Superwoman ist erschöpft

11. September 2013 | in Gesellschaft
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Eigentlich war für heute ein anderer Beitrag geplant. Ich habe aber vor Kurzem einen Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit entdeckt, über den ich doch noch etwas loswerden muss und den ich als absolut lesenswert empfinde. In den deutschen Medien wird über die französischen Verhältnisse des Öfteren positiv berichtet und auch wir haben das getan (wenn auch hinterfragt):  In Frankreich gibt es für alle Frühbetreuung, viele Frauen gehen drei Monate nach der Geburt wieder voll arbeiten und Kinder und Karriere schließen sich nicht aus. So wird auch die wesentlich höhere Geburtenrate erklärt (Frankreich 2,1, Deutschland 1,4): Es sei einfach attraktiver Kinder zu bekommen, weil man sein Leben (Beruf, Hobby) nicht aufgeben müsse.

„Die französische Frau als Heldin, die Beziehung, Kinder und Beruf problemlos unter einen Hut bekommt. Die Frau als Superwoman.“ (Zeit 37/2012) Das Superwoman aber am Rande der Erschöpfung lebt und die Bindung zu den eigenen Kindern stark leidet, darüber wird selten berichtet. Die Zeit tut dies im Artikel „Liebe auf Distanz“: Eine frühe Trennung von Eltern und Kind wird in Frankreich als wichtig für die spätere Selbstständigkeit erachtet. Dass eine gesunde Bindung und Selbstständigkeit sich aber nicht ausschließen, sondern sogar bedingen ist eher weniger verbreitet. Oft verbringen Kinder mehr als neun Stunden pro Tag ohne ihre Eltern und ‚die Zeit’ deutet um „Sie (die Franzosen) bekommen viele Kinder, weil sie sich nicht um sie kümmern müssen.“

Natürlich ist es ein Problem, dass es in Deutschland die Möglichkeit der Frühbetreuung eigentlich nicht gibt und auch ein (früher) Kindergartenplatz schwer zu bekommen ist. Jede Frau sollte selbst entscheiden können, wie viel und wie lange sie zu Hause bleibt. Ob Rabenmutter oder Übermutter (das gefürchtete französische Bild einer Mutter, die “zu sehr” an ihren Kinder hängt und umgekehrt), gesellschaftliche Stigmatisierungen sind immer fehl am Platz. Aber: Oft sind es wir Frauen selbst, die verurteilen, ist Kinder bekommen und haben ja ein hoch emotionales – und sehr persönliches – Thema, das für die meisten Frauen einen wichtigen Teil ihrer weiblichen Identität ausmacht. Also sollten wir aufhören mit dem Finger zu zeigen und uns nicht diktieren lassen, was Emanzipation bedeutet. Es gibt die unterschiedlichsten Lebensentwürfe. Eine „freie“ und moderne Frau zu sein: Das muss nicht heißen, schnell wieder in den Beruf einzusteigen oder sich selbstständig zu machen. Das kann es. Es heißt aber vor allem, die Möglichkeiten zu haben, seinen eigenen Weg zu gehen.

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