz. Er ist immer noch ein manchmal lautes und motziges Baby (ich nenne ihn mein Monsterchen), das deutlich klar macht, was es will und was nicht. Was habe ich auch erwartet? Ein braver Junge hätte ja gar nicht zu mir gepasst. Die meiste Zeit ist er aber aufgeweckt, vergnügt, er lacht viel und jauchzt oft vor Freude. Wir kommen gut miteinander klar. Ich beobachte ihn viel, um immer wieder aufs Neue herauszufinden, was er braucht und will. Und an schlechten Tagen überlege ich, was ich beim nächsten Mal anders machen kann, damit es erst gar nicht so weit kommt.

Die neue Flexibilität

Ich sage immer: mein Kind lehrt mich, flexibel zu sein. Ich verlasse mich auf nichts mehr, kann ich auch nicht. Ich reagiere einfach situationsbedingt, und versuche dabei, einen guten Mix aus viel Liebe und ein paar klaren Regeln zu schaffen. Überhaupt der Mix – das ist so ein bisschen mein Weg, bei allem. Ein Mix aus Tragen und Kinderwagen, ein Mix aus Stillen, Brei, (selten) Pre-Milch und (bald) Fingerfood, ein Mix aus Routine und Flexibilität, aus Nähe und Loslassen. Damit fahre ich sehr gut, aber jede Mama findet ihren Weg. Ich glaube, das ist das, was am Wichtigsten ist bei diesem Riesen-Abenteuer des Kinderkriegens: einen guten Mittelweg finden, der Baby und Eltern happy macht. Alles, was möglich ist, für das Baby tun, sich dabei aber immer eine kleine Portion Egoismus gönnen. Und: sich nicht zu viel sagen lassen, von Verwandten, Freunden, von Google, doofen Foren und Ratgebern.

Jede Mama ist anders

“Den einen” Weg gibt es nämlich nicht. Jeder Mensch ist anders, alle Kinder sind einzigartig. Es gibt pflegeleichtere, anspruchsvollere und es gibt Unmengen von Phasen. Und die Mama weiß fast immer am besten, was für sie und das Kind richtig ist. Vielleicht ist das Muttersein sogar eine gute Möglichkeit, endlich aufzuhören, sich etwas sagen zu lassen. Ich glaube, das fällt uns oft nicht leicht; zu akzeptieren, dass Kinder eben alle Reglementierungen auf den Kopf stellen, dass es nicht “die” Erziehungsmethode gibt oder “den” richtigen Zeitpunkt für die Kita. Es gibt nur individuelle Entscheidungen, und deshalb sollten Mamas auch nie aufeinander losgehen, und sich gegenseititg kritisieren. Ich habe viele Freundinnen mit Kindern und muss sagen: wir machen das ganz gut. Manche stillen, manche nicht, manche lassen die Babys im Bett schlafen, andere haben früh ein eigenes Zimmer. Manche sind lockerer, andere strenger, manche setzten auf Bio, andere auf Bratwurst. Keine redet der anderen rein, man tauscht sich aus, man hilft sich natürlich, aber das wars auch schon.

Das größte Glück

Ich vermisse es manchmal, so frei zu sein wie früher. Mir fehlen das Fahrrad fahren und lauschige Sommerabende mit viel Rosé. Aber das wird alles wiederkommen, und wenn mein kleiner Mann mich morgens mit einem strahlenden Lachen weckt, dann würde ich mit niemandem tauschen wollen. Ich finde, Kinder haben ist einfach toll. Es erfüllt mich ungemein, mehr als mich je etwas erfüllt hat. Und es stärkt! Ich bin nicht selten begeistert von mir selbst. Früher war ich oft so faul, habe wochenlang nichts auf die Reihe gebracht. Jetzt stemme ich ein Baby, eine Beziehung, einen Haushalt, nebenbei arbeite ich, mache Sport und treffe Freundinnen – und es klappt. Man kann so vieles schaffen, das lehren einen Kinder auch. Immer wieder denke ich an Sätze, die ich von den tollen Mamas aus unseren Porträts kenne, sie sind alle wahr: Die Liebe ist riesig, die Herausforderung auch und manchmal übermannt einen die Müdigkeit. Das Schönste? Dass man nie wieder alleine ist. Das Nervigste? Dass man nie wieder alleine ist! Genau so ist es. Und trotzdem oder gerade deshalb denke ich jetzt schon über ein zweites nach…

Kommentare