Meine Beauty Routine: Marlene Sørensen

16. June 2020 | in Food & Beauty
– Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliatelinks –

Marlene ist sicher vielen hier ein Begriff! Für mich zumindest ist sie schon seit Jahren so etwas wie eine wandelnde Stil-Bibel. Zum diesem Thema hat sie zwei Bücher geschrieben (Stilvoll und Woher hat sie das?), auch auf ihrem Blog spruced hält sie uns immer wieder in Sachen “schöne Dinge” auf dem Laufenden. Marlene ist aber noch viel mehr: Journalistin, Mutter eines 6-jährigen Sohnes, eine zauberhafte Seele und: ein absoluter Beauty-Crack. Sie liebt gute Produkte und das “sich um sich selbst kümmern”. Genau darüber habe ich mit ihr gesprochen:

Liebe Marlene, so schön, dass du dabei bist bei unserer Beauty-Serie. Erzähl uns ein bisschen was von dir!

Ich bin Marlene und hätte ich den Fragebogen beantwortet, als ihr ihn mir zuerst geschickt habt, hätte ich schreiben können: Ich bin 40. Inzwischen bin ich 41. Was sich seitdem nicht geändert hat, ist mein Hang dazu, Dinge aufzuschieben.

Ich bin in Stade an der Niederelbe aufgewachsen und nach dem Abitur durch verschiedene Städte getingelt: Boston und London zum Studieren, Hamburg und München für Volontariat und erste Redakteursstellen, bevor ich vor 13 Jahren in Berlin gelandet bin. Das Magazin, für das ich herzog, gab es recht bald nicht mehr. Aber James, mein Mann, der gleichzeitig mit mir hergekommen war, und ich mochten es in Berlin – und so blieben wir. Seitdem wir unseren Sohn Arlo (6) haben, fantasiere ich manchmal von einem Flussgrundstück in meinem Heimatort (Garten! Luft! Großeltern! Erwähnte ich: Garten!), aber meistens fühle ich mich in Berlin ganz gut aufgehoben und angekommen.

Ich mag den Satz „Do what you love and you will never work a day in your life“ nicht besonders, weil darin die Fehlannahme steckt, dass Leidenschaft für einen Beruf die Arbeit ersetzt, aber ein Teil Wahrheit steckt darin und diesen Teil würde ich so ergänzen: „Do what you love and you won’t mind doing the work“. Ich wurde Journalistin, als es gerade noch so eine gute Zeit war, Journalistin zu sein. Seitdem, und das sind jetzt fast 20 Jahre, wird dieser Job mit jedem Jahr eine größere Herausforderung. Und wer weiß, was die aktuelle Krise mit der Branche macht. Aber ich liebe das Erzählen nachwievor und so lange ich es liebe, werde ich hoffentlich ich einen Weg finden, mir die Leidenschaft dafür zu bewahren.

Du probierst immer wieder neue Produkte aus und hast generell sehr viel Interesse an Beauty. Würdest du sagen, dass dir Pflege schon immer wichtig war?

