The Business of Being Born – Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt

08. March 2013 | in Schwanger
Screen shot 2013-03-07 at 3.25.57 PM

Werden die Themen Schwangerschaft und Geburt diskutiert, hat man oft das Gefühl, es prallen ganze Ideologien aufeinander.  Es gibt in dieser Zeit gefühlt eine Millionen Entscheidungen, die man treffen muss. Man kann sich noch so sehr informieren und beraten lassen, Hebamme, Frauenärzte, Freunde, Familienmitglieder – jeder hat eine andere Meinung und gut gemeinte Ratschläge. Doch letztendlich muss man diese Entscheidungen ganz persönlich und vielleicht auch intuitiv treffen. Gar nicht so einfach! Will ich eine Hausgeburt oder ins Geburtshaus? In eine Klink für anthroposophische Medizin oder ins Krankenhaus? Eine natürliche Geburt (was genau heißt das eigentlich?), eine PDA, eine Walking PDA oder einen Kaiserschnitt? Eine Entwicklung, die sich gerade in Industrieländern immer mehr zeigt, ist die Zunahme von Kaiserschnittgeburten.

Hier zu eine kleine Statistik aus der brandeins Ausgabe Februar 2013:

Anteil Neugeborener, die 1995 in Deutschland durch Kaiserschnitt zu Welt kamen, in Prozent: 18
Anteil Neugeborener, die 2010 in Deutschland durch Kaiserschnitt zu Welt kamen, in Prozent: 31,9
Durchschnittliche Kosten einer natürlichen Geburt, in Euro : 1500
Durchschnittliche Kosten eines Kaiserschnitts, in Euro: 3000

Diese Zunahme hat sicherlich auch mit der Verbesserung der Kaiserschnitttechnik zu tun. Wenn er medizinisch notwenig ist, ist der Kaiserschnitt ein Segen für Mutter und Kind. In den USA und in Ländern wie Brasilien scheint eine Kaiserschnittgeburt aber manchmal auch eine Lifestyle-Entscheidung zu sein. Wie im Film beschrieben, wird dieser Termin dann einfach mal zwischen Pediküre und Maniküre gelegt. Oder er passt besser in den Ablauf einer Klink  bzw. zu den Arbeitszeiten des Arztes.

Die Dokumentation “The Business of Being Born” beschäftigt sich mit den amerikanischen Verhältnissen (die übrigens eine der höchsten Kaiserschnittraten in den Industriestaaten haben und gleichzeitig die zweit höchste Sterblichkeitsrate von Mutter und Kind).  Sie zeigt, wie das Kinderbekommen kommerzialisiert wird und wie ein natürlicher Vorgang über die Jahre hinweg zu einem ärztlichen Eingriff wurde. Sicherlich ist die Dokumentation pro Hausgeburt und pro natürliche Geburt. Sie zeigt aber auch auf, dass die Idee, die Geburt als natürliche Herausforderung zu sehen, stärkend wirken kann. Ganz nach dem Motto: “Wenn ich das geschafft habe, schaffe ich alles.” Wie wir finden, eine schöne und sinnvoll klingende Herangehensweise, die sicherlich im weiteren Leben mit dem Kind hilfreich sein kann. Außerdem scheint die Tatsache, dass man sein Kind selbst aus eigener Kraft auf die Welt bringt, nicht nur wichtig für die Bindung von Mutter und Kind zu sein, sondern auch ein bedeutungsvoller Bestandteil des Frau-Seins.

Die WHO empfiehlt eine Kaiserschnittrate von 10- 15 % (siehe Empfehlungen zur natürlichen Geburt der WHO). Mancher Orts, vor allem in den neuen Bundesländern, liegt sie allerdings bei 30 %. Eine gute Übersicht zum Pro und Kontra findet ihr in diesem Zeit-Artikel zur Debatte über den Kaiserschnitt in Deutschland. Ein Zitat hat sich besonders eingeprägt:

“Schwangere wünschen sich einen Kaiserschnitt in erster Linie aus Angst vor den Schmerzen und dem Kontrollverlust während der Geburt. So kann der Wunschkaiserschnitt als logische Folge einer Gesellschaft gesehen werden, in der sich (fast) alles kontrollieren lässt.”

Weitere Informationen zum Thema findet ihr bei Spiegel Online (Kaiserschnitte: Wohnort entscheidet über Geburtsverfahren), bei sueddeutsche.de (“Raubrittertum” im Kreißsaal) und bei focus.de (kritischer Trend zum Kaiserschnitt).

Der Film “The Business of Being Born” ist als Download hier erhältlich (runterscrollen, dann mittig, unten). Auch die Teaser und die Website geben einen guten Überblick und machen unserer Meinung nach Lust auf eine natürliche Geburt! Hier der Trailer zur Doku:

Kommentare