Sommer ist: da, wo Erinnerungen entstehen

23. July 2020 | in Muttergefühle

Welche Gerüche erinnern dich an deine Kindheit? Kannst du dich an das Gefühl erinnern, das du hattest, wenn du nach einem langen Tag am Wasser, im Auto eingeschlafen bist? Die Freude über den ersten Marienkäfer auf der Hand?

Wir wollten neulich nur mal kurz raus, brauchten einen Tapetenwechsel, ein Corona-Time-Out. Gratis dazu gab’s einen Perspektivenwechsel und jede Menge alter und neuer Erinnerungen.

Es ist der erste Sommer für unseren Sohn Mikkel, den er so richtig miterlebt. Klar, letztes Jahr saß er auch schon im Sand, hat das dänische Meer gesehen und ist auch durch den Garten von Opa und Oma gekrabbelt. Das hat allerdings für mehr schlechte Laune als für Entspannung gesorgt. Aber dieser Sommer ist anders. Auch Mikkel spürt das. Wir spüren das zusammen. Diesen Sommer schaffen wir neue Erinnerungen. Und alte werden reanimiert. Die Rede ist von den vielen kleinen Momente, die in den letzten 20 Erwachsenen-Jahren irgendwie abhanden gekommen sind. Wobei abhanden nicht ganz stimmt, doch zumindest wurden sie teils für selbstverständlich genommen und haben deshalb nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Doch plötzlich sind sie wieder da – die Gerüche, Gefühle und Erinnerungen an nicht enden wollende Sommer und absolute Schwerelosigkeit. Manchmal braucht es anscheinend einen sehr kleinen Menschen an seiner Seite, bei dem Schlendern, Staunen, Entdecken und anders Denken, so selbstverständlich sind, dass man selber wieder zum Kind wird. Und wo geht das besser als im „Sommer-Urlaub“, der eigentlich nur ein „mal kurz rauskommen“ ist und sich dann doch nach so viel mehr anfühlt? Wir entdecken zusammen:

Den frischen Tau unter den nackten Füßen, wenn wir morgens nach dem Aufstehen direkt durch den Garten spazieren. Das gratis Open Air-Konzert aus Vogelgezwitscher, Bienensummen und einem Uhu. Den Geruch von warmen Rhabarbar-Streuseln im Ofen und Bratwürstchen auf dem Grill. Die Freude in Omas Gesicht über den selbstgepflückten Wald-und Wiesenblumenstrauß. Einen Mittagsschlaf unterm Sonnenschirm, während der Wind durch die Bäume rauscht. Ameisen, die versuchen, einen zu großen Brotkrümel zu transportieren. Sand zwischen Fingern und Zehen. Mit nacktem Po im seichten Wasser sitzen. Klebrige Finger vom Eis. Muscheln sammeln. Abendliches Blumengießen mit Opa. Auf dem Nachhauseweg im Auto einschlafen, während der Regen gegen die Scheibe prasselt und Musik im Radio läuft. Die Luft nach einem Sommergewitter. Das Grüßen der Müllmänner, die wir vom Fenster aus beobachten. Erdbeeren mit Eis. Gummistiefel und kurze Hose. Die alten Kinderbücher von Papa aus dem Keller. Oma beim Wäsche aufhängen helfen. Einen neuen Spielplatz erkunden und die große Rutsche alleine schaffen. Die Bienen bei ihrer Arbeit beobachten. Einen großen Bogen um Brennnesseln machen. Die Boote am Hafen zählen. Sich die Pommes von einer Möwe vom Teller klauen lassen. Die erste eigene Gurke ernten. Klebrige Sonnencreme auf der Haut. Das Lachen der anderen Kinder am Strand. Den ersten Regenbogen.

Ich merke, wie wichtig diese simplen und bescheidenen Momente sind, und dass es die ersten Jahre absolut nicht mehr als das braucht. Zusammen erinnern wir uns selber an Geschichten und Urlaube aus der Kindheit und stellen fest, dass uns das jährliche Campen in Holland mehr im Gedächtnis geblieben ist, als die großen Übersee-Reisen. Gerade jetzt, wo Verreisen plötzlich nicht mehr so selbstverständlich ist und wir zwei Mal überlegen, wo es diesen Sommer hingeht, hilft es vielleicht noch mal, ganz tief im Gedächtnis zu kramen und nach den eigenen Kindheitserinnerungen zu fischen. Denn wo der Ort ist, an dem wir Sandburgen bauen, Trampolin springen, unser Eis zum schmelzen bringen und im Handtuch eingewickelt, mit dem Kopf auf dem Schoss einschlafen ist völlig egal – was zählt sind die Momente mit Mama, Papa und auch Opa und Oma oder anderen lieben Menschen.

Vielleicht kann man sich den ganzen Stress um die Urlaubsplanung also getrost sparen, wenn es darum geht, einen Sommer wie damals zu erleben.

Wie schön, dass wir sie jetzt wieder erleben dürfen!

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