Sorry, Freunde! – Warum Kinder keine Ausrede sein sollten

18. June 2014 | in Alltag | Familie

Vor ein paar Wochen wurde ein Artikel aus der Huffington Post (einer der vielen, die zur Zeit mehr schlecht als recht übersetzt aus der US-Ausgabe nach Deutschland kommen) ziemlich viel geshared. Der Titel: Sorry, Freunde: Warum wir wegen unserer Kinder nichts mehr mit euch zu tun haben. Eigentlich hat es mich überrascht, dass dieser Artikel so viel Anklang gefunden hat.

Die meisten kommentieren so etwas wie: Ja, so ist es! Sicher ist das Ganze auch lustig gemeint, aber die Meisten schienen sich doch wirklich wiederzufinden. Ich dachte: so ist es nicht! So sollte es nicht sein!

Der Kanal zum alten Leben

Denn für mich ist es total wichtig, mich nach wie vor mit Freunden zu treffen und auch und vor allem mit solchen, die keine Kinder haben. Natürlich kann man sich Tag und Nacht über Kinder-Themen unterhalten, man kann auch Tag und Nacht mit Kind verbringen, ich liebe das auch. Dennoch fehlt mir oft der Ausgleich. Und ein Abend ohne Kinder und ohne über sie zu reden, das tut mir gut. Oft nehme ich Xaver auch einfach mit. Meine kinderlosen Freundinnen sind mein Kanal zum „alten Leben“. Denn so sehr ich mein neues Leben liebe, so sehr ich meine Eltern-Freunde und all die tollen Mütter um mich herum liebe, Gespräche über Dates, wilde Nächte, und die neuesten Bars und Restaurants machen mir auch noch Spaß. Und wenn man denkt: aber was soll ich denen denn erzählen? Das geht schon. Man muss sich nur etwas mehr bemühen. Kinder-Themen sind nicht per se nervig oder langweilig für Nicht-Eltern, im Gegenteil.  Mit vielen habe ich aber ein Agreement, dass sie mich stoppen, wenn ich zuviel über Kinderkacke rede, oder wenn die Themen zu intim werden (man kann gewisse Themen als Nicht-Eltern einfach nicht nachvollziehen).

Und was die anderen Gründe betrifft:

Ja, Kinder haben einen Rhythmus. Der Zeitplan und die Bedürfnisse eines Kindes sind wichtig, absolut. Sie sind sogar essentiell, weil Kinder sie ja auch einfordern. Aber was spricht dagegen, diesen Zeitplan und die Bedürfnisse unterwegs einzuhalten bzw. zu erfüllen? Mal auswärts Mittag zu essen? Unterwegs zu wickeln? Xaver macht außerdem sehr gerne seinen Mittagsschlaf im Kinderwagen, und auch abends kann man ihn dort durchaus ab und zu einschlafen lassen. Das machen nicht alle Kinder mit, aber probieren kann man es ja mal.

Ja, Kinder sind auch superzeitintensiv. Abends ist man oft einfach nur noch müde. Kinder haben ist nicht der härteste Job der Welt, aber es ist ein Job, er raubt Nerven und Kraft. An manchen Abenden muss man sich richtig zusammenreissen, um nicht den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren. Ich erinnere mich an so viele Gelegenheiten, wo ich müde, kaputt, lustlos war, aber eben eine Verabredung hatte (Papa, Oma oder ein Babysitter blieben bei Xaver). Jedes Mal war ich so froh, dass ich mich aufgerafft habe! Ein Glas Wein, ein ruhiges Abendessen, ein Sonnenuntergang im Freien, ein gutes Gespräch mit einer Freundin – das sind alles Dinge, die mir mein Kind nicht bieten kann und mich glücklich machen… Das heißt nicht, dass ich jeden Tag ausgehen muss, oder eine Freundin treffen will. Aber ab uns zu tut es gut. Das heißt auch nicht, dass man nicht mal absagen darf, weil man es einfach nicht schafft. Aber dass man gar nie mehr Freunde trifft?

