Teneriffa – Babymoon im Rentnerparadies

24. February 2016 | in Travel

Nun ist er also leider schon wieder vorbei, der letzte Urlaub zu dritt. Und tatsächlich hat es uns – die Abenteurer-Familie, die gerne mit dem Rucksack oder Camper verreist und im Winter eher Ziele wie Indien oder Thailand anpeilt – dieses Mal auf die Kanaren verschlagen. Nach Teneriffa auch noch. Wie spießig! Wie kam es denn dazu?

Pragmatismus siegte

Es waren ganz pragmatische Gründe: wir brauchen im Februar immer Sonne, um den Winter-Blues zu bekämpfen, ich fühlte mich aber schon zu schwanger für einen richtig langen Flug und eine anstrengende Reise. Eigentlich hatten wir mit den USA geliebäugelt – wir waren 2011 noch ohne Xaver auf einem Roadtrip durch Kalifornien, Nevada und Arizona gewesen und wollten das schon lange mal wieder machen… Aber ich traute es mir einfach nicht mehr zu: der lange Flug, die vielen Autofahrten, der Jet Lag. Ich neige ohnehin eher dazu, mich zu übernehmen, also entschied ich: die Signale sollte ich ernst nehmen. Und die Kanaren liegen nahe, wenn man Wärme und Bequemlichkeit im Februar will, und eine nicht zu lange Flugzeit.

Lanzarote, La Gomera oder La Palma gefielen uns eigentlich besser, aber hier war die Anreise kompliziert und teuer. Nach Teneriffa gab es sehr günstige Direktflüge und wir dachten: why not!

FeWo-direkt – ein Erfolg!

Die Flüge wurden also gebucht, eine schöne Unterkunft haben wir dann über FeWo-direkt gefunden, ein Portal auf dem man sehr unkompliziert sehr schöne Familiendomizile buchen kann. Das Prozedere läuft hier etwas anders ab als bei den einschlägigen Ferienwohnung-Anbietern, man kommuniziert nur direkt mit dem Vermieter, auch die Zahlung läuft direkt mit diesem ab  (hier also alles vorher klären, vor allem die Zahlungsmodalitäten, unser Vermieter war zum Glück sehr unkompliziert!).

Für Teneriffa braucht man außerdem unbedingt einen Mietwagen, die Insel ist groß und facettenreich und man muss oft dem schönen Wetter hinterherfahren. Zumindest ging es uns so. Und es empfiehlt sich, nicht die kleinste und einfachste Klasse zu nehmen, denn man muss ständig viele Höhen bewältigen, da macht ein kleiner Fiat gerne mal nicht mehr mit!

Unsere Unterkunft war wirklich ein Träumchen. Casa Agueda: Genauso schön wie auf den Bildern! Ein altes Steinhaus, mit viel Geschmack modernisiert, große Fenster, direkt an einer Bananenplantage gelegen (Das Fenster sah aus wie eine Poster-Tapete!!), mit Meerblick und Meeresrauschen nachts. Zwei große Terrassen rundeten das Ganze ab, die Küche war schön, modern und sehr gut ausgestattet, das Gleiche gilt für die Bäder. Überhaupt war für alles gesorgt: ausreichend Bettwäsche, es gab eine Spülmaschine und eine Waschmaschine. Besonders gut kamen außerdem die dekorativen Holzklötze an, mit denen Xaver ICE, Baustelle und Feuerwehr spielte. Ein großer Dank geht hier also noch mal an Jorge und FeWo-direkt raus, es war toll!

Einzig: die Unterkunft ist wohl eher für Kids ab drei, oder für sehr gute Treppensteiger, denn der Wohn- und Schlafbereich und der Küchenbereich sind durch eine Treppe getrennt. Xaver ist mittlerweile ein fleißiger Treppensteiger, deshalb ging das gut, aber ich glaube noch vor einem Jahr hätte es anstrengend werden können.

Wir wohnten am Fuße eines kleinen Fischerdorfes, wunderschöne Spaziergänge konnte man direkt vor der Tür starten und unten am Wasser gab es mehrere richtig gute Restaurants. Das Meer dort war wild, Atlantik eben: hohe Wellen, dramatische Ansichten, wunderschön – aber nix zum Baden. Trotzdem waren wir super happy mit unserer Location. Sie hatte nur einen Haken: in der Mitte der Insel prangt ein riesengroßer Vulkan, der Teide, eine bergige Landschaft trennt den Norden vom Süden der Insel. Und: Im Norden ist es zwar viel schöner, grüner, ursprünglicher – aber das schlechte Wetter bleibt gerne mal hängen, es ist immer ein paar Grad kühler als auf der Südseite, die als ziemlich sonnensicher gilt. So war es auch bei uns, an mehreren Tagen zog es schon früh am Tag zu und wenn wir Lust auf Strand hatten, mussten wir auf die andere Seite fahren.

