Start-up Mums: Amber Riedl von Makerist

11. September 2015 | in Gesellschaft | Karriere | Vereinbarkeit

Im dritten Teil unserer Start-up Mums-Serie stellen wir euch Amber Riedl vor. Amber hat zwei Kinder und betreibt das Internetportal Makerist. Im Nachhinein würde sie einige Dinge anders machen und trotzdem ist sie mit ihrer Berufswahl mehr als zufrieden. 

Hallo Amber. Was genau ist Makerist? Und wie groß ist euer Start-up?

Makerist ist die deutschsprachige Homepage zum Thema Handarbeit. Wir produzieren sehr hochwertige Video-Kurse zu den Themen Nähen, Stricken, Häkeln, Patchwork und Tortendekoration, bieten tausende von PDF-Anleitungen und verkaufen das passende Material für neue Projekte. Obendrauf haben wir starke Communitys rund um die einzelnen Hobbys. Folgender Vergleich ist immer hilfreich: Wo Etsy und DaWanda die Plattformen für selbstgemachte Produkte sind, ist Makerist die Plattform für diejenigen, die etwas wirklich selbst anfertigen wollen. Uns gibt es jetzt seit etwas mehr als zwei Jahren und es geht uns gut – unser Team ist schon auf 30 Mitarbeiter gewachsen!

Als Gründerin und Mama bist du viel beschäftigt. Wie teilst du dir die Zeit ein? Gibt es strikte Offline-Zeiten?

Dieses Jahr habe ich mich wirklich diszipliniert, vor allem in Sachen iPhone-Nutzung. Wenn ich die Kinder am Nachmittag abhole, bin ich erst einmal zwei Stunden offline, damit ich wirklich für sie präsent sein kann und etwas von ihnen habe. Denn gehe ich noch mal meine E-Mails an. Was ich auch gelernt habe: Nicht mehr direkt vorm Einschlafen in die Mails zu schauen – da kann niemand abschalten! Meine Wochenenden finden nicht strikt offline statt, denn hier muss viel aufgearbeitet werden. Aber ich arbeite nur dann, wenn die Kinder auch wirklich beschäftigt sind, also sehr konzentriert allein, mit Papa oder miteinander spielen oder einen Trickfilm schauen.

Sind viele deiner Angestellten auch Mütter?

Wir haben fünf Angestellte mit Kindern, drei Mütter und zwei Väter. Auch hier wird flexibel gearbeitet. Aktuell ist einer der Väter in Elternzeit.

Stricken und Häkeln scheint ja schon ein Frauen-Metier zu sein: Nerven dich diese Klischees manchmal? Wie gehst du damit um?

Es gibt durchaus auch Männer, die stricken und häkeln, wie zum Beispiel Lutz Staacke von Maleknitting. Aber schon richtig, Handarbeit ist nach wie vor ein überwiegend weibliches Hobby mit langer Tradition. Das nervt mich allerdings kein bisschen! Ich finde es beispielsweise auch toll, dass immer mehr Frauen neue Geschäftsmodelle aus diesem Hobby entwickeln. Unsere verkaufsstärksten Designer können mittlerweile vierstellige Summen im Monat mit ihren PDF-Anleitungen verdienen. Der ganze Bereich „Selbermachen“ wird gerade neu erfunden und wird ganz neu wert geschätzt.

Die Gründung deines ersten Start-ups, ein Hochzeitsportal, lief zeitgleich mit der Geburt deines ersten Kindes. Wie hast du dich damals organisiert?

Weniger gut! Damals habe ich viel zu Hause gearbeitet, eine Menge Geld für Babysitter ausgegeben und meinen Sohn häufig mit ins Büro gebracht. Ich fing in dieser Zeit an, viel mehr Dinge telefonisch statt per Mail zu klären, weil das der schnellere und direktere Weg ist. Meistens habe ich in den Schlafenszeiten meines Sohnes gearbeitet – das würde ich jetzt nicht mehr so machen. So kommt man selbst nie zur Ruhe, was ja auch wichtig ist.

Makerist betreibst du nun mit einem Partner. Eine bewusste Entscheidung?

Ja! Nach meiner Erfahrung mit 1001hochzeiten habe ich festgestellt, dass das Gründen einer Familie und das Gründen eines Startups zur gleichen Zeit nur mit einem starken Partner gut funktioniert. Wenn einer meiner Söhne plötzlich krank wird oder einen Unfall hat, dann muss ich losrennen. Dass dann jemand im Büro die Stellung halten kann, ist ein super Vorteil.

Welchen Einfluss hatte das Mama-Werden auf deine Karriere?

Ich konnte es mir im Vorhinein gar nicht vorstellen, aber wirklich alles war anders! Die Zeit mit den eigenen Kindern vergeht so schnell und ist so kostbar; man muss sie einfach genießen können. Ich habe bei Makerist die Chance, ein bisschen flexibler zu arbeiten und das schätze ich sehr. Weil die Zeit für Hobbys schwindet, sollte man sich einen Job suchen, dessen Inhalt einen wirklich interessiert. Das macht einiges an fehlender Freizeit wieder wett – und insgesamt glücklicher!

Danke Amber für das schöne Interview!

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