Die meisten Kinder sind flexibel

Kinder gehen früh ins Bett, das stimmt. Und Nicht-Eltern sind sehr schlecht darin, einzuschätzen, wann sie müde sind, das stimmt auch. Aber: siehe oben. Kinder sind auch flexibel. Die meisten sind in der Lage, auch mal woanders als im
eigenen Bett zu schlafen. Und wenn das nicht geht, dann kann man sich tagsüber treffen. Oder Papa, Oma, Babysitter, Freunde (!) bleiben zuhause. Es gibt immer eine Möglichkeit.

Übrigens lade ich meine kinderlosen Freunde auch eiskalt zu Kinder-Parties an. Die finden das so mittel, der Lärm und der Dreck und überhaupt. Aber hey, so ist das Leben (mit Kids)! 😉 Ich bin froh, dass sie überhaupt kommen und am Ende amüsieren wir uns auch immer prächtig. Und zu entspannten Abendessen kommen sie auch gerne. Das ist dann die kinderfreundlichste Version.

Bringt die Kinder mit ist eine Option!

Finde ich wirklich. Klar kann das auch mal total nerven, aber dann geht man eben. Je mehr wir unsere Kinder mitnehmen und sie in unseren Alltag einbauen, umso normaler wird es doch auch, dass sie eben mit dabei sind. Kinder gehören zum Leben und zu einer Gesellschaft dazu. Erwachsene nerven auch! In Berlin gibt es mittlerweile sogar in vielen Hip-Restaurants Wickeltische und Hochstühle. Kinder werden selbstverständlich mitgenommen, zumindest tagsüber. So wünsche ich mir das.

Und wenn es selbstverständlich ist, dass sie mit dabei sind, dann wird die Akeptanz hoffentlich besser. Dann werden auch Kommentare von Nicht-Eltern, wie den, den wir gestern bei Facebook gepostet haben, weniger. Hoffentlich. Anders gesagt: wer seine Kinder immer zuhause versteckt, und die Bedürfnisse der Kinder vorschiebt, wenn es um die eigenen geht, der muss sich nicht wundern, dass so viel gelästert wird.

Außerdem bin ich doch neben Mutter und Bedürfnis-Erfüllerin für mein Kind vor allem eines: Vorbild. Und ich wünsche mir sehr, dass mein Kind mich als ausgeglichene, soziale Person kennenlernt, die Kontakte pflegt, die Sachen unternimmt. Natürlich darf es mich auch mal als müdes, erschöpftes Häufchen auf dem Sofa erleben, aber bitte nicht jeden Tag!

Sozial bleiben ist wichtig

Und auch ich verbringe so gerne Zeit mit meinem Kind. So gerne! Aber mit meinen Freunden verbringe ich auch gerne Zeit. Und sie mit mir. Darüber bin ich froh, denn eine meiner größten Ängste war, dass ich nichts mehr unternehme mit Kind, weil mir die Themen fehlen und ich es zeitlich nicht schaffe. Eigentlich hatte ich Angst, so zu werden, wie die Autorin des Artikels. Kontakte pflegen, ist wichtig. Mit Eltern und mit Nicht-Eltern. Zumindest für mich, aber ich denke, das geht den meisten so.

Die Kinder sind nicht immer klein, das Leben nimmt oft ungeahnte Wendungen. Wenn man sich dann jahrelang nirgends gemeldet hat, und am besten noch Putzen, Kochen und Müdigkeit vorgeschoben hat, dann kann es gut sein, dass man sich an einem bestimmten Punkt alleine fühlt. Trotz Kinder!

PS: Das Foto entstand auf dem Geburtstag einer Bekannten. Ein toller Tag mit Erwachsenen und Kindern, mit Eltern und Nicht-Eltern, mit Musik und Spaß.

PPS: Wenn Eltern sich bewusst dafür entscheiden, auf Tauchstation zu gehen, ist das was anderes. Es sei ihnen vergönnt und manche brauchen das auch. Wer aber damit eigentlich unglücklich ist – es geht anders, auch mit Kindern. Und ich glaube ja fest daran, dass es auch mit mehr als einem Kind geht. Noch… 🙂

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