Las Teresitas ist ein langer, aufgeschütteter, heller (die ursprünglichen Strände sind schwarz!) Sandstrand in der Nähe der Hauptstadt Santa Cruz, den wir gut erreichen konnten und der eigentlich ganz hübsch war. Nichts gegen die Strände auf Formentera, aber wir fühlten uns wohl. Nach ein paar Tagen aber zog aber ein Unwetter über die Insel, auch die Gegend um Santa Cruz war jetzt windig (SEHR windig) und kühl, also sahen wir uns auch mal den „anderen“ Süden an, die Strände rund um Los Cristianos und El Duque. Sie sind der Grund, warum Teneriffa so als Hotelburgen- und Renterinsel verrufen ist. Es ist dort immer warm, es gibt recht schöne Strände, aber – schön ist anders. Ich war fast noch nie in so vielen artifiziellen Hotelburgen gefangen, der Blick auf die Millionen von gleich aussehenden Hotels, die bis in die obersten Ebenen der Berge gebaut waren, war wirklich furchterregend und machte das Stranderlebnis doch etwas weniger schön… Dazu – yep! – richtig richtig viele Senioren, meistens unterwegs mit ihrem Rollator. Es waren so wenig junge Leute und Familien unterwegs, dass wir uns manchmal richtig komisch vorkamen.

Wildes Wetter…

Neben diesen Extremen gibt es auch noch die Strände Medano und La Tejita, die bei Surfern beliebt und richtig schön sind, hier war es aber als wir da waren SO windig, dass wir eigentlich auch nicht wirklich bleiben wollten. Im Großen und Ganzen ist es uns zwar jeden Tag gelungen, dem schönen Wetter hinterherzufahren – wir hatten immer um die 20 Grad, dennoch war ich mir nicht darüber im Klaren, wie EXTREM das Wetter auf dieser Insel sein kann. Wir hatten alles: von brütender Hitze bis Sandsturm, Monsun-artige Regengüsse, Hagel und am Ende sogar Schnee in den Höhen. Verrückt!

Fazit also: Für einen reinen Strandurlaub ist Teneriffa nur bedingt etwas. Entweder man ist wind-unempfindlich, hat sehr Glück mit dem Wetter oder man stört sich nicht an den Hotelburgen!

…und dann doch kein Strandurlaub!

Tja und eigentlich wollte ich ja genau das machen: Strandurlaub. Nachdem die Umstände aber so waren, wie sie waren, entschieden wir, viel von der Insel zu sehen – eine gute Entscheidung, sie hat Einiges zu bieten: einen wilden, fast tropischen und wunderschönen Lorbeerwald (unbedingt wetterfeste und warme Kleidung bedenken!), einen Vulkan, von dessen Gipfel man eine Wahnsinnsaussicht hat. Überhaupt sind die Landschaften oft dramatisch, für Bergsteiger ein Traum! Es gibt außerdem den schönsten Zoo, in dem ich je war: Loro Parque – ein riesiges und tolles Areal mit sehr gut gepflegten und glücklich wirkenden wunderschönen Tieren, und sogar mit Orca-, Delfin-, und Seelöwen-Show. Der Eintritt ist teuer aber es hat sich gelohnt, für Xaver war das wohl der schönste Tag der Reise.

Tenerife_06

Überhaupt Xaver: was war der glücklich. Er hat sich mal wieder als bester Reisepartner bewiesen. Während die Flüge für mich unbequem waren (Thrombose-Strümpfe und es sind halt doch fünfeinhalb Stunden….), hat er seinem Ruf als Vielflieger alle Ehre gemacht, aus dem Fenster geschaut, gespielt, gegessen, geschlafen. Als würde er nie etwas anderes machen! Ich denke, dass wir schon so früh und so viel mit ihm geflogen sind, zahlt sich jetzt wirklich aus. Er war mit Abstand das entspannteste Kind im Flieger und das will bei Xaver mit seinem Temperament was heißen! Auch die langen und teilweise sehr steilen  und kurvigen Autofahrten hat er wunderbar mitgemacht, außer dass er sich zwei Mal übergeben musste. Ja, so schlimm war es! Er nahm es tapfer und reagierte zum Glück nicht mit einer allgemeinen Abneigung gegen Autofahren (und wir hatten ja Gott sei Dank eine Waschmaschine!!).  Auch mir war oft kotzübel, dennoch waren es am Ende gerade die vielen Eindrücke und Erlebnisse, die wir dank der Fahrerei hatten, die den Urlaub doch wirklich einzigartig gemacht haben. Was als entspannter Sonnenurlaub geplant war, wurde zu einer Abenteuer-Reise mit vielen tollen Erlebnissen, die uns als Familie noch mal richtig zusammengeschweißt haben.

Ein letztes Mal zu dritt

Ach und unser Xaver. Es war so schön, noch mal so eng mit ihm zu sein, bevor im Mai alles anders werden wird. Der kleine Mann genoss es auch sichtlich, so intensiv und viel mit Papa und Mama zusammen zu sein. Er war wirklich eine Wonne, hatte kaum Wutanfälle, fast nur gute Laune, hat sich gut im Restaurant benommen, Muscheln, Oktopus und viel Knoblauch gegessen, alles aufgesaugt und am Ende gesagt: “wann fahren wir wieder in den Urlaub?” Er, der sonst schon so selbstständig ist, war unheimlich anhänglich die ganze Zeit über, aber auch wahnsinnig niedlich.

Neben all den Eindrücken nehme ich vor allem das mit aus diesem Urlaub: die Erkenntnis und die große Freude darüber, dass wir tatsächlich einen kleinen Reise-Fan erzogen haben, dass es so schön und gut für uns als Eltern ist, diese Erlebnisse mit unserem Nachwuchs zu teilen und dass ich einfach nur hoffe, dass wir unsere Liebe für das Reisen auch zu viert noch weiter so ausleben können. Hoffentlich macht das Mädchen mit!

Wart ihr schon mal auf Teneriffa? Wie fandet ihr es?

Hier noch ein paar Impressionen:

Kommentare