„Oh, wie ich es heute bedauere, dass ich mit sechsundzwanzig ein ganzes Jahr lang keinen Bikini getragen habe! Wenn eine junge Frau das hier liest, sollte sie sich sofort einen Bikini anziehen und nicht mehr ablegen, bis sie vierunddreißig ist“, schrieb Nora Ephron in „Der Hals lügt nie“, eine herausragend schlaue und wärmende Essaysammlung über Alter, Genuss, Verlust, Reue, Eitelkeit. Diese Passage fiel mir sofort ein, als ich eure Frage las, denn bei dem Begriff „Schönheit“ in Bezug auf mich habe ich zwei Gedanken: 1) Im Nachhinein komme ich mir immer schöner vor, als ich mich zu dem bestimmten Zeitpunkt gefühlt habe. 2) Es ist so schade, wie viel Lebenszeit ich bislang damit verbracht habe, mich körperlich ungenügend zu fühlen (und ich schreibe das im vollen Bewusstsein, dass dieser Körper gesund ist und ich keinen Grund zur Beschwerde habe). Diese Selbstzweifel übertönen nicht alles, sie sind eher wie ein leises Hintergrundrauschen: nicht dünn genug, nicht groß genug, nicht hübsch genug. Das Perfide an diesen Gedanken ist nicht nur, wie sie sich auf den Selbstwert auswirken, sondern dass sich die Ziele verändern: Verliert man drei Kilo, sollen noch zwei runter; hat man sich die Zähne aufhellen lassen, könnten sie gerader sein; sind die Pickel weg, stören die Falten. Und, verdammt, die Falten stören mich wirklich. Was sich mit den Jahren verändert hat, ist, dass ich mich dennoch mit größerer Gelassenheit betrachte. Das mag an der gewonnenen Weisheit liegen, ich glaube eher, es liegt daran, dass die Repräsentanz von Körpern, Gesichtern, Hautfarben und Altern heute vielseitiger ist als damals, als ich 13, 14, 15 Jahre alt war und ein erstes Verständnis von Schönheit entwickelte. Heute ist dieses Verständnis, dass „schön“ kein haltbarer Zustand ist. Ich muss mich nicht konstant schön finden – Wäre es nicht furchtbar anstrengend, wenn man es täte? –, aber ich fühle mich gerne gut. Und Pflege ist ein Teil davon.

Wie schön du das gesagt hast. So wahr! Werden wir konkret: um dich gut zu fühlen, wie sieht deine Beauty Routine morgens und abends aus?

Meine Antwort auf die vorherige Frage wirkt möglicherweise scheinheilig, wenn ich jetzt die nicht gerade wenigen Produkte aufzähle, die ich täglich verwende. Aber, um wieder ein Wort von Nora Ephron zu klauen (wirklich, kauft euch dieses Buch!), hier geht es um Instandhaltung. Ich hatte schon immer eher trockene Haut, die Jahre und besonders die letzten Monate der erhöhten Belastung (Home Office, Kita dicht, Schlaflosigkeit), haben dazu geführt, dass meine Haut wie leergesaugt ist. Gegenmaßnahme: Feuchtigkeitsspender, Feuchtigkeitsspender, Feuchtigkeitsspender. (Und viel Wasser trinken. Wenn ich daran bloß denken würde…)

Morgens: 1. Gesicht mit Thermalwasser besprühen und einem Baumwollpad reinigen (ein kleiner Luxus, den ich mir erlaube, da das Berliner Wasser so hart ist. So eine Flasche Thermalwasser wie von Uriage hält allerdings fast ewig). 2. Squalane Facial Oil von Indie Lee plus ein auf meine Haut abgestimmtes Gesichtsöl von Voyage Organics plus die Lumene Arctic Hydra Care Moisture and Relief Day Cream, die sofort einen Unterschied gemacht hat, plus etwas mit SPF, z.B. den Mineral Sunscreen von Coola. Ich teste gerade auch die Sun Drops SPF 50 von Dr. Barbara Sturm und finde Konsistenz und Wirkung wirklich überzeugend. 3. Augencreme. Entweder Banana Bright Eyecream von Ole Henriksen (deckt dunkle Augenringe ab) oder Cucumber Oil von Voyage Organics (wirkt erfrischend und abschwellend).

Abends: 1. Abschminken mit dem Chia Seed Oil Pre-Cleanser von Voyage Organics und dem Korres Wild Rose Cream Cleanser. 2. Ein reichhaltiges Öl wie Huile Végétale de Prune de Gascoigne von Universelle Buly oder Tamanu Oil von Voyage Organics, plus Skin Food von Weleda. Bin nachhaltig begeistert, dass es aus der Skin Food-Serie inzwischen auch die Body Butter gibt. Nach dem Duschen entweder die oder, allein für den Duft, Guava Body Butter von Korres.

Übrigens: Wenn ich mich über Inhaltsstoffe und deren Wirkung informieren will, ist Sali Hughes, die Beauty-Kolumnistin des Guardian, eine unverzichtbare Ressource.

Was ist mit Make-up?

