Single Mum Serie: Nina B. Fischer, Coach, Beraterin und Mama

12. February 2015 | in Alleinerziehen | Gesellschaft | Karriere

Heute starten wir eine neue Serie! In der “Single-Mum-Serie” wollen wir euch Mamas vorstellen, die ohne Partner sind und ganz schön viel auf dem Kasten haben. Es geht uns darum, allen Alleinerziehenden da draußen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Und natürlich auch darum, ihnen Denk-Anstöße und Inspirationen zu geben. Außerdem werden wir natürlich darüber diskutieren, was an der Stellung von Single Mums verbessert werden könnte.

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Unsere erste Single Mum ist Nina B. Fischer, sie ist eine dieser coolen Mamas in Mitte, die man immer sieht und denkt: Wow! Aber sie sieht nicht nur gut aus, sondern sie ist auch als Coach, Beraterin und Führungskräfte-Trainerin richtig erfolgreich. Selbst ein kurzes Gespräch mit Nina ist weiterführend, da sie in kürzester Zeit Licht ins Dunkle bringt, die Zusammenhänge erfasst und vor allem nicht nur zuhört, sondern auch “Sofortwerkzeuge” mitgibt.
Ihr geht es darum, dass die Menschen Verantwortung für sich übernehmen und wieder handlungsaktiv in ihrer schwierigen Situation werden. Genauso sind auch ihre Vorträge: kurzer theoretischer Input zum Thema, dann die Weitergabe von Werkzeugen.

Sie coacht oberes Management, Vorstände und Privatpersonen darin, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und kreativ weiter wachsen zu können. Ebenso entwirft sie Führungsmethoden, macht Kommunikations- und Konfliktmanagement-Beratung. Nina ist aber nicht nur ein wandelnder Ratgeber, sie ist auch eine alleinerziehende Mutter.

Sohn Len ist mittlerweile 5, seit 3 Jahren leben sein Vater und Nina getrennt. Wie sie sich mit Kind und Ex-Mann organisiert, wie sie es geschafft hat, kurz nach der Trennung ihr Business aufzubauen und was ihrer Meinung nach für Alleinerziehende in Deutschland besser laufen könnte, das erzählte sie uns im Kurz-Interview.

Liebe Nina, erzähl mal kurz, seit wann lebt ihr getrennt und wie organisiert ihr euch seitdem, gab es verschiedene “Phasen”?

Da ich ein Definitionsjunkie bin, habe als erstes die Wortbedeutung des Wortes, “alleinerziehend” nachgeschaut. Laut Definition bin ich dann in der Tat nicht alleinerziehend, da es ja um die ständige Hausgemeinschaft geht. So hätte ich mich aber auch nicht bezeichnet, da der der Vater von Len zu 50% miterzieht und ihn auch zu 50% bei sich hat. Ich würde mich dann vielleicht als “Teilzeit-Mama” bezeichnen! Verschiedene Phasen gab es nicht, wir waren uns da von Anfang an einig, wie wir für Len da sein wollen.

Wie seid ihr zu dieser Lösung gekommen und warum funktioniert sie für euch?

Für uns war diese Lösung von Anfang an klar, da wir beide wissen, wie wichtig es ist, dass ein Kind eben Vater und auch Mutter zu gleichen Teilen in seinem Leben hat. Trennung und der plötzliche Verlust eines Elternteils, kann die Überzeugung verankern, dass man sich im Leben nicht auf Beziehungen verlassen kann. Aus diesem Grund haben wir von Anfang an unsere Emotionen zum Wohl von Len zurückgenommen und sind sehr bewusst mit der Situation umgegangen.

Und wie kommt dein Sohn mit der Situation klar?

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass Trennungen für Kinder nicht schlimm sind und was dann später davon zum Vorschein kommt, das wissen wir nicht. Ich weiß nur, dass wir beide immer das Beste für ihn wollen. Wir haben uns geschworen nie über den anderen schlecht zu reden oder ihn für unsere Bedürfnisse zu instrumentalisieren. Das hat dazu geführt, dass wir in Erziehungsfragen keine Konflikte haben, uns auch immer darüber austauschen und auch knifflige Situationen zusammen besprechen.
Zum heutigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass Len ein glücklicher Junge ist, der zwar ab und an das Thema Trennung anspricht, aber so lange man mit ihm ehrlich und respektvoll darüber redet, ist alles gut. Mir ist wichtig, dass man die Kinder ernst nimmt und ihnen wirklich zuhört.

Fast parallel zur Trennung hast du dich selbstständig gemacht und bist mittlerweile richtig erfolgreich. Wie ging das denn?

