Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles – Mental Load erkennen, ansprechen und reduzieren

24. July 2020 | in Alltag | Beziehung
– Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliatelinks –

Ich liebe den Titel von Lauras Buch: “Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“. Denn so ist es doch oft: man wird ein Paar, ist eigentlich gar nicht mal sooo ungleichberechtigt unterwegs und kaum ist das Kind da, macht Mama dann doch alles. Alles, was mit dem Kind zu tun hat, aber eben auch den Haushalt, die Termine, und so weiter. Und das alles wird ja immer mehr, je mehr Kinder dazu kommen und je älter sie werden! Oft sind Mütter nach ein paar Jahren völlig überlastet. Logischerweise! Denn das “immer an alles denken”, das Planen, das Delegieren, ist harte, anstrengende Arbeit.

Wie man diesen “Mental Load” erkennt, ihn mit dem Partner (falls vorhanden…) zusammen bespricht und wie man ihn reduzieren und sich so selbst entlasten kann, darum geht es in Lauras Buch. Und ich habe ihr dazu ein paar Fragen gestellt:

Liebe Laura! Wann hast du das erste Mal von „Mental Load“ gehört und war dir dann gleich klar, dass es auch bei dir DAS ist, was dich so belastet?

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich das erste Mal von Mental Load gehört und habe dann sofort gedacht: „krass, das beschreibt genau mein Problem!“ Die mentale Last entsteht, wenn wir an alle Aufgaben denken müssen, die in einer Familie anfallen, und uns diese Arbeit langsam über den Kopf wächst. Oft hat man das Gefühl, dass es kein anderer tut, wenn es nicht wir sind, die daran denken. Bevor ich das Konzept kennenlernte, habe ich mich einfach die ganze Zeit überlastet gefühlt und das war auch so, als ich in Elternzeit war. Denn zu diesem Zeitpunkt machte ich folgenden Denkfehler: „Ich bin ja nur zuhause und arbeite nicht richtig.“ Dabei arbeitete ich extrem viel: Kinder versorgen, mit ihnen spielen, den Haushalt machen, den ganzen Organisations-Kram erledigen… aber diese Arbeit war unsichtbar, unbezahlt und wird generell nicht besonders wertgeschätzt. Solange man das Kümmern und Organisieren aber nicht als Arbeit anerkennt, ist einem nicht bewusst, dass man erschöpft ist und eigentlich dringend Feierabend bräuchte. Als ich wieder in meinen Beruf als Journalistin und Texterin einstieg, habe ich die Familienorganisation weiterhin übernommen. Dabei kam ich nicht einmal auf die Idee, meinem Mann einen Teil der Denkarbeit abzugeben. Kein Wunder, dass ich so erschöpft war. So wie mir geht es sehr, sehr vielen Frauen.

Was waren deine typischen Mental Load Fallen?

Typisch war, dass ich mir immer zu viele To-dos auf meine Listen geschrieben habe. Ich fühlte mich ja verantwortlich für all die Dinge, die unsere Familie betreffen, angefangen von Kindergartenangelegenheiten über neue Matschhosen kaufen, Arzttermine ausmachen oder die Bücher zur Bücherei zurückbringen. Zusätzlich dachte ich, wenn ich ganz viel selber mache, also den Brei fürs Baby koche, mit den Kindern bastle oder eine Baby-Mütze häkele, dann mache ich meinen Job als Mutter richtig gut. Das war wirklich ein Denkfehler, denn die Liebe zu den Kindern zeigt sich ja nicht in der Menge an Arbeit, Zeit und DIY-Projekten, die man aufwendet. Mittlerweile mache ich solche Projekte nur noch, wenn mir das wirklich gut tut und es mir Freude macht. Ich muss mit dem Selbermachen nichts mehr beweisen – aber dahin muss man ja auch erst einmal kommen!

Außerdem haben mein Mann und ich gemeinsam sehr viele Aufgaben aus unserem Alltag gestrichen. Wir schauen immer, dass die Kinder Hobbys vor Ort haben, damit wir nicht jeden Tag durch die Gegend fahren müssen. Ich habe eine tolle Schwester, die sich um die Kindergeburtstage der Kinder kümmert und mit unseren Nachbaren wechseln wir uns mit den Drogerie-Einkäufen ab.

Wie hast du deinem Partner klar gemacht, was los ist?

Das war gar nicht so leicht, denn wir scheitern oft bereits daran, den Mental Load zu erklären. Übrigens eignet sich dafür der Comic von Emma, oder mein Buch. Mir haben schon viele Frauen geschrieben, dass ihr Mann das Problem durch diese Lektüre endlich verstanden hat. Das Loslassen fällt uns Frauen schwer und wir haben das Gefühl, dass wir unsere Sache nur gut machen, wenn wir uns selber um alles kümmern. Das habe ich versucht, meinem Mann klarzumachen, und auch, dass ich eben als Frau anders sozialisiert wurde als er. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich mir Entlastung wünsche und nicht mehr alleine für die Familienorganisation zuständig sein will. Wir haben da aber mehr als nur ein Gespräch geführt und natürlich auch oft diskutiert. Wichtig ist, dass wir uns in diesen Gesprächen nicht gegenseitig Vorwürfe machen wie „du kümmerst dich um nichts“ oder „du meckerst nur an mir rum“. Es ist zum Beispiel sinnvoll zu erklären, dass es so frustrierend ist, dass die Denkarbeit keiner sieht und man dafür auch zu wenig Wertschätzung bekommt.

