Über Geld spricht frau: mit Lena

19. February 2020 | in Gesellschaft | Karriere

In nächsten Teil unserer Serie „Über Geld spricht Frau“ haben wir Lena interviewt. Sie ist 33 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern (4,5 und 2 Jahre). Sie ist Sozialpädagogin, hat einen Bachelor of Arts in Sozialpädagogik und noch einen Master in “Psychosoziale Beratung und Mediation”. Allerdings, so erklärte sie mir, ist es im sozialen Bereich so, dass man mit einem Master nicht mehr verdient – man braucht ihn auch als Qualifikation für die meisten Jobs nicht.

Seit dem Mutterschutz ihres ersten Kindes ist sie in Elternzeit, sie hatte damals einen befristeten Vertrag, der im Mutterschutz ausgelaufen ist. Zwischen den Kindern hat sie nicht gearbeitet. Und auch im Moment arbeitet sie nicht und verdient kein eigenes Geld. Ich mag ihre Geschichte besonders, weil man eben genau hinsehen muss, warum Familien die Entscheidungen treffen, die sie treffen. Ich glaube, viele von uns neigen dazu, vorschnell zu urteilen und zum Beispiel in Lenas Fall zu sagen: warum arbeitet sie nicht? Dabei gibt es immer Gründe – welche, das erzählt Lena am besten selbst. Und auch, wie sie es sich eigentlich wünschen würde!

Hi Lena, erzähl mal: bist du verheiratet und wie sieht deine Einkommenslage aus?

Ja, ich bin verheiratet. Und ich verdiene derzeit kein “eigenes” Geld. Mein Mann verdient 5600 Euro brutto, dazu kommt das Kindergeld für zwei Kinder. Wir haben Netto 4100 Euro als Familie zur Verfügung. Das ist das Einkommen meines Mannes und das Kindergeld.

Wie sah die finanzielle Lage vor den Kindern aus?

Vor den Kindern habe ich im Jugendamt Vollzeit gearbeitet und dort 2800 Euro Brutto verdient. In der Festanstellung hatte ich Steuerklasse I und kurz IV. Netto waren das ca. 1740 Euro. Seit nach dem ersten Jahr Elternzeit bin ich in Steuerklasse 5 und mein Mann in Steuerklasse 3. Macht ja auch am meisten Sinn in unserem System.

Als ich schwanger wurde, hatten wir nur mein Einkommen, mein Mann war noch Student. Zwei Monate vor der Geburt unseres ersten Kindes hat mein Mann seine erste Stelle nach dem Studium angetreten und gleich mehr verdient als ich. 
Zusammen mit dem Elterngeld hatten wir dann also deutlich mehr Geld zur Verfügung als vorher. Das Gehalt meines Mannes ist mit den Jahren und Beförderungen gestiegen.

Wir machen keinen Unterschied, wem das Geld gehört. Es ist unser Geld, ich verfüge darüber frei und nach Gesamtbudget, genau wie mein Mann. Wir haben fixe Kosten in einer Excel-Tabelle aufgeführt, und ich habe sogar mehr “Taschengeld” als mein Mann.

Sind die Kinder in der Betreuung?

Ja, die Große geht in die Kita. Für den Kleinen haben wir derzeit aus gesundheitlichen Gründen den Kitastart um ein Jahr verschoben. Da ich als Sozialpädagogin nur einen Bruchteil dessen verdienen würde, was mein Mann als Ingenieur verdient, bleibe ich weiterhin zuhause.
Unabhängig vom Finanziellen ist das nicht unser Wunschszenario. Ich würde gerne arbeiten, ohne Betreuung des Kleinen hieße das aber, dass mein Mann Stunden reduzieren müsste, damit er ihn auch betreuen kann. Er ist allerdings beruflich auch im Ausland unterwegs, ich hätte in dieser Zeit der Dienstreisen keine Betreuung für den kleinen. Auch finanziell wäre dieses Szenario schwierig, da ich mit einer Teilzeitstelle wahrscheinlich nicht das reinholen kann, was mein Mann mit einer Teilzeitstelle an Einkommen aufgeben würde.

Da sieht man mal wieder, wie sich alles verschiebt, wenn es einem Familienmitglied nicht gut geht… Ist es denn absehbar, dass euer Kleiner im nächsten Jahr in die Betreuung gehen kann? Würdest du dir dann wieder einen Job suchen wollen?

Ja, das stimmt. Da hängt so viel von ab. Wir haben ab August 2020 wieder einen Kita-Platz bekommen und sind sehr froh darüber. Ich möchte auf jeden Fall wieder arbeiten. Es fehlt mir sehr. Ich würde mit dem Einstieg in den Job bis nach der Eingewöhnung warten plus etwas Puffer, um die erste Krankheitswelle aufzufangen.

Ich denke, dass man in deinem Bereich recht leicht wieder einsteigen kann, oder? Wie würdest du dir deine berufliche Zukunft im Idealfall vorstellen?

Ja, gerade ist Fachkräftemangel im Sozialen Bereich. Allerdings bin ich ehrlich: ich würde nicht alles machen. Mein Fachgebiet, in dem ich immer gearbeitet habe, ist die Arbeit mit Kindern und Familien. Und auch In diesem Bereich möchte ich nicht alles machen. Zum Beispiel Schichtdienst. Ich hoffe trotzdem, dass ich eine Stelle finde. Ich bin gut ausgebildet und habe natürlich den Vorteil, dass meine persönliche Entwicklung und meine Erfahrungen als Mutter mir auch im professionellen Kontext sehr weiterhelfen.
Im Idealfall hätte ich gerne eine Teilzeitstelle mit 20-30 Stunden.

Wo wohnt ihr und ist die Betreuungs-Arbeit-Situation dort generell okay?

Wir wohnen in Düsseldorf in einer Wohnung zur Miete. Der Wohnungsmarkt ist auch hier gerade eher angespannt. Eigentlich fehlt uns ein Zimmer, aber für unser Budget finden wir derzeit keine größere Wohnung in unserem Stadtteil.
Auch die Betreuungssituation ist eher angespannt. Man hat Glück, wenn man einen Kitaplatz bekommt. Ich kenne einige Familien, die keinen Platz bekommen haben, obwohl sie einen gesucht haben. Und wenn man zum Beispiel merkt, dass man in der Einrichtung doch nicht so zufrieden ist oder es für das Kind nicht so richtig passt, ist ein Wechsel nicht so einfach möglich, weil es eben kaum Plätze gibt. Als konkretes Beispiel: als wir einen Platz für unsere Tochter gesucht haben, gab es in unserer WunschKita nur 3 Plätze für 300 Interessierte Familien. Jetzt für unseren Sohn haben wir nur einen Platz bekommen, weil er ein Geschwisterkind ist. Kitastart ist nur im August.
Mein Mann pendelt zur Arbeit. Für seinen Bereich gibt es hier in der Stadt eher weniger.

Welche fixen Kosten gehen bei euch monatlich weg?

Von unserem Einkommen gehen ca. 2550 Euro Fixkosten (Miete, Nebenkosten, Strom, Gas, Wasser, Auto, Versicherungen, Kitagebühr) plus Haushaltsgeld (ca.600 Euro) ab. Dann nochmal fixe Beträge für Rücklagen und Urlaub.

Was macht ihr in Sachen Altersvorsorge, machst du dir Gedanken, wovon du im Alter leben möchtest?

Wir sparen jeden Monat einen bestimmten Betrag: für uns und für die Kinder. Wir haben ein Tagesgeldkonto, auf das wir das Geld überweisen. In den letzten 4,5 Jahren sind unsere Reserven allerdings echt zusammengeschmolzen. Ich musste mein Bafög abbezahlen und wir brauchten ein Auto. Wir sparen also gerade erst wieder die 3 Monatsgehälter Notgroschen zusammen. Und derzeit jeden Monat 50 Euro pro Kind. Ich habe auch noch eine Lebensversicherung, die ich mit 17 abgeschlossen habe. Das ist bisher alles – und das ist definitiv zu wenig. Mein Mann hat gar keine Lebensversicherung oder anderes Vermögen.

Werdet ihr erben oder habt ihr sonst noch Rücklagen?

Nein, wir werden nicht erben und haben bisher auch keine anderen Rücklagen.

Macht dir das manchmal Sorgen, dass du im Moment so finanziell abhängig bist und dass ihr noch nicht viel getan habt in Sachen Altersvorsorge?

Ich fühle mich nicht finanziell abhängig. Aber ich bin das natürlich. Ich sehe es aber so: wenn ich nicht zuhause bleiben würde, um die Care Arbeit zu verrichten, dann könnte mein Mann nicht arbeiten gehen. Zumindest nicht in diesem Maße. Wir sind also voneinander abhängig.
Die Altersvorsorge macht mir schon Sorgen, wobei ich denke, dass wir mit 33 und 30 Jahren auch noch relativ jung sind und es noch nicht zu spät ist. Wenn wir den oben erwähnten Notgroschen von 3 Nettogehältern zusammen haben, wollen wir einen bestimmten Betrag monatlich in ETFs investieren. Und mal einen Termin mit einer unabhängigen, beratenden Person ausmachen und uns Tipps holen.

Was würdest du dir vom System anders wünschen?

Ich würde mir einige Dinge vom System wünschen.
Zum einen eine gerechte Vergütung für soziale (und andere) Berufe. Als ich eben oben aufgeschrieben habe, was ich in meinem Beruf verdient habe, bin ich wirklich sauer geworden.

Dann sollte die unbezahlte Care-Arbeit viel mehr wertgeschätzt werden. Nur weil ich zuhause bin mit den Kindern kann mein Mann auch mal spontan nächste Woche eine 8-tägige Geschäftsreise machen. Wenn ich wieder arbeiten gehe, dann geht das so kurzfristig nicht mehr. Und das muss doch auch finanziell oder rententechnisch irgendwie entlohnt werden.

Und ich denke, dass die Betreuungssituation in den Einrichtungen für Kinder verbessert werden muss. Und zwar qualitativ. Der Betreuungsschlüssel muss besser werden (hier ist es derzeit eine Fachkraft auf 12 Kinder ab 3 Jahren), und die Ausbildung muss verbessert werden. Wo wir wieder bei der Bezahlung wären. Wer möchte denn für so wenig Geld eine so wichtige, verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit machen?

Wir für uns als Familie hätten anders entschieden, wenn wir nicht nach finanziellen Aspekten hätten entscheiden müssen. Dann würden mein Mann und ich beide Teilzeit arbeiten und uns die Kinderbetreuung gerechter aufteilen. Und ich weiß natürlich, dass das bei uns eine sehr privilegierte Aufteilung ist und bei anderen Familien alle arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Deshalb würde ich mir für alle Familien wünschen, dass sie finanziell unabhängig für sich als Familie entscheiden können, wie und wann sie wieder arbeiten gehen möchten.

Danke für deine Offenheit!

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