Ich habe mich bereits 2009 selbstständig gemacht. Mir fiel das “nur ” zu Hause sein mit Kind nach drei Monaten schwer. Ich habe gemerkt, dass ich genau da war, wo ich nie sein wollte. Wenn mein Ex-Mann nach Hause kam, habe ich nur vom Windelwechseln und von den Erlebnissen mit Len erzählen können. Das hat mir nicht gereicht und so habe ich mich auch nie gesehen. Ich brauchte Inhalte, deshalb habe ich mich einfach in Vorlesungen und Seminare der Uni gesetzt, um wieder Input zu bekommen. Das war eine so tolle Zeit!
Dann habe ich mich an der School of Design Thinking in Potsdam als Coach beworben, dann meine Systemische Management Coach Ausbildung und die Führungskräfte Trainerin Ausbildung gemacht. Sicherlich gab es auch Zeiten, wo ich mit hängender Zunge rumlief und einfach nur kaputt war, weil ich zu viele Jobs auf einmal gemacht habe, aber das ist und war es alles wert.
Heute bin ich immernoch frei an der Uni beschäftigt, aber mein eigenes Business steht für mich im Vordergrund. Das ist sicherlich nicht leicht, wenn man sein Kind um 16:00 Uhr von der Kita abholen will. Dann ist der Arbeitstag absolut vorbei. Das weiß jede Mutter. Keine Emails mehr und keine Anrufe, die beantwortet werden können. So muss ich eben ein strenges Zeitregiment führen und was ich nicht schaffe, muss dann auch mal – in seltenen Fällen – abends passieren.

Wenn man diesen Weg gegangen ist, dann weiß man aber auch genau, wofür. Ich habe mich entschieden, anderen Leuten dabei zu helfen, ihre Potenziale zu entdecken. Ich bin denselben Weg gegangen und wusste bis ich 34 Jahre war nicht, was ich wirklich gut konnte. Ich war bis dahin nicht in der Lage, meine Kompetenzen klar zu benennen und etwas daraus zu bauen. Ich habe mir aber Tools gesucht und sie angewendet, wahnsinnig viel gelesen und in verschiedene Richtungen losgelegt. Man muss dann einfach mal machen und handlungsaktiv werden.

Das wichtigste im Leben ist doch, dass man seine Arbeit liebt. Für mich fühlt sich Arbeit auch nicht wie Arbeit an. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit den Dingen, die mir Spaß machen und mich wachsen lassen. Ich denke, die Authentizität spürt man und deshalb bin ich auch in diesem Job erfolgreich.

Was sind die Vorteile und was die Tücken an “Alleine mit Kind”?

Die Vorteile sind ganz klar, dass ich mich anders fokussieren kann und auch an meinen freien Tagen mich für Weiterarbeiten oder Freizeit entscheiden kann. Die größte Challenge für mich ist, dass ich mir genügend Freiräume behalte und nicht die Freizeit automatisch zur Arbeitszeit wird. Auch wenn ich mit meinem Ex-Mann ein sehr gutes Verhältnis habe, bin ich in meiner Zeit mit Len eben alleine. Da Familie für mich nach wie vor einer der wichtigsten Werte überhaupt ist, strebe ich auch wieder danach, in einer festen Partnerschaft zu leben, dann eben in einer neuen bzw. anderen Konstellation.

Findest du, Alleinerziehende werden vom deutschen System gerecht behandelt? Was könnte besser laufen?

Ich bin nicht so jemand, der auf das System guckt und die Erwartungen an das Außen knüpft. Es ist meine Verantwortung und es bedarf erstmal einer Abstimmung innerhalb der kleinsten Keimzelle – des Paares. Ich glaube hier muss jeder für sich in seiner Beziehung die Vereinbarungen treffen, wie man sich aufteilt und wer welche Bedürfnisse hegt. Es gibt auch Mütter, die erstmal keine Ambitionen haben, zu arbeiten. Das finde ich auch toll und ich glaube auch, dass wenn man die Entscheidung getroffen hat, nur zu Hause zu sein, dann ist auch vieles einfacher und klarer. In dem Moment, wo man beides will, beginnt eben auch die Zerreissprobe. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Aufteilung und das schlechte Gewissen, das mitschwingt, ob man für das Kind und die Arbeit jeweils genug macht. Diesen inneren Konflikt habe ich auch.

Wenn dann in der Beziehung die Aufteilung klar ist, dann würde ich mir selbstverständlich wünschen, dass in den Unternehmen nicht nur ein Umdenken passiert, sondern tatsächlich auch Taten und Umsetzung erfolgen. Das fängt eben bei der ungleichen Verteilung der Gehälter an und hört mit dem der geringen Akzeptanz von Vätern in Elternzeit auf. Das weiß auch jeder und da erzähle ich auch nichts Neues. Wir befinden uns, was die Aufteilung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht, im Mittelalter. Auch hier denke ich, dass es eher unsere Aufgabe ist, Projekte anzustoßen, sich zusammen zu tun und dann mit konkreten Vorschlägen und Initiativen an die Unternehmen und die Regierung heranzutreten. Es gibt viel zu tun…für uns alle!

Danke, Nina!!

Wer sich die Arbeit von Nina B. Fischer näher anschauen möchte, kann das hier tun.

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