Was würdest du Frauen raten, die ihre  mentale Belastung reduzieren wollen? 

Ich würde Frauen zunächst raten, sich bewusst darüber zu werden, warum sie sich immer für alles verantwortlich fühlen und schlecht loslassen können. Das liegt nämlich auch an den Erwartungen von außen. Der zweite Schritt ist, mit dem Partner darüber zu reden. Was bedeutet diese mentale Belastung und warum macht sie uns so müde und kaputt? Im dritten Schritt ist es gut, alle Aufgaben die im Haus anfallen, aufzuschreiben. Dafür habe ich im Rahmen des Buches eine kostenlose Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt, die Steuerboard-Liste.
Die kann man sich kostenlos runterladen und an seine Gegebenheiten anpassen. Der vierte Schritt sieht so aus: Aufgaben möglichst reduzieren und aufteilen. 50:50 ist nicht für alle Eltern eine gute Lösung, in welchem Maße man die Denk- und Organisationsarbeit aufteilt, bleibt jedem Paar selbst überlassen. Als fünften Schritt empfehle ich, sich einmal die Woche zusammenzusetzen und zu schauen, welche Termine anfallen und welche Aufgaben zu erledigen sind. Wer übernimmt was, wer kümmert sich um die Kinder, um das Essen, um die Wäsche oder um andere Termine? Bei so einem Treffen ist es auch sinnvoll, darüber zu sprechen, wie es einem geht, was man sich wünscht und ob man derzeit stark mental überlastet ist. Gemeinsam kann man dann versuchen, Abhilfe zu schaffen.

Wir haben alle seit Jahrhunderten gelernt, dass all das eben Frauen-Aufgabe ist, glauben vielleicht sogar, das sei in den Genen verwurzelt. Was macht das mit unseren Töchtern?

In meinem Buch habe ich beschrieben, wie sich bereits meine kleine Tochter für die Care-Arbeit verantwortlich fühlt. Unbewusst machen wir Mädchen für das Kümmern verantwortlich, in dem wir ihnen, nicht den Jungen, Puppen schenken, oder sie anstelle ihrer Brüder bitten, der Oma eine Karte zu schreiben. Wir erwarten von Mädchen eher, dass sie sich wieder mit ihren FreundInnen vertragen oder andere Kinder trösten. Nebenbei sehen sie, dass es überall Frauen sind, die sich kümmern, wenn vor allem wir Mütter zu Hause die Organisation und die Care-Arbeit machen. Je mehr wir uns die Sorge-Arbeit als Eltern aufteilen, desto offener werden unsere Kinder erzogen und fühlen sich nicht wegen ihres Geschlechts für eine bestimmte Art von Arbeit verantwortlich. Auch Frauen können das Geld für die Familie verdienen und Männer können sich liebevoll um die Kinder kümmern. Das sind doch wunderbare Aussichten für eine echte Wahlfreiheit!

Dennoch stehen wir da ja noch ganz am Anfang.. Was meinst du, wie kommen wir auf lange Frist aus dem Dilemma raus?

Privat können wir schon einiges tun, auch wenn eine große Veränderung logischerweise dauert. Allerdings ist es natürlich auch ein Privileg, zu zweit zu sein, sich die Zeit für die Diskussionen nehmen zu können oder Unterstützung durch das Umfeld zu haben. Darum reicht es nicht, die Revolution zuhause zu starten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Entlastung durch weniger Mental Load sollte allen Menschen durch alle sozialen Schichten möglich sein. Daher müssen wir als ganze Gesellschaft dafür einstehen, Care- und Organisations-Arbeit zu schätzen und sie gleichberechtigter untereinander aufzuteilen. Wir müssen vor allem auch alleinerziehende Eltern unterstützen und uns gegenseitig aushelfen.

Wie geht es DIR heute?

Mir geht es heute viel besser, zum einen weil sich mein Mann und ich die Familien-Organisation aufteilen, zum anderen weil ich gelernt habe, loszulassen. Ich fühle mich nicht mehr für alles verantwortlich, das liegt aber auch daran, dass ich mich lange mit diesem Mutter-Mythos beschäftigt habe. Ich wünsche allen Frauen, dass sie das auch erkennen, dass sie sich auch um sich selbst kümmern und die Organisationsarbeit in der Familie auch mal anderen überlassen dürfen. Das ist ein wichtiger Schritt, den ich im Buch beschrieben habe. Ich hoffe, es hilft Eltern und besonders Frauen, sich von der mentalen Last zu befreien.

Das hoffen wir auch. Danke, Laura!

WIR VERLOSEN HEUTE ZWEI EXEMPLARE VON LAURAS BUCH!

Hinterlasst dafür einfach ein Kommentar hier oder bei Facebook, oder bei Instagram unter dem heutigen Post. Die Gewinner*innen werden per Mail oder DM benachrichtigt. Teilnehmen könnt ihr bis 26.7.2020 um 18 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Kommentare