Mehr Pflichten für Väter? JA. Aber wir brauchen auch mehr Väterrechte.

06. June 2019 | in Gesellschaft

Es kommt mir vor als hätte ich in den letzten Wochen sehr stark dazu aufgerufen, dass sich Väter gefälligst mal mehr um ihre Kinder, ihre Frauen, den Haushalt und so weiter kümmern sollen. Sei es in unserer 50/50 Serie (die übrigens bald weitergeht), in diesem oder in diesem Artikel.

Und es stimmt ja auch: Ich bin tatsächlich der Meinung, dass aktivere Väter, die Elternzeit nehmen, sich selbstverständlich am Haushalt und allen Aufgaben, die so anfallen, beteiligen, der Schlüssel zum Glück sind. Die vielen angestrengten Mütter da draußen würde es viel weniger geben, wenn sie nicht immer alles zuhause alleine machen müssten. Das Gender Pay Gap wäre vermutlich kleiner, wenn mehr Männer anpacken würden und wenn alle Pflichten, die mit einer Familie einhergehen, geteilt würden.

In diesem – sehr lesenswerten – Artikel in der Süddeutschen steht: “Frühere Untersuchungen zeigen, dass Frauen entgegen dem Klischee weder durch Heirat oder Schwangerschaft beruflich an Ehrgeiz verlieren. Es ist vielmehr die Doppelbelastung, die sie entmutigt – und eine auf männliche Karrieren fixierte Firmenkultur.” Vor kurzem sagte mir jemand: Aber viele Frauen wollen einfach nicht so viel arbeiten, sie definieren sich nicht so über den Beruf. Darüber habe ich lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sowohl Männer als auch Frauen gibt, denen ihre Karriere nicht so wichtig ist. Das ist ja auch völlig okay so. Aber es sind eben fast immer die Frauen, die sich dem System beugen, weil es eben so ist, wie es ist. Weil man als Frau (und Mutter) bestraft wird, wenn man erfolgreich ist und als Mann belohnt. Auf der anderen Seite gibt es sicherlich bei Männern auch den gesellschaftlichen Druck, das Mammut zu erlegen und die Familie zu versorgen.

Vaterschutz

Aber wenn wir mehr Pflichten für Väter fordern, dann brauchen wir auch mehr Rechte. Bisher ist unser ganzes System auf die MUTTER ausgelegt. Mutterschutz ist so ein Beispiel. Warum gibt es keinen Vaterschutz? Wenn ein Kind in eine Familie kommt, dann geht es in der ersten Zeit und in den letzten Wochen der Schwangerschaft nicht nur darum, ein Kind zu gebären und den weiblichen Körper von den Strapazen zu erholen. Es geht um einen guten Start als neue Familie, und den bereiten nicht nur Mutter und Kind alleine, sondern alle zusammen. Ganz abgesehen davon, dass die Mutter so viel Hilfe wie möglich gebrauchen kann, von Verwandten, Freunden – und in erster Linie von ihrem Partner. Es ist ein Unding, wenn Väter direkt nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten gehen, finde ich. Gäbe es einen gesetzlichen Vaterschutz, würden auch die beruflichen Karten nicht so ungleich verteilt. Denn das Risiko “Ausfall nach Schwangerschaft” hätten Väter dann genauso wie Mütter. Wie lange dieser Vaterschutz ist, spielt eigentlich gar keine so große Rolle. Zwei Wochen vor und vier Wochen nach der Geburt wäre mein Vorschlag.

Kündigungsschutz

Es ist natürlich jetzt schon so, dass Väter direkt Elternzeit beantragen können und Urlaub, um nach der Geburt da zu sein. Aber Verbindlichkeiten wären doch eine tolle Sache. Dazu kommt: es gibt zwar während der Elternzeit einen Kündigungsschutz für Väter, davor jedoch nicht. Während Frauen sobald sie schwanger werden, geschützt sind, gilt das für Männer nicht. Für sie gilt der Schutz erst, wenn der Antrag auf Elternzeit gestellt wurde und frühestens acht Wochen, bevor diese beginnt. Und da es in vielen Unternehmen und Institutionen leider immer noch Usus ist, dass Männer diskriminiert werden, wenn sie in Elternzeit gehen, müssen diese also tatsächlich um ihren Job bangen, falls der Arbeitgeber von den Elternzeitplänen Wind bekommt. Das kann doch nicht wahr sein, oder? Auch hier: ein Kündigungsschutz für werdende Eltern, egal welches Geschlecht sie haben, wäre die Lösung. Und auch hier wieder: Frauen würden dann auch einfach die gleiche Ausgangsposition wie Männer haben. Bisher ist es so, dass jede Frau im gebärfähigen Alter ein potentielles Risiko ist. Denn sie könnte ausfallen. Wenn etwas Ähnliches für Männer gelten würde: es wäre einfach fairer.

Vaterzeit als Pflicht

Und zuletzt die Elternzeit: Ja, ich finde, wir brauchen eine Pflicht-Elternzeit für Väter. Das können von mir aus auch nur drei Monate sein, aber sie sollten eben verbindlich sein. Unsere Geschlechterrollen sind so verkrustet, es ist in so vielen Köpfen so drin, dass der Vater der Ernährer und die Mutter die Kümmernde ist, dass Haushalt Frauensache ist und Kinder eigentlich auch. Ich glaube, wir bekommen dieses Denken nicht aus den Köpfen heraus, wenn es nicht gewissen gesetzliche Regelungen gibt. Eine Pflicht-Vaterzeit gehört dazu.

Nur wenn alle Geschlechter die gleichen Rechte und Pflichten haben, können wir wirklich von Wahlfreiheit sprechen. Denn wie sich am Ende das Familienleben gestaltet, wer was übernimmt, wer wie viel arbeitet – das darf natürlich jede Familie selbst entscheiden. Im Moment sind aber die Rahmenbedingungen so, dass es immer wieder zwangsweise die Frau ist, die zuhause bleibt. Weil er mehr verdient, weil sein Job es nicht zulässt, weil es sich dank Ehegattensplitting und kostenloser Mitversicherung einfach anbietet. Erst wenn das alles weg ist, können wir von wahrer Wahlfreiheit sprechen.

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