Das volle Programm (das nur zehn Minuten in Anspruch nimmt, aber auch dafür hat man ja nicht immer Zeit oder Lust darauf): Teint Idole Ultra Wear Foundation von Lancome deckt hervorragend und ist trotzdem leicht. Im Sommer mische ich ein paar Tropfen Tönungsfluid von Dr. Hauschka darunter oder trage das Fluid ohne Foundation auf. Von Lancome gibt es aus der Linie Teint Idole Ultra Wear auch einen Concealer, der beste, den ich bisher gefunden habe, weil er deckt und dennoch cremig ist. Auf das Jochbein: Beauty Light Wand von Charlotte Tilbury. Blush: All Over Face Colour von Nudies in Naughty n’ Spice Blush. Brauen: Boy Brow von Glossier. Augen: Lidschatten Les 4 Ombres in Clair-Obscur von Chanel, Pro Tip Eyeliner von Glossier und Pret-a-Volume Mascara von Catrice. Wenn Lippenstift, dann seit Jahren immer wieder TOR von Uslu Airlines, das perfekte Orangerot.

Um mich im Gesicht „angezogen“ zu fühlen, reicht mir meist schon, die Brauen zu betonen und die Wimpern zu tuschen, beides Blond und ansonsten nicht sichtbar.

Du hast schöne, lange, gesunde, blonde Haare. Wie pflegst du sie und färbst du?

Beim Shampoo bin ich nicht wählerisch, aktuell benutze ich das Repair Shampoo von John Masters Organics und bin zufrieden damit. Der Conditioner, der einen Unterschied gemacht hat, war eine Empfehlung von meiner Friseurin: Alchemic Conditioner for Natural and Coloured Hair in Golden von Davines bewirkt, dass sich das Goldblond meiner (gefärbten) Haare länger hält. Ich föhne so gut wie nie, trage ins nasse Haar aber gerne das Moroccanoil Treatment Haaröl auf, damit es nicht so struppig trocknet, und ins trockene Haar dann die Supershine Moisturisung Cream von Oribe, inzwischen in homöopathischen Dosen, da meine Tube fast aufgebraucht und das Zeug so entsetzlich teuer ist (leider aber auch gut, so gut).

Bestimmt machst du auch Haarkuren und Masken, oder?

Ja, zur Beruhigung der Kopfhaut und gerade im Sommer zur Extrapflege der Haare: Neem Haarölkur von Dr. Hauschka. Ich denke selten daran, eine Gesichtsmaske zu machen, aber ich habe gerade die Supreme Moisture Mask von Nuori bekommen (und daran gedacht, sie vor dem Schlafengehen aufzutragen!) und die Haut war morgens sehr viel weniger gereizt und trocken.

Und außerhalb von zuhause, wie sieht es da aus bei dir? Machst du Facials oder so etwas?

Noch seltener als daran, eine Maske zu machen denke ich daran, zum Facial zu gehen. Aber wenn, dann bei Daniela von Treat Collection Beauty Loft, die – und das finde ich wichtig, wenn man jemanden so nah an sich ranlässt –, nicht nur angenehme Behandlungen macht, sondern ein sehr angenehmer Mensch ist. Gelegentlich gehe ich zur Pediküre und dann bei Emma auf der Marienburger Straße. Maniküre mache ich wenn überhaupt gelegentlich selbst, denn die hält eh nicht lang und ich mag das Gefühl von Gel Nails nicht. Ich gehe einmal im Jahr zum Friseur und sehe den Kostenpunkt daher in der Kategorie „Extra“. Der Grund, warum ich nur einmal im Jahr gehen muss, ist auch, dass Therese und Ruby bei Andreas Kurkowitz so sagenhaft gut Färben und Schneiden.

Hast du ein absolutes Lieblingsprodukt?

Ja, die Haargummis von Blax.

Und einen Lieblingsduft?

Auch das! Bal D’Afrique von Byredo.

Machst du Sport?

Seit anderthalb Jahren zwei Mal die Woche Original Bootcamp, eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining im Park. Ich habe auf Spruced ganz ausführlich aufgeschrieben, warum ich damit angefangen habe – und nicht wieder aufgehört, wie so oft zuvor. Gelegentlich trainiere ich zusätzlich noch ein, zwei Mal allein nach dem Bootcamp-Programm, gerade in der Isolationszeit hat es mir viel (mentale) Kraft gegeben, mich körperlich zu verausgaben.

Viele Mütter fühlen sich nach der Geburt erst Mal alles andere als schön. Was rätst du ihnen?

Seid gnädig mit euch. Seid gütig zu euch. Seid nicht ungeduldig mit eurem Körper, DER GERADE EIN KIND GEBAUT HAT. Man kann es (sich) nicht laut genug oder oft genug sagen. Mach dich nicht fertig, wenn du sechseinhalb Minuten nach der Geburt in keine Jeans passt, wenn die Brüste gen Knie wandern und die Augenringe gen Kinn, wenn dein Körper dir plötzlich nicht mehr vertraut ist. Es wird eine andere Zeit kommen. Aber jetzt? JETZT HAT DEIN KÖRPER GERADE EIN KIND GEBAUT. Die Zeit nach der Geburt ist eh schon so aufreibend, zehrend, schlaflos, dass man sich bitte, bitte, bitte nicht unter Druck setzen sollte, gleichzeitig ein unangebrachtes Idealbild zu verkörpern und deswegen womöglich nicht zu genießen, was diese Zeit nämlich auch ist: Magisch.

All das würde ich mir selbst zumindest im Nachhinein sagen. Was darüber hinaus hilft: Duschen. Oh, wie sehr ich das genossen habe. Oh, wie ich darauf bestanden habe, Zeit allein im Bad zu bekommen und sei es nur für zehn Minuten.

Findest du, dass das Kinderkriegen dich optisch verändert hat?

Die Kaiserschnittnarbe werde ich immer behalten, alles andere, da bin ich mir fast sicher, hätte sich in den letzten sechs Jahren auch so verändert.


Mit was für einem Schönheitsbild bist du aufgewachsen?

Meine Mama hat nie direkt mit mir über ein Schönheitsbild gesprochen, sie hat es mir vielmehr vorgelebt. Und vielleicht war ihr, und auch mir, dabei gar nicht bewusst, wie sehr mich das geprägt hat und trotz all meiner Selbstzweifel bestärkt hat. Sie hat sich nie mit Radikaldiäten traktiert, sie hat nie abwertend über ihren oder meinen Körper gesprochen, sie hat mich einfach machen lassen, als ich es als schön empfand, meine Haare mit Henna quietschrot zu färben. Make-up hatte keine große Wichtigkeit, aber sie hat, wie auch ihre Mutter, meine Mormor, immer darauf Wert gelegt, gepflegt auszusehen. Die Bedeutung, die sie damit ihrer Erscheinung gaben und geben – zum Beispiel: auf Flugreisen sieht man dem Anlass angemessen aus und nicht als läge man schon am Pool –, hat für mich mehr mit Haltung als mit einem Schönheitsbild zu tun. Ich denke gerade daran, dass meine Mormor auch während ihrer Chemo immer die Fingernägel gefeilt und bunt lackiert hatte. Ich habe sie nicht gefragt, aber ich denke, weil sie dieses kleine Ritual an eine andere Normalität als das Kranksein erinnert hat und ihr Selbstrespekt gab. Diese kleinen Aufmerksamkeiten an sich selbst, nicht nur in schwierigen Lebensphasen, das habe ich mir sicher von den beiden abgeschaut. Ich lege vor wichtigen Telefonaten jedenfalls immer roten Lippenstift auf.

Wie großartig! Und gibt es etwas, was du deinem Sohn in dieser Hinsicht weitergeben möchtest?

Vermutlich sind die Sorgen, die man sich bei einem Sohn in Hinblick auf Körperbild und Selbstverständnis macht, andere als bei einer Tochter. Aber ich denke was gleich ist, ist der Wunsch, einen Menschen darin zu bestärken, dass er sich nie klein oder ausgeschlossen fühlen muss. Dass sein Anderssein ihn nicht weniger wichtig oder wertvoll macht. Dass er, genauso wie er ist, gut genug ist.

Danke, Marlene!!

Kommentare