Vier Jahre!

30. March 2017 | in Familie | Muttergefühle

Gestern wurde Xaver vier. VIER! Ich kann mich kaum mehr daran erinnern, dass es jemals ein Leben ohne ihn gab. Ohne unseren Sonnenschein, unser Teufelchen, unseren Wildfang, unser Sensibelchen. Unsere Plaudertasche, unser Kuschelmäuschen, unseren Clown, unseren Musiker, unsere Wasserratte. Unseren Schauspieler, unseren Lockenkopf, unseren Sturkopf, unser Schlaftierchen – ohne unseren Xaver.

Vor vier Jahren haben wir uns das ganze Osterwochenende zusammen eingeschlossen und unser kleines Bündel gekuschelt. Es folgte ein erstes Jahr im Glück, wenn es auch sehr anstrengend war. Das zweite war noch anstrengender, aber sehr erfüllend, das dritte schon echt knackig, ich war ja auch schon wieder schwanger. Das vierte Jahr als Eltern hat uns richtig an unsere Grenzen gebracht, aber gerade im Moment lichtet sich der Himmel: die schönen Zeiten überwiegen wieder und ich bin voller Hoffnung, dass das fünfte wieder einfacher wird.

Vier Jahre, mein Gott – so lange und doch so kurz. Seit vier Jahren sind wir andere Menschen – Eltern eben. Mittlerweile ein bisschen schlauer und erfahrener, aber immer noch oft schrecklich hilflos und überfordert.

Großer Xaver!

Das letzte Jahr war sicher auch für meinen großen Jungen das schwerste bisher. Er hat eine Schwester bekommen, eine ganz zuckersüße, die er über alles liebt, die ihn aber mit ihrer Bequemlichkeit auf die Palme bringt – “kann sie nicht mal was können?” In ihren ersten Lebensmonaten hat diese Schwester uns alle viel Kraft gekostet. Xaver war so tapfer in diesen Wochen. Es wurde schnell besser, aber ich weiß, dass diese Zeit tief sitzt.

Er sagt oft: “Jetzt fühle ich mich gerade so wie als Quinnie noch im Bauch war…”. Die Tatsache, dass er jetzt nicht mehr alleine ist, hat ihn nicht völlig offensichtlich mitgenommen. Er hat sich immer nur gefreut, spricht nur voller Liebe über seine Schwester. Aber untendrunter, ganz unauffällig, hat er gelitten. Kam wieder öfter zu uns ins Bett, wurde anhänglicher, weniger selbstständig, wollte auch Baby sein, auch auf den Arm. Er ist bockiger gewesen denn je zuvor, suchte ständig den Konflikt mit uns, stellte sich quer. Dazu wieder viele wache Nächte. Nachtschreck. Und ich finde auch, er hat weniger Fortschritte gemacht, als andere gleichaltrige Kinder.

Und doch ist er so wahnsinnig groß geworden im letzten Jahr. Groß und weniger Kleinkind… Er sieht aus wie ein Schulkind und hat einen ernsten, weisen, oft launischen Gesichtsausdruck.

Er fragt den ganzen Tag:

Warum fällt der Ball auf den Boden, wenn ich ihn fallen lasse?

Warum leben manche Menschen in Raumschiffen?

Warum sind Hunde lieb?

Und wenn es den Menschen schlecht geht, dann machen die Hunde sie wieder glücklich, oder wie?

Warum haben Frösche ganz lange Zungen?

Warum gibt es das Aquarium?

Warum heißen Kinderzähne Milchzähne?

Warum sind manche Kinder arm?

Was ist Verkehr?

Und neben all den heftigen Emotionen, die ihn immer noch oft schütteln, ist er doch die meiste Zeit ein wahnsinnig glücklicher, aufgeweckter Junge.

Er ist offen und freundlich, erzählt jedem was ihn so beschäftigt, wenn er erst mal Vertrauen hat. Er sucht sich hier in Südafrika überall Freunde, spielt sofort los, sobald ein Junge in sein Schema passt. Jungs! Mädchen sind gerade gar nicht angesagt und werden richtig gemobbt. Mein Mama-Herz blutet, wenn ich sehe, wie er Anschluss sucht, und ihn manchmal nicht gleich findet. Meistens aber doch: “Ich habe einen Freund gefunden!”. Oder wenn er zuckersüße Mädchen unterdrückt und so gemein zu ihnen ist. Ich weiß, dass das Erfahrungen sind, die wichtig sind, dass mein Mahnen, Erklären und Trösten wenig bringt, aber es ist nicht leicht.

Roboter und so…

Gerade beschäftigen ihn vor allem Roboter. Und die Guten, die Bösen, Spiderman und “Star Wurs”. “Dar Wäida”. Er rebelliert auch in Sachen Spielzeug. Er weiß, dass Mama das nicht mag, das mit dem Jungs- und dem Mädchenzeug und das mit den Schwertern und Pistolen (das Verb dazu heißt übrigens “pistolen” – der Polizist pistolt!). Aber mit diesen Waffen, auch wenn sie nur imaginär sind, kann man sich eben stärker fühlen, und gerade wurmt es ihn schrecklich, dass er zwar schon so groß ist, aber Mama und Papa eben doch immer das Sagen haben. “Wenigstens habe ich mehr Knochen als ihr!” sagt er oft, sein letzter Trumpf!

Ich musste lachen, als ich vorgestern nacht seine kleinen Geburtstagsgeschenke eingepackt habe. Star Wars Kram und Lego. Vor ein paar Monaten habe ich noch geschworen, ich kaufe ihm so einen Schrott nicht – und jetzt? “Mama, ich wünsche mir auch ein bisschen Schrott zum Geburtstag! Biiieeettteee!”, hat er gesagt. Nun gut. Unser Motto ist oft “Choose your battles”, diesen haben wir verloren. Seis drum.

Und sonst? Er kann bis 30 zählen (17 wird immer ausgelassen), auf englisch bis zehn und “Thank you so much” sagen. Außerdem “My name is Xavier” und er sagt nicht mehr Ja und Nein, nur noch Yes und No. Er zieht sich jeden Morgen selbstständig an und wenn das T-Shirt falschrum ist, will er es so lassen. Er sagt, er mag das, wenn er den ganzen Tag darauf angesprochen wird. Dass die T-Shirts immer dreckig sind, stört ihn übrigens auch nicht: “Aber Mama, das kann man doch waschen!”

Ach Xaver, wir lieben dich über alles. Du bist der stärkste, schlauste, charmanteste und offenste kleine Kerl, den ich kenne. Und der hübscheste noch dazu! Und der lustigste! Vorgestern hast du schmunzelnd im Auto zu mir gesagt: “Schau nicht so, Mama, sonst bekommst du das auf der Stirn, was Papa hat!”

Geburtstag in Kapstadt

Gestern haben wir also klein gefeiert. Eine Pool-Party, und das im März. Das Wetter war traumhaft, es waren nur zwei Kinder da, denn wir haben ja nicht so viele hier und seine neuen Freunde aus der deutschen Kita hier hatten keine Zeit. Aber es war ein voller Erfolg, die Eltern tranken auf der Terrasse Sekt, die Kinder spielten. Eine Piñata war das Highlight des Tages, danach waren die Kids noch vereinter, denn so ein gemeinsam geschlagener Schatz vereint natürlich. Die Brio-Bahn wurde auch noch aufgebaut und ich bin so froh, dass der kleine Mann einen so schönen Tag hatte, und wir auch.

Wir werden aber natürlich in Deutschland noch mal nachfeiern. Xaver macht unser Abenteuer im Großen und Ganzen sehr gut mit, aber er vermisst seine Freunde sehr. Es wird also im April noch mal eine grooooße Party geben!

Auf ins fünfte Lebensjahr, Xaver-Herz. Wir rocken das!

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