Tiere essen und so weiter – wie mein Kind meine Ernährung beeinflusst

11. April 2014 | in Food & Beauty

TiereessenEines gleich zu Beginn: ich halte mich nicht für einen Gutmenschen. Ich versuche mein Bestes, aber ich kaufe nicht immer alles fair trade, habe ziemlich viel Zara und H&M im Schrank. Ich bin keine 100% Bio-Mama. Obwohl – Letzteres vielleicht doch? Zum Geburtstag bekam ich “Tiere essen”, das Buch von Jonathan Safran Foer geschenkt (praktischerweise in Pocket-Format). Der Kommentar meiner Freundin: “es geht darum, wie man übers Essen nachdenkt, wenn man Kinder hat.” Ich, damals noch vollstillend, konnte mir zunächst nichts darunter vorstellen.

“Tiere essen”

Nach zwei Kapiteln habe ich das Buch dann erstmal wieder weg gelegt, denn ich merkte, dass es mir zu viel war. Dass ich mein Leben ändern müsste, wenn ich mir das alles zu Herzen nehmen würde. Man müsste Veganer werden! Bis dahin fuhr ich mit meiner “Flexitarier-Attitüde” ganz gut. Ich aß wenig Fleisch, und fast nur Bio-Fleisch. Jetzt habe ich das Buch doch noch durchgelesen, mir viele Gedanken gemacht, mein Essverhalten kaum verändert – aber ich gehe jetzt viel bewusster mit dem Thema um. Jedoch: das Buch war es wohl nicht, es war mein Sohn! Schon während der Schwangerschaft und Stillzeit habe ich (teils unbewusst) sehr darauf geachtet, was ich (und damit ja auch Xaver) esse. Und jetzt wo er selbst normal isst, ernähre ich mich noch viel gesünder, ich achte auf Regelmäßigkeit und Frische. Und beim Fleisch bin ich immer noch sehr streng.

Kindern, oder halt – Babies! Industrie-Fleisch zu geben, finde ich sogar fast fahrlässig. Was da drin ist – Medikamente, Anibiotika, Hormone, genverändertes Soja-Futter. Und von den Zuständen, in denen die Tiere ihr kurzes Leben verbringen und wie sie geschlachtet werden – davon ganz zu schweigen. Mich hat spätestens eine Dokumentation auf Arte (die es immer noch auf YouTube gibt – ein MUST WATCH!) dazu gebracht, “normales” Fleisch aus dem Supermarkt nicht mehr zu kaufen. Ab und an leisten wir uns ein Bio-Huhn, und wir bestellen alle zwei Monate bei einem Demeter-Hof außerhalb Berlins Rindfleisch. Und wenn es wirklich mal Wiener oder Wurst sein sollen – dann bitte wenigstens aus dem Bioladen. Xaver ist übrigens (zum Glück?) bislang eh kein großer Fleisch-Fan.

Xavers Einfluss

Wo wir wieder bei Xaver wären. Ich hatte mir gewünscht, dass er mit einem Jahr ganz normal mitessen kann. Dank früher Einführung von richtigem Essen (zusätzlich zum Brei), sind wir jetzt schon fast so weit. Natürlich gibt es immer noch Gerichte, die nichts für ihn sind (Salat zum Beispiel). Aber er ist ein begeisterter Esser und liebt sogar stark Gewürztes und Scharfes. Und ich koche zwar immer noch nicht gerne, aber ich achte sehr darauf, wie ausgewogen und frisch es ist.

Heute gab es Petersilienwurzel-Kartoffelgemüse, dazu ein Spiegelei, Blattspinat und etwas Frischkäse. Hätte ich mir früher vermutlich nicht gekocht, ging aber schnell und war bei Xaver ein voller Erfolg. Solche einfachen Gerichte gibt es bei mir oft (Papa kocht besser und aufwändiger…) und mit Xaver zu Abend zu Essen macht richtig Spaß – von Terror-Tagen, an denen nur mit dem Essen rumgeworfen wird, mal abgesehen. Ich bin froh, dass wir eine Kita gefunden haben, in der es vegetarisches und fast nur Bio-Essen gibt. Ich will Xaver kein Fleisch vorenthalten, aber ich will wissen, woher es kommt. Von mir aus kann er als Teenager dann auch zu Burger King gehen, aber solange er noch mitten in der Entwicklung steckt, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Chemie-Medikamente-Hormon-Bombe, die er mit Industrie-Fleisch mitgeliefert bekäme, gut für ihn ist. Und wer jetzt sagt, “aber Kinder brauchen Fleisch, um sich zu entwickeln!”: Erstens gibt es ja auch ab und zu welches bei uns, und zweitens glaube ich das nicht. Wir Deutschen essen viel zu viel Fleisch, das ist eher das Problem. Die Massen, die produziert werden, und die mickrigen Preise, die man dafür beim Discounter zahlt, verursachen bei mir Gänsehaut. Bei uns zuhause gibt es außerdem neben viel Gemüse oft Hülsenfrüchte, Hirse, Eier, Milch und Käse (ich weiß, auch hier ist man mit Bio nicht immer auf der sicheren Seite, aber wie gesagt, ich tue mein Bestes!), und ich wüsste nicht, was im Fleisch so Tolles drin sein sollte, was unser Speiseplan nicht abdeckt.

Prägung fürs Leben!

Während der Buch-Lektüre dachte ich auch oft darüber nach, wie mein eigenes Essverhalten geprägt wurde. Meine Mutter war Bio-Pionierin, sie kaufte schon in den 80ern nur Demeter-Qualität und hat zeitweise Sprossen angebaut und uns nur mit Dinkel und Grünkern ernährt. Das alles führte bei mir spätestens im Teenager-Alter zu einer absoluten Anti-Haltung. Ich ging heimlich zu McDonalds und aß bei Freunden die Milchschnitten weg. Ich fand es also eigentlich immer doof, dass meine Mutter mich so ernährt hat. Bis vor ein paar Jahren. Bis mir nach Jahren des nur Auswärts- und Mist-Essens klar wurde, dass meine Mutter mich doch tiefgehend und nur positiv beeinflusst hat. Sie hat mir eine Grund-Aufmerksamkeit für das “Woher” und “Wie” beim Essen mitgegeben. Bei uns gab es immer zu jedem Essen Salat und ich bin auch heute noch ein absoluter Salat- und Frische-Junkie. Fleisch spielte keine große Rolle, deshalb tut es das auch heute nicht. Fertigsoßen, oder -gerichte kamen nie auf den Tisch (jetzt nur in Bio-Qualität – haha! Wie gesagt, ich bin keine 100% Vorbild-Mama). Aber ein ZU gesund gibt es doch eigentlich nicht, oder?

Ich mache das mit dem Essen nicht krampfig, natürlich habe ich auch mal ein Gläschen gekauft, wir essen auch mal Pizza und alle paar Wochen erwischt uns die Currywurst am Mehringdamm oder ein Lahmacun beim Türken. Aber so eine prinzipielle Aufmerksamkeit in Sachen Essen, ein gewisses Bewusstsein. Das hoffe ich, kann ich Xaver mitgeben. Denn das Essverhalten ist einer der wenigen Bereiche, in denen die Kids voll auf uns zählen müssen. Alles was sie über Essen lernen, bekommen sie durch ihre Eltern. Das, was wir ihnen weitergeben, wird sie ihr ganzes Leben lang prägen. Dieser Verantwortung bin ich mir immer mehr bewusst, und ich versuche, das Beste daraus zu machen.

Ach ja, wie bekomme ich jetzt wieder den Twist zum Buch? Also genau um diese Verantwortung geht es auch bei Jonathan Safran Foer. Ich kann “Tiere essen” wärmstens empfehlen! Man muss ja nicht gleich eine 180 Grad-Wendung machen, aber sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wo unser Essen und vor allem unser Fleisch herkommt, das tut Jedem gut. Und Eltern ganz besonders.

Ein spätes Danke an Julia also, für das Geschenk! :*